Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Morgenimpuls Archiv

1710 Episoden
3 Minuten
Morgen feiern wir mit der Kirche das Fest der Heiligen Katharina von Siena. Sie muss eine unglaubliche Frau gewesen sein. Als 24. Kind einer verarmten Adelsfamilie, deren Vater dann Färber wurde, wuchs sie behütet und beschützt auf, lernt in sehr jungen Jahren die Dominikaner kennen, hat auf dem Weg zur Kirche eine Vision des verklärten Christus und will von nun an Christus dienen und legt, fast noch ein Kind, heimlich Gelübde ab. Ihre Mutter müht sich redlich, ihrer Tochter diese Flausen aus zu treiben, lässt sie im Haus als Dienstmagd härteste Arbeit tun, um sie zur Vernunft zu bringen. Aber Katharina hat einen noch größeren Dickkopf als die Mutter und setzt sich durch. Sehr jung wird sie Dominikanerin und entflammt in ihrer Liebe zur Kirche immer mehr in einem heiligen Zorn. Über die Zustände der Kirche schreibt sie flammende Briefe, die sie mehreren Sekretären gleichzeitig diktiert und hat keinerlei Furcht, sich mit Päpsten, Kaisern und Königen anzulegen. Sie wird als ungebildete Frau, die ja damals schon gar nichts galt, vor das Kapitel der Dominikaner geladen und besteht alle noch so kniffligen Prüfungen der gelehrten Männer mit Bravour. Einer ihren vielen Briefe ist an Papst Gregor XI. gerichtet. Der sitzt im sicheren Palast in Avignon und hat nicht die geringste Lust, zurück nach Rom in die unsichere, heiße, vom Pöbel volle Stadt zu gehen. Aber Katharina schreibt ihm: "Wenn Sie bisher nicht recht entschlossen gewesen sind, so bitte und beschwöre ich Sie, von nun an als mutiger Mann zu handeln und Christus nachzufolgen, dessen Stellvertreter Sie ja sind. Fürchten Sie nichts, liebster Vater, weder die Stürme, die Sie bedrohen, noch den grollenden Aufruhr. Wachen Sie über die Angelegenheiten der Kirche, setzen Sie gute Hirten und in den Städten gute Obrigkeiten ein, denn die schlechten Hirten und die schlechten Obrigkeiten sind die Ursache der Auflehnung. Kehren Sie nach Rom zurück, zögern Sie nicht mehr. Ihre Säumigkeit hat schon viel Verwirrung entstehen lassen, und Satan versucht alles, um ihre Rückkehr zu verhindern. Mut, Heiliger Vater, keine Nachlässigkeit mehr!" Das ist mehr als deutlich, hat aber Wirkung gezeigt und der Papst ist tatsächlich nach Rom zurückgekehrt. Gott hat seiner Kirche immer starke Frauen gegeben. Auch heute.
3 Minuten
Eine unserer sehr alten Mitschwestern im Altenheim ist zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen "neben der Spur", wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu besuchen. Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres langen Lebens entlanggegangen. 1923 geboren hat sie die Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein Erinnern und sie sagt: "Oh, das ist ja wahr: Es war nie nur leicht und manches echt hart. Aber wenn ich das so jetzt sehe, habe ich ein sehr schönes Leben." Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, das sie sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet. Viele Menschen kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar, leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In der Verquickung mit dem eigenen Erinnern verheddert sich alles und wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: Ich bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich gern. Dass Gott uns zusagt, dass wir bis zum Ende die Würde der Gotteskindschaft besitzen, ist eine wunderbare Gewissheit. Aber dass wir unseren Mitmenschen dabei helfen, sie auch zu spüren und zu haben, ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.

ICH BIN DA

3 Minuten
Am vergangenen Samstag war bei uns im Mutterhaus ein großes Fest. Sechs unserer Mitschwestern haben Ordensjubiläen gefeiert. Eine 40 Jahre, eine 50 und drei sogar 60 Ordensjahre. Meine Güte, da war ich gerade 4 Jahre alt, als die drei eingekleidet worden sind. Die nächsten Jahre waren in allem spannend. Da hatte gerade das Zweite Vatikanische Konzil begonnen und mehr als 3.000 Delegierte haben über die Kirche der Zukunft beraten. Die 68er Studentenproteste haben begonnen und die Kapitalismuskritik schwappte durchs Land und hat die Gesellschaft nachhaltig verändert. Die 70er waren ein Jahrzehnt der Gegensätze und die 80er die Zeit der Proteste und gewaltigen Umbrüche in der DDR, die dann zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Und so könnte ich die nächsten dreißig Jahre bis heute auch immer kurz zusammenfassen. Und unsere Jubilarinnen? Sie haben in all diesen Jahrzehnten in klösterlicher Gemeinschaft gelebt und Gott und den Menschen gedient. Als Krankenschwester und Pflegedienstleiterin, als Leiterin der deutschen Provinz der Olper Franziskanerinnen, als Altenpflegerinnen in Alten- und Pflegeheimen, als Küchenchefin in einem großen Krankenhaus und als Leiterin der Hostienbäckerei, als Gemeindereferentin in verschiedenen Pfarrgemeinden und Gottesdienstbeauftragte in einer Diasporagemeinde. Sie haben all die Umbrüche in Kirche, Staat und Gesellschaft miterlebt, zum Teil mit erlitten, aber auch mitgestaltet und immer betend vor Gott getragen und begleitet. Und sie hatten und haben ein stilles Wissen und einen festen Glauben an diesen Gott, der schon durch den Propheten Jesaja sagen ließ: "Ich bin der ICH BIN DA!" In der Exerzitienwoche vor dem Fest spielte genau dieser Text eine große Rolle, weil er immer deutlicher werden ließ, dass in allem Tun und Sein, in allem Können und Versagen, in Enge und Weite, in Krankheit und Leid, in Jubel und Enttäuschung, in Schwäche und Stärke, in Erfolg und Versagen, immer genau diese Zusage Gottes rettet, indem er verheißt: ICH BIN DA.
3 Minuten
Heute denken wir mit der Kirche weltweit an den Evangelisten Markus. Die biblische Forschung weiß, dass er und seine Mitschreibenden das erste Evangelium verfasst haben. Er konnte sich wohl nicht auf Vorbilder stützen, sondern musste selbst schauen, wie er den Wust an Zeugnissen, an Erinnerungen, an Erlebtem sortiert bekommt. Und er tut das in sehr einzigartiger Weise. Er verweist in seinen 16 Kapiteln auf den Kreuzestod Jesu und sein Erlösungswerk. Es ist also ein langer Prolog, der immer näher an das Unglaubliche heranführt. Unsere heutige Lesung aus dem 1. Korintherbrief sagt es aus Sicht des Paulus sehr deutlich. Da steht: "Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet." Ohne den Glauben an das Evangelium vom Auferstandenen gäbe es keine christliche Zukunftsbotschaft und kein Wachstum der Kirche weltweit über die zwei Jahrtausende. Ein bisschen zeigt sich dieses Verständnis vom Wachsen und Werden auch noch in alten Bräuchen, die am Markustag gehalten werden. Die Prozessionen am Markustag lösten ursprünglich heidnisch-römische Stadtprozessionen ab. Der heilige Markus gilt als "Wetterherr" und Schutzheiliger gegen Hagel, Blitz und Unwetter. Ich kenne noch die Markusprozession um gutes Wetter und gute Ernte, obwohl es ja noch so früh im Jahr ist und oftmals die Saat erst ausgebracht worden ist. Aber die Saat muss ausgebracht und gehütet werden, damit sie wachsen kann, um eine gute Ernte zu bringen – an Brot und an Leben. Mit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum wurden die Markusprozessionen offiziell für die Weltkirche abgeschafft. In vielen Orten weltweit gibt es sie jedoch bis heute. Sie bilden den Auftakt zu den Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt die quasi dem Sohn, der in den Himmel auffahren wird, alle unsere Bitten mitgeben will.
3 Minuten
Seit drei Jahren wird unser Mutterhaus in Olpe umgebaut. 1966 eingeweiht und von den Schwestern bezogen, hat es viele zehntausende Schwestern erlebt, viele tausend Gäste und unendlich viele Menschen, die zu Kursen, Exerzitien und anderen Angeboten gekommen sind. Eigentlich geht ja bei Schwestern so schnell nichts kaputt, aber irgendwann ist alles ein bisschen alt und doch abgenutzt und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Also wird energetisch saniert und Räume moderner ausgestattet und technisch alles auf heutiges Level gesetzt. Aber was macht ein Haus, ein Bildungshaus, ein Kloster eigentlich aus? Die topmoderne Ausstattung, die energetisch hervorragend gemanagte Heizungs- und Lüftungstechnik, mit WLAN und LAN-Anschlüssen überall, mit Bewegungsmeldern für die Lichtanlage, mit Festnetzanlage nur noch bei Bedarf? Was ist es, was Ihre Wohnung zuhause, Ihr Haus, unser Kloster ausmacht? Ich habe ein interessantes Wort gehört, das lautet: Evangelisierung heute bedeutet, dass wir die Orte, wo wir leben und arbeiten, zu Orten der Erlösung machen. Was für ein starkes Wort. Ich würde es mal mit meinen Worten umschreiben: Wo Menschen leben, die an einen menschenfreundlichen Gott glauben, da ist der Mensch gern gesehen. Wo Menschen leben, die wissen, dass wir alle unsere Verrücktheiten und Fehler und Macken haben, und trotzdem von Gott geliebt sind, da werden die Menschen auch mit all dem akzeptiert und angenommen. Wo Menschen leben, die an das Unglaubliche glauben, dass Gott Mensch geworden ist, um uns wieder mit Gott zu verbinden, da werden sie auch die unglaublichsten Geschichten der Menschen aushalten und bei ihnen bleiben, auch wenn es eigentlich absurd und unlogisch ist. Gott ist auch nicht logisch, er ist liebend bis in den Tod und bis in die Auferstehung von den Toten, damit wir das Leben haben in Fülle.
3 Minuten
Ich glaube, aus meiner Erfahrung, dass Gott die kleinen Leute liebt und in seinen Dienst ruft. Einer dieser kleinen Leute war Johann Birndorfer. Er war das elfte von zwölf Kindern auf einem Bauernhof und schon in jungen Jahren sehr fromm, wie man es damals zu sagen pflegte. Als er 14 Jahre alt war, starb seine Mutter und zwei Jahre später der Vater. Also musste er seinen Wunsch, ins Kloster zu gehen und Priester zu werden, ziemlich schnell begraben und arbeitet als Knecht auf dem familieneigenen Hof. Erst mit 31 Jahren wurde er bei den Kapuzinern in Altötting aufgenommen, als Bruder Konrad eingekleidet und fand seit 1852 seinen Platz fürs Leben an der Klosterpforte. 41 Jahre lang wirkte Bruder Konrad an der Pforte, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Handwerksburschen und Kinder aus armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. Konrads Name und Ruf drang weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Trotz seines 18-Stunden-Tages an der Pforte blieb aber das Gebet der Mittelpunkt seines Lebens: stundenlang und nächtelang, jede freie Minute nutzend, betete er. Mir gefällt eine kleine Notiz in seiner Vita besonders gut: seine Pfortenstube hatte zwei Fenster: ins nach draußen, wo der Strom von Wallfahrern und Bittstellern eigentlich nie abriss, und ein andere zum Tabernakel in der Wallfahrtskirche. Papst Benedikt hat mal über ihn gesagt: „Er hat sich, wie es der Herr im Gleichnis empfiehlt, wirklich auf den letzten Platz gesetzt, als einfacher Pfortenbruder. Er konnte von seiner Zelle aus immer auf den Tabernakel hinschauen, immer bei ihm sein. Von diesem Blick her hat er die nicht zu zerstörende Güte gelernt, mit der er den Menschen begegnete, die fast ohne Unterbrechung an seiner Pforte anläuteten - auch manchmal eher bösartig, um ihn bloßzustellen; auch manchmal ungeduldig und laut: Ihnen allen hat er ohne große Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte.“ Vielleicht ist das, was Frömmigkeit meint: im Blick auf Gott die Güte und Menschenfreundlichkeit lernen, die er im Umgang mit den Menschen 41 Jahre lang getan hat.
3 Minuten
Ich kann morgens gut aufstehen, dann das Frühstück für uns vorbereiten, die Haustür und die Kapelle aufmachen, die Osterkerze entzünden und die Bücher aufschlagen. Und dann, bis dahin ist noch kein lautes Wort gesprochen kommt: "Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde" denn so beginnt bei uns im Konvent das erste Gebet am Morgen. Und wir machen dabei mit dem Daumen der rechten Hand ein Kreuz auf den Lippen. Zu Beginn meines Ordenslebens habe ich diese Geste also gelernt und jeden Morgen vollzogen. Je länger ich aber im Kloster lebe, und das sind schon mehr als 40 Jahre, desto mehr mache ich mir Gedanken über diesen Anfang jeden Tages. Ich bitte Gott, mir die Lippen zu öffnen, damit ich überhaupt in der Lage bin, SEIN Lob zu verkünden. Es ist also nicht nur mein guter Wille, das jetzt zu tun, obwohl ich vielleicht müde oder erkältet, oder wie ich im Moment allergisch auf Pollen bin, oder ob ich vielleicht heute einfach keine Lust habe. Ich bitte Gott um seine Hilfe, dass aus meinem Mund sein Lob verkündet werden kann. Und ich denke immer mehr, dass es nicht nur für die 20 Minuten des Morgenlobes gilt, sondern für meinen ganzen Tag. Das heißt aber, dass ich den ganzen Tag über das Lob Gottes verkünden kann. Nein, nicht den ganzen Tag laut Gebete sprechen, sondern eher: den ganzen Tag lang, alles was ich sage, zum Lob Gottes machen. Bei der Plauderei beim Essen, am Telefon, beim Mailen und bei Haustürgesprächen, beim Einkaufen und bei allem, was ich über den Tag so tue. Wenn alles was ich sage, singe und arbeite, dazu dienen kann, das Lob Gottes zu verkünden, dann geht manches Dumme, Leichtfertige, Gehässige, Sinnlose vielleicht doch nicht mehr so leicht über meine Lippen. Und wenn ich daran denken kann, dass ich Gott gebeten habe, meine Lippen zum Lob zu öffnen, dann schließen ich meine Lippen vielleicht auch öfter mal, wenn das, was da raus will, nicht gerade seinem Lob dient. Es ist also ein guter Gedanke, dieses morgendliche: Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde.
3 Minuten
Kennen Sie das auch? Also, sagt man schonmal, wenn es sich im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten bewegt, dann ja. Oder die Frage, in welchem Rahmen das Fest stattfindet, wozu man eigeladen ist. Man will sich ja im Rahmen dessen bewegen und kleiden, wie es dort ungefähr geplant ist. Oder man stellt fest, das ist in der Familie, in der Firma, im Verein, so anders, als es bisher war, dass würde den Rahmen total sprengen. Warum also?   Und dann feiern wir Ostern und wir feiern es fünfzig Tage lang, weil es sosehr anders ist, weil es sosehr den Rahmen sprengt, weil Gott nicht die geringste Lust hat, im Rahmen zu bleiben sondern, alles auseinander fliegen zu lassen, was bisher galt. Der Stein vor dem Grab setzte den Rahmen des Todes – tot ist nun mal tot und begraben ist begraben. Aber Gott sprengt den Rahmen, rollt den Stein weg und der Tote ist lebendig. Und er ist nicht nur lebendig für sich selbst – sondern auch für uns, seine geliebten Menschen. Petrus und Johannes sehen im Grab zusammengefaltete Tücher und kapieren nichts. Jesus sprengt also den Rahmen der bisherigen Gültigkeiten in den Religionen – und schickt Maria von Magdala, eine Frau, zu den Jüngern und sie wird die begeisterte Künderin der Auferstehung. Sich bei verschlossenen Türen zu treffen, im inneren Zirkel der scheinbar engsten Freunde, war nicht nur damals aus Angst vor Machtverlust üblich – aber Jesus sprengt den Rahmen und kommt durch verschlossene Türen. Wo steht eigentlich, dass Gott nicht auch heute den religiösen Rahmen sprengt, den Menschen seiner Kirche gegeben haben? Er lässt die Gesellschaft sich so entwickeln, dass auch die Kirchen die Frauen nicht mehr länger diskriminieren können. Und die Frauen verkünden den Auferstandenen mit Begeisterung. Er nimmt die Getauften, sein Gottesvolk ernst und gibt ihnen die Vollmacht, synodal miteinander unterwegs zu sein, damit seine Kirche nicht an der Ängstlichkeit der scheinbaren Führer oder Hirten oder Rechtgläubigen zugrunde geht. Ostern ist und bleibt das Fest Gottes, der alles aus dem Rahmen sprengen will, was ihn und seine Botschaft einengen will. Fragen wir nicht immer Warum? Sondern: Warum nicht?
3 Minuten
Am Wochenende haben sich bei uns einige Frauen getroffen, die zu unserer Weggemeinschaft gehören. Nach einer Zeit der Anbetung des Allerheiligsten in unserer Hauskapelle war eine fröhlich freundliche Kaffeetafel mit vielen schönen Ostererlebensgeschichten. Und danach ging es in den Gesprächsrunden um das Gelübde der Armut bei Franziskus und Klara von Assisi und bei uns Olper Franziskanerinnen. Texte lesen, Ordensregeln vergleichen und sie in Bezug setzen zu ihrem eigenen alltäglichen Leben, ist immer spannend, weil das nochmal erdet und man nicht in frommen Höhenflügen abdriften kann. So war einer Frau klar, dass sie das Auto schon als Luxus sieht, dass sie aber braucht, um die täglichen Wege hier im ländlichen Raum erledigen zu können. Dass sie die Heizung braucht, weil sie immer sehr friert und auch im Sommer nicht mit Pullis und Pullovern auskommt. Einer anderen Teilnehmerin wird klar, dass sie Menschen und Kontakte braucht, weil sie allein lebt und ohne Kontakte vertrocknen würde. Und eine weitere Frau, deren Mann gerade gestorben ist, braucht die anderen Familienmitglieder, mit denen sie immer neu Erinnerungen austauschen und auffrischen kann. Und nach weiteren vielen Beispielen hat eine der Teilnehmerinnen so ganz nebenbei erzählt, dass sie seit vielen Jahren jeden Abend eine gute Reflektion des Tages macht und dann ein Dankeschön-Tagebuch führt. Sie schreibt jeden Tag fünf Dinge auf, für die sie dankbar ist. Ich bin beeindruckt. Ich kenne viele Formen von Gebeten, Reflektionen, Gewissenerforschungen und so weiter. Aber dass jemand ein Dankeschön-Tagebuch führt, hatte ich bis dahin noch nie gehört. Da kommt alles hinein, wofür sie an einem Tag dankbar ist: von den alltäglichen Gaben zum Leben und Arbeiten, über Begegnungen und Feste, über Gedanken und Gehörtes, über Bewältigtes und durch andere Erfahrenes. Und sie erzählt ganz bescheiden und leicht, dass sie das Buch immer mal zwischendurch in die Hand nimmt und liest und am Ende immer Gott dankt für diese lange Litanei von Gutem und Schönem, dass das dann schon wieder zum Danken führt. "Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn" ist ein alter Schlager in den geistlichen Liedern. Aber für diese Frau ist es zu einem täglichen Erleben geworden, weil sie es gar nicht mehr anders kann und ihr Dankeschön-Tagebuch genau das zeigt. 

Gott dient uns

3 Minuten
Gestern war hier bei uns, wie auch in vielen anderen Gemeinden, der Erstkommuniontag für viele Kinder. Am vergangenen Sonntag waren wir nach den Ostergottesdiensten darüber informiert worden und mit der dezenten Bitte konfrontiert, wenn wir nicht direkt mit den Feierlichkeiten zu tun hätten und es uns möglich wäre, doch einen anderen Gottesdienst mitzufeiern. Es würde ob der vielen Kinder und Familien sehr voll werden. Ich war etwas belustigt über dieser quasi "Ausladung" aber auch erfreut. Es gab also so viele Kinder mit ihren Familien, dass unsere wirklich große Kirche nicht alle fassen könnte. Wunderbar. Und die andere Aussage hat mich nachdenklich gemacht, "wenn sie nicht direkt mit den Feierlichkeiten zu tun hätten", doch nicht zu kommen. Was gibt es doch aber Schöneres für eine katholische Gemeinde als mitzufeiern, wenn viele Kinder zum ersten Mal zum Tisch des Herrn gehen, das Brot des Lebens empfangen und sich näher verbunden wissen in der großen Gemeinde der Glaubenden? Also haben wir doch alle direkt mit den Feierlichkeiten zu tun, oder? In der ersten Lesung gestern aus der Apostelgeschichte hieß es so treffend: Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Wie ist es Ihnen ergangen in den Jahren und Jahrzehnten nach Ihrer Erstkommunion? Es gibt die Phasen der Ablösung vom Elternhaus und auch erst mal vom Kinderglauben. Dann gibt es die Phasen des neu Suchen und des vorsichtig Herantasten an neue Formen und Möglichkeiten, den je eigenen Glauben zu leben. Und es gibt die vielen Facetten der Sehnsucht nach Gemeinschaft miteinander und mit diesem Gott, der uns immer neu sucht und finden möchte. "Gott dient uns" ist eine schöne Übersetzung für unser landläufiges Wort von "Gottesdienst". Geben wir ihm die Möglichkeit, uns zu dienen und uns nahe zu sein in Zeiten, die wir freihalten von Pflichten und Medien und Lärm und Ablenkung.

Zukunftslust

3 Minuten
Nach den drei Tagen des Ostertriduums und dem Ostermontag als typisch deutschem Feiertag ist es wieder ruhiger geworden in den Kirchen. Aber wir feiern ja noch bis zum Weißen Sonntag die Osteroktav – die achttägige österliche Festwoche. Sie soll Lust machen auf das immerwährende Fest der Auferstehung. Zukunftslust ist ein ziemlich starkes Osterwort. Zukunft möchte jeder. Wir wünschen uns oft "alles Gute für die Zukunft", "machs gut" und "bis dann mal wieder", "gute Zeit für Dich" und so weiter. Und Lust ist wunderbares Wort gegen alle Unlust. Lust ist ein Lebenselixier. Hast Du Lust zu etwas Neuem? Menschen mit Zukunftslust sind muntere Menschen mit Träumen, Wagnissen und Abenteuerlust. Die jungen Frauen, die hier viele Wochen lang jeden Tag bei uns zum Büffeln und Beten sind, strotzen vor Zukunftslust. Sie haben Lust daran, Zukunft zu gestalten mit Freude am Heute und Vorfreude auf das Morgen. Jesus hatte Zukunft für die Menschen. Deshalb wird er Mensch, lebt mit uns Menschen, stirbt mit uns am Kreuz und wird begraben. Aber er hat keine Lust, im Tod zu bleiben, sondern will die Gräber öffnen, die Steine wegrollen nicht nur für sich selbst, sondern für uns alle. Zukunftslust für uns selbst könnte doch heißen: Heute mal etwas ganz anderes machen, einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, sich mit anderen Kollegen zur Pause verabreden, ein neues Hobby anfangen, eine Sprache lernen, ein Musikinstrument wieder aus dem Keller holen und spielen, einen Dienst, für den ich scheinbar keine Zeit mehr habe, wieder aufleben lassen, mich ganz neu irgendwo um die Ecke, in der Nähe engagieren. So etwas belebt, macht Lust auf Zukunft. Ganz im Sinne Jesu; neues auferstandenes Leben leben.
3 Minuten
Einer meiner schönsten Ostergottesdienste war schon am Gründonnerstag, also genau vor einer Woche. In unserer Mutterhauskirche waren mehr als 100 Kinder und Jugendliche und Erzieher:innen aus unseren Kinderheimgruppen des Josefshauses versammelt. Sie wohnen und leben in kleinen Gruppen in den umliegenden Dörfern, meist auf Bauernhöfen und kommen immer zu Festen und Feierlichkeiten nach Olpe. Und nun also am Gründonnerstag zur Brotsegnung. Auf einem Servierwagen auf schönen Tüchern lagen die großen, runden, köstlich duftenden Brote aufgereiht und man hatte Lust, einfach hineinzubeißen. In einem Gottesdienst in kindgerechter Sprache und mit fröhlichen Liedern haben wir versucht, ihnen das Geschehen mit Jesus und seinen Jüngern nahezubringen. Und am Ende habe ich die Brote gesegnet und sie wurden an die Gruppen ausgeteilt. Am Abend dann würden sie beim Abendessen diese Brote teilen und sie zusammen essen und dann sich erinnern an diesen besonderen Abend vor mehr als 2000 Jahren mit Jesus und seinen Jüngern. Nach dem Ende der Feier haben wir noch mit den Kindern geplaudert und ein Kind wollte wissen, ob sie denn jetzt das Brot ohne was dazu essen müssten. Ein bisschen hatte es also verstanden, dass es ein besonderes Brot war und meine Mitschwester hat ihn dann neugierig gemacht. Sie hat gesagt: "Probier es doch mal! Beiß heute Abend ein Stück ab und kaue es ganz lange und langsam und dann wirst du merken, dass es im Mund immer süßer wird." – "Oh ja, das probiere ich", war die erstaunte und begeisterte Antwort. Wir Schulgebildeten wissen, dass es um die chemischen Prozesse geht mit Kohlehydraten und Speichel im Mund. Aber für dieses Kind wird es wunderbar sein zu entdecken, dass aus diesem Brot, das in der Mutterhauskirche gesegnet worden ist, etwas wunderbar Süßes im Mund wird, und wird sein Erstaunen darüber garantiert überall weitererzählen – so wie es allen Christen in der Nachfolge Jesu gegangen ist: Aus dem Erleben des letzten Abendmahls mit Jesus in der Gewissheit des nahen Kreuzestodes wird immer neu das Brot des Leidens zum Brot des Lebens werden, das alle Köstlichkeit in sich enthält und Leben spenden wird bis zum Ende unserer Tage.
3 Minuten
Eine der zauberhaften Ostergeschichten im Neuen Testament ist die um Maria Magdalena. Sie geht, von Kummer und Liebe getrieben, am frühen Ostermorgen zum Grab, macht sich Gedanken, wie sie den Stein wegbekommen soll, der das Grab verschließt und ist dann völlig verwirrt, weil der Stein weggerollt ist. Sie rennt zu Petrus und Johannes, die lassen sie einfach stehen und rennen selbst zum Grab, sehen die Tücher, aha, zusammengefaltet und ordentlich, kapieren aber überhaupt nichts. "Er sah, und glaubte", heißt es zwar über Johannes, aber was er glaubte, ist da nicht zu lesen. Und dann gehen sie verwundert nach Hause und lassen Maria wieder stehen. Und was macht Maria? Sie steht am Grab und weint, aus Trauer über den schrecklichen Tod Jesu, aus Kummer über all das Schreckliche der letzten Tage, aus Liebe zu ihrem Rabbuni. Und sie beugt sich ins Grab und sieht die Engel. Und einer fragt sie, warum sie denn weint. Und sie sagt: "Man hat meinen Herrn weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat." Und dann sieht sie Jesus. Sie ist aber vor Trauer so blind, dass sie ihn nicht erkennt und denkt, es ist der Gärtner. Und auch Jesus fragt sie zartfühlend: "Wen suchst Du? Warum weinst Du?" Und sie erklärt ihm ihre Sehnsucht. Und dann ruft Jesus sie beim Namen: "Maria" - Und da gehen ihr die verheulten Augen auf und sie erkennt ihren Rabbuni. Und Jesus gibt ihr, der Frau, den Auftrag, zu den Jüngern zu gehen und alles zu berichten und über ihn Zeugnis zu geben. Und sie rennt und berichtet den Aposteln: "Ich habe den Herrn gesehen. Ich, die Frau, und ich habe die beste Botschaft der Welt für Euch und für alle: der Tod ist nicht das Ende, nicht das Letzte, nicht der Schrecken ein Leben lang. Der Tod ist nur der Durchgang. Auferstehung ist angesagt und ganz neues Leben." Maria ist die erste, die den Auferstandenen gesehen hat. Apostolin der Apostel hat Papst Franziskus sie deshalb endlich genannt.  Vielleicht können nur Menschen in tiefer Trauer, mit verweinten Augen wegen eines Verlustes, in Verzweiflung wegen der Situation, in der man im Moment leben muss, und mit sehnsuchtsvoller Liebe zu den Menschen, zu denen man im Moment nicht gehen kann, den Auferstandenen sehen und ihn erkennen und dann von ihm erzählen.  
2 Minuten
Geht es Ihnen eigentlich ähnlich? Die Feiertage sind vorbei, manche leckeren Speisen gab es zu Ostern, dazu sicherlich der eine oder andere Familienbesuch. Und auch wenn die Schulferien noch diese Woche andauern, so hat uns ab heute der Alltag wieder. Ist Ostern damit vorbei? Ganz bestimmt nicht. Dafür ist die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod doch viel zu wichtig, als dass man sie in ein paar Feiertage packt und danach ist alles wieder wie sonst. Die Kirche – und das sind wir Getauften alle – feiert den Kern des Osterfestes eine ganze Woche lang, acht Tage, also von Sonntag bis Sonntag – eine ganze Oktav! Diese Tradition ist sehr alt und stammt aus dem Judentum, wo auch die wichtigsten Feste ganze acht Tage lang gefeiert werden. Jeden Tag hören wir in dieser Woche eine kurze Episode aus den Erzählungen der Evangelisten von der Auferstehung Jesu. Gestern waren es die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus, denen Jesus begegnete und sich beim Brechen des Brotes zu erkennen gab. Heute sind es wieder die Frauen ab Grab, die voll Freude zu den anderen Jüngern laufen wollen, um ihnen das schier Unglaubliche zu berichten. Dabei begegnen sie plötzlich dem Auferstandenen selbst. Mir selbst wird beim Betrachten dieser ganzen Episoden in der Osteroktav immer wieder neu bewusst, wie facettenreich doch Ostern eigentlich ist. Grund genug also, um noch einige Tage zu feiern. Und um mal ehrlich zu sein: Die Botschaft von der Auferstehung ist so schön und so befreiend, dass eigentlich immer Ostern ist.
3 Minuten
Sie haben jetzt echt genug, die beiden Jünger Jesu. Drei Jahre sind sie mit ihm unterwegs gewesen, haben viel zusammen erlebt, ihm zugehört und gesehen, wie sich immer mehr Menschen versammelt haben, um zu sehen, zu hören, Wunder zu erleben. Und sie haben die stillen Stunden mit ihrem Meister erlebt, mit Gesprächen am Feuer, mit gemeinsamem Essen und verwunderlichen Aussagen. Und sie haben die ansteigende Feindschaft erlebt und den Hass der religiösen Führer und haben gemerkt, dass ihr Meister das alles weiß und trotzdem in dieses Jerusalem geht, wie irgendwie angetrieben von einer inneren Macht. Und dann ist es wirklich passiert: Verhaftung, Folter, Kreuzigung, Tod. Und sie haben beschlossen, nichts wie weg aus dieser Stadt mit all den unsäglichen Erinnerungen der letzten Tage. Irgendwann geht einer mit und sie merken es erst nicht. Er fragt einfühlsam, warum sie so traurig seien und sie sind baff, dass dieser Eine so gar keine Ahnung hat von dem ganzen Geschehen der letzten Tage, was ihnen so zu schaffen gemacht hat, dass sie abgehauen sind. Und er erklärt geduldig das Warum und Weshalb und Wieso. Aber es geht irgendwie zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Und dann wollen sie, dass er bleibt und mit ihnen isst und sie weiterreden können. Und da erst: Die Zeichen kommen ihnen bekannt vor, diese Art wie er das Brot zerreißt, diese eine Art des Lobgebetes, dieser Blick der sie bis ins Mark trifft, aber in Liebe. Und dann gibt es kein Halten mehr: aufspringen und zurückrennen, die anderen suchen und finden und atemlos berichten vom "Wir aber hatten gehofft" bis zum Brotteilen, essen und plötzlich offene Augen und Herzen bekommen. Und auch die anderen erzählen, was sie erlebt haben und sind völlig von der Rolle, weil sie es einfach nicht glauben konnten. "Musste das nicht alles geschehen, damit die Schrift erfüllt wird", hatte Jesus gesagt, aber sie fanden das gar nicht so. Aber jetzt war es geschehen und Jeus lebt und alles wird anders, unerhört, fremd und ungesehen und unaussprechlich schön.
Morgenimpuls

Morgenimpuls

Der Start in den Tag