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Im Jahrhundert der Biologie Archiv

34 Episoden
22 Minuten
Soziale Insekten besitzen Vorfahren, die mehr als 100 Millionen Jahre alt sind. Es gibt bei ihnen Hierarchien und Spezialisierungen. Man sieht Schreckens-erregende Riesen und Soldaten. Bei Blattläusen kann man zweifeln, ob die tausendfache Kolonne der Klone als Ganzes oder die einzelne Laus das Lebewesen darstellt. Professor Dr. James Hunt berichtet.
23 Minuten
Mit nur 0,1 Gramm Hirngewicht erbringt die Wüstenameise Cataglyphis Navigationsleistungen, die die Fähigkeiten modernster Roboter weit übertreffen. Die Tiere richten sich dabei nach Himmelserscheinungen, die wir Menschen nicht sehen können. Die Hirne von Insekten sind von den unseren sehr verschieden. Sie verfügen über einen fantastischen Orientierungssinn. Der Biologe Prof. Dr. Bernhard Ronacher, Humboldt-Universität, berichtet.
23 Minuten
Fische und der Frosch Xenopus (der unter Wasser lebt), besitzen einen Ferntastsinn, die sog. "Seitenlinie". Deren nervliche Repräsentanzen und Besonderheiten im Gehirn sind eng verwandt mit dem Gehörsystem des menschlichen Ohrs. Ferntastsinn und Gehör (einschließlich der Musik) gehen auf eine ursprüngliche gemeinsame Wurzel zurück. Der Biologe Prof. Dr. Elepfandt, Humbolt Universität Berlin, untersucht diese sogenannte Seitenlinie an seinem Lieblingsfrosch Xenopus, der in Südafrika lebt und über eine große Reihe von besonderen Eigenschaften verfügt.
14 Minuten
Ein Bienenvolk gleicht einer Fabrik. Das Ziel ist die Produktion einer Königin. Diese garantiert für alle Bienen die bestmögliche genetische Zukunft. Die größtmögliche Ungleichheit bildet dabei, wie in Platos Staat, die Grundlage der Kooperation. Prof. Francis L.W. Ratnieks, Biologe an der Universität Sheffield und Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, berichtet über die heftigen Konflikte, die im Bienenstock existieren und über die erst kürzlich erforschten Mechanismen, die diese Konflikte entschärfen.
42 Minuten
Dr. J.A. Dunlop, University of Manchester und Humboldt-Universität-Berlin, ist Spinnenforscher (Arachnologe). Zugleich ist er Archäo-Biologe. Er erforscht z.B. 400 Millionen Jahre alte Fossilien von Weberknechten. Diese Tiere sind, weil sie erfolgreich waren, heute genauso geblieben wie damals. Imponierend die Geschlechtswerkzeuge dieser extremen Langfüßler. Der Penis muss länger sein als die überproportional langen Beine. Das Organ hat sich offenbar als praktisch erwiesen. Es hat sich seit 400 Millionen Jahren nicht verändert. Dr. J.A. Dunlop über seine Forschungen.
24 Minuten
Früher hielt man die Eisbären für eine Abzweigung der Braunbären, die vor 150.000 Jahren stattgefunden haben sollte. Jetzt wurde durch Untersuchung des vollständigen Genoms der Eisbären festgestellt, dass beide Arten sich parallel, gleichzeitig, und zwar seit 600.000 Jahren spezialisiert haben. Die Könige des Nordpols tragen also nicht nur gewaltige Fettmassen an ihrem Körper, sondern besitzen auch eine gewaltige Erfahrungsmasse in ihren Genen, die am Überlebenskampf im Eis so geschult ist. Haben sie deshalb eine Chance, heute als Gattung die Klimaveränderungen und die zerstörerische Begegnung mit dem Menschen zu überleben? Wie weit reichen die Auswege? Wie lebt dieses "größte Landraubtier der Erde" in seiner täglichen Praxis? Prof. Dr. Axel Janke, Evolutionsgenetiker an der Universität Frankfurt/Main, ist Experte für das Eisbärengenom. Die Einbrüche in das Habitat der Bären erfolgen derzeit zu plötzlich. Es ist deshalb nicht sicher, dass der Erfahrungsschatz der vergangenen 600.000 Jahre ausreicht, um der Gefahr des 21. Jahrhunderts die Stirn zu bieten.
1 Minute
Der Norden Russlands zählt teilweise zur Arktis. Dies gilt besonders für den Insel-Archipel Nowaja Semlja. Hier liegt das Forschungsgebiet des Biologen und Ökologen Dr. Glasow. Die Tiere, die er hier untersucht, kommen von den Reisfeldern Thailands herangeflogen und nisten an den extrem kalten Küsten im Norden Russlands. Oft bringen sie aus dem Süden Pestizide in den Norden, wo diese nur langsam abgebaut werden. Ein Teil des Weltwetters wird von dieser nördlichen Zone mitbestimmt. Der Biologe Dr. Glasow hat aber auch eine Topografie der Tiere in der 10-Millionen-Stadt Moskau geschrieben. Im Kreml, sagt er, singen 4.000 Nachtigallen. Es gibt in Moskau nicht nur 10 Mio. Bewohner, sondern auch 10 Mio. freilebende, teils wilde Tiere. Dr. Glasow berichtet.
1 Minute
Alle lebendigen Körper besitzen Uhren. Die in die Körper eingebauten Zeitgeber sind bei Einzellern und Primaten durch alle Zeiten hindurch ähnlich. Priorität haben die Taktgeber, die sich am Tag- und Nachtwechsel orientieren, d.h. der Sonne folgen. Für uns Menschen heute konkurrieren diese biologischen Rhythmen mit sozialen Taktgebern, die die natürliche Zeit der Körper nachhaltig stören. Der Chrono-Biologe Prof. Dr. Jörg Stehle, Universität Frankfurt/Main, erforscht dieses faszinierende Konzert der lebendigen Uhren.
1 Minute
Ein mit Spermien gefüllter Taster am Kopf des Männchens klappt aus und rastet beim Weibchen in entsprechende Strukturen. Gleich darauf hat die große Spinnenfrau das Spinnenmännchen gefressen.
14 Minuten
Vampir-Fledermäuse sind in ihrer 100.000 Jahre währenden Evolution an den Regenwald adaptiert. Ihr Blut suchen sie traditionell bei den schwer auffindbaren Tapiren und Regenwaldschweinen. Jetzt, bei Abholzung der Wälder, stellen sie sich kurzfristig um auf das Blut der Rinder, die eingezäunt und leicht erreichbar auf dem Gelände stehen, wo früher die Wälder waren. Fledermäuse gehören zu den intelligentesten und auch zu den raschesten Tieren. Die Nektar leckenden haben den schnellsten Stoffwechsel, der in der Biologie bekannt ist. Das Salzlecken ist eine Notwendigkeit für schwangere Fledermäuse. Der Zoologe Dr. Christian Vogt über sein Forschungsgebiet.
23 Minuten
Wespen sind vermutlich 70 Millionen Jahre alt. Meist bilden sie Staaten, einige von ihnen leben auch als Robinsone. Als Erwachsene sind sie Raubtiere. Alles, was sie zu sich nehmen, muss flüssig sein, so schmal ist ihre Taille. So verfüttern sie die Beute an ihre Larven und trinken dann deren Speichel als Nektar. Der Biologe Prof. Dr. James Hunt erforscht die Evolution dieser komplexen Tiere. In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftskolleg in Berlin.
23 Minuten
Die Natur und die Evolution übertreffen jeden Ingenieur an Erfindungsreichtum. Die Wissenschaft von der Bionik konzentriert sich auf die Untersuchung von Tieren und Pflanzen, mit dem Interesse technische Neuerungen für die moderne Industrie an ihnen abzulesen. Am Beispiel des Wüstenfischs und von künstlichen Libellen, die er konstruierte, entwickelt der Bioniker Prof. Dr.-Ing. Ingo Rechenberg Zukunftsperspektiven der Technik. Der Sandfisch ist seit etwa 9.000 Jahren an das Leben in der Sahara angepasst. An sich handelt es sich um eine Eidechse. Sie kann aber in den Tiefen des Sandes "wie ein Fisch" jagen. Die Evolution hat die Haut dieses Tieres riebfester gemacht als der beste Stahl. Prof. Rechenberg über diese und viele andere interessante Erfindungen der Natur, die für moderne Technologien neue Wege weisen.
23 Minuten
Die Silberspinne ist das Wappentier der ARACHNOLOGISCHEN GESELLSCHAFT. Sie ist ein tolles Tier. Es handelt sich um ein Unterwasserraubtier, das wie ein U-Boot lebt. Dr. Stefan K. Hetz, Humboldt Universität zu Berlin, über die einzige Spinne unter 36.000 Arten, die sich eine Taucherglocke baut.
23 Minuten
Sie sind die ständigen Begleiter der Menschheit. Ihre Sitten und sozialen Strukturen gehen auf eine Evolution von 150 Millionen Jahren zurück. An festen Orten treffen sich seit mehr als 1.000 Jahren die Bienenköniginnen mit den Drohnen. 20.000 dieser Drohnen bewerben sich um die jungfräuliche Braut. Wie erklären sich so differenzierte und besondere Leistungen aus Biologie und Lusthaushalt? Prof. Dr. Nikolaus Koeniger, Biologe an der Universität Frankfurt, berichtet.
42 Minuten
Tüpfelhyänen gehören zu den interessantesten Raubtieren Afrikas. Sie sind intelligent. Sie haben ein Sozialverhalten, das von den weiblichen Mitgliedern der Gruppe garantiert wird. Auffällig sind die Besonderheiten der Sexual-Politik. Sie hat gesellschaftliche und keineswegs bloß biologische Gründe. Wildtierforscher Prof. Dr. Hofer, der mehr als 3.000 Tiere beobachtete, über die Lebenswelt der Hyäne, eines unterschätzten Tiers.
Im Jahrhundert der Biologie

Im Jahrhundert der Biologie

Der Podcast von Alexander Kluge