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Musik für einen Gast Archiv

50 Episoden
1 Stunde 10 Minuten
Eine Kaffeetasse kann zur Figur werden. Entscheidend ist für Marius Kob, dass er selbst an ihr Leben glaubt – und das Publikum mit ihm. Der Figurenspieler und Figurenbauer bringt einen Gorilla aus Peddigrohr mit ins Studio und zeigt, wie schon eine kleine Bewegung den Eindruck wecken kann, eine Figur denke und fühle. Aufgewachsen ist Kob in Magdeburg. Zum Theater kam er als Jugendlicher durch eine Kabarettgruppe an seiner Schule. Sein erster Auftritt begann mit Jubel und endete damit, dass kaum noch jemand zuhörte. Die Frage, wie auf der Bühne ein Austausch mit dem Publikum entsteht, beschäftigt ihn bis heute. Später entdeckte er das Figurentheater und wusste: das ist mein Weg. Kob baut und spielt Figuren, arbeitet mit Schulklassen und kuratiert für das internationale Basler Figurentheaterfestival. Ihn interessiert, was Theater bei Menschen auslösen kann. Ein Stück soll für ihn mehr bieten als einen überraschenden Effekt: Es soll berühren. Auch die Frage nach Heimat begleitet seine Arbeit. Ein eigenes Stück entstand aus dem Blick auf das Magdeburger Viertel, in dem er aufgewachsen war und aus dem nach der Wende viele Menschen wegzogen. In «Musik für einen Gast» erzählt Marius Kob von seinen Anfängen auf der Bühne, vom Leben, das er Gegenständen einhaucht, und davon, weshalb eine gelungene Szene Raum für das Unvorhergesehene braucht. Dazu hört er Musik, die ihn seit seiner Jugend begleitet – von Ella Fitzgerald über Nirvana und Bach bis zu Miles Davis. Dessen Spiel erinnert ihn an etwas, das er auch im Figurentheater sucht: Kontrolle und zugleich die Offenheit für den Moment.
1 Stunde
Jean-Martin Büttner studiert an der Universität Zürich klinische Psychologie, Psychopathologie und Anglistik. Bald erkennt er: Psychologe wird er nicht. Musik und Schreiben faszinieren ihn mehr. Sein erster Artikel entsteht aus einem erbosten Leserbrief an eine Musikzeitschrift. Der Chefredakteur fordert ihn auf: «Mach es besser.» Büttner nimmt die Herausforderung an, schreibt besser und arbeitet später Jahrzehnte für den «Tages-Anzeiger» – als Bundeshauskorrespondent, Westschweizkorrespondent, Inlandredaktor und Musikkritiker. Seine Dissertation, mehrere hundert Seiten stark, widmet sich der Rockmusik als Erzählweise. Kurz vor der Pensionierung verändert ein Unfall sein Leben. Büttner verbrüht sich die linke Hand, die Finger müssen amputiert werden. Ein Stumpf bleibt. Nach sechs Operationen und einer langen Zeit der Ungewissheit beginnt sein Leben mit Prothese. Wie er mit seiner Versehrung lebt, warum er gerne Vater wäre und wieso er seit seiner Kindheit der Musik verfallen ist, erzählt Jean-Martin Büttner in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - Lou Reed: Walk on the Wild Side - The Beatles: Things We Said Today - The Rolling Stones: Gimme Shelter - Dave Brubeck Quartet: Take Five - The Specials: Ghost Town
57 Minuten
Bei aller Liebe zur Literatur: Am liebsten wäre Elke Heidenreich Musikerin geworden. Schon als Kind sass sie stundenlang vor dem Radio. Klavierstunden konnte sie sich erst viel später leisten. Welche Werke sie durch ihr Leben begleiten, erzählte die Autorin und Kritikerin im Hotel Waldhaus in Sils. Noch heute kann Elke Heidenreich jedes Wort mitsingen, wenn «Jamaica Farewell» mit Harry Belafonte läuft - ein Sehnsuchtsstück in ihrer Kindheit im Ruhrgebiet der Nachkriegszeit. Dank ihrer Mutter, die begeistert Wunschkonzerte hörte, entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für Musik. Später, als sie als Pflegekind bei einer Pastorenfamilie lebte, sang sie im Bach-Chor mit. Und dort übte sie sich auch erstmals als Literaturkritikerin: «Samstags hat der Pfarrer uns immer seine Predigt vorgelesen, und wir durften sagen, wie wir das finden. Und er hat tatsächlich Dinge eingearbeitet, die ich als 15jähriges Mädchen gesagt habe.» In «Musik für einen Gast» erzählt Elke Heidenreich im Gespräch mit Irene Grüter, warum sie sich erst spät getraut hat, literarisch zu schreiben, weshalb wir der Kunst trauen sollten, und warum sie dem Alter ohne Ängste entgegenblickt. Die Musiktitel: - Harry Belafonte: Jamaica Farewell - Felix Mendelssohn-Bartholdy: Zion streckt ihre Hände aus, Duett aus dem Oratorium «Elias» (Soile Isokoski, Sopran; Monica Groop, Alt; La Chapelle Royale; Philippe Herreweghe, Leitung) - Christoph Willibald Gluck: «Que farò senza Euridice» aus der Oper «Orpheus ed Euridice» (Luciano Pavarotti, Tenor; Philharmonia Orchestra; Piero Gamba, Leitung) - Henry Purcell: Cold Song (Sting & Ensemble) - Franz Schubert: Ungarische Melodie D 817 (Alfred Brendel, Klavier)
1 Stunde
Sollte Sie bei der neuen SRF-Krimiserie «Blind» ein Schauer überkommen, liegt das womöglich an Mirjam Skal. Und an den beiden Eieruhren, die sie sich gekauft hat. Mit knapp 30 ist Skal bereits eine der gefragtesten Filmkomponistinnen der Schweiz – und bedient sich gern ungewöhnlicher Instrumente. Barbie und Schwanensee. Eine eher überraschende Verbindung. Und auch nicht unbedingt eine, bei der man an musikalische Frühbildung denkt. Das sagt auch Mirjam Skal. Doch damals, in den frühen Nullerjahren, als sie als kleines Mädchen mit ihrer Schwester und ihrer Cousine vor dem Fernseher sass und «Barbie of Swan Lake» schaute, sei der Moment gewesen, in dem Filmmusik ihr zum ersten Mal bewusst aufgefallen sei. Heute ist sie Mirjam Skals Beruf. Am diesjährigen Zürich Film Festival ist die Zürcher Komponistin gleich mit drei Produktionen vertreten, darunter «Blind», die neue SRF-Krimiserie, die dort am 27. September Premiere feiert. Doch auch an internationalen Projekten war Mirjam Skal bereits beteiligt, etwa am Soundtrack zum Hollywood-Film «Der Gesang der Flusskrebse». Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Mirjam Skal von ihrem Arbeitsprozess und ihrer Liebe zu kreativen, virtuellen Instrumenten. Sie beschreibt, wie eng verknüpft Klänge und Farben in ihrer Wahrnehmung sind. Und sie spricht über den Wert von weiblichen Vorbildern in einer Branche, in der die grossen Namen lange Zeit ausschliesslich Männer waren. «Blind» feiert am Sonntag 27. September Premiere am Zürich Film Festival. Ab 17 Uhr desselben Tages sind alle sechs Folgen der Serie als Stream auf Play SRF verfügbar. Die Musiktitel: - Mirjam Skal: BLIND –Opener / Main Theme - Tschaikowsky: Schwanensee (London Symphony Orchestra; André Previn, Leitung) - Jerry Goldsmith: Alien – The Alien Planet (Filmmusik) - Hildur Guðnadóttir: Bridge of Death (Filmmusik: Chernobyl) - Anúna: An Raibh Tú ag an gCarraig - Illumishade: Cyclone
1 Stunde 6 Minuten
In ihrem aktuellen Roman «Luft nach unten» beschreibt die Schriftstellerin, Musikerin und Performerin Tamara Štajner eine Frau, die so richtig schön wütend werden kann. Etwas, was ihr in der sonstigen Literatur immer gefehlt hat. Tamara Štajner stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, ist aber zu jung, um wirklich noch Erinnerungen daran zu haben. Auch der Jugoslawienkrieg ist an ihr vorbeigegangen, denn sie wuchs in Slowenien auf, wo der Krieg glücklicherweise nur wenige Tage gedauert hat. Trotzdem ist sie von der jugoslawischen Geschichte geprägt, hatte sie doch einen Grossvater, der Zwangsarbeit bei den Deutschen, den Kampf der Partisanen und die Gefangeneninsel Goli Otok er- und überlebt und trotzdem nie den Glauben ans Gute verloren hat. Sie selbst zieht als junge Frau nach Wien um Viola zu studieren. Sie wird Musikerin, Performerin und Schriftstellerin und gewinnt mit Auszügen aus ihrem aktuellen autobiografisch motivierten Roman «Luft nach unten» den «Kelag-Preis» beim Wettlesen am Ingeborg-Bachmann-Preis 2024. Von ihrer Prägung durch die Familie und der Bedeutung der Kunst schon als Kind, von ihrem Wechsel nach Wien und ihrem Leben mit drei Berufen, von ihrer Musik und auch von den «Illyrischen Furien», wie sie die kämpferischen und oftmals wütenden jugoslawischen Frauen bezeichnet und beschreibt, erzählt Tamata Štajner im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier. Die Musiktitel: - Elis Regina und Antonio Carlos Jobim: Aguas de Março - Arnold Schönberg: Verklärte Nacht, 4. Satz (Janine Jansen, Boris Brovtsyn, Amihai Grosz, Maxim Rysanov, Torleif Thedéen, Jens-Peter Maintz) - Anna Anderluh: Improvistation I - «Casta Diva» aus der Oper «Norma» von Vincenzo Bellini (Maria Callas, Sopran; Orchestra del Teatro alla Scala; Tullio Serafin, Leitung) - Clara Iannotta: The purple fuchsia bled upon the ground (Ausschnitt) (Pierre-Laurent Aimard, Klavier; WDR Sinfonieorchester; Elena Schwarz, Leitung)
60 Minuten
Als Tochter einer Tessiner Bergbauernfamilie half Denise Tonella oft auf dem Hof mit. Museen entdeckte sie erst als Studentin in Basel. Heute ist sie Direktorin des Schweizerischen Nationalmuseums. Sie ist überzeugt: Wer sich mit Geschichte auseinandersetzt, versteht auch die Gegenwart besser. Wenn andere Schulkinder nach den Sommerferien vom Meer schwärmten, konnte Denise Tonella nur vom Heuen erzählen: «Damals hat mich das frustriert. Später wurde mir klar, wie viel Kraft und Ausdauer mir die landwirtschaftliche Arbeit für viele Dinge im Leben gegeben hat.» Ihre Lehrer setzten sich bei der Familie dafür ein, dass Denise Tonella das Gymnasium besuchen konnte. Nach ihrem Geschichtsstudium arbeitete sie zunächst in der Filmbranche, später wurde sie Kuratorin am Zürcher Landesmuseum. Seit 2021 ist sie Direktorin des Schweizerischen Nationalmuseums. Mit aktuellen Ausstellungen wie «Sexarbeit» oder «Bankenland Schweiz» will Tonella das Museum zum Ort für gesellschaftliche Debatten machen. Wichtig ist ihr besonders die Vielstimmigkeit, wie sie im Gespräch mit Irene Grüter erzählt: «Gerade in Zeiten der Bedrohung der Demokratie müssen Museen die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen fördern.» Die Musiktitel: - Astor Piazzolla: Oblivión - Ennio Morricone: Per qualche dollaro in più - Tracy Chapman: Talkin' About a Revolution - Konstantinos Argiros: Sinefasmeni Kiriaki - Lou Kaena: Bye Bye
1 Stunde 1 Minute
Irene Brügger wächst in Willisau auf und macht nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung. Früh spielt sie in der Feldmusik, später in Bands. 2007 erfindet sie Frölein Da Capo. Auch deshalb, weil sie sich die Zusammenarbeit mit anderen Musikschaffenden zunächst nicht zutraut. Als Einfrauorchester wird sie schweizweit bekannt. «Giacobbo/Müller» gibt ihrer Karriere zusätzlichen Schub. Seither steht sie mit eigenen Programmen auf der Bühne und schreibt Kolumnen für die «Schweizer Familie». Im Herbst feiert ihr fünftes Soloprogramm «Die Halbzeit-Show» Premiere. Frölein Da Capo philosophiert darin über Fortgang und Abgesang. Mit 46 ist sie überzeugt: Das beste Alter kommt jetzt. Warum sie heute weniger müssen muss, Dinge gerne aufschiebt und ein Sonntagskind ist, erzählt Irene Brügger in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - Dolly Parton: Nine to Five - Janis Joplin: Me and Bobby McGee - KT Tunstall: Black Horse and the Cherry - Queen: Somebody to Love - Frölein da Capo: Räntner
1 Stunde 5 Minuten
Daniela Dolci ist Cembalistin, Dirigentin und Kulturvermittlerin. Über vier Jahrzehnte war sie auf internationalen Bühnen unterwegs. Heute setzt sie sich in Sizilien dafür ein, das «Borgo», das Bildungs- und Begegnungszentrum ihres Vaters Danilo Dolci wiederzubeleben. Daniela Dolci wächst als jüngstes von zehn Kindern auf Sizilien auf. Ihr Vater kämpft mit gewaltlosen Mitteln gegen Armut, soziale Ungerechtigkeit und die Mafia. Die Kinder erleben seine Aktionen aus nächster Nähe und lernen früh, was es bedeutet, sich für andere einzusetzen. Gleichzeitig ist ihr Zuhause voller Musik. Als Daniela Dolci mit etwa zehn Jahren erstmals ein Cembalo hört, ist sie fasziniert. Das Instrument wird zum Mittelpunkt ihres Lebens. Sie studiert an der Schola Cantorum Basiliensis und später bei Gustav Leonhardt in Amsterdam. 1990 gründet sie das Ensemble Musica Fiorita, das sie während dreissig Jahren leitet. Als Cembalistin und Dirigentin konzertiert sie weltweit und setzt sich auch für die Wiederentdeckung vergessener Komponistinnen ein. Nach dem Ende von Musica Fiorita beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Während der Coronazeit hat Dolci erstmals viel Zeit, über die Zukunft nachzudenken. Als sie 2021 nach Sizilien zurückkehrt und das teilweise zerstörte «Borgo» sieht, weiss sie: Das ist ihre nächste Aufgabe. Ihr Vater, einer der bekanntesten Sozialreformer und Friedensaktivisten Italiens, hatte dieses Projekt gegründet. Heute soll der Ort wieder jungen Menschen aus verschiedenen Ländern Raum für Begegnungen und den Austausch über gesellschaftliche Fragen bieten. In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle erzählt Daniela Dolci von ihrer ungewöhnlichen Kindheit auf Sizilien, vom Mut ihres Vaters und von ihrem eigenen Weg als Musikerin. Sie spricht über ihre Liebe zum Cembalo, über Gemeinschaft und darüber, warum Musik für sie auch etwas mit Frieden zu tun hat. Und sie erzählt, weshalb sie heute noch einmal viel Energie in ein neues Lebenswerk steckt – und sich dabei die Fähigkeit bewahrt hat, das Leben zu geniessen. Die Musiktitel: - Georg Friedrich Händel: Harfenkonzert B-Dur op. 4/6 (Ricercar Consort; Giovanna Pessi, Harfe; Philippe Pierlot, Leitung) - Louis Couperin: Passacaille g-Moll (Gustav Leonhardt, Cembalo) - Elisabeth Jacquet de la Guerre: Ouvertüre aus der Oper «Céphale et Procris» (Musica Fiorita; Daniela Dolci, Leitung) - Louis Armstrong: What a Wonderful World (At the BBC) - Johann Sebastian Bach: Air aus der Suite Nr. 3 D-Dur (Orchestra of the Age of Enlightenment; Frans Brueggen, Leitung)
55 Minuten
Ohne Musik in einen Zug zu steigen, ist für Maria Zimmermann mit Stress verbunden. Zu viel Lärm, zu viel Licht, zu viele Reize. Ein Konzert hingegen oder das Hämmern eines Techno-Beats, das ist schön, darin kann sie eintauchen. Ein Gespräch darüber, wie unterschiedlich wir alle die Welt wahrnehmen. Wenn Maria Zimmermann über das Autistische Spektrum spricht, dann nicht über eine Linie, keine Skala, sondern einen drei-, vier-, vieldimensionalen Raum. «Vielleicht ein wenig wie ein Weltall», sagt sie. Maria Zimmermann – geboren 1991 – war 30 Jahre alt, als sie erfuhr, dass sie sich in diesem Spektrum bewegt. Darauf folgte eine intensive Zeit des Erkundens, Erforschens, des Schreibens und Gestaltens: «Ich geriet in einen Tunnel. Und da war ich ein halbes Jahr.» Am Ende dieser Zeit hielt sie ihr erstes eigenes Buch in den Händen. «Anders nicht falsch», heisst es. Wie Maria Zimmermann dieses «anders» erlebt, beschreibt sie im Gespräch mit Melanie Pfändler. Und sie erzählt von ihrer Liebe zu Worten, Sätzen und Büchern. Und zur Musik, die ihr zugleich Werkzeug und Zufluchtsort ist. Buchhinweis: - Maria Zimmermann: «Anders nicht falsch». 220 Seiten. Kommode Verlag, 2023. Die Musiktitel: - Porridge Radio: Lilac - Janis Joplin: Me and Bobby McGee - Karel Svoboda & Helena Vondrácková: Lasko ma, ja stunu - Harry Styles: Sign of the Times - The XX: Intro - Infinity
1 Stunde 3 Minuten
Einen Grossteil seiner Jugend verbringt Giona A. Nazzaro im Kino. Heute ist der Publizist und ehemalige Filmkritiker künstlerischer Direktor des Filmfestivals Locarno und hat in all den Jahren nichts von seiner Filmleidenschaft eingebüsst. Geboren wird Giona Nazzaro 1965 in der Schweiz als Sohn eines italienischen Ingenieurs. Die Familie lebt in Dübendorf, wo es das Kino Orion gibt, das er schon als Teenager regelmässig besucht. Dabei faszinieren ihn nicht nur die Filme der 70er Jahre wie «Der weisse Hai» und andere, sondern auch das Kino selbst. Das Gebäude, der Saal, die Ästhetik der Plakate. Dort zu verkehren war, als sei man schon erwachsen, sagt er heute über diese Zeit. Später zieht die Familie nach Italien zurück, wo Giona Nazzaro Germanistik und Anglistik studiert. Dem Kino aber bleibt er treu. Er wird Filmkritiker, schreibt Bücher und übernimmt immer mehr Aufgaben an anderen renommierten Festivals, bis er schliesslich die künstlerische Leitung des Filmfestivals Locarno übernimmt. Von seiner Prägung im Kino und seiner Liebe zum Film, von der Bedeutung des Filmfestivals Locarno und seiner Aufgabe als künstlerischer Direktor, von seiner Verehrung für Roberto Rossellini und seiner Verortung in der Punkrevolution und natürlich von der ausserordentlich grossen Bedeutung der Musik für sein ganzes bisheriges Leben erzählt Giona A. Nazzaro im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier. Die Musiktitel: - Siouxsie and the Banshees: Cities in Dust - Alan Sorrenti: Sienteme - Jesus and Mary Chain: April Skies - Charli XCX: Pink Diamond - Au Pairs:  It's Obvious
1 Stunde 1 Minute
1981 zog man Max Rüdlinger mitten aus einer Berner Demo vor die Filmkamera. Er träumte von grossen Rollen, Champagnerbädern und Frauen, die ihm zu Füsse lagen. Doch die internationale Filmkarriere blieb aus. Stattdessen spielte er ein Leben lang in Dutzenden von Filmen kleine Nebenrollen: Hauswarte, Polizisten, Miesepeter. So wurde er zum «Griesgram der Nation». Max Rüdlinger, geboren in Flums, war als junger Mensch ein Streber, bis er erkannte, wie leer ihn das Auswendiglernen machte. In der Folge suchte er als Revolutionär den Stunk auf der Strasse, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und landete immer wieder in improvisierten Filmen von Clemens Klopfenstein. Auf Filmplakate schaffte er es nicht allzu oft. Seine Visage, hiess es, tauge nicht als Verkaufsargument. Seine grosse Sinnkrise in der Lebensmitte pedalte Rüdlinger mit dem Velo nieder: Von der Schweiz bis fast ans Nordkap und von San Francisco nach Costa Rica. Wie er mit Enttäuschungen lebt, warum er lieber liest als dreht und wie wichtig ihm Spiritualität geworden ist, erzählt er in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - M.A. Numminen: Ich und meine Braut im Parlament - Milva: Addio Lugano bella - Gurdjeff Ensemble, Levon Eskenian: Trembling Dervish - Jimmy Cliff: The Harder They Come Erstausstrahlung: 08.03.2026
1 Stunde 9 Minuten
Mit zwölf Jahren sieht sie Franco Zeffirellis «La Traviata» im Fernsehen. Tief beeindruckt beschliesst sie, Opernsängerin zu werden. Während des Studiums erleidet sie nach einer unsachgemässen Intubation ein Stimmbandödem. Sie lehnt eine Operation ab und wählt den Weg der langsamen Heilung. Während anderthalb Jahren spricht und singt sie kaum. 1995 debütiert Damrau als Eliza in «My Fair Lady» in Würzburg. Bald darauf erobert sie als Königin der Nacht in Mozarts «Zauberflöte» die grossen Bühnen - von Wien bis New York. Kritiker loben ihre Technik und Bühnenpräsenz. Damrau gilt als Diva ohne Allüren. Als sie 2013 als Violetta in Verdis «Traviata» an der Mailänder Scala auf der Bühne steht, ist ihr Mädchentraum wahr geworden. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, Damrau habe die höchste Stufe des Operngesangs erreicht: die Callas Stufe. Wie die Mutter zweier Söhne Bühne und Familie vereint, warum die Königin der Nacht zu ihren Lieblingsrollen zählt und weshalb sie sich als Bühnentier sieht, erzählt Diana Damrau in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - Giuseppe Verdi: «E' strano» aus La Traviata (Maria Callas, Sopran; Coro Cetra; Orchestra Sinfonica di Torina de la Rai; Gabriele Santina, Leitung) - Edvard Grieg: «Morgenstimmung», aus Peer Gynt (Berliner Philharmoniker; Herbert von Karajan, Leitung) - Wolfgang Amadeus Mozart: «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen», Arie der Königin der Nacht, aus «Die Zauberflöte» (Edda Moser, Sopran; Bayerisches Staatsorchester München; Wolfgang Sawallisch, Leitung) - Michael Jackson: Thriller - Richard Strauss: «Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding». Arie der Marschallin aus «Der Rosenkavalier» (Elisabeth Schwarzkopf, Sopran; Otto Edelmann, Bass; Philharmonia Orchestra; Herbert von Karajan, Leitung) Der Einspieler: Wolfgang Amadeus Mozart: «O zittre nicht, mein lieber Sohn - Zum Leiden bin ich auserkoren». Rezitativ und Arie der Königin der Nacht, aus «Die Zauberflöte» (Diana Damrau, Sopran; Cercle de l’Harmonie; Jérémie Rhorer, Leitung) Erstausstrahlung: 04.01.2026
1 Stunde
Robert Knöll ist Kunsthistoriker und Bilderrahmer. In seinem Atelier, das die grösste Sammlung barocker Bilderrahmen beherbergt, setzt er Kunstwerke gekonnt in Szene. Kunstsammler, Museen und Galerien vertrauen ihm, wenn es darum geht, berühmte Werke in den passenden Rahmen zu setzen. Ein Handwerk, das in seiner Familie eine lange Tradition hat: Schon sein Vater war ein leidenschaftlicher Sammler und Bilderrahmer. Nach dessen Tod übernahm Robert Knöll den Familienbetrieb, doch für ihn war dieser Schritt weit mehr als nur berufliche Verantwortung – er war eine Bestimmung. «Die Beschäftigung mit Bilderrahmen ist nicht nur mein Beruf, es ist meine Passion», sagt Robert Knöll, und es ist spürbar, dass diese Leidenschaft weit über den Arbeitsalltag hinausgeht. In seinen Träumen erscheinen Bilderrahmen, die ihn in seiner Freizeit genauso begleiten wie im Beruf. Wenn es darum geht, ein berühmtes Kunstwerk neu zu rahmen, reist er zu Museen in ganz Europa, um die perfekte Wahl zu treffen. Es fasziniert ihn immer wieder, wie die Wirkung eines Bildes sich verändert, je nachdem, wie es gerahmt wird. Bereits als Kind war Robert Knöll von Archäologie begeistert – der Blick hinter die oberste Schicht, das Entdecken von Geschichte und Kultur. Diese Faszination für Details und den Kontext von Kunstwerken zieht sich durch sein gesamtes Leben und wirkt sich auf seine Arbeit aus. In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle spricht Robert Knöll über seine Faszination für alte Rahmen und erklärt, warum sie oft im Schatten der eigentlichen Kunstwerke stehen. Er erzählt von einem besonderen Stück aus seiner Kindheit – einem echten Donatello, der über seinem Bett hing und heute einen Platz in einem Museum hat. Und er spricht über seine Liebe zum Cello und der Musik von Brahms. Die Musiktitel: - Johannes Brahms: 1. Satz aus Cellosonate Nr. 1 e-Moll (Pieter Wispelwey, Violoncello; Dejan Lazić, Klavier) - Talking Heads: Sugar on My Tongue - Johann Sebastian Bach: Toccata und Fuge für Orgel d-Moll, BWV 565 (Hannes Kästner, Orgel) - Georg Riedel: Seeräuber-Opa Fabian, aus Pippi Langstrumpf (Eva Mattes, Kinderstimme) - Franz Schubert: 7. Ständchen, aus Schwanengesang, Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt (Vladimir Horowitz, Klavier) Erstausstrahlung: 27.04.2025
1 Stunde 5 Minuten
Eisige Kälte bis minus 80 Grad, monatelange Dunkelheit und eine Umgebung, die lebensfeindlicher kaum sein könnte: Die Schweizer Ärztin Jessica Studer hat ein Jahr lang an einem der isoliertesten Orte der Erde gelebt und gearbeitet – auf der Forschungsstation Concordia im Herzen der Antarktis. Dort untersuchte sie im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), wie extreme Isolation und Umweltbedingungen den menschlichen Körper und die Psyche beeinflussen – Erkenntnisse, die künftig auch für Langzeitmissionen im Weltraum entscheidend sein können. Doch der Weg dorthin verlief nicht geradlinig. Schon früh faszinierte Jessica Studer sowohl Wissenschaft als auch Musik: Sie studierte zunächst Klavier und unterrichtete, bevor sie sich entschied, ihren Kindheitstraum zu verfolgen und eine medizinische Laufbahn einzuschlagen. Diese ungewöhnliche Kombination aus künstlerischer Sensibilität, wissenschaftlicher Neugier und persönlicher Entschlossenheit prägt seither ihren Weg. In Musik für einen Gast erzählt Jessica Studer über ihre Erfahrung in der Antarktis, über Kälte und Isolation, aber auch über ihre Liebe zur Musik und ihre Fähigkeit, immer wieder eigene Grenzen zu überschreiten. Die Musiktitel: - Richard Strauss: Also sprach Zarathustra (aus «2001 - A Space Odyssey») (Wiener Philharmoniker; Herbert von Karajan, Leitung) - Lynyrd Skynyrd: Sweet Home Alabama - Karlheinz Stockhausen: Löwe (Sonne), aus «Tierkreis» (Capilla Flamenca & Het Collectief) - Santana: Smooth - Arvo Pärt: Alina (Alice Sara Ott, Klavier) - The Allman Brothers Band: Jessica Erstausstrahlung: 15.03.2026
1 Stunde 1 Minute
Braucht man zum Händchenhalten jetzt auch noch ein Studium? Solche Kommentare bekam Eva Cignacco zu hören, als sie als erste Hebamme der Schweiz studierte. Sie liess sich nicht beirren, weil sie forschen wollte. Nun ist sie frisch pensioniert und blickt auf ein reiches Berufsleben zurück. Um auf Augenhöhe mit Ärzten diskutieren zu können, braucht es viel Wissen und gute Argumente – das wurde Eva Cignacco klar, als sie als junge Hebamme in der Frauenklinik des Inselspitals in Bern arbeitete. Da es in der Schweiz noch keinen Studiengang für Hebammen gab, studierte und doktorierte sie in den Niederlanden. Ihre Habilitation schrieb sie später an der Universität Basel. Trotz ihrer wissenschaftlichen Erfolge fühle sie sich in der akademischen Welt bis heute fremd, sagt Eva Cignacco: «Ich bin als Migrantenkind an einen Ort gekommen, der so für mich nicht vorgesehen war.» An ihre Kindheit in einer italienischen Arbeiterfamilie im Basler Gundeli-Quartier denkt sie gerne zurück, auch wenn der Schulstart zunächst schwierig war. In «Musik für einen Gast» schaut Eva Cignacco auf ihr erfülltes Berufsleben zurück. Sie erzählt von ihrer Leidenschaft für Tango, die sie mit ihrem Mann teilte, bis er aufgrund einer Hirnblutung seine Sprachfähigkeit verlor und alles neu lernen musste. Und sie spricht über die Demut, die sie in ihrem Beruf gelernt hat. Die Musiktitel: - Lila Downs: Paloma negra - Cuarteto Cedron: Milonga pour aimer - Ali Farka Touré: Ai ga bani - Joan Baez: Help Me Make It Through the Night - Mercedes Sosa: Gracias a la vida Erstausstrahlung: 01.03.2026
Musik für einen Gast

Musik für einen Gast

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