Equidemia Insights Archiv
127 Episoden
48 Minuten
In dieser Folge wird es persönlich. Denn evidenzbasiertes Arbeiten war für mich nie ein Ziel. Ich wollte nie „wissenschaftlich“ sein – und ganz sicher nicht kompliziert. Ich wollte einfach nur, dass es meinen Pferden gut geht. Doch genau dieser Wunsch hat mich irgendwann an einen Punkt gebracht, an dem Gefühl allein nicht mehr ausgereicht hat – und ich anfangen musste, genauer hinzusehen, unbequeme Fragen zu stellen und mein gesamtes Verständnis von Training, Haltung und Pferd neu zu denken.
41 Minuten
Ein virales Video zeigt eine Szene beim Hufschmied: Ein Pferd steht in Crossties, trägt eine Pferdebremse, das Bein wird mit einer Longe weggezogen. Das Pferd hat sichtbar Angst. Unter dem Video entsteht eine typische Diskussion im Pferdebereich. Die einen sprechen von Tierquälerei. Die anderen sagen: „Beim Schmied ist das halt so.“ In dieser Folge analysiere ich die Situation aus Sicht der Verhaltensbiologie, der Lerntheorie und der Pferdeausbildung. Wir sprechen darüber, - warum starke Restriktion bei Fluchttieren problematisch ist - was in der Kommentarspalte psychologisch passiert - warum Konflikte beim Schmied oft lange vor dem Schmiedtermin beginnen - welche Verantwortung Pferdebesitzer und Professionals tragen und warum sogenannte „Problempferde“ meist eine Lerngeschichte haben. Außerdem werfen wir einen Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Equitation Science, unter anderem auf die Arbeit von Dr. Gemma Pearson (University of Edinburgh) zu Pferdeverhalten und Horse & Handler Safety. Denn gutes Training ist nicht nur eine Frage der Fairness. Es ist auch eine Frage der Sicherheit für Pferd und Mensch.
41 Minuten
Domestikation des Pferdes, genetische Selektion und strukturelle Veränderungen in der modernen Zucht Domestikation ist kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte. Sie wirkt bis heute – in Temperament, Stressphysiologie, Leistungsfähigkeit und Körperbau unserer Pferde. In dieser Episode geht es um die wissenschaftliche Grundlage hinter modernen Zuchtentwicklungen: - die zwei Domestikationswellen des Pferdes - die DOM2-Expansion und der genetische Austausch um ca. 2200 v. Chr. - Selektion auf Reitbarkeit, Verhalten und Lokomotion - das Silver-Fox-Experiment als Modell genetischer Verhaltensselektion - genetische Enge und Inzucht am Beispiel der Wölfe von Isle Royale - warum vermehrt über Hals-, Rippen- und Lendenvariationen bei Pferden berichtet wird und weshalb moderne Sportpferdezucht populationsgenetisch relevant ist. Diese Folge verbindet Ancient Genomics, Verhaltensgenetik und aktuelle Zuchtpraxis.
44 Minuten
Was bringt jemanden dazu, tiefer zu graben – jenseits von Methoden, Trends und Meinungen? In dieser Episode spreche ich mit Sandra Schneider, Westerntrainerin und ausgewiesene Expertin für Problempferede, über ihren Weg in die Welt von Pferdeverhalten, Lernen und evidenzbasiertem Denken. Wir sprechen darüber, warum oberflächliche Antworten im Pferdetraining nicht reichen, was Lerntheorie wirklich leisten kann – und warum Verstehen immer auch Verantwortung bedeutet. In dieser Episode geht es unter anderem um: - Was Sandra ursprünglich dazu bewegt hat, sich intensiv mit Pferdeverhalten zu beschäftigen - Warum Lerntheorie für sie kein „Tool“, sondern ein Denkrahmen ist - Wie evidenzbasiertes Arbeiten Sicherheit schafft – für Mensch und Pferd - Warum gutes Training nicht bei Technik beginnt, sondern beim Verständnis Für wen ist diese Folge besonders spannend? - Für Reiter:innen, die nicht nur was, sondern warum verstehen wollen - Für Trainer:innen, die Lernen sauber denken wollen - Für alle, die genug haben von Meinungen – und anfangen wollen, informierte Entscheidungen zu treffen
27 Minuten
Domestikation ist kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte. Sie wirkt weiter – im Körper, im Nervensystem und in der Belastbarkeit unserer Pferde. In dieser Episode spricht Celina Skogan darüber, warum Domestikation biologisch etwas völlig anderes ist als Zähmung weshalb sie Populationen verändert – nicht Individuen wie stark moderne Pferde durch gezielte Selektion und enge Zuchtlinien geprägt sind und warum Training, Haltung und Management ohne genetischen Kontext unvollständig bleiben Denn bevor wir über Training sprechen, müssen wir verstehen, was für Körper wir überhaupt trainieren. Ein persönlicher Wendepunkt steht im Zentrum dieser Episode: die Erfahrung, dass selbst „alles richtig machen“ nicht ausreicht, wenn genetische Voraussetzungen nicht mitgedacht werden.
56 Minuten
In dieser Folge spricht Anna Eichinger über Konstantin – ein Pferd, das aus der Hofreitschule Wien zu ihr gekommen ist und ihre Arbeit nachhaltig geprägt hat. Im Gespräch geht es um Biografie, Vorgeschichte und die Frage, was passiert, wenn Pferde aus stark strukturierten Ausbildungssystemen in einen neuen Kontext wechseln. Nicht theoretisch, sondern aus gelebter Erfahrung. Die Folge ist Teil des thematischen Rahmens des Equidemia Summits Inside the Horse’s Mind und knüpft an zentrale Fragen an: Wie erleben Pferde ihre Umwelt? Was bringen sie aus ihrer Geschichte mit? Und welche Verantwortung entsteht daraus für Training und Umgang?
45 Minuten
Einen Summit zu organisieren ist ein bisschen wie einen Sack Flöhe zu hüten – zumindest dann, wenn man ein kuratiertes Programm machen will. In dieser Podcastfolge sprechen Gitti und ich darüber, warum wir den Equidemia Summit immer wieder organisieren, obwohl er alles andere als bequem ist. Warum Inside the Horse’s Mind bewusst als Wissenskonferenz gedacht ist. Und warum wir Inhalte kuratieren, statt einfach Programmpunkte aneinanderzureihen. Wir sprechen darüber, warum Lernen, Emotion und Verhalten keine Trainingsfragen sind, sondern biologische Prozesse weshalb Neurobiologie und Neurophysiologie die Grundlage für verantwortungsvolles Pferdetraining sind und warum dieser Summit keine Werbeveranstaltung ist, sondern eine inhaltlich zusammenhängende Geschichte erzählt Diese Episode ist kein Programmdurchlauf. Sie ist ein Blick hinter die Kulissen – und ein Einblick in unsere Haltung.
31 Minuten
Was, wenn Pferde gar kein Problemverhalten zeigen? Was, wenn das, was wir als Konflikt- oder Fehlverhalten bezeichnen, in Wahrheit normales Verhalten in einer unnormalen Umwelt ist? In dieser Folge spricht Celina Skogan, Trainerin, Osteopathin und Gründerin von Equidemia, über die Frage, wie unsere Vorstellung von „normalem“ Pferdeverhalten durch systemische Bedingungen geprägt ist, die aus biologischer Sicht oft alles andere als normal sind. Basierend auf Welfare-Forschung, Traumaperspektiven und persönlichen Beobachtungen nach dem Umzug nach Norwegen hinterfragt diese Episode die Gleichsetzung von Angepasstheit mit Wohlbefinden.
38 Minuten
In dieser Episode geht es um die Frage: Was ist Ganganalyse und welche Formen gibt es? Wir sprechen über: - Tierärztliche Ganganalyse – klassisch: lahm oder nicht lahm - Objektive Ganganalyse – technische Messsysteme & KI - Subjektive Analyse – Wahrnehmung des Auges - Die Reitlehrer-Perspektive – oft durch Trainingsbrille interpretiert - Funktionale Ganganalyse – Blick auf Belastungsgrenzen & Bewegungseinheiten Außerdem gibt’s eine praktische Handlungsempfehlung, wie du mit Markierungen und Video-Wiederholungdeinen Blick schärfen kannst – ein tolles Weihnachtsprojekt. Und zum Schluss: kostenfreier Compass Call, wenn du Hilfe brauchst. Take-aways: Ganganalyse ist mehr als „lahm oder nicht lahm“ Objektive & subjektive Methoden ergänzen sich – aber keine ist allein perfekt Funktionale Ganganalyse hilft, Belastungsgrenzen zu erkennen statt nur Symptome zu markieren Beobachten lernen ist ein Skill – und jeder kann ihn trainieren!
1 Stunde 23 Minuten
In this episode, Celina Skogan from Equidemia speaks with Alissa Mayer BSc (Equine), EHSE-C, director of the Equine Hanna Somatics Professional Training & Certification Program, about how Hanna Somatics principles can be applied to horses — why chronic tension isn’t just a mechanical issue, how the nervous system learns and unlearns movement, and what this means for prehab, rehab and training. This conversation bridges neuroscience, motor learning, pain science and equine performance, offering a fresh perspective on posture, comfort and movement quality — and reframing persistent muscle tension as a neurophysiological learning pattern that can be retrained, not just worked on. You will gain a clear understanding of what Equine Hanna Somatics actually addresses, how sensory-motor amnesia can develop in horses through stress and learned patterns and why voluntary pandiculation plays a central role in restoring movement awareness. The episode highlights where this approach can be genuinely effective, where its limits lie and how it can be integrated thoughtfully alongside veterinary care and training. It also offers insight into how nervous-system-based learning may shape the future of sustainable performance and equine welfare.
42 Minuten
In dieser Jahresauftakt-Folge spricht Celina Skogan mit ihrer Kollegin, Freundin und Ausbilderin Conny Röhm über das echte Leben selbstständiger Pferdemenschen – zwischen Meetings, Mistgabeln und geplatzten Wasserleitungen. Kein Selbstoptimierungs-Gelaber. Sondern ehrliche Gespräche über Growth Mindset, die wichtigsten Learnings aus 2025 und den Blick nach vorn auf 2026: mit mehr Vertrauen, weniger Mikromanagement und einer Hoforganisation, die nicht das Nervensystem sprengt. Diese Folge ist für alle, die Verantwortung tragen, Pferde lieben und wachsen wollen – ohne sich dabei selbst zu verlieren.
59 Minuten
In dieser Episode sprechen Celina Skogan und Gitti Kuchenbecker über eines der spannendsten neurowissenschaftlichen Bücher der letzten Jahre: Seven and a Half Lessons About the Brain von Lisa Feldman Barrett. Das Buch ist kein klassisches Lehrbuch, sondern eine populärwissenschaftliche Mini-Essaysammlung (7 + ½ Lektionen), die mit hartnäckigen Hirn-Mythen aufräumt und ein zeitgemäßes Verständnis von Gehirn, Lernen, Emotion und Verhalten vermittelt. Im Gespräch geht es nicht um Zustimmung oder Ablehnung, sondern um Einordnung: Was sagt das Buch wirklich? Was ist gut durch Forschung gestützt? Wo wird theoretisch zugespitzt? Und warum ist dieses Wissen für Pferdemenschen so relevant? Warum ist das für Pferdemenschen wichtig? - Verhalten ist Regulation, kein Ungehorsam - Lernen ist körperlich eingebettet - Kontext schlägt Technik - Wiederholung ist biologisch notwendig - Druck reduziert Lernfähigkeit – bei Mensch und Pferd
50 Minuten
In dieser Weihnachtsfolge ziehe ich Bilanz: Was hat sich verändert – in meinem Denken, im Team und in der strategischen Ausrichtung von Equidemia? Es geht nicht um Erfolge oder Meilensteine, sondern um Entscheidungen, die unbequem waren – und notwendig. Themen dieser Episode: - Warum mehr Wissen nicht automatisch zu besseren Entscheidungen führt - Weshalb einfache Erklärungen im Pferdetraining langfristig schaden - Wie sich Equidemia 2025 von einer Wissensplattform zu einer Orientierungsplattform entwickelt hat - Meine persönliche Entwicklung: weniger erklären, klarer stehen - Teamarbeit jenseits von „Unterstützung“ – Verantwortung als Struktur - „Beyond the Obvious“ nicht als Claim, sondern als Arbeitsprinzip Diese Folge ist Bestandsaufnahme, Augenzwinkern und Neuausrichtung.
1 Stunde 20 Minuten
Mustangs faszinieren – und werden gleichzeitig massiv missverstanden. In dieser Episode spreche ich mit Katrin Bockstette, die seit Jahren Wildpferde in den USA dokumentiert. Wir schauen hinter die Romantik und sprechen über Fakten: Herdenstrukturen, Roundups, Adoptionen, das Mustang Makeover – und die Frage, wie fairer Umgang wirklich aussehen kann. Themen dieser Folge: - Wie Mustangs wirklich leben - Die größten Mythen – und was davon stimmt - Chancen & Risiken von Adoptionen - Kritik am Mustang Makeover: Was dahintersteht - Was fairer, ethischer Umgang bedeuten würde - Katrins Wunsch für die Zukunft der Mustangs Equidemia Insights – evidenz-based, empathic, ethical. Gemeinsam denken wir Pferdetraining neu!
1 Stunde 10 Minuten
In der neuen Podcastfolge spreche ich mit Stephan Fischer über etwas, das im Reiten oft übersehen wird: Sitz als Kommunikation. Wir starten bei seinen Wurzeln in der Reitkunst, schauen auf die Einflüsse des Centered Riding und gehen dann tief in das hinein, was unseren Sitz wirklich verändert: das Nervensystem – nicht der Muskel. Und genau hier wird es spannend: Neuroimagination. Ein Werkzeug, das im Sport selbstverständlich ist und im Reiten viel zu selten genutzt wird. Warum es wirkt, wie es wirkt und welche Veränderungen Stephan bei seinen Schüler:innen beobachtet, erzählt er im Gespräch.