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2489 Episoden
8 Minuten
eit einigen Wochen und Tagen trage ich mich mit dem Gedanken, mir ein Fernglas anzuschaffen. Natürlich nicht, um das Leben der Nachbarn in Augenschein zu nehmen. Vielmehr fasziniert mich auf meinen Radtouren oder auch Wanderungen seit einiger Zeit die heimische Vogelwelt. Was es da alles zu entdecken gibt. Formen und Farben in den unterschiedlichsten Größen. Und nicht zu vergessen – dieser Schatz aus Stimmen! In seinem Buch „In 80 Vögeln um die Welt“ nimmt der Brite Mike Unwin die Leser mit auf eine zweifache Reise – in die Vogelwelt unseres Planeten und einmal um unseren Erdball. …

Mike Unwin ist preisgekrönter Autor naturkundlicher Bücher für Erwachsene und Kinder. Er schreibt für The Daily Telegraph, The Times, BBC Wildlife, Travel Africa sowie für den RSPB und den WWF. Als Fotograf haben ihn seine Reisen auf der Suche nach Vögeln und anderen Wildtieren auf alle Kontinente geführt. Ryuto Miyake ist Illustrator und Grafikdesigner mit einem besonderen Interesse an der Natur und einem besonderen Zeichenstil. Er lebt in Tokio.

Constanze Matthes, ich bin Journalistin und leidenschaftliche Leserin. Die Liebe zu den Büchern begann im zarten Alter von vier, fünf Jahren, als meine Mutter mich zum ersten Mal in die kleine Bücherei unseres Dorfes mitnahm. Wenige Jahre später schleppte ich die Bücher dann stapelweise allein nach Hause. In der Schule las ich stets die Pflichtlektüre und war meinen Mitschülern ein gern gesehener Gesprächspartner, um den Inhalt des zu lesenden Buches in der Pause vor der Deutschstunde zu erzählen. Sollte man an dieser Stelle „verraten“ sagen?

Nach dem Abitur und einem Auslandsaufenthalt in Norwegen studierte ich im Hauptfach Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft. Allerdings las ich dann nicht immer die Pflichtlektüre der mehrseitigen Lektüreliste und besuchte viel eher die wunderbare Bibliothek des Deutschen Literaturinstituts. Vor allem dann, wenn meine Mitbewohnerin den Koffer-Fernseher über das Wochenende wieder nach Hause mitnahm. Noch heute bin ich „fernseherlos“ und investiere vielmehr meine Zeit in große und kleine Geschichten, dicke und dünne Bücher.
12 Minuten
“Rausgefischt & Vorgestellt”. Zu den wenigen Vorzügen von Corona gehört, dass man endlich Zeit findet seine heimische Bibliothek zu entstauben und neu zu ordnen. Wir besprechen in loser Reihenfolge Bücher, die wir beim Entrümpeln unserer Regale entdeckt, wieder gefunden oder erneut gelesen haben.

«Adressat unbekannt», erstmals 1938

veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als

Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser Roman in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft. «Selten ist so viel in solcher Dichte ausgedrückt worden», heißt es in einer Rezension. «Welche Hellsichtigkeit! Und welche Kraft!» Der Text wurde 1938 als Fortsetzung in einer Zeitschrift veröffentlicht, geriet dann über sechzig Jahre lang in Vergessenheit.

Kressmann Taylor, 1903 in Portland geboren und von Beruf Werbetexterin, lehrte seit den 40er Jahren am Gettysburg College. Ihr bekanntestes Werk “Adressat unbekannt” erschien bereits 1938, wurde aber erst Jahrzehnte später in Europa bekannt. Die Mutter von drei Kindern verstarb 1997.

Marcus Weible, geboren 1968 in München. Nach Abitur und Bundeswehr habe ich Geschichte und Rechtswissenschaften in Erlangen und Würzburg studiert. Ich war 15 Jahre als Rechtsanwalt und juristischer Repetitor bei Kern – Nordbayern tätig. In dieser Zeit bereitete ich bundesweit zahlreiche Studenten und Referendare auf das Erste und Zweite Juristische Staatsexamen vor. Mittlerweile lebe ich in Regensburg und gehe dort dem Anwaltsberuf mit Schwerpunkt im Verwaltungsrecht nach. Neben meinem Hobby Geschichte, sind und waren SF und Fantasy meine große Leidenschaft. Ich bin Mitglied des Münchner Fankreises „Die Phantasten“ und betätige mich auf mehreren Literaturseiten als Autor und Rezensent.”

Gabriele Leucht, geboren: 1981 in München, Ausbildung: von den alten Sprachen bis zur Avvocatessa der Juristerei in Rosenheim, Birmingham, Maryland, Neapel, Straßburg und München. Interessen: Kunst, je abstrakter desto lieber, Literatur, besonders Romane und Dramen, Opern-Musik, fürs Herz italienisch, für den Rest auch alles andere, Politik: Grundgesetz-Fanatikerin, Antirassistin u.v.m., Sport: nicht ohne meine Berge.
26 Minuten
Der Kulturphilosoph Friedrich Schlegel war einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Romantik und zugleich ihr wichtigster Theoretiker und Programmatiker. Er entwarf die theoretische Konzeption der frühen romantischen Kunstpraxis; Begriffe wie „unendliche Sehnsucht“ oder „Ungebundenheit der Phantasie“ gehen auf ihn zurück. Darüber hinaus wurde sein Werk ungemein bedeutend für die vergleichende Sprachwissenschaft, mit dem er auch das Studium der orientalischen Sprachen in Deutschland begründete. Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) nannte ihn einen „rückwärts gewandten Propheten und einen auf die Zukunft fixierten Historiker“, womit er auf den Dualismus in Leben und Werk von Schlegel hinwies.
1 Stunde 15 Minuten
Ein besonderer Einblick in die arabische Welt – Ein Kind kann in einer feinen Beiruter Privatklinik zur Welt kommen, in einem Raum in dem zum Wohngebiet umfunktionierten alten Friedhof in Kairo oder auf einem syrischen Acker. Was danach geschieht, „auf dass jedes Kind eine glückliche Kindheit habe“, ist mannigfaltig und steht oft nicht im Einklang mit der Erklärung der Rechte des Kindes von 1959. Die „kleinen Festungen“, die da in die Welt treten, werden in den Kindheits- und Jugendjahren gestaltet, geöffnet, geschlossen oder geschleift. Auf welche Weise das geschehen kann, wie also die „geprägte Form“ unter den vielen und vielfältigen Bedingungen arabischer Länder, Traditionen und Strukturen „lebend sich entwickelt“, zeigen fünfzig der modernen und zeitgenössischen arabischen Literatur entnommene Geschichten – aus einem Dutzend verschiedener arabischer Länder. Eine Textsammlung für Erwachsene, die daraus erfahren können, wie Kinder und Jugendliche in der arabischen Welt (zwischen Irak und Marokko, zwischen Syrien und Jemen) aufwachsen, was sie erleben und empfinden, worüber sie sich freuen und woran sie leiden bzw. wie dieses Erleben, literarisch gebrochen, wiedergegeben wird. Mit Beiträgen von: Sahar Mandur (Libanon), Gamil Atija Ibrahim (Ägypten), Muhammad Safsaf (Marokko), Michaïl Nuaima (Libanon), Samicha Chrais (Jordanien), Salwa Bakr (Ägypten), M. Salach al-Asab (Ägypten), Nadschwa Binschatwan (Libyen), Anwar Scha‘ul (Irak), Wagdi al-Komi (Ägypten), Ibrahim Samauïl (Syrien), Achmad al-Chamissi (Ägypten), Raja Alem (Saudi-Arabien), Achlam Bischarat (Palästina), Badrija al-Bischr (Saudi-Arabien), Buthaina al-Nassiri (Irak), Edwar al-Charrat (Ägypten), Muhammad al-Bissati (Ägypten).

Hartmut Fähndrich, geboren 1944 in Tübingen, ist seit 1978 Lehrbeauftragter für Arabisch und Islamwissenschaften an der ETH Zürich. Neben seiner Übersetzertätigkeit arbeitet er auch als Herausgeber und Publizist. Wegen seiner Verdienste um die Übersetzung arabischer Literatur erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Hieronymus-Ring des VdÜ, 2004 den Übersetzerpreis der Arabischen Liga, 2005 den Anerkennungspreis des Großen Literaturpreises des Kantons Bern und 2016 den Spezialpreis Übersetzung der Schweizer Literaturpreise. 2018 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Sheikh-Hamad-Preis für Übersetzung und Kulturaustausch ausgezeichnet.
1 Stunde 8 Minuten
Arthur Kahane war Lyriker, Romanschriftsteller, Essayist und von 1905 bis 1932 Dramaturg des Berliner Deutschen Theaters. Er war ein Freund und enger Mitarbeiter von Max Reinhardt.

Dagmar Saval, In Wien geboren, Studium der Romanischen Sprachen, Kunstgeschichte, Philosophie. In Wien, Genf, Paris. Promotion. Private musikalische Ausbildung (Klavier, Cello). Bibliothekarsausbildung an der ÖNB, dann in der Theatersammlung der ÖNB /heute Theatermuseum, Wien.

Nach der Heirat mit dem Maler Ralph Wünsche, Westberlin/Berlin. Lektorin im Propyläen Verlag/Ullstein, Dramaturgie in der Abteilung Fernsehspiel SFB/RBB, Akademie der Künste, Archiv Abteilung Darstellende Kunst, Berlin.

Zahlreiche Publikationen, Briefeditionen, meist Erstveröffentlichungen über Musik, Theater mit Schwerpunkt Exil 1933 -1945.

Szenisch – musikalische Lesungen in Berlin, Wien u.a. Städten
9 Minuten
Ein außergewöhnliches Debüt von Kolumbiens literarischem Shooting-Star.

Eine junge Mutter und ihr Sohn durchqueren in einem kleinen Boot den strömenden Fluss Atrato in Kolumbien. Sie ist weiß, er ist schwarz. Die beiden sind auf dem Weg zur leiblichen Mutter und im Laufe der Fahrt erfahren wir ihre gemeinsame Geschichte. Dabei fließt die Erzählung wie der Fluss, der sie trägt. Er ist die Ader der Landschaft, eines Urwalds voller Früchte, Tiere und Düfte, aber auch die Ader des menschlichen Lebens. Als der Junge entscheidet, bei wem er leben möchte, nimmt der Roman eine unerwartete Wendung … Eine literarische Reise von großer Sinnlichkeit über die Zartheit des Mutterseins, die Kraft der Freundschaft und über die Abgründe, die unsere Herkunft mit sich bringen kann.
1 Stunde 37 Minuten
Wie gehen wir mit den Tieren um? Im Haus, im Stall, im Zoo und in freier Wildbahn? Was muss sich ändern im Lichte der Erkenntnisse, die namentlich in der Verhaltensbiologie un den letzten Jahrzehnten gewonnen wurden? Wir wissen heute, wie ähnlich uns viele Tiere im Empfinden und Verhalten sind und dass sich unter anderem bei Säugetieren und auch Vögeln nachweisen lässt: Sie haben Persönlichkeit.

Diese Revolution des Tierbildes beschreibt Norbert Sachser ausführlich in seinem 2018 erschienenen Buch «Der Mensch im Tier». Gesellschaftlich hängen wir aber immer noch einem falschen Bild von den Tieren an. Nun erklären renommierte Autorinnen und Autoren, was diese Revolution ausmacht, wie sich das neue Wissen in unterschiedlichen Bereichen widerspiegelt und welche ethischen, rechtlichen und politischen Konsequenzen wir daraus ziehen müssen.  Es geht unter anderem um Wohl und Würde der Tiere, das menschengemachte Leid von Haustieren, Anspruch und Wirklichkeit von Tierrechten, sich wandelnde Tierbilder in Kunst, Kultur, Geschichte und Wissenschaft, um Tierschutz und Moral.

Ein Buch für alle, die genauer wissen wollen, wie Tiere denken und fühlen und warum wir sie schützen müssen.

Mit Beiträgen von Valeska Becker • Achim Gruber • Rainer Hagencord • Niklas Kästner • Sylvia Kaiser • Jörg Luy  • Michael Miersch • Anne Peters • Michael Quante • Helene Richter • Norbert Sachser • Simone Schehka • Jessica Ullrich • Ursula Wolf • Tobias Zimmermann

Prof. Norbert Sachser gilt als Wegbereiter der deutschen Verhaltensbiologie, er ist eine international anerkannte und vernetzte Koryphäe. Für sein erstes Buch bei Rowohlt, Der Mensch im Tier, gewann er den Preis für Wissenschaftskommunikation in Münster und das deutsche Format „Eine Uni Ein Buch“. Er hat Biologie, Chemie, Soziologie studiert und habilitierte sich in Zoologie. Seine Forschung geht vor allem der Frage nach, wie sich die einzigartige Tierpersönlichkeit im Laufe des Lebens entwickelt. Dr. Niklas Kästner und Dr. Tobias Zimmermann studierten Biowissenschaften und waren anschließend wissenschaftliche Mitarbeiter in der Abteilung für Verhaltensbiologie an der Universität Münster.

Gemeinsam gründeten sie das Online-Magazin ETHOlogisch – Verhalten verstehen, in dem sie über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhalten, Denken und Fühlen von Tieren informieren.
1 Stunde 42 Minuten
„Gute Nacht aller Erdensorg‘ und Pracht“ – Romantische Musikästhetik bei E.T.A. Hoffmann

Veranstalter: Akademisches Forum Albertus Magnus

Tagungsleitung: Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor Akademisches Forum Albertus Magnus

Referenten: Prof. Dr. Rainer Kleinertz, Prof. Dr. Sigmund Bonk, Prof. Dr. Veit Neumann (ohne Aufnahme)

Rainer Kleinertz sprach hauptsächlich über E. T. A: Hoffmanns, musikgeschichtlich besehen, höchst einflussreiche Rezension von Beethovens C-Moll-Symphonie (der “5.”). Er habe als Napoleon-Hasser allerdings alles weggelassen, was als Hymnus auf die Große Armee aufgefasst werden könne. Insbesondere der “C-Dur-Taumel” am Schluss der Symphonie sei von ihm erstaunlich stiefmütterlich behandelt worden. Für den tief ergriffenen Hoffmann ist diese Sinfonie der Inbegriff reiner Instrumentalmusik. Dieser sei, so Kleinertz, vor der Epoche der Romantik als defizitär eingeschätzt worden. Dann aber beginne ihr Siegeszug als “absolute Musik”. Beethoven ist, Hoffmann zufolge, der romantischste aller Komponisten, er stelle einen Gipfelpunkt dar nach den großen Wegbereitern reiner Instrumentalmusik Haydn und Mozart. Beethovens Musik sei, so Hoffmann weiter, durch und durch romantisch; sie öffne die Tore zu einem Geisterreich, schließe die “die Tore des Orkus“ auf. Sie sei Ahnung des Absoluten, tönendes Symbol „unendlicher Sehnsucht“.

Herr Bonk verfolgte die Frage, ob es – so wie es eine schwarze Romantik (Lord Byron, Hoffmann, Baudelaire, Anne Radcliffe, Mary Shelley u. a.) gab – auch eine dunkle romantische Musikästhetik gibt. Er kommt zu einem positiven Ergebnis und findet bei Wackenroder, Hoffmann und Schopenhauer ein Musikverständnis, das die Musik in enger Verbindung mit Schmerz, Leiden, Sünde, Wahnsinn und “Hölle” sieht.
8 Minuten
Juhani Karila widmet sich in seinem Debütroman mit großer Hingebung und viel Humor der Seele des finnischen Volkes. „Der Fluch des Hechts“ ist voll und ganz mit dynamischen, kräftig pulsierenden Landschaftsbeschreibungen aus lappländischen Mooren und Wäldern ausstaffiert.

Das Land der Nordlichter und Rentiere scheint zwischen erbarmungslosen Mückenschwärmen und lebensgefährlichem Morast einen einheitlichen, stillen Atem voller Zauberei und mystischer Wesen zu besitzen. Dennoch ist von Anbeginn der Geschichte klar, dass nicht nur die Menschen selbst ihre Mythen am Leben erhalten: die fantastische, magische Essenz und ihre Erscheinungsformen wurden seit eh und je nahtlos an und in die Wälder, Seen, Schluchten, Höhlen und Dickichte der Natur gewoben.

Als Elina in ihr Heimatdorf im Osten Lapplands zurückkehrt, um einen Hecht zu fangen, weiß sie, dass ihre Tage für diese wichtige Mission gezählt sind. Deswegen kämpft sie sich trotz Verletzungen und Mückenattacken an den Tümpel, in dem der Hecht hausiert.

Wenn da nicht noch andere Zauberwesen wären, die Elina von ihrer zwischen Leben und Tod entscheidenden Aufgabe zurückhalten würden…

Juhani Karila – geboren 1985 in Ostlappland, ist ein finnischer Journalist und Schriftsteller. Seine erste Kurzgeschichtensammlung Gorilla (2013) wurde begeistert aufgenommen und belegte den zweiten Platz beim Helsingin-Sanomat-Preis für das beste Debüt des Jahres. Der Fluch des Hechts (2019) ist sein erster Roman und wurde mit dem Kalevi Jäntti Preis für junge Literatur, dem Tähtifantasia Preis für fantastische Literatur und dem Jarkko Laine Preis ausgezeichnet. 2022 wurde Der Fluch des Hechts für den Internationalen Literaturpreis nominiert.“

Sandra Falke studierte Germanistik und Religionswissenschaften an der Universität Tartu in Estland und neuere deutsche Literatur an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn. Auf literarische Abenteuer begab Falke sich bereits im sechsten Lebensjahr in ihrem ersten Lesetagebuch. Aus kurzgefassten handschriftlichen Notizen im linierten Schulheft sind parallel zum Bachelor-, Master- und Promotionsstudium diverse Online-Formate erwachsen. Seit 2019 werden auf sandrafalke.com wöchentlich Rezensionen und Essays zu Klassikern, Sachbüchern und Neuerscheinungen der Weltliteratur veröffentlicht. Derzeit lebt Falke in Brandenburg, schreibt Kurzgeschichten und setzt sich für die kritische Reflexion literarischer Inhalte auf diversen virtuellen Plattformen ein.
1 Stunde 23 Minuten
Im Mai 1940 beginnt Anna Haag, 51 Jahre alt und Journalistin, ein schonungslos offenes und regimekritisches Tagebuch zu führen, das sie über Jahre im Kohlenkeller versteckt. Sie hört ihren Mitmenschen genau zu – in der Straßenbahn, bei Behördengängen oder in Geschäften. In pointierten Skizzen hält sie fest, was ganz gewöhnliche Deutsche schon während des Zweiten Weltkriegs über die Judenvernichtung und die Verbrechen des NS-Regimes wussten. Sie erzählt mit Ironie und Klarheit von Hamsterfahrten im Stuttgarter Umland, von verbotenen Treffen zum BBC-Hören oder von Wortgefechten mit ihrem Lieblingsgegner, dem regimetreuen Apotheker.

Die Aufzeichnungen der späteren Politikerin erscheinen nun erstmals vollständig in der von Anna Haag selbst vorbereiteten Zusammenstellung.

Anna Haag (1888–1982) war Schriftstellerin, Journalistin und Politikerin. Nach 1945 engagierte sie sich für den Wiederaufbau und zahlreiche soziale Projekte. Für die SPD saß sie als Abgeordnete im ersten baden-württembergischen Landtag, sie konzipierte das Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Grundgesetz. 1958 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Jennifer Holleis, geb. 1980, ist Journalistin, Übersetzerin und Dolmetscherin. Sie beschäftigt sich seit 2012 mit Anna Haags Tagebüchern.
10 Minuten
Ludwig Steinherrs Prosadebüt „Verona kopfüber“ sucht literarisch die Verbindung gefährdeter Liebe mit unerreichbarer Madonnenkunst und dem Dichten als Seelenventil

Es könnte so schön sein: Luisa und Konstantin, ein Ehepaar aus München um die vierzig, Eltern eines bezaubernden achtjährigen Mädchens namens Amanda, sind beruflich erfolgreich – er als Anwalt für Baurecht, sie als Philosophiedozentin an der Uni – und seit zwölf Jahren nach außen hin glücklich verheiratet. Sie führen ein im Prinzip sorgenfreies Leben, finanziell abgesichert, aber auch in zunehmend eingefahrenen Bahnen …

Von Marcus Neuert
1 Stunde 19 Minuten
Niederlande, Ende des 17. Jahrhunderts: Um der Enge ihrer unglücklichen Ehe zu entfliehen, versucht die Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian in Amsterdam den Neuanfang. Ihr großer Traum ist es, von dort eine Überfahrt ins ferne Surinam zu ergattern, um im tropischen Regenwald die faszinierende Vielfalt der Schmetterlinge zu studieren. Der Start in der großen Stadt allerdings ist holprig. Die erwarteten Malschülerinnen bleiben aus, und Financiers für eine Forschungsreise nach Übersee finden sich auch keine. Aber Maria gibt nicht auf. Hartnäckig rennt sie Türen ein, knüpft Kontakte und bringt ihre ältere Tochter unter die Haube. Doch als es endlich so weit ist, zögert sie – denn mit dem geheimnisvollen Jan de Jong, der immer wieder ihren Weg kreuzt, gibt es nun jemanden, der sie in der Heimat hält …

Atmosphärisch und sinnlich, mit viel Gespür für Details, zeichnet Ruth Kornberger ein Portrait der Künstlerin und Forscherin Maria Sibylla Merian – einer faszinierenden Frau, deren Wagemut keine Grenzen kannte und die ihrer Zeit weit voraus war.

Ruth Kornberger wurde 1980 in Bremen geboren, liebt Schiffe und Geschichten über Abenteurerinnen. Mit ihrer Familie lebt sie in Weinheim. Sie ist Mitglied der Autorenkollektive Junge Literatur Mannheim und Qindie; ihre Kurzgeschichten sind in Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen. Mit ihrem ersten Roman »Frau Merian und die Wunder der Welt« gelang ihr auf Anhieb der Einstieg in die SPIEGEL-Bestsellerliste.
1 Stunde 4 Minuten
Luisa und Konstantin sind ein Ehepaar. Sie lehrt Philosophie an der Uni, er ist Jurist. Gemeinsam wollen sie drei Tage in ihrer Lieblingsstadt Verona verbringen. Ihre Beziehung befindet sich in einer tiefen Krise. Luisa scheint sich Konstantin immer weiter zu entziehen und zu entfremden. Er befürchtet, dass sie eine Affäre hat. Gleichzeitig ist ihm sein Beruf mehr und mehr verleidet. Heimlich hat er begonnen, gegen Schlaflosigkeit und Todesängste Gedichte zu schreiben. Ein Gedicht bezieht sich auf Pisanellos Madonna, die Konstantin tief verehrt und die nach einem früheren Kunstraub gerettet werden konnte. Der Versuch des Ehepaares, sich auszusprechen, scheitert. Die vertraute Stadt Verona entzieht sich ihrem Blick mehr und mehr. Die Reise wird zum Labyrinth und stellt ihr Leben auf den Kopf. Am Ende wird nichts mehr sein, wie es war.

Ludwig Steinherr, geboren 1962 in München, studierte Philosophie und promovierte über Hegel und Quine mit der Arbeit »Holismus, Existenz und Identität«, die mit dem Alfred-Delp-Preis der Rottendorff-Stiftung prämiert wurde. Für seine bisher dreiundzwanzig Gedichtbände erhielt Steinherr mehrere Auszeichnungen, so den Leonce-und-Lena-Förderpreis, den Staatlichen Förderpreis für Literatur, den Evangelischen Buchpreis und den Hermann-Hesse-Förderpreis. 1993 begründete er zusammen mit Anton G. Leitner die Zeitschrift DAS GEDICHT.

Seit 2003 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt, so ins Englische, Französische, Italienische, Tschechische, Griechische, Ungarische, Rumänische, Kroatische, Arabische und Bengali.

Steinherr war Gastautor bei zahlreichen internationalen Literaturveran-staltungen: u. a. Journées Littéraires de Mondorf (Luxemburg) 1995, Deutsch-arabischer Lyrik-Salon in Damaskus 2006, European Literature Night, London 2012, King’s Lynn Poetry Festival 2012, StAnza – Scotland´s International Poetry Festival 2013, Birmingham Literature Festival 2013, Ilkley Literature Festival 2013, Druskininkai Poetic Fall 2014 (Litauen). Von der University of Notre Dame (USA) wurde er 2012 als Gastautor zu Lesungen und Seminaren in der Advanced Lecture Series eingeladen.

Zuletzt erschien von ihm in der Lyrikedition 2000 »Medusen« (2018), in England der zweisprachige Auswahlband »Before the Invention of Paradise« (Arc Publications, 2010) und in Italien »Prima di ogni tempo« (Ladolfi Editore, 2019).

Ludwig Steinherr ist aktives Mitglied bei AMNESTY INTERNATIONAL und empfiehlt diese Organisation ausdrücklich.

Wir danken dem Präsidenten der Bayerischen Einigung, Herrn Florian Besold und dem Geschäftsführer Carl Hans Engleitner für die Gelegenheit unsere Sendung bei Ihnen aufzuzeichnen und für ihre organisatorische Unterstützung.
27 Minuten
Für viele Italiener gehört Dante heute quasi zur Familie, er ist ein poetisch-politisches Symbol, das Italien sprachlich und als Nation geeint hat, ein Mythos der vom Mittelalter in die Moderne reicht – aber Mittelalter, ist das nicht staubig, veraltet, überholt, weit weg von unserer modernen Lebenswelt? Nein, denn damals waren das Leben und die Bücher viel bunter, vielfältiger und humorvoller als die weitverbreiteten Vorstellungen vom dunklen, einheitlichen, bieder-ernsten Mittelalter vermuten lassen. Nach über 20 Jahren in Italien warf Barbara de Mars ihre falschen Berührungsängste über Bord und ging – auf unfreiwillige Anregung Goethes hin – mit Dante ins Bett. Es blieb nicht nur bei der Begegnung von Buch und Bett, es zog sie hin zu den Lebens- und Schaffensorten Dantes zwischen Florenz und Ravenna, wo sie Menschen traf, die alle Verse auswendig können, Menschen, die von Dante geprägt wurden und ihre Passion großherzig teilen. De Mars folgt den Höhen und Tiefen von Dantes turbulentem, bedingungslos gelebtem Leben durch seelische Nöte bis hin zu Geldsorgen, zu existenziellen Ängsten im Exil und stellt fest: Indem wir mit Dante reisen, lernen wir uns selbst besser kennen. Nicht weil er Antworten liefert, sondern wegen der Fragen, die er stellt. Über aller Ungewissheit thront jedoch seine Gewissheit der Liebe als stiller und doch die Welt bewegender Kraft, ebenso wie das gute Ende seiner Göttlichen Komödie: »andrà tutto bene«, alles wird gut, ein zuversichtliches, stärkendes Mantra für chaotische Zeiten.

Barbara de Mars studierte in München Germanistik, Theaterwissenschaften, Internationales Recht und Medienmarketing, arbeitete bei Zeitungen, Zeitschriften und fürs Fernsehen. Seit über zwanzig Jahren lebt sie in Italien, die längste Zeit davon im “goldenen Dreieck” der Toskana zwischen Florenz, Arezzo und Siena. Erschienen sind zuletzt unter anderem “Valdarno – geheimnisvolle Toskana” (BoD) und “Lesereise Florenz” (Picus Verlag).
9 Minuten
Susan Taubesʼ Romanheldin schreibt ein Buch. Aber was für eines? Das würde jeder gern von Sophie Blind, so der Name der gefragten Philosophin und Mutter zweier Kinder, wissen; ihr Psychoanalytiker-Vater, ihre frivole Mutter, sogar ihr Geliebter Ivan. Aber die Antwort auf die Frage ist etwas verstörend, denn ihr Werk wird „von einer Toten … erzählt.“ Mehr noch, diese Tote ist die Protagonistin selbst.