Morgenimpuls Archiv
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Mit dem Pfingstfest haben hier im Sauerland auch die Schützenfeste in allen Dörfern und noch so kleinen Flecken begonnen. Endlich, sagen alle, die es lieben: diese Feste, die alle zusammenbringen zum Feiern, zum Marschieren, zum Tanzen und in den lauen Nächten zum Eierbacken. Da kommen die Verwandten von nah und fern, da kommen alle, die schon mal weggezogen sind, nach Hause, alle die schon mal Schützenkönig waren und mit Vergnügen sich in die Feierlichkeiten stürzen. Da gibt es feste Rituale und Regeln, wann, wo, was ist und wer da sein muss. Wer sich als Schützenkönig bewirbt und wer auf den Vogel schießen darf. Erst hier habe ich tatsächlich verstanden, dass das Wort, der hat aber den Vogel abgeschossen, einen realen Hintergrund hat und damit zu tun hat, wer mit dem letzten Schuss den Holzvogel vom Nagel holt.Der leitende Pfarrer ist ein bisschen erschrocken, ob der vielen Schützenfeste, zu denen er eingeladen ist, und bemerkt aber erfreut ganz nebenbei, dass er dort mit Leuten ins Gespräch kommt, die er sonst das ganze Jahr kaum trifft. Als ich hier neu war, habe ich ganz arglos beim Umtrunk gefragt, wozu es die Schützen denn überhaupt gibt. Der angefragte Schützenoberst hat milde gelächelt ob der Unwissenheit der neuen Schwester und sehr freundlich gesagt: "Schützen sind dazu da, um zu schützen" Das hat sich mir sehr eingeprägt. Vor mehr als siebenhundert Jahren, als der kleine Ort die Stadtrechte verliehen bekam, gründete sich der Schützenverein: als Bürger- und Stadtwehr. Und sehr häufig war es auch bitter notwendig. Denn in allen verrückten Zeitläufen war es immer wichtig, dass eine kleine Stadt gut verteidigt und bewacht wurde, wenn Räuberhorden, fremde Soldatengruppen oder ganze Kriegstruppen angerückt kamen.Ein interessanter Aspekt kam mir in einem anderen Gespräch mit Schützen. Es ist auch wichtig, in einem solchen Ort die guten Sitten, die Treue zur Stadt und zum Glauben zu schützen. Und da bin ich mir sicher: Wenn einige tausend Männer und ihre Familien sich darum kümmern, dass in der Stadt die Themen des Lebens positiv behandelt werden, wenn in Sachen Kirche und Glaube tatsächlich ein Einvernehmen bei aller Auseinandersetzung erreicht wird, wird das gute Klima in einer Stadt geschützt und gut gehütet. Schützen schützen – ein gutes Wort.
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"Freue dich, du Land der Deutschen, und preise deinen Apostel und Bischof. Seine Predigt brachte dir das Licht des Glaubens. Seine Sorge um dich erfleht dir Gottes Schutz." So lautet die Antiphon zum heutigen Benedictus.Den Mann, den die Kirche heute feiert, hat es ziemlich weit durch Europa gebracht, hat es aus seiner Berufung als Mönch herausgerufen, die Leitung der Klosterschule aufzugeben, von England nach Friesland zu gehen um dort das Evangelium zu verkünden, vom Papst zum Bischof geweiht zu werden und somit ganz offiziell zur "Germanenmission" beauftragt zu werden, Erzbischof und päpstlicher Legat für Germanien zu werden.Er predigt mit großem Erfolg in Hessen und Thüringen, gründet sechs große Klöster und macht sich dann ans Werk, die Kirche zu ordnen und die Bistümer Salzburg, Regensburg, Passau, Würzburg und Erfurt zu gründen. Er wird dann Bischof in Mainz und ist sich nicht zu schade, nochmals eine Missionsreise zu unternehmen, bei der er am 5. Juni 754 den Martertod erleidet. Bonifatius wird deshalb Apostel der Deutschen genannt und an seinem Grab in Fulda, treffen sich in jedem Jahr die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbstkonferenz. Wie passt das alles in ein einziges Leben? - denken Sie vielleicht auch. Bonifatius war kein bedeutender Theologe, aber er verband missionarischen Eifer mit einer seltenen Begabung für Organisation und Administration. Und er ist nicht sitzen geblieben, auf seiner ersten Berufung, sondern hat sich von Gott immer neu herausrufen lassen mit neuen Aufgaben. Vielleicht ist es das: er hat die Begabungen, die er von Gott geschenkt bekommen hat, geschult, entwickelt und immer neu eingesetzt. Was sind so Ihre Begabungen, die Sie heute einsetzen können? Welche Fähigkeiten, die Sie als Gabe bekommen haben, haben Sie noch gar nicht richtig wahrgenommen? Das ist eine Überlegung heute wert am Tag des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen.
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Zurzeit sind für zehn Tage philippinische Mitschwestern hier bei uns in Olpe. Vor vielen Jahren hat die schöne Tradition begonnen, dass die Silberjubilarinnen, also die Schwestern, die vor 25 Jahren eingekleidet worden sind, hier nach Olpe zum Gründungsort kommen. Und dann haben sie volles Programm und fahren durchs Land und sind auf den Spuren Mutter Theresias in Köln und in Paderborn und hier im Sauerland unterwegs. Und einen Abend waren sie bei uns im Konvent. Und es war ein wunderbarer Abend mit dem köstlichen Essen, das wir gekocht hatten und mit den vielen Gesprächen, über Gott und die Welt und Land und Leute. Natürlich wissen wir mittlerweile viel voneinander in den anderen Provinzen unserer Schwester aus Berichten und Veröffentlichungen und Generalversammlungen und evtl. auch schon Besuchen im anderen Land. Aber es ist etwas komplett anderes, sie neben sich sitzen zu haben, zusammen zu essen, zu genießen, Geschichte und Geschichten zu hören und viel Spaß bei den etwas komplizierten Englischversuchen zu haben. Mir war zwar bewusst, dass Englisch dort die Amtssprache ist, aber für viele Menschen dort, die mehrere hundert andere Sprachen sprechen, eigentlich Philippino die gemeinsame erste Fremdsprache ist. Und ich war und bin beeindruckt von den Berichten über die Arbeit mit Straßenkindern, den Ernährungsprogrammen für die vielen Armen im Umfeld der Schwestern, über hohe Schulabschlüsse, die ehemalige Straßenkinder erreicht und Studiengänge, die sie abgeschlossen haben. Und bei den Berichten strahlen die Augen der Schwestern und man spürt sehr deutlich, dass ihr Engagement für die Armen und besonders für Kinder aus der Liebe zu Christus und zu seiner frohen Botschaft kommen. Sie beten viel und intensiv und haben uns dann zum Abschied kleine Rosenkränze geschenkt, die sie in ihrer Freizeit anfertigen und auch damit Erlöse für ihre Arbeit zu bekommen. Wir fühlen uns von diesen wenigen Stunden miteinander sehr angetan und glücklich, solche Mitschwestern zu haben, die uns jetzt viel näher sind, als es die vielen tausend Kilometer Distanz in ihr Heimatland vermuten lassen könnten.
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Heute beginnt eine besondere Woche für mich und eine Mitschwester und für die sechsten Klassen der Sankt Franziskusschule hier in Olpe. Seit vielen Jahren gibt es das Projekt der Klostertage für die sechsten Klassen im Mutterhaus. Als aber während der Pandemie das zum ersten mal ausgefallen ist, hatten wir eine Idee. Drei sehr fitte Schüler der 11. Klasse haben einen Film gedreht über das Ordensleben im Mutterhaus und zwei Sechstklässler haben die Themen, Fragen und Interviews gemanagt. Da nun seit 4 Jahren das Mutterhaus saniert wird, können wir schon zum dritten Mal "Klostertage in der Schule" machen. Also quasi genau andersherum agieren. Die Schüler bleiben im vertrauten Umfeld und die Schwestern kommen zu ihnen.Das ist es glaube ich, was auch der Punkt ist, was unsere Kirche immer mehr tun muss und auch schon tut: heraus aus ihren ummauerten Sicherheiten und hinein in die Orte, wo sich die Leute im normalen Leben aufhalten. Jetzt also wir in der Schule. Und dann wird es überraschend. Nach dem Film kommen immer unglaubliche Fragen und die Beobachtungsgabe der Schüler ist beeindruckend. Die Frage: warum trägt die Novizin keinen goldenen Ring? wird zur Debatte, was Liebe und Treue im Kloster und bei den Schülern zuhause bedeuten kann. Und die Erkenntnis, dass drei junge Frauen vor mehr als 160 Jahren etwas begonnen haben, was über diese lange Zeit so viel Gutes bewirkt hat, wird zur Frage, was man heute eigentlich doch machen kann, auch wenn es immer heißt, dass Einzelne nichts tun können. Es geht immer in beide Richtungen und die Erkenntnisse und das angefragt werden, liegt wechselweise auf beiden Seiten. Das ist anspruchsvoll und anstrengend und am Ende der Woche werde ich ziemlich k.o. sein, aber auch reicher an Erlebnissen mit den Schülern und Fragen an mich als Christin heute.Leben, arbeiten und agieren wir so, dass wir gefragt werden und geben wir dann Auskunft zu dem, was wir glauben und was uns im Leben trägt. Damit die Menschen spüren, wes Geistes Kinder wir sind und sie teilhaben können an diesem guten Geist, der die Welt verwandeln will.
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Am Mittwochabend hat der Katholikentag in Erfurt begonnen und ich gestehe, dass es mir in der Seele leidtut, nicht in dieser wunderschönen Stadt zu sein. Beim letzten Treffen in Stuttgart hat mich Corona ausgebremst und diesmal, der noch nicht so richtig für Langstrecken geeignete Fuß, den ich mir im Januar gebrochen hatte. Auf einem Katholikentag zu sein bricht immer alle Rekorde bei gelaufenen Kilometern und zehntausenden gezählten Schritten."Zukunft hat der Mensch des Friedens" ist die Überschrift über diesen Tagen und erinnert uns daran, dass es eine sehr reale Herausforderung ist, im Blick auf die vielen Kriege weltweit, die Sorge um den Frieden nicht zu vernachlässigen. Schon in den uralten Psalmen aus dem Alten Testament ist die Frage immer wieder gestellt, was notwendig ist, damit Frieden werden kann. Der Psalm 37, aus dem dieser Vers genommen ist, macht eine atemberaubende Zusage Gottes deutlich: nämlich, dass der Mensch, den er geschaffen und in seine Schöpfung gestellt hat, Leben und Zukunft hat. Wenn wir uns immer wieder auf die Suche zu den wirklichen Quellen des Lebens machen, werden wir sie auch als Quelle des Friedens entdecken. Und dass es immer notwendig bleibt sich um Frieden zu bemühen: Frieden zwischen den Generationen, den Familien, der vielschichtigen Gesellschaft und zwischen Natur und Menschen. Und doch bleibt dieser Psalmvers auch eine Zumutung, wenn wir auf die vielfältig negativen Nachrichten in unserem Umfeld, die bestehenden Ungerechtigkeiten in vielen Ländern und die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit schauen.Ich bin gespannt darauf, welche Antworten, welche Grundsatzüberlegungen, welche Gebete und Gesänge es dazu geben wird und was auch medial rüberkommt, wenn man nicht dabei sein kann. Vielleicht können sie und ich für einen gelingenden Katholikentag beten und selbst danach ausschauen, wie das denn bei mir und bei Ihnen gehen kann mit der Zusage: "Zukunft hat der Mensch des Friedens".
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Manchmal habe ich keine Idee, die ich Ihnen mitgeben könnte. Und man muss ja das Rad nicht immer neu erfinden. Also habe ich gelesen und geblättert und habe ein paar Gedanken gefunden, die meinem Verständnis des heutigen Festes sehr entsprechen und die ich Ihnen also gern mitgeben möchte.Am heutigen Fronleichnamsfest gehen wir aus der Kirche hinaus. Wir verlassen einen ummauerten Raum und gehen auf die Straßen. Wir haben als Kirche die Aufgabe "das Weite zu suchen". Denn Jesus hat uns zum Leben befreit, zu einem großen und weiten Leben ohne Angst vor kleinlichem Denken. Und einer der meistgesungenen Psalmverse lautet nun einmal: "Du führst uns hinaus ins Weite."Und hinausgehen bedeutet auch, Fortschritte machen. Wir ziehen in einer Prozession durch die Straßen. Das lateinische Wort "Prozession" kommt von "procedere". Und das heißt: vorwärtsgehen, voranschreiten. Wer eine Prozession machen will, darf nicht auf der Stelle treten, sondern muss fortschreiten. Unsere Kirche darf nicht auf der Stelle treten, sondern muss sich weiterentwickeln. Sie muss Schritt halten mit den Menschen, muss beweglich bleiben, um immer neue Wege zu finden, sich unserer Welt mitteilen zu können. Wer nur auf der Stelle tritt, der kann Dinge konservieren und feststampfen. Aber Kirche soll nicht konservativ, nicht festgestampft, sondern lebendig und liebenswert sein – und immer neu Fortschritte machen. Nicht stehen bleiben bei dem, was war – und nun nicht mehr zu funktioniert, sondern gehen – auf die Menschen zu und in die Zukunft Gottes hinein.An diesem Tag tun wir sichtlich etwas, was wir sonst nicht so deutlich tun, nämlich "Christus hochhalten". Wir machen das, wenn wir die Hostie in die Monstranz stellen und hochhalten. Damit bringen wir zum Ausdruck: Christus ist uns heilig. Mehr noch, er ist unser Allerheiligstes. Er ist uns so wichtig wie das Brot. Ohne ihn können und wollen wir nicht leben – nicht ohne sein tröstendes und ermutigendes Wort, nicht ohne seine Zusage eines erlösten und befreiten Lebens, das er aus Liebe für uns erworben hat, nicht ohne die Gemeinschaft, die er um seinen Tisch versammelt. Wir wollen Christus hochhalten – und ihn in unsere Mitte stellen – nicht uns selbst und auch sonst keinen Menschen, sondern nur IHN, den Herrn.
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Am Bildschirm meines Computers im Büro klebt eine Postkarte. Und darauf ein Wort, das dem Heiligen Franziskus von Assisi zugeschrieben wird: "Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst Du das Unmögliche."Und es ist wie mit allem, was man Tag für Tag vor Augen oder vor Ohren hat, man nimmt es nicht mehr wahr. Obwohl es direkt in meinem Blickfeld hängt, sehe ich es nicht mehr. Aber halt manchmal, wenn ich da sitze und ein Problem wälze, nach Ideen forsche, einen komplizierten Sachverhalt klären muss: Plötzlich fällt mein Blick auf diesen Satz. Und dann hole ich tief Luft und versuche zu sortieren: Was ist im Moment das Notwendige? Und dann tue ich zunächst das. Also einen Text suchen, vergangene Vorgehensweisen zu Rate ziehen, schauen, wie ich ähnliche Probleme früher gelöst habe. Und dann das Mögliche: Manchmal muss ich bedenken, dass ich das Problem heute nicht lösen kann, ich erst noch Gespräche führen, mich mit Leuten beraten, die sich in dem zu klärenden Sachverhalt besser auskennen, Mails und Telefonate erledigen. Manchmal muss man auch über einer Sache schlafen, etwas anderes zwischendurch machen oder: und beten und es vor Gott bringen. Und dann plötzlich hat man die Lösung und es scheint ganz einfach gewesen zu sein.Im Buch Deuteronomium heute steht der ebenfalls so einfache wie uralte Tipp: "Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote achten, auf die ich dich heute verpflichte." Es ist also ein Plädoyer dafür, was die Alten Gottvertrauen genannt haben: das, was ich tun kann, in Ruhe zu tun, meine Talente, Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen, mir Rat und Hilfe suchen, wo ich es brauche und alles Tun und Gelingen Gott anzuvertrauen und im Gebet vor ihm bedenken.Also auch für Sie für heute der Tipp des Heiligen Franziskus von Assisi: "Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst Du das Unmögliche."
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Am Sonntagmorgen in der 11.00 Uhr-Messe saß schräg links vor uns eine junge Familie mit drei Kindern. Vielleicht sechs, drei und ein Jahr alt. Mir sind sie aufgefallen, weil sie so traumhaft schick angezogen waren. Alle fünf in hellblauen Hosen und dann in herrlich einfarbigen Shirts in gelb, grün, rot, blau und pink. Die Kinder waren außergewöhnlich leise und man merkte ihnen an, dass sie oft zum Gottesdienst gehen. Der Kleinste hat sehr schnell auf Mamas Schoß geschlafen, weil es dort sicher und beruhigend ist und die anderen beiden haben unter Papas Anleitung alle Abschnitte der Heiligen Messe mit ihren Kindermessbüchern verfolgt. Aber irgendwann nach der Wandlung hatte der Große beide Bücher und hat sich damit beschäftigt, Seite für Seite zu schauen, was da anders ist und was so ähnlich; und hat mit Zeichen den Papa aufmerksam gemacht. Mir wäre das gar nicht aufgefallen, wenn meine Mitschwester nicht immer begeistert dorthin geschaut hätte.Kinder sind sehr wach und erleben den Sonntagsgottesdienst in der großen Kirche als heiliges Spiel nach immer gleichen Regeln. Das gemeinsame Singen und Beten vieler Menschen setzt sie in Erstaunen und das Staunen ist der wunderbare Ausdruck für das Anbeten Gottes. Kinder und Enkelkinder brauchen Anleitung und Hilfe, um zu sehen und zu hören, zu verstehen und zu begreifen. Aber noch mehr brauchen sie, dass sie mitgenommen werden zum Gottesdienst, dass sie erleben, wie die Eltern und die anderen Erwachsenen beten und singen und diese Stunde am Sonntag leben und erleben.Und einige andere Kinder weiter hinten im Kinderwagen haben das erfüllt, was schon im Psalm 8 so herrlich besungen wird: "Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen. Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt."Danke Herr, dass Du dir aus dem Mund der Kinder und Säuglinge Lob erschallen lässt.
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Ja, ich könnte mich ärgern und viele tun es auch. Der Papst hat mal wieder No – Nein gesagt zur Frage, ob Frauen bald zu Diakoninnen geweiht werden können. Und dann kommt ein weitschweifiges frommes Gerede darüber, dass ja Frauen längst überall auf der Welt diakonische Dienste tun und wirksam sind und es dafür gar keine Weihe braucht.Ach ja, Papa Francesco! Wozu dann all die Bemühungen der letzten Jahre weltweit, um die Fragen nach einer synodalen Kirche und der Teilhabe der Frauen an Diensten und Ämtern in ihr? Wozu die langen Antworten die jetzt aus allen Diözesen der Welt in Rom eingetrudelt sind, um die Weltsynode im Oktober vorzubereiten? Die Frage nach dem Umgang mit den Frauen wird die Zukunft der Kirche entscheiden.Am Wochenende haben wir 75 Jahre Grundgesetz in Deutschland gefeiert. Im parlamentarischen Rat damals 1948/49 waren 61 Männer und 4 Frauen. Und diese vier Frauen haben geschafft, was die ganzen Männer dort verhindern wollten. Nämlich den Satz: "Frauen und Männer sind gleichberechtigt." Sie sind durchs Land gefahren und haben dafür geworben, dass der Neuanfang des Landes nach der Katastrophe der Nazidiktatur und des 2. Weltkrieges wirklich nur mit allen, also Männern und Frauen gelingen kann. Und es haben so viele Hundertausende Menschen sich an diesem Protest beteiligt, dass dieser Satz genauso ins Grundgesetz kam. Dass die Gleichberechtigung in vielen Bereichen immer noch nicht vollständig gelungen ist, ist eine Tatsache. Aber man hat den Anfang gewagt und ist damit mehr als gut gefahren.Ich weiß auch, dass es ein etwas gewagter Vergleich ist. Aber wenn meine Kirche, die ich liebe und in der ich bleibe, es weiterhin auf die lange Bank schiebt, diese Frage zu entscheiden und über den Schatten der patriarchalen Ordnung zu springen, dann werden am Ende nur die wenigen geweihten Männer in der alten, verfassten Kirche übrigbleiben. Und es wird sich eine andere neue Kirche bilden mit Männern und Frauen, die sich nach dem Evangelium richten und nicht nach dem, was sich über Jahrhunderte an Vorschriften angesammelt hat. Die lange Bank, auf der seit Jahrhunderten immer wieder Entscheidungen umhergeschoben worden sind, diese lange Bank ist das liebste Möbelstück des Teufels.
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Der Alltag hat uns wieder! Die Osterzeit ist mit Pfingsten endgültig vorbei, diese Pfingstwoche endet heute auch und wir sind wieder im Jahreskreis. Was für kirchlich geprägte Menschen total sinnvoll klingt, dürfte für die meisten eher merkwürdig daherkommen. Ostern, das ist doch schon lange her. Und Pfingsten ist doch das lange Wochenende, an dem alle Kölner nach Holland ans Meer fahren.Ja, man könnte jetzt jammern, dass viele Menschen nur noch wenig vom Glauben wissen. Ich frage mich da immer: Woher kommt das? Zumindest in West-Deutschland gab und gibt es flächendeckenden Religionsunterricht in der Schule, es gab starke volkskirchliche Strukturen mit Gruppenstunde, Kommunionunterricht und vieles mehr. Trotzdem scheint über Jahrzehnte das Glaubenswissen dramatisch weniger geworden zu sein und vieles, wie eben das besagte Kirchenjahr ist überhaupt nicht mehr selbstverständlich.Ich erlebe es regelmäßig, dass Katholikinnen und Katholiken viel von früher sprechen – früher war das Pfarrfest riesengroß, es gab drei Kapläne und über 100 Kommunionkinder. Wat fott es, es fott – was weg ist, ist weg, sagt der Kölner und die Kölnerin. Und da hilft jammern nun gar nicht. Sondern schauen wir lieber auf das, was möglich ist.Und da ist ein ganz wichtiger Schritt, dass man mit Menschen ins Gespräch kommt. Wenn jemand interessiert nach unserem Glauben fragt, dann ist das gar nicht so wenig wie es scheint. Wir können dann erzählen, warum uns der Glaube wichtig ist, wie uns Gott erfüllt, was Christsein für uns bedeutet. Klar, wenn wir an die vollen Kirchen früherer Zeiten denken, wirkt im Vergleich dazu ein solches Gespräch erstmal etwas dünn. Aber angesichts der Fülle der Möglichkeiten, die sich den Menschen heute bietet, ist so eine ernst gemeinte Frage zum christlichen Glauben gar nicht mal so schlecht. Vielleicht schauen wir in diesen Tagen, in denen wir wieder im kirchlichen Alltag sind, doch ein bisschen genauer auf die Dinge, die uns Hoffnung machen: für unseren Glauben, für unsere Kirche.
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Ich bin ein Fußballfan durch und durch und bleibe in Höhen und Tiefen zwar mal mehr, mal weniger begeistert, aber eigentlich immer neugierig auf diesen so unberechenbaren Sport. Er wird auf der ganzen Welt gespielt und oft gewinnen genau die, die nicht den Millionenkader in der Mannschaft, sondern die meiste Begeisterung haben.Am Pfingstsonntag war ich noch mehr angetan und begeistert als sonst. In Liverpool hat sich Jürgen Klopp mit dem letzten Heimspiel seiner Mannschaft verabschiedet. Und schon in den Tagen zuvor und in den Wochen, seit er seinen Abschied angekündigt hat, wurde deutlich, welche Bedeutung er für den Fußball in seinem Verein aber auch für die Stadt und für das Umfeld hatte. Vor neun Jahren, als er seinen Dienst angetreten hat, hat er den Spielern und den Zuschauern gesagt, sie sollen doch bitte aus Zweiflern zu Gläubigen werden und er werde alles dafür tun, damit sie es werden können. Und wenn man dann weiß, dass er aus seinem Glauben an Jesus Christus lebt, bekommt das noch eine etwas andere Note.Und den Zuschauern im Stadion, die manchmal lustlos und wenig begeistert waren, hat er gesagt, dass die Spieler ihren Ansporn brauchen würden und wenn sie das nicht leisten wollten, sollten sie doch ihre Tickets an begeisterte Leute weitergeben. Das kam nicht so toll an, aber er meinte es ernst. Wenn man die letzten Jahre dann gesehen und gehört hat, wie begeistert das ganze Stadion gesungen, die Sprechchöre nahezu identisch gerufen wurden versteht man, worum es geht: authentisch und begeisternd für andere sein, den Glauben auch nach Niederlagen nicht verlieren und immer zu 100 Prozent dafür einstehen, was man als gut und richtig erkannt hat.Junge Leute haben bei Jürgen Klopps Abschied erzählt, dass sie durch sein Vorbild wieder mehr Energie für die Schule, die Ausbildung, das Studium bekommen haben und die ganze Stadt irgendwie fröhlicher, begeisterter und zukunftsfreudiger geworden ist. Jürgen Klopp hat die Gaben, die er bekommen hatte, genutzt und eingesetzt für seine Mannschaft, seinen Verein, seine Stadt. Setzen wir unsere Gaben und Talente ein für das, was uns heute aufgetragen ist authentisch echt und begeisternd.
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Wir sind in der Woche nach dem Pfingstfest und ich hatte dieser Tage in einem Schaukasten ein sehr eindrückliches und schönes Plakat gesehen, dass die sieben Gaben des Geistes aus der Sicht von jungen Leuten dargelegt hat. Gestern ging es um die Gaben der Weisheit, des Rates, der Einsicht und der Erkenntnis. Und ich habe gespürt, dass es manchmal gut ist, andere Worte und andere Auslegungen zu bekommen, dass das Feuer des Geistes wieder entfacht wird. Heute möchte ich Ihnen gern die Gaben der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht mit diesen Aussagen der Jugendlichen ans Herz legen. kraftvoll am Werk – die Gabe der StärkeIn Situationen, in denen alles schief zu laufen scheint, ist es wichtig, den Mut nicht zu verlieren. Ob es nun ein Leistungstief in der Schule oder eine Krise in einer Beziehung ist: Der Heilige Geist will dich stark machen, Krisen zu bewältigen und dich nicht unterkriegen zu lassen.beständig am Werk – die Gabe der FrömmigkeitGott hat Sehnsucht nach dir! Er ist wie ein guter Freund, der dich nie verlieren möchte. Frömmigkeit bedeutet, deinen Faden zu ihm nie abreißen zu lassen, immer "online" für ihn zu sein – auch wenn es zuweilen ein Stand-by-Modus ist.geheimnisvoll am Werk – die Gabe der GottesfurchtGottesfurcht bedeutet nicht, Angst vor Gott zu haben, sondern zu wissen, dass Gott alles geschaffen hat und dass ALLES seine DNA trägt. Deshalb gilt es, behutsam, vorsichtig, fast zärtlich mit den Dingen umzugehen – mit der Natur, den Pflanzen, den Tieren und mit jedem Menschen. Denn Gott "wohnt" in allen Dingen. Also von daher vielleicht auch die Ehrfurcht vor Gott.Mir ist beim Lesen auch noch bewusst geworden, dass diese Gaben Gottes in unserem Tun, in unseren Werken deutlich werden. Der Heilige Geist ist zusammen mit uns klug und entschlossen am Werk, empfänglich und plausibel, kraftvoll, beständig und geheimnisvoll am Werk, um in uns und mit uns das Angesicht der Erde zu erneuern.
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Jetzt sind wir am Dienstag nach dem Pfingstfest und es ist schon viel Alltag. Das verlängerte Wochenende ist vorüber und Schule und Arbeit beginnen wieder. Aber manchmal gibt es noch so schöne Eyecatcher, also Bilder die einem ins Auge fallen, dass ich immer noch gern beim Pfingstfest bleibe. In der Pfingstvigil – einer Aktion von Renovabis und go4peace, haben junge Leute in ihrer Sprache die sieben Gaben des Geistes für sich entdeckt und erklärt und ich teile sie gerne heute und morgen mit Ihnen. klug am Werk – die Gabe der WeisheitSie hilft dir zu unterscheiden, was für dich wichtig ist und was nicht, wofür es zu kämpfen lohnt und wofür nicht und wie dein Herz Frieden findet.entschlossen am Werk – die Gabe der EinsichtDiese Gabe hilft dir, den Durchblick zu behalten, mit Klarheit immer neu auf dein Leben zu schauen, auf dein Herz zu hören, eigene Wege zu entdecken, zu korrigieren, das Leben neu zu justieren und dich immer neu zu entscheiden.empfänglich am Werk – die Gabe des RatesDiese Gabe macht dich fähig, gut zuzuhören und das Leben so anzuschauen, wie es sich zeigt. Aus diesem inneren Verstehen und Schauen heraus schenkt dir Gott die Inspiration, einer Freundin oder einem Freund einen guten Rat anzubieten und den guten Rat anderer anzunehmen.plausibel am Werk – die Gabe der ErkenntnisBei Entscheidungen ist es wichtig, dich nicht nur von Gefühlen, sondern auch von deinem klaren Verstand leiten zu lassen. Eine gute Allgemeinbildung ist die Grundlage dafür, dir ein eigenes Urteil zu bilden.Und ich danke auf diesem Wege der Frau in der Gemeinde, die das in ein wunderschönes Bild in den Schaukasten gesetzt hat.
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Viele von Ihnen kennen sicher das Pantheon in Rom. Vor mehr als 2.000 Jahren als Tempel gebaut, ist es eines der faszinierendsten Gebäude überhaupt: mit dem sich nach oben verjüngenden Betonschichten, die noch nie eingestürzt sind, mit der riesigen Rundöffnung in der Mitte der Kuppel, auch als Auge zum Himmel beschrieben, und mit einer ungewöhnlichen Akustik. Seit vielen Jahrhunderten ist das Pantheon eine Marienkirche mit Gottesdiensten und Feierlichkeiten zu den Hochfesten der Kirche. Aber am spektakulärsten ist am Pfingstsonntag der Rosenregen, während die Pfingstsequenz gesungen wird. Tausende von roten Rosenblüten regnen aus der Kuppelöffnung auf die Gläubigen und sorgen für Entzücken.Eine nette Nebengeschichte dieses Spektakels ist, dass römische Feuerwehrleute, die eigentlich Feuer löschen sollen, auf die Kuppel steigen und den Rosenregen veranstalten. Die roten Rosenblüten sind die Symbole für die Feuerzungen, die auf die wartenden und betenden Jünger in Jerusalem herabgekommen sind und für die Gaben des Geistes, die von Gott gesendet werden, damit das Antlitz der Erde neu werde.Das Pfingstfest hat sonst wenige volkskirchliche Traditionen; sehr im Unterschied zu Weihnachten und Ostern. Das ist – glaube ich – die große Chance der Christen. Da es nicht um Festtagsidylle und Geschenkewahnsinn wie an Weihnachten und auch nicht um Osterhasen- und Eierspektakel wie an Ostern geht, ist es einfacher, sich auf den wirklichen Festinhalt zu konzentrieren, auf die Gaben des Geistes als Geburtstagsgeschenke Gottes an seine Kirche. 5 Prozent der Deutschen waren gestern oder heute in einem Gottesdienst. Also haben mehr als 4 Millionen Menschen die Botschaft von der Sendung des Heiligen Geistes gehört. Und wenn von ihnen ein paar Hunderttausend be-geistert sein werden, dann kann der Herr mit ihnen und durch sie alles neu machen und das Angesicht der Erde erneuern. Und ob das durch Feuerzungen oder Rosenblüten geschieht, ist dann ganz der göttlichen Phantasie überlassen.
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Eines der Bittlieder zum heiligen Geist, das wir in den letzten Wochen gesungen haben heißt: "Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, Besuch das Herz der Kinder dein: die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad." – Das klingt mit seinen weiteren Strophen doch eher ruhig und freundlich und friedlich. Und vielleicht klingt es auch ein bisschen wie: Aber sei nicht zu stürmisch und mach mich nicht zu unruhig.Wenn wir aber mal in die Pfingstevangelien schauen, dann ist da doch sehr viel mehr von Sturmgebraus die Rede. Und ich glaube, dass es damals so war und heute noch genauso notwendig ist. Der Sturm des Geistes, der über die Jünger gekommen ist, hat die lähmende Angst, mit der sie sich im Abendmahlssaal verkrochen haben, vertrieben und Fenster und Türen aufgesprengt. Der Geist vertreibt die Angst und bläst alles heraus, was alt und verrottet ist, damit Neues wachsen kann. Die Jünger brauchten den frischen Hauch Gottes, damit sie wieder leben konnten. Die Eingeschlossenen wurden zu Aufgeschlossenen und sie gaben die Botschaft in einer Sprache weiter, die alle verstehen konnten.So will der Heilige Geist uns Christen munter machen, uns herausrufen, frischen Wind in die Gesellschaft, in das Zusammenleben bringen. Er will für einen Klimawandel sorgen: gegen die Gleichgültigkeit, für einen neuen Umgang mit den Mitmenschen, mit der Schöpfung. Der Geist will für einen Klimawandel sorgen in der Kirche, gegen Resignation und Erstarrung, gegen das Verstecken hinter Rubriken und dem: "Das war immer so, und wird auch so bleiben!" Nein. Komm, belebender Geist!