Steppenkinder - der Aussiedler Podcast Archiv
46 Episoden
52 Minuten
Eine Flasche Wein, kein Konzept – wir sprachen über eines unserer Lieblingsthemen und haben ganz spontan auf den Aufnahmeknopf gedrückt. In dieser Folge teilen wir Tipps zum Familienforschen und erzählen die Geschichten aus unseren Familien, die uns zum Staunen gebracht haben. Warum und wie haben wir angefangen, nach unseren Wurzeln zu suchen? Was fasziniert uns an diesem Thema und welche Empfehlungen haben wir für Menschen, die mehr über ihre Familiengeschichte erfahren möchten? Antworten auf das und einiges mehr finden sich in dieser sehr persönlichen Folge. Wer unsere Weihnachtsfolge mochte, wird diese hier lieben.
1 Stunde 9 Minuten
80 Jahre nach der Deportation der Russlanddeutschen in der ehemaligen Sowjetunion verstummen die Stimmen der Zeitzeuginnen und -zeugen allmählich. Eine neue Generation meldet sich zu Wort. Sie möchten an ihre Großeltern und Eltern erinnern und sucht ihren eigenen Zugang zu diesem schmerzvollen Kapitel russlanddeutscher Geschichte. In dieser Spezialfolge in Kooperation mit www.dekoder.org sprechen Ira und Edwin mit dem Historiker Dr. Hans-Christian Petersen über die Fakten und den Forschungsstand zur Deportation der Russlanddeutschen. Die Autorin und Bloggerin Melitta L. Roth teilt mit uns, welche Ereignisse die Geschichte ihrer Familie in der Kriegszeit bestimmten und wie das Erlebte bis heute fortwirkt. Zentrale Fragen dieser Folge sind auch das Gleichgewicht zwischen dem Opfer- und Täternarrativ in Zusammenhang mit der Deportation der Russlanddeutschen sowie der Platz der russlanddeutschen Geschichte im bundesdeutschen Erinnern.
60 Minuten
Was muss in Deutschland bekannt sein, um die Geschichte der Russlanddeutschen zu verstehen? Wer ist berechtigt, die Geschichte dieser Gruppe weiterzutragen? Wo wird russlanddeutsche Kultur und Geschichte in Deutschland und den Herkunftsländern der Russlanddeutschen wie die Ukraine, Kasachstan oder Russland sichtbar? Im Podcast-Gespräch mit der russlanddeutschen Journalistin Katharina Heinrich und dem Historiker Dr. Dmytro Myeshkov ((https://www.ikgn.de/cms/index.php/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen/dr-dmytro-myeshkov)) vom Nord-Ost-Institut in Lüneburg gehen die Herausgeber*innen des Steppenkinder-Podcasts Ira Peter und Edwin Warkentin diesen Fragen nach. Heinrich bringt ihre persönlichen Erfahrungen als Kind deportierter Deutscher in Kirgistan ein, während Myeshkov einen Überblick über den internationalen Forschungsstand und die Zukunft des Themas Russlanddeutsche in der Geschichtsschreibung gibt.
40 Minuten
Was Herkunft und Heimat für den Schriftsteller Wladimir Kaminer bedeuten und was es mit der Germanisierung der Russlanddeutschen rund um das Hermannsdenkmal in Detmold auf sich hat – darüber sprechen wir mit dem gebürtigen Moskauer und Wahlberliner in dieser Folge. Kaminer hat 1990 die Sowjetunion verlassen und ist in Deutschland für seine zahlreichen Bücher, darunter "Russendisko" und "Mein deutsches Dschungelbuch", Kolumnen und TV-Auftritte bekannt.
47 Minuten
Wenn man in Deutschland Irina, Dilek, Viktor oder Edwin mit Vornamen heißt, dann hört man häufig die Frage: Woher kommst du eigentlich wirklich? Wie wichtig ist die Herkunft in einem Einwanderungsland wie Deutschland, wo jede*e Fünfte eine Migrationsgeschichte hat? Wer bestimmt, was Heimat ist und wer Deutschland eine solche nennen darf? In der neuen Folge haben wir mit Dilek Güngör und Viktor Funk über solche und weitere Fragen gesprochen. Dilek Güngör ist Journalistin und lebt in Berlin. Geboren wurde sie in Schwäbisch Gmünd, ihre Eltern sind aus der Türkei nach Deutschland eingewandert. Viktor Funk ist ebenfalls Journalist. Als Jugendlicher kam er mit seiner russlanddeutschen Familie aus Kasachstan nach Deutschland. Beide sind Autor*innen und beschäftigen sich in ihren autobiographischen Romanen mit ihrer Herkunft und dem Streben nach Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft. Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold anlässlich unserer Lesung mit Dilek Güngör und Viktor Funk, die am 27. Juni 2021 in Detmold stattfinden wird und die ein Beitrag zum „Experiment Heimat“, einem Projekt der Literaturbüros in Westfalen, ist.
31 Minuten
In den 1990er war es der schlagende Trunkenbold, 2017 dann der rechtswählende Wutbürger – das Bild der Russlanddeutschen in den Medien war in der Vergangenheit oft von negativen Schlagzeilen geprägt. Doch zunehmend gelingt Journalist:innen – teils selbst mit russlanddeutschen Wurzeln – eine differenziertere Berichterstattung über diese in Wahrheit sehr heterogene Gruppe. In dieser Folge sprechen wir mit Tamina Kutscher, Chefredakteurin von Дekoder, über diesen Wandel und darüber, wie das aktuelle Дekoder-Projekt „Russlanddeutsches Diarama“ diesen unterstützt.
1 Stunde 4 Minuten
Ja ne budu sebe Gedanken delat‘ – Kennstdu auch solche halb deutschen, halb russischen Sätze? Das ist „Aussiedlerich“, sagt Dr. Katharina Dück. Sie ist Sprachwissenschaftlerin am Leibniz-Institut für deutsche Sprache in Mannheim, Künstlerin und Wissenschaftsphilosophin. In der neuen Podcast-Folge erklärt sie uns, was wissenschaftlich gesehen Muttersprache ist und warum dieser Begriff so schwierig ist. Außerdem berichtet sie über ihre Reise nach Georgien, wo sich nach Sprecher*innen des Kaukasiendeutschen suchte und erklärt uns, wie beispielsweise das Russische, Kasachische oder Georgische die Sprache der deutschen Minderheit in der ehemaligen Sowjetunion beeinflussten. Hat zweisprachige Erziehung Vorteile und wie wird die russische Sprache in Deutschland wahrgenommen? Außerdem stellt Katharina uns eines ihrer Gedichte über ihre Herkunft aus Kasachstan vor. Zusätzlich haben wir ein Interview eingebaut mit Dr. Heinrich Siemens: Als ein Sprecher und Förderer des Plautdietschen - des sogenannten Monnonitenplatts - gibt er einen Überblick über diese in Deutschland geschützte Minderheitensprache und ihre Sprecher*innen weltweit.
42 Minuten
Zuwandernde aus Polen, speziell aus der Grenzregion Oberschlesien, stellten bis Ende der 1980er Jahre die größte Gruppe der AussiedlerInnen in Deutschland dar. Ihre Geschichte unterscheidet sich von der der AussiedlerInnen aus der ehemaligen Sowjetunion, es gibt aber auch viele Gemeinsamkeiten: Die Erfahrung in einem sozialistischen Land als Minderheit gelebt zu haben, Auswanderung nach Deutschland und Integration. Mit Karoline Gil, die zur mitgebrachten Generation der AussiedlerInnen aus Polen zählt, und Hartmut Koschyk, dem ehemaligen Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung und selbst Kind vertriebener Oberschlesier, sprechen wir in dieser Folge über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen zwei Gruppen sowie über Themen der deutschen Minderheit im jetzigen Polen.
50 Minuten
Bolat Atabajew gilt als deutschester Kasache in Kasachstan und wegen seines politischen Engagements als „enfant terrible“ der ehemaligen Sowjetrepublik. Der 1952 im Süden Kasachstans geborene Theaterregisseur studierte unter anderem in Leipzig Germanistik und war lange Zeit künstlerischer Leiter des Deutschen Theaters in Sowjet-Kasachstan. Vor neun Jahren hat er aus politischen Gründen Kasachstan verlassen und lebte bis März 2021 in Deutschland. Seitdem ist Bolat Atabajew wieder in Kasachstan. Kurz vor seiner Rückkehr gab er uns noch dieses Interview. Über sein politisches Engagement in der Perestrojkazeit für die Russlanddeutschen und in jüngerer Vergangenheit für mehr Gerechtigkeit in seinem Geburtsland, erzählt er in diesem Interview ebenso schonungslos wie über die Ungerechtigkeiten, die Deutschen in seinem Umfeld widerfuhren. Wie der mit der Goethe-Medaille ausgezeichnete Regisseur von der Deportation der Russlanddeutschen nach Kasachstan erfuhr und welche seiner Kindheitserinnerungen wir besonders bewegend fanden, erfahrt ihr in dieser Folge.
39 Minuten
Nur vier Prozent der Aussiedler aus Kasachstan gehen in Deutschland einer beruflichen Selbständigkeit nach. In dieser Folge sprechen wir mit einem von den wenigen: Waldemar Zeiler ist Mitgründer von „einhorn products“ in Berlin und „Entrepreneur’s Pledge“, einer Initiative für mehr soziale Verantwortung von Unternehmen. Er ist Autor des Buchs „Unfuck the economy“ und setzt sich für das Wachstum unserer Demokratie ein. Auch ist der erfolgreiche Unternehmer Erfinder des Demokratiefestivals, das 2020 hätte in Berlin stattfinden sollen. Im Interview spricht Zeiler über all das sowie seine Kindheit als russlanddeutscher Aussiedler in Süddeutschland und warum er erst in den USA begann, sich nicht für seine Herkunft aus Kasachstan zu schämen.
32 Minuten
Über zwei Millionen Russlanddeutsche wanderten seit den 1970ern aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten nach Deutschland ein, die meisten Anfang der 1990er. Viele sind aber auch geblieben. Allein in Russland sind es heute rund 400.000. Warum sie blieben, wie es für sie war, als ganze Dörfer sich plötzlich leerten und welche Rolle die deutsche Abstammung heute für sie spielt – darüber sprechen wir in dieser Folge mit Olga Martens. Die studierte Germanistin mit wolgadeutschen Wurzeln ist Herausgeberin der Moskauer Deutschen Zeitung und stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbands der deutschen Kultur, der größten Selbstorganisation der Deutschen in Russland. Aufgewachsen ist sie in einem der ältesten deutschen Dörfer in Südsibirien sowie in Nordkasachstan, wo sie später auch studierte. Heute lebt sie überwiegend in Russland und setzt sich in zahlreichen Projekten für den Erhalt der deutschen Kultur und Sprache sowie ältere, alleinstehende Russlanddeutsche in Russland und Kasachstan ein. In der Folge geht es auch um die Ausstellung „Das deutsche Wolgagebiet – eine unvollendete Fotogeschichte“, die seit Januar 2021 im Museum für Russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold gastiert. Sobald die Corona-Auflagen es wieder ermöglichen, kann sie vor Ort besichtigt werden. Ein ausführlicheres Gespräch mit Olga Martens zu der Ausstellung ist hier als Video verfügbar: https://youtu.be/KSYcyb3nlg0
33 Minuten
Wie formt sich Identität und wie beeinflusst Migration die Identitätsbildung? Gibt es eine russlanddeutsche Identität? Und warum es in einer Zuwanderungsgesellschaft wie Deutschland wichtig, verschiedene Identitäten zu verstehen? Wie gelingt das? Antworten darauf gibt uns Dr. Marit Cremer. Die Soziologin und Politikwissenschaftlerin engagiert sich für die Menschenrechtsorganisation Memorial Deutschland. Dort leitet sie seit 2015 Projekte zur Erinnerungspolitik im postsowjetischen Raum und Deutschland. Ihre jüngsten Forschungen beschäftigen sich mit Bewältigungsstrategien tschetschenischer Geflüchteter in Deutschland. 2018 hat sie eine Forschungsarbeit zu Identitäten der zweiten Generation der deportierten Russlanddeutschen veröffentlicht. Über die Ergebnisse dieser Arbeit sowie Identitätsstrategien von Russlanddeutschen in der Sowjetunion und nach der Umsiedlung in Deutschland sprechen wir in dieser Folge.
1 Stunde 11 Minuten
Eine sehr besondere und besonders persönliche Folge von den Steppenkindern zu Weihnachten: Ira sitzt in ihrem Büro in Mannheim, Edwin in seiner Werkstatt in Detmold. Sie haben sich gegenseitig Pakete geschickt mit jeweils fünf Fragen an den anderen und Geschenken. „Ist Russisch deine Muttersprache?“, steht auf der ersten Karte, die Ira von Edwin auspackt. „Wie sahen ‚deutsche‘ Dörfer in der Steppe aus?“, will sie im Gegenzug von ihm wissen. So erzählen sie sich ihre Geschichten: Über das Aufwachsen in der Steppe und später in Süddeutschland, über Menschen, die sie geprägt haben, den Geschmack nach Heimat und Diskriminierungserfahrungen in der Sowjetunion und Deutschland. Was wohl aus den beiden geworden wäre, wenn sie in Kasachstan geblieben wären? Auch darauf suchen sie Antworten. Die gegenseitigen Geschenke am Ende der Folge geben wiederum Anlass für ungewöhnliche Einblicke, Lachen und Sehnsucht nach der kasachischen Steppe.
30 Minuten
Was haben der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung, damit zu tun, dass zeitgleich Aussiedler aus postsozialistischen Staaten nach Deutschland einwanderten? Es sind die gleichen historischen Voraussetzungen, die zu diesen Prozessen führten und in den 1980ern mit der Entspannungspolitik zwischen Ost und West begannen. Im Osten erlaubte Gorbatschows Liberalisierungspolitik Sowjetbürgern ab 1988 ins Ausland zu reisen oder dauerhaft auszuwandern. Das wiedervereinigte Deutschland erleichterte wiederum 1990 mit seinem neuen Aussiedlergesetz deutschstämmigen Aussiedlern und Menschen mit jüdischem Hintergrund aus ehemals sozialistischen Ländern die Einreise und das Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft. Trotzdem spielt bei den Debatten um die Wiedervereinigung die Perspektive dieser Einwanderergruppen selten eine Rolle, finden Ira und Edwin. Woran das liegt, welche Gemeinsamkeiten Aussiedler mit Ostdeutschen haben und welche Unterscheide in beispielsweise der Wahrnehmung in der Bundesrepublik – darüber sprechen sie in dieser Folge mit Eleonora Hummel. Sie stammt aus Kasachstan und ist Autorin der Romane „Fische von Berlin“, „Venus im Fenster“ sowie ihres neuen Werks „Die Wandelbaren“. Weil sie bereits seit 1982 in Dresden lebt – damals als sowjetische Ausländerin mit unbefristetem Bleiberecht –, vereint sie beide Perspektiven: die der Ostdeutschen und der Russlanddeutschen. Als Ostdeutsche würde sie sich trotzdem nicht bezeichnen, auch nach fast vierzig Jahren in Sachsen. Bild: get-shop.de / eleonora-hummel.de
23 Minuten
Als Ira mit neun Jahren nach Deutschland kam, stellte sie fest, dass sie ganz andere Erinnerungen aus ihrer Kindheit hatte als ihre neuen Mitschüler: Sie kannten „Nu Pagadi“, die sowjetische Version von „Tom & Jerry“, sie wiederum das Sandmännchen nicht. Edwin holte solche fehlenden gemeinsamen Erinnerungen mit Gleichaltrigen schnell nach, als er 1994 aus Kasachstan nach Deutschland kam. Schnell legte er sich einen Lieblingsfußballverein zu und spann sich lang zurückliegende Verstrickungen in der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ selbst zusammen, um auf dem Schulhof mitreden zu können. Warum ein solches gemeinsames Erinnern wichtig ist, wiese kollektive Erinnerungen bei Russlanddeutschen besonders problematisch sind und was das Wissen um die Vergangenheit mit unserer Würde und Integration zu tun haben – darüber sprechen Ira Peter und Edwin Warkentin in dieser Folge mit Kornelius Ens, dem Direktor des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte.