Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche
  1. Startseite
  2. Podcasts
  3. Speziell anders Podcast

Episoden

44 Minuten
Man ist wirklich froh, direkt nach der OP nach Hause zu dürfen. Bleibt man länger im Krankenhaus, nimmt man am Ende womöglich noch ein Haustier aus der Stationsfauna und eine handliche Keimsammlung als Souvenir mit. Zu Hause fühlt es sich dafür an wie eine Neuverfilmung der Schwarzwaldklinik – nur mit kleinerem Budget, weniger dramatischer Musik und mir in der Hauptrolle als Patient mit eingebautem Systemfehler. Das autistische Gehirn möchte natürlich sofort wieder den exakt geplanten Alltag starten. Das Hamsterrad läuft schließlich zuverlässig weiter – nur der Hamster wurde ausgebremst und darf körperlich nicht so, wie er mental längst will. Sehr beruhigend. Nichts macht einen Asperger-Autisten wahnsinniger als ein perfekter Plan, der wegen so etwas Unbedeutendem wie „Heilung“ nicht ausgeführt werden kann. Und plötzlich hat eine Woche ungefähr 38 Tage. Andere müssen alles erledigen, weil man es weder kann noch darf – zwei Wörter, die das Gehirn ungefähr so entspannend findet wie eine dauerhaft blinkende Fehlermeldung. Während um einen herum Termine, Aufgaben und Alltag vorbeirauschen, sitze man auf dem Abstellgleis und darf der Welt beim Funktionieren zusehen. Geduld soll ja eine Tugend sein. Offenbar eine, die noch nicht in unserem System installiert wurde.
28 Minuten
Es ist vollbracht: Das komplette Haus ist gemalert. Die Wände strahlen, die Zimmer wirken plötzlich größer und alles sieht so neu aus, als müsste man beim Betreten eigentlich Überschuhe anziehen. Selbst die alten Möbel schauen ein wenig verunsichert, weil sie in dieser frisch renovierten Umgebung auf einmal aussehen, als hätten sie den Anschluss verpasst. Besonders Hedwig profitiert von der neuen Lage: Im frisch gemalerten Flur kann sie jetzt endlich fliegen. Während wir noch überlegen, ob die Farbe wirklich überall trocken ist, hat sie den Flur längst zur privaten Einflugschneise erklärt – natürlich ohne Rücksicht auf Leitern, Farbeimer oder menschliche Nerven. Nur mein Körper hat die Renovierung offenbar anders verstanden. Während das Haus jetzt wie neu ist, fühle ich mich eher wie ein Ausstellungsstück aus der Abteilung „stark gebraucht“. Jeder Muskel meldet sich persönlich, manche sogar mehrfach. Funktionieren geht noch – irgendwie. Es ist weniger ein eleganter Betriebsablauf als ein Notprogramm mit blinkender Warnleuchte. Die Malerpausen wurden dabei stets zuverlässig von Kamillentee begleitet. Andere Menschen gönnen sich beim Renovieren vielleicht Kaffee, ein belegtes Brötchen oder etwas mit Energie. Bei uns gab es Kamillentee – schließlich musste wenigstens einer im Haus beruhigend wirken. Natürlich bleibt es nicht beim Streichen. Mitten auf der Leiter, die Farbrolle in der einen und den letzten Rest Gleichgewicht in der anderen Hand, ruft der Junior: „Was wollte Lessing eigentlich mit der Aufklärung?“ Eine völlig normale Frage für genau diesen Moment. Also erklärt man Vernunft, Toleranz und selbstständiges Denken, während man gleichzeitig sehr vernünftig darüber nachdenkt, nicht rückwärts in den Farbeimer zu steigen. Kaum ist Lessing halbwegs geklärt, folgt Thomas Mann. Warum einfach nur eine Wand streichen, wenn man dabei auch noch deutsche Literaturgeschichte unterrichten kann? Ich balanciere also zwischen Decke und Fußboden, Bildungsauftrag und Absturzgefahr. Der Junior wartet auf eine verständliche Antwort, die Wand auf den zweiten Anstrich und mein Kreislauf auf eine Gelegenheit, sich unauffällig zu verabschieden. Über allem schwebt außerdem der bevorstehende Krankenhausaufenthalt. Der macht mich natürlich nicht nur ein bisschen nervös, sondern ungefähr so entspannt wie eine Katze vor dem Staubsauger. Man weiß, dass es sein muss, man möchte vernünftig bleiben – und trotzdem veranstalten die Gedanken im Kopf rund um die Uhr eine Sondersendung mit möglichen Szenarien, offenen Fragen und sehr dramatischer Hintergrundmusik. Vielleicht war das Streichen deshalb auch eine Art Beschäftigungstherapie: Solange man eine Kante abklebt, kann man nicht gleichzeitig sämtliche Krankenhausgedanken zu Ende denken. Theoretisch jedenfalls. Praktisch geht Multitasking bei uns immer: renovieren, zittern, Literatur erklären und so tun, als wäre alles völlig normal. Jetzt ist das Haus fertig, der Körper am Anschlag und der Kopf längst im Krankenhausflur. Aber immerhin: Wenn ich wieder nach Hause komme, erwarten mich wundervoll frische Wände. Und falls jemand fragt, ob sich die ganze Aktion gelohnt hat, antworte ich ganz klar: Ja. Nur mein Rücken möchte von dieser Aussage ausdrücklich Abstand nehmen.
20 Minuten
Bei Familie Alltagswahnsinn stehen Malerarbeiten an. Eigentlich klingt das ganz einfach: Farbe aussuchen, Wände streichen, fertig. Doch wer Frau Alltagswahnsinn kennt, weiß: „Ganz einfach“ ist bei ihr höchstens die Beschreibung auf dem Farbeimer – und selbst die wird vorsichtshalber dreimal gelesen. Schon bei der Farbauswahl begann das große Drama. Weiß war zu langweilig, Creme zu gelb, Beige zu beige und „Sanfter Morgennebel“ sah verdächtig danach aus, als hätte jemand Grau nur einen besonders schicken Namen gegeben. Nach ungefähr 47 Farbkarten, mehreren Diskussionen und einem kritischen Blick bei Tageslicht, Lampenlicht und Handy-Taschenlampenlicht stand fest: Es muss eine Farbe sein, die gemütlich wirkt, zu den Möbeln passt, kleine Flecken verzeiht und möglichst auch noch gute Laune macht. Die Malerarbeiten selbst liefen ebenfalls nach bewährtem Alltagswahnsinn-Prinzip: Die Wand bekam Farbe, der Boden ein paar Sprenkel, die Kleidung ein neues Muster und irgendwo fand sich garantiert ein Pfotenabdruck, obwohl offiziell niemand in der Nähe gewesen war. Der Farbroller tropfte natürlich bevorzugt dort, wo keine Folie lag, und das Klebeband hielt entweder gar nicht oder so fest, als wolle es für immer Teil der Wand bleiben. Doch mitten zwischen Farbrollen, Abdeckfolie und der lebenswichtigen Frage, ob „Warmes Sandbeige“ wirklich wärmer ist als „Heller Küstenkiesel“, kommt nun eine kleine Planänderung: Frau Alltagswahnsinn muss ins Krankenhaus, damit dort etwas genauer abgeklärt werden kann. Natürlich hätte sie sich für eine Pause auch ein Wellnesshotel aussuchen können – aber offenbar war der Terminplan im Krankenhaus schneller frei. Also werden die Pinsel vorübergehend geparkt und die Farbkarten gegen Untersuchungsunterlagen getauscht. Die Wände können warten – schließlich laufen sie nicht weg. Und wenn Frau Alltagswahnsinn wieder zu Hause ist, geht es weiter. Vielleicht fällt die Entscheidung dann sogar leichter. Krankenhausweiß scheidet jedenfalls schon einmal ganz klar aus!
31 Minuten
Kaum im Urlaub, hatte Frau Alltagswahnsinn eine geniale Idee: Anstatt zu Hause nutzlos herumzusitzen, wird kurzerhand das gesamte Haus innen neu gestrichen – selbstverständlich nach ihrem höchstpersönlichen Farbkonzept. Während Frau Alltagswahnsinn mit Pinsel, Farbrolle und kreativer Entschlossenheit durchs Eigenheim wirbelt, übernimmt Herr Alltagswahnsinn seine bewährte Spezialaufgabe: aufmerksam zuschauen und dabei möglichst zuverlässig im Weg stehen. Auch die tierischen Mitbewohner haben ihre Urlaubspläne angepasst: Die Wellis beziehen ihr neues Für-immer-Fünf-Sterne-Zuhause, und der Hund hat sich ebenfalls in den Terminkalender eingereiht – standesgemäß mit einem Facharzttermin. Erholung wird schließlich völlig überbewertet!
27 Minuten
Es war wieder ordentlich was los: Die Fachärzte wurden so zahlreich besucht, dass man fast eine Bonuskarte für Wartezimmerkaffee beantragen könnte. Hände und Füße sind frisch gepflegt und treten jetzt wieder auf wie kleine Wellness-Stars. Auch die Haare sitzen schön, als hätten sie persönlich einen Termin beim roten Teppich gehabt. Der Pool ist inzwischen zu und verabschiedet sich mit einem leisen „Bis nächstes Jahr, ihr Planschprofis!“. Opa hat seine erste Vitaminbombe erhalten und dürfte nun innerlich leuchten wie ein frisch geladener Obstkorb. Und Asperger ist wieder im Rhythmus: mal schneller, mal langsamer, aber Hauptsache mit Taktgefühl und einem kleinen Augenzwinkern.
In Podcasts werben
Schalte jetzt Werbung in Podcasts.

Über diesen Podcast

Willkommen bei „Speziell anders“ – dem Podcast, der sich auf besondere Weise mit dem Thema Asperger beschäftigt. In jeder Folge nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die Welt des Autismus-Spektrums und beleuchten, was es bedeutet, mit dem Asperger-Syndrom zu leben. Wir sprechen vom Leben, von der Realität und möchten dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung zu fördern. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie neue Perspektiven im Leben mit Asperger.
Podcast melden

„Speziell anders“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

Abonnenten

Teilen

Mein Archiv

Deine Privatkopie der Folgen, die du nicht verlieren willst.

Podcast-Folgen verschwinden. Feeds werden auf die letzten Episoden gekürzt, Hoster räumen alte Dateien ab, Formate wechseln den Anbieter und lassen ihr Archiv zurück. Mit „Mein Archiv“ sichert podcast.de die Folgen deiner Podcasts für dich — angefangen bei den ältesten, denn die sind zuerst weg.

  • Deine gesicherten Folgen bleiben hörbar, auch wenn das Original offline geht.
  • Auch Folgen, die im heutigen Feed gar nicht mehr stehen — podcast.de kennt sie noch.
  • Herunterladen bleibt möglich, solange die Folge beim Podcaster liegt. Der zählt seine Abrufe wie bisher.
Startet bald

Sei beim Start von Mein Archiv dabei

Mein Archiv ist fast fertig. Trag dich ein, dann bekommst du eine E-Mail, sobald es losgeht – und bist von Anfang an dabei. Wir schreiben dir nur zum Start, keine Werbung, keine Weitergabe deiner Daten.

Du bekommst zuerst eine Bestätigungsmail. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz