Forschergeist Archiv
101 Episoden
1 Stunde 25 Minuten
Die Zukunft der Menschen findet in den Städten statt. Inzwischen leben 80 Prozent der Deutschen hier. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Gesundheit der Stadtbewohner? Und wie lässt sich der urbane Lebensraum nachhaltiger gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Claudia Hornberg , Gesundheitswissenschaftlerin an der Uni Bielefeld. Sie hat einige Jahre lang eine Forschungsgruppe an der Universität Bielefeld geleitet– unterstützt von der Fritz und Hildegard Berg-Stiftung. Die Bielefelder Forscher interessiert vor allem, welche Lebensbedingungen in Städten herrschen und wie sie sich auf die Gesundheit auswirken. Was erhält in Städten gesund? Gesundheit ist ein hohes Gut. Der Gesundheitsbereich ist gleichzeitig ein Innovationstreiber und Wirtschaftsfaktor. Städte und Regionen können viel für die Gesundheit ihrer Bürger erreichen: Sie können gesundheitsfördernde Umgebungen schaffen, Gesundheitsvorsorge betreiben, die Forschung stärken und die medizinische Versorgung verbessern. Doch die Gesundheitssysteme stehen vor immer neuen Herausforderungen: Eine wie auch immer geartete Gesundheitsstadt von morgen muss deshalb Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen überwinden. Wie können sich Regionen und Städte zu Gesundheitsmodellen entwickeln? Wie viel technisch-medizinischer, wie viel gesellschaftlicher Fortschritt, wie viel politischer Wille ist dafür notwendig?
1 Stunde 32 Minuten
Der Geobiologe Reinhold Leinfelder vertritt die These, dass die Menschheit die Erde in ein neues geologisches Zeitalter geführt hat. Leinfelder gehört einem internationalen Expertengremium an, das empfohlen hat, das Erdzeitalter des Holozäns für beendet zu erklären. Nach dem Urteil der Wissenschaftler ist diese Epoche, die vor ca. 11.700 Jahren begann und stabilen Umweltbedingungen geprägt war, bereits um das Jahr 1950 einer neuen geologischen Ära gewichen, dem vom Menschen geprägten Anthropozän. Für die Etablierung einer neuen erdzeitlichen Epoche reicht die Einsicht nicht, dass der Mensch offensichtlich zu einem prägenden Faktor der Biosphäre geworden ist. Dieser prägende Einfluss muss sich durch eindeutig nachweisbare sedimentäre Befunde ausweisen lassen. Folgt man den Forschern, schlägt sich der menschliche Einfluss z.B. bei der Beschleunigung von Erosions- und Sedimentierungsprozessen, der Verbreitung von Plastik, Aluminium, künstlichen Radionukleiden und Flugasche oder durch Klimaveränderungen mit Auswirkungen auf den Meeresspiegel nieder. Wie geht es weiter mit dem Antropozän? Leinfelder sagt: „Sollten wir Menschen in einer Zeit, in der nicht nur die Umweltzerstörung, sondern auch das Wissen über die zugrundeliegenden Prozesse gestiegen ist, nicht dazu fähig sein, das Anthropozän so zu gestalten, dass die planetaren Grenzen des Erdsystems nicht gefährdet werden, indem wir uns als Teil eines Gesamtsystems verstehen, das es zu erhalten gilt?“
1 Stunde 23 Minuten
Der Rechtswissenschaftler Benjamin Lahusen erforscht, wie die deutsche Rechtsprechung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs funktionierte – und wie zahlreiche Prozesse erstaunlich nahtlos in der jungen Bundesrepublik fortgeführt wurden. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Frage, wie politische Zäsuren im Recht verarbeitet werden. Noch im Februar 1945 schrieb Reichsjustizminister Otto Thierack an alle Gerichte, bei Feindannäherung erwarte er von seinen Behördenleitern, dass „in ihren Geschäftsbereichen in voller Ruhe“ weitergearbeitet werde. Obwohl die Gerichte unter Personalmangel litten, nicht selten in zerstörten Gebäuden tagten und Akten teilweise verbrannt waren, gab es kurz vor Kriegsende kaum einen Fall, der für die Justiz zu unbedeutend gewesen wäre. Deutsche Gerichte fällten in dieser Zeit nicht nur die sattsam bekannten Todesurteile; auch Ehescheidungen, Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Straßenverkehrsdelikte verhandelten sie mit stoischem Gleichmut weiter. Benjamin Lahusen leitet derzeit die wissenschaftliche Nachwuchsgruppe „Die Verwaltung von Normalität. Deutsches Recht und deutsche Gesellschaft, 1944–1952“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2012 wurde er in das Stipendienprogramm der Daimler und Benz Stiftung aufgenommen, 2014 wurde er Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung. (Foto: Mirko Krenzel/ VolkswagenStiftung)
1 Stunde 53 Minuten
Die freie Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von (öffentlichen) Daten ist immer noch ein Desiderat. Auch wenn die „Befreiung“ von Daten in jüngerer Zeit Fortschritte gemacht hat, tun sich gerade hierzulande immer noch große Widerstände auf. Im „Global Open Data Index“ befindet sich Deutschland nur auf Platz 26. Es gibt also noch viel zu tun, auch und gerade im Bereich von Wissenschaft und Forschung. Wir sprechen deshalb in dieser Folge mit Pavel Richter, der lange Zeit Geschäftsführer von „Wikimedia Deutschland“ war und heute in gleicher Funktion bei „Open Knowledge International“ tätig ist. Dort setzt er sich dafür ein, offenes Wissen zu erzeugen und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Nutzung und Verbreitung zu unterstützen.
1 Stunde 45 Minuten
Es ist paradox: Zum einen ist Forschung – sowohl in Hochschulen als auch außeruniversitären Einrichtungen - zu großen Teilen nationalstaatlich organisiert und finanziert. Zum anderen versteht sich Forschung von jeher als supranational oder genauer: universal. Die Internationalisierung der Forschung, wie sie sich in internationalen Kooperationen manifestiert, feiert seit den 1980er-Jahren einen unaufhaltsamen Aufschwung. Das kommt nicht von ungefähr: Internationale Ko-Autorenschaften in Zeitschriftenaufsätzen werden stärker wahrgenommen und häufiger zitiert als nationale. Für Wissenschaftler, die ihre Reputation steigern wollen, sind internationale Kooperationen also überaus attraktiv. Für Forschungsinstitute ist es dagegen attraktiv, namhafte Wissenschaftler an sich zu binden. Der globale „War for Talents“ ist in vollem Gange. Spitzenleute werden weltweit mit attraktiven Forschungsbedingungen und guten Gehältern gelockt. Auch Hochschulen, die in wichtigen Rankings reüssieren wollen, bewegen sich längst in internationalen Gefilden: (steuerfreie) Hochschulableger in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Saudi-Arabien sind keine Seltenheit mehr und sowohl der internationalen Strahlkraft von Universitäten hilfreich als auch dem Wunsch jener Länder, Teil der internationalen Wissenschaftsgesellschaft zu werden. Bei all dem wird deutlich: Die internationale scientific community ist ein knallharter Wirtschaftszweig geworden. Dagegen nehmen sich die Anstrengungen der auf die Stärkung der nationalen Forschung an deutschen Hochschulen ausgerichteten Exzellenzinitiative fast ein wenig provinziell aus. Wie sich hingegen der Brexit auf die britische Forschung auswirken wird, ist einstweilen noch etwas unklar. Die Befürchtungen vieler britischer Forscher, international ins Hintertreffen zu geraten, sind aber sicher nicht unbegründet.
1 Stunde 37 Minuten
Die Molekularbiologin Julia Offe kann für sich in Anspruch nehmen, die Wissenschaftskommunikation in Deutschland entscheidend belebt zu haben. Mit dem zuvor weitgehend unbekannten Format der „Science Slams“ holte sie die Wissenschaft aus den Laboren auf die Bühne. Denn – so die Idee – Forschungsthemen witzig und unterhaltsam in zehn Minuten vor Publikum zu präsentieren, kann durchaus helfen, auch wissenschaftsferne Mitmenschen für Forschung zu begeistern. Science Slams gibt es mittlerweile in der ganzen Republik und zum Glück finden sich mittlerweile auch genug Wissenschaftler, die hier gerne mitmachen. Denn - so erzählt uns Julia Offe – für ihren ersten Science Slam im Jahr 2009 war es gar nicht so einfach, geeignete und willige Teilnehmer zu finden. Und so sprechen wir in dieser Folge über Didaktiker, die nicht präsentieren können, über die Schwierigkeit, Wissenschaft witzig und gleichzeitig fundiert zu präsentieren, über Globuli und die GWUP, und warum gute Wissenschaftskommunikation dabei helfen kann, antiwissenschaftliche Scharlatane in Schach zu halten.
1 Stunde 43 Minuten
2016 jährt sich der Todestag von Werner Heisenberg zum vierzigsten Mal. Der Physiker und Philosoph (1901 – 1976) veränderte mit seiner „Quantenmechanik“ das bis dahin von Newton geprägte mechanistische Weltbild der Physik von Grund auf. Aber nicht nur das: Die Quantenmechanik bestimmt auch die Welt, wie wir sie kennen: mit Mikrochips und Computern, aber auch mit Atomkraft und –bomben. Wie dieser beispiellose Durchbruch gelang, schildert der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer in dieser Episode. Fischer hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken Werner Heisenbergs auseinandergesetzt. Er bringt uns einen Mann näher, der über scheinbar unendliche Talente und Fähigkeiten verfügte. Das Mathe-Genie oder den Künstler, der zum Denken vor allem ein Klavier und Beethoven brauchte, den unerschrockenen Jungspund, der Nobelpreisträger in der Vorlesung belehrte oder die griechischen Klassiker im Original las. Vor allem erzählt er uns von jener schicksalhaften Nacht auf Helgoland. Dorthin war der heuschnupfengeplagte Heisenberg im Juni 1925 geflüchtet, um sich ein weiteres Mal mit den verwirrenden Geheimnissen im Innern der Atome zu beschäftigen. Und hier in dieser Nacht – wir stellen sie uns sturmumtost und magisch vor – gelingt ihm endlich der wissenschaftliche Durchbruch: Er findet die Sprache, mit der Atome beschrieben werden können und ihre Quantensprünge verständlich werden. Heisenberg steigt auf einen Fels an der Steilküste und beobachtet ergriffen den Sonnenaufgang. Und wir lauschen ergriffen dieser Folge über einen außergewöhnlichen Forschergeist.
1 Stunde 39 Minuten
Was bringt jemanden dazu, eine neue Hochschule zu gründen? Was treibt einen an, in einem Land voller Bildungsinstitutionen etwas zu wagen, das sich stark vom Herkömmlichen unterscheidet? Silja Graupe und ihre Mitstreiter verstehen sich als Bildungsbürger der ganz anderen Art, und sie haben es einfach getan: Sie gründeten mit der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues eine staatliche Hochschule in freier Trägerschaft. Sie taten das ohne einen großen Finanzier im Hintergrund, aber ausgestattet mit Überzeugung, Mut und viel Erfahrung im und mit dem etablierten Wissenschaftssystem.
1 Stunde 37 Minuten
Wie weltfremd darf Wissenschaft sein? Wie weltzugewandt soll eine Hochschule sein? An der Hochschule Bremerhaven hat sich der Ökonom Michael Vogel viele Gedanken über diese Fragen gemacht. Für ihn ist klar: Hochschulen – und mit ihnen vor allem die Studierenden – müssen sich bewusst werden, dass sie eine besondere Rolle für die Gesellschaft spielen. Diese Rolle müssen sie aktiv gestalten. Michael Vogel hat das mit dem Sozialprojekt namens „Die Zeitschrift der Straße“ (und dem Folgeprojekt „Uni der Straße“) getan. Das Bremer Straßenmagazin wird gemeinsam von Studierenden, Journalisten, sozial Engagierten, Hochschullehrern, Wohnungslosen und von Armut bedrohten Menschen gemacht. Wie schwierig es war, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen, Studierende und andere Partner dafür zu begeistern, das Projekt gegen alle Arten von Widerständen weiterzuentwickeln, davon erzählt uns Michael Vogel in dieser Episode. Und so lernen wir mit ihm, dass Bremerhaven beileibe kein Kreuzfahrerparadies ist, sondern ein Ort voller sozialer und wirtschaftlicher Probleme. Gerade hier, an den Rändern der Republik, steht eine Hochschule unter dem Druck, nicht nur klassischer Ort für Bildung und Forschung, sondern auch für soziale und wirtschaftliche Innovationen zu sein. Als Hochschule erfolgreich zu sein, bedeutet hier auch, dazu beizutragen, eine schwierige Region mit außergewöhnlichen Ideen zu stärken.
1 Stunde 59 Minuten
An der Mathematik scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie ein rotes Tuch und Alptraum der Schulzeit, für die anderen ist sie Inspiration, Herausforderung und Kunst zugleich. Zu den bedingungslosen Mathe-Begeisterten gehört zweifellos Günter M. Ziegler. Er ist nicht nur einer der bekanntesten Mathematiker in Deutschland, sondern zugleich auch einer ihrer glühendsten Fürsprecher. Kaum ein anderer vermag so kompetent und fesselnd über die Bedeutung der Mathematik zu referieren wie der vielfach ausgezeichnete Forscher aus Berlin. Und so nimmt er uns in dieser Folge mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte und die Mysterien der Mathematik. Wir sprechen über den berühmten Ishango-Knochen und die Geburt der Mathematik, über Holzwege, die zum wissenschaftlichen Streben dazugehören, und wir lernen, dass Mathematik sowohl olympisch als auch diskret sein kann.
1 Stunde 53 Minuten
Der Konfliktforscher Andreas Zick ist in diesen aufgeheizten Zeiten ein gefragter Mann: Er eilt unermüdlich durch die Republik, von Vortrag zu Vortrag, von Interview zu Interview. Denn Gesellschaft und Medien haben viele Fragen an den Wissenschaftler: Wie konnte die politisch weitgehend stabile, prosperierende Nachkriegsrepublik sich in so kurzer Zeit so stark radikalisieren? Wieso fallen extreme politische Meinungen auf so fruchtbaren Boden, wieso radikalisieren sich junge Menschen, wieso sind Gewalt gegen ethnische oder religiöse Minderheiten und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mittlerweile allgegenwärtig? Zu all diesen Themen forscht der gelernte Sozialpsychologe Andreas Zick am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld. Und so reden wir in dieser Folge über Pyros in Fußballstadien, über Hogesa, Pegida, Hate Speech und die Ursachen dieser Phänomene. Andreas Zick erläutert mögliche Lösungsansätze, wie Gesellschaft und Demokratie mit Hass, Gewalt und Extremismus umgehen kann und wie man als Wissenschaftler all diese sensiblen Themen verantwortungsvoll in der Öffentlichkeit kommuniziert.
1 Stunde 27 Minuten
70 Prozent der Erde sind von Meer bedeckt, davon sind mehr als 90 Prozent Tiefsee. Es ist der größte Lebensraum, das größte Ökosystem der Erde. Dennoch ist unser Wissen über dieses System immer noch äußerst gering, sagt die Hamburger Meeresforscherin Angelika Brandt. So sind deutlich weniger Meeresorganismen als Landlebewesen bekannt. Ihre Aufmerksamkeit konzentriert sich deshalb auf die marine Biodiversität und ihre Erforschung. Und so begeben wir uns in dieser Folge gemeinsam mit Angelika Brandt auf eine Expedition: Doch bevor wir mit ihr das Forschungsschiff „Sonne“ betreten, erfahren wir von den oftmals jahrelangen Planungen und Vorbereitungen einer solchen Expedition, von Forschungsanträgen und minutiös zu planenden Logistik-Aufgaben: Schiffszeiten müssen ausgerechnet, internationale Mannschaften zusammengestellt, Container müssen verschifft, Gefahrgutdeklarationen gemacht werden etc. Auch die Expedition selbst ist beileibe keine Kaffeefahrt: Angelika Brandt erzählt von von anstrengenden 24-Stunden-Schichten, dem Forscher-Stress bei anhaltend schlechtem Wetter, schwierigen Tauchoperationen und der herausfordernden Aufgabe, multinationale Forscherteams zu koordinieren. Aber wenn dann achtern ein Buckelwahl kreuzt, zücken auch Tiefseeforscher beglückt ihre Kameras.
1 Stunde 41 Minuten
Moorforschung hat in Greifswald Tradition: Schon 1826 wurden hier erste torfbotanische Untersuchungen publiziert. Heute gehört Hans Joosten von der Uni Greifswald zu den führenden Moorforschern in Deutschland. In dieser Episode erzählt er uns davon, wie er sich schon von Jugend an für das Moor und seine Erforschung begeistert hat. Kein Wunder: Ist er doch als Niederländer direkt „im Moor geboren“. Doch wäre Hans Joosten nur unzureichend beschrieben, wenn man ihn ausschließlich als Forscher wahrnähme. Denn er war immer schon politisch aktiv. Die weltweite Zerstörung der Moore und ihre unübersehbaren Auswirkungen auf das Weltklima trieben ihn derart heftig um, dass er vor seiner Greifswalder Zeit die „aggressivste Moorgruppe der Niederlande“ gründete, wie er der „taz“ einmal anvertraute, um mit hunderten von Verfahren wegen nicht beachteter Moorschutzgesetze für das Thema zu sensibilisieren. Heute ist er Generalsekretär der Internationalen Moorschutzorganisation und arbeitet auch im Rahmen des Weltklimarates der Vereinten Nationen (IPCC) zum Thema Moore. Etwa 50 Wissenschaftler und Experten sind in der Greifswalder Moorforschung tätig und leisten wichtige Forschungsbeiträge, etwa zur Klimarelevanz der Moore: Denn Moore machen zwar nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, speichern jedoch mehr CO2 als der gesamte Waldbestand der Erde. Und so sprechen wir munter über Windmühlen, Polder, Spreewaldgurken, über neue Anforderungen an die Landwirtschaft, indonesische Minister und die schwierige Kultivierung von Sümpfen (=Paludikultur).
1 Stunde 28 Minuten
Die präklinische Biomedizin hat ein Qualitätsproblem, sagt unser Gesprächsgast Ulrich Dirnagl. Der renommierte Schlaganfall-Forscher von der Berliner Charité hat Hunderte Fachveröffentlichungen zu Schlaganfall und Krebs untersucht und ist zu alarmierenden Erkenntnissen gekommen: Die Studien-Ergebnisse sind oftmals nicht reproduzierbar, Protokolle sind lückenhaft, wichtige Daten nicht verfügbar. Hinzu kommen Mängel im Design und der Auswertung von experimentellen Studien, wie zum Beispiel das Fehlen von randomisierter (also zufallsgesteuerter) Versuchsgruppen-Zuordnung, fehlende oder fehlerhafte Anonymisierung ("Verblindung"). Es gibt eine starke Tendenz zur Veröffentlichung von nur scheinbar vielversprechenden Resultaten. Wir sprechen darüber, was die Ursachen für eine solche Entwicklung sind: Wie groß muss der Erfolgsdruck bei Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Einrichtungen sein, wenn permanente Verstöße gegen gutes wissenschaftliches Arbeiten zur Regel werden? Wie fehlgesteuert sind die Belohnungssysteme und Karrierewege in der akademischen Forschung? Neue Ansätze der Auditierung und des Monitoring, Veröffentlichung von Originaldaten, mehr Kontrolle durch Journale könnten aus der Misere herausführen.
1 Stunde 21 Minuten
Ein weiteres Mal beschäftigen wir uns mit der Wissenschaftsgeschichte und richten den Blick auf einen wahren Forschergeist: Gottfried Wilhelm Leibniz. Leibniz - dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 300. Mal jährt - war als Universalgelehrter in seiner Zeit eine der herausragenden Persönlichkeiten und hat die moderne Wissenschaft in technischer, wissenschaftlicher, philosophischer und auch politischer Hinsicht stark geprägt. Wir sprechen mit dem deutschen Mathematik- und Wissenschaftshistoriker Eberhard Knobloch, einem der führenden Kenner von Leibniz' Gesamtwerk, der für uns Werdegang, Schaffen und Bedeutung von Leibniz beleuchtet.