Viele Männer gehen erst zum Arzt, wenn etwas wehtut. Prostatakrebs macht im Frühstadium aber keine Beschwerden. Mit 8.152 Neuerkrankungen im Jahr 2024 ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern in Österreich, fast jede dritte Krebsdiagnose beim Mann. 1.434 Männer sind 2024 daran gestorben. Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie an der MedUni Wien, erklärt, warum die gefürchtete Tastuntersuchung für die Früherkennung nicht mehr nötig ist. Am Anfang steht ein Bluttest, der PSA-Wert. Ist er niedrig, reicht laut Shariat ein neuer Test in fünf Jahren. Ist er erhöht, folgt zuerst eine MRT und erst danach, wenn nötig, eine gezielte Biopsie. Das Problem liegt laut Shariat im System. In Österreich lässt sich jeder testen, wo und wann er will. Viele Männer über 80 werden regelmäßig getestet, viele zwischen 50 und 70 nie. Shariat fordert ein organisiertes Screening mit persönlicher Einladung ab 50, wie es Frauen bei der Brustkrebs-Früherkennung bekommen. Österreich ist für ihn das einzige EU-Land, das die Empfehlung der EU von 2022 dazu nicht umsetzt. Ein gemeinsamer Vorschlag von Fachgesellschaften, Sozialversicherungen und Patientenorganisationen liegt vor, beschlossen ist er noch nicht (Stand 4. November 2026). Darum geht es - Warum für die Früherkennung ein Bluttest reicht - Was ein PSA-Wert unter 1, zwischen 1 und 3 und über 3 bedeutet - Warum nicht jeder gefundene Prostatakrebs behandelt werden muss - Wie ein organisiertes Screening ablaufen würde - Rauchen als größter vermeidbarer Risikofaktor für Blasenkrebs - Hodenkrebs: warum die Selbstuntersuchung unter der Dusche zählt - Männergesundheit: kürzere Lebenserwartung, Depression, Testosteron - Warum Erektionsprobleme ein frühes Warnsignal für Herz und Gefäße sein können Gut zu wissen - Die Österreichische Krebshilfe empfiehlt Männern ab 50 einen ersten Check beim Urologen mit PSA-Test, bei Prostatakrebs in der Familie ab 45. - Lange Nacht der Urologie am 9. November 2026, 17 bis 21 Uhr: Männer ab 50, die noch nie bei der Früherkennung waren, bekommen in teilnehmenden Ordinationen in ganz Österreich ohne Termin einen PSA-Test. - Männer leben in Österreich im Schnitt 4,5 Jahre kürzer als Frauen (Statistik Austria 2025: 80,1 und 84,6 Jahre). PRAEVENIRE und das PSA-Screening Bei der PRAEVENIRE Jahrespressekonferenz am 1. April 2026 forderte Shariat einen Wechsel zu einem organisierten, risikoadaptierten Screening. Bei den PRAEVENIRE Gesundheitstagen in Eisenstadt im Oktober 2026 sagte ÖGK-Obmann Andreas Huss, die Umsetzung sei „auf Schiene“. - Jahrespressekonferenz 2026: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260401_OTS0121 - Bericht von den Gesundheitstagen Eisenstadt (APA): https://www.news.at/technik/praevenire-gesundheitstage-weniger-krebstherapie-kann-mehr-sein Quellen und Anlaufstellen - Statistik Austria, Krebsstatistik 2024: https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2026/01/20260129Krebsstatistik.pdf - Empfehlung des Rates der EU zum Krebsscreening (9.12.2022): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=uriserv:OJ.C_.2022.473.01.0001.01.DEU - Lange Nacht der Urologie: https://www.loosetie.at/loose-tie/lange-nacht-der-urologie - Österreichische Krebshilfe: https://www.krebshilfe.net - Selbsthilfe Prostatakrebs: https://www.prostatakrebse.at Zu Gast: Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie, MedUni Wien / AKH Wien. Aufgenommen am 7. Oktober 2026 bei den PRAEVENIRE Gesundheitstagen in Eisenstadt. Host: Sonja Kato Diese Folge ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn es Ihnen nicht gut geht: Telefonseelsorge 142, rund um die Uhr. BITTE VERSTÄNDLICH ist der Gesundheitspodcast von PRAEVENIRE. Die Regel: Wer über unsere Gesundheit entscheidet, muss es auch erklären können. Neue Folgen jeden Mittwoch. Mehr: bitteverstaendlich.at · praevenire.at · Instagram @bitteverstaendlich Fotocredit Cover: Krisztian Juhasz
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