Psychiatrie verständlich Archiv
20 Episoden
39 Minuten
Psychische Erkrankungen und Straffälligkeit werden häufig vorschnell miteinander verbunden. Dabei ist die Realität deutlich komplexer. Im Strafvollzug treffen psychische Belastungen, Suchterkrankungen, Schizophrenie, depressive Symptome und Persönlichkeitsauffälligkeiten auf ganz unterschiedliche Biografien und Lebensumstände. Gleichzeitig geht es um die Frage, wie psychologische Betreuung im Gefängnis aussieht, wie Rückfallrisiken eingeschätzt werden, welche Rolle Therapie und Resozialisierung spielen und wie mit Menschen gearbeitet wird, die zum Teil schwere Straftaten begangen haben. Dabei wird deutlich, warum psychische Erkrankungen nicht automatisch zu Gewalt führen, weshalb eine schwierige Kindheit keine Straftat erklärt oder entschuldigt und warum Tätertherapie immer auch ein wichtiger Teil des Opferschutzes ist.
38 Minuten
Psychische Belastungen zeigen sich nicht immer direkt als Traurigkeit, Angst oder Verzweiflung. Häufig stehen zunächst körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Bauchschmerzen, Druckgefühle oder Erschöpfung im Vordergrund. Die Hausarztpraxis ist deshalb oft die erste Anlaufstelle, wenn psychische Probleme, psychosomatische Beschwerden, Depressionen, Ängste oder Krisen sichtbar werden. Dabei geht es um die wichtige Frage, wann körperliche Ursachen abgeklärt werden müssen, wann psychische Faktoren eine Rolle spielen, wo die Grenze zwischen normaler Belastungsreaktion und Erkrankung liegt und wann fachpsychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe notwendig wird.
39 Minuten
Systemisches Coaching kann dabei helfen, belastende Lebenssituationen besser zu verstehen, alte Muster zu erkennen und neue Perspektiven zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen vorhandene Ressourcen, innere Anteile, Eigenverantwortung und die Frage, wie Veränderung im Alltag wirklich gelingen kann. Dabei wird auch deutlich, wo Coaching hilfreich sein kann, wo die Grenze zur Therapie liegt und warum persönliche Entwicklung nicht nur durch Reden entsteht, sondern vor allem durch neue Erfahrungen.
38 Minuten
Ein offenes Gespräch mit Stationsleitungen über den Alltag auf einer geschützten psychiatrischen Akutstation. Es geht um Psychosen, Krisen, Deeskalation, Fixierungen als letztes Mittel, Teamarbeit und darum, warum geschlossene Psychiatrie viel mehr mit Schutz und Menschlichkeit zu tun hat als mit den üblichen Klischees.
40 Minuten
In dieser Folge von *Psychiatrie verständlich* spreche ich mit Michelle Wamsbach über ihre persönliche Geschichte mit der bipolaren Störung. Michelle wurde 2019 diagnostiziert, berichtet aber von ersten Anzeichen, die deutlich früher begonnen haben. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie sich Depression und Manie anfühlen können, wie schwer es ist, die Krankheit von der eigenen Persönlichkeit zu trennen und welche Rolle das eigene Umfeld auf dem Weg zurück in die Stabilität spielt. Mir ist es besonders wichtig, aufzuklären und ein besseres Verständnis für psychische Erkrankungen zu schaffen. In diesem Gespräch wird deutlich, wie entscheidend Unterstützung durch Familie, Freunde und professionelle Hilfe sein kann und warum Medikamente für viele Betroffene ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sind. Diese Folge ist eine ehrliche und bewegende Auseinandersetzung mit einem Thema, das uns alle betrifft. Sie soll Mut machen, sensibilisieren und zeigen, dass niemand mit psychischen Erkrankungen allein ist.
44 Minuten
In dieser besonderen Folge von Psychiatrie verständlich spreche ich mit Herrn Manstein und Herrn Schell von der Wärmestube Saarbrücken. Die Folge ist im Rahmen von Podcasthon entstanden – einer gemeinnützigen Initiative, die Gutes hörbar macht. Wir sprechen darüber, was die Wärmestube für wohnungslose und armutsbetroffene Menschen leistet, warum niederschwellige Hilfe so wichtig ist und welche Rolle psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen und soziale Ausgrenzung im Alltag vieler Betroffener spielen. Meine Gäste geben sehr offene und eindrückliche Einblicke in ihre Arbeit: in die Herausforderungen, aber auch in die menschlichen Begegnungen, die zeigen, wie wichtig Würde, Aufmerksamkeit und ein geschützter Raum für Menschen in schwierigen Lebenslagen sind. Eine Folge über Armut, Wohnungslosigkeit, psychische Erkrankungen, Suchtthemen und darüber, warum Hilfe oft dort beginnt, wo Menschen überhaupt erst einmal angenommen werden. Ich danke meinen Gästen von der Wärmestube Saarbrücken herzlich für das offene und bereichernde Gespräch.
20 Minuten
Depression ist eines der meistgenannten Schlagworte unserer Zeit und gleichzeitig eines der am häufigsten missverstandenen. Dr. Ulrich Seidl erklärt in dieser Folge, warum eine Depression im klinischen Sinn eine ernsthafte, phasenhaft auftretende Erkrankung ist und warum sie nicht mit nachvollziehbarem seelischem Leid, Trauer oder „schlechten Tagen“ gleichgesetzt werden sollte. Im Fokus stehen vier zentrale Fragen: Woran erkennt man eine Depression? Wie sollte das Umfeld reagieren und was ist gut gemeint, aber kontraproduktiv? Warum können viele Betroffene trotz schwerer Symptomatik lange „funktionieren“? Und welche Rolle spielt Scham, wenn es darum geht, Hilfe anzunehmen? Eine Folge für Betroffene, Angehörige und alle, die mehr Klarheit in einen Begriff bringen möchten, der oft zu schnell verwendet wird.
24 Minuten
Neurodiversität und Neurodivergenz sind Begriffe, die heute überall auftauchen. Viele ordnen sich selbst ein, lesen Checklisten, entdecken Symptome wieder und sind schnell bei ADHS, Autismus oder "Hypersensibilität“. Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich fachlich und wo wird es unscharf? In dieser Episode erkläre ich, was mit Neurodiversität wertneutral gemeint ist und warum Neurodivergenz oft schon eine Bewertung enthält. Ich ordne ein, warum ADHS in den Medien immer häufiger auftaucht, was hinter dem häufig missverstandenen Begriff „Aufmerksamkeitsdefizit“ steckt und warum es meist eher um Reizoffenheit und Konzentrationsprobleme geht. Außerdem spreche ich über Diagnostik, Differentialdiagnosen wie Psychosen und darüber, warum eine sorgfältige Abklärung entscheidend ist.
32 Minuten
In dieser Folge von Psychiatrie verständlich widmet sich Dr. Ulrich Seidl einem der schwierigsten und sensibelsten Themen der Psychiatrie: der Suizidalität. Ausgehend von seiner klinischen Erfahrung beleuchtet Dr. Seidl die Frage, warum Menschen den Wunsch entwickeln, nicht mehr leben zu wollen – und ob Suizid tatsächlich Ausdruck höchster persönlicher Freiheit sein kann oder in den meisten Fällen Folge einer schweren seelischen Erkrankung ist. Thematisiert werden unter anderem Depressionen, Psychosen und bipolare Erkrankungen sowie die Rolle von innerer Unfreiheit, verzerrter Wahrnehmung und krankheitsbedingter Motivation. Die Folge ordnet gängige Begriffe kritisch ein, erklärt psychiatrische Zusammenhänge verständlich und zeigt, warum Hoffnung, Behandlung und professionelle Begleitung auch in scheinbar aussichtslosen Situationen möglich sind. Triggerwarnung: Diese Episode behandelt das Thema Suizidalität ausführlich und inhaltlich vertieft. Wenn Sie selbst aktuell belastet sind, hören Sie diese Folge bitte achtsam oder zu einem späteren Zeitpunkt. Wichtiger Hinweis: Wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut Hilfe benötigt: Deutschland: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
45 Minuten
In dieser besonderen Folge geht es ausnahmsweise weniger um ein einzelnes Krankheitsbild, sondern um die Person hinter dem Podcast: Wer ist der Psycho-Doc? Gemeinsam mit Podcast Moderator Adriano Franz (AF-media Consulting GmbH) spricht Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Seidl über seinen Werdegang vom Medizinstudium bis zur heutigen Verantwortung als Chefarzt, über seine Motivation für Aufklärung und darüber, warum ihm präzise Begriffe in der Psychiatrie so wichtig sind. Außerdem geht es um Fachkräftemangel, Teamarbeit, die Frage nach gesunder Distanz im Beruf und um die Herausforderung, Menschen zu helfen, ohne alles sofort zu pathologisieren.
25 Minuten
In dieser Folge von „Psychiatrie verständlich“ spricht Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Seidl gemeinsam mit einem Gast über das Thema Sucht und Abhängigkeit – jenseits von Klischees, Filmbildern und einfachen Erklärungen. Warum sind nicht alle süchtigen Menschen „abgestürzt“ oder offensichtlich krank? Ab wann spricht man eigentlich von einer Abhängigkeit auch dann, wenn jemand nach außen noch funktioniert? Und warum sind bestimmte Medikamente wie Benzodiazepine gleichzeitig hochwirksam und hochriskant? Dr. Seidl erklärt, welche Rolle Rausch, Kontrolle und Funktion im Alltag spielen, warum der Wunsch nach Ausnahmezuständen zutiefst menschlich ist und wann aus Konsum eine behandlungsbedürftige Erkrankung wird. Ein besonderer Fokus liegt auf dem verantwortungsvollen Umgang mit Psychopharmaka, der Abgrenzung zu Antidepressiva sowie auf der Frage, wie sehr Mythen und Stigmatisierung Betroffenen schaden können. Abschließend geht es um den Blick von außen: Wie können Angehörige reagieren, ohne zu bevormunden? Wo liegen Grenzen von Hilfe und wo beginnt Eigenverantwortung? Eine Folge für Betroffene, Angehörige und alle, die Sucht differenzierter verstehen möchten.
18 Minuten
Medikamente in der Psychiatrie – ein Thema, das oft emotional und kontrovers diskutiert wird. Doch was steckt eigentlich dahinter? In dieser Folge erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Seidl, wann Psychopharmaka sinnvoll eingesetzt werden, welche Medikamentengruppen es gibt und wo ihre Grenzen liegen. Von Antidepressiva über Neuroleptika bis zu Stimmungsstabilisatoren wie Lithium – verständlich erklärt, fachlich fundiert und mit dem Blick eines Psychiaters aus der Praxis. Themen dieser Folge: - Wann Medikamente in der Psychiatrie notwendig sind - Unterschied zwischen Psychose, Depression und Lebenskrise - Wichtige Gruppen von Psychopharmaka - Nutzen und Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln - Warum Aufklärung so entscheidend ist ️ „Psychiatrie verständlich“ – der Podcast von Dr. Ulrich Seidl. https://der-psycho-doc.de/impressum/
22 Minuten
In dieser Folge von „Psychiatrie verständlich – Dr. Seidl erklärt“ spreche ich über das Thema Abhängigkeit und Sucht. Ich gehe darauf ein, was Sucht ausmacht, welche Kriterien erfüllt sein müssen und welche Unterschiede es zwischen stoffgebundenen Süchten wie Alkohol, Cannabis oder Medikamenten und nicht stoffgebundenen Süchten wie Glücksspiel oder Internetsucht gibt. Dabei erläutere ich, warum starkes Verlangen, Kontrollverlust, die zunehmende Einengung des Lebens und die Fortsetzung des Konsums trotz negativer Folgen zentrale Merkmale sind. Ich zeige, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen – von psychischen Vorerkrankungen über traumatische Erfahrungen bis hin zum sozialen Umfeld und der Häufigkeit des Konsums. Außerdem erkläre ich den Unterschied zwischen Entzug und Entwöhnung und warum die eigentliche Herausforderung nicht in der Entgiftung liegt, sondern darin, langfristig ohne die Substanz leben zu lernen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, weshalb Alkoholentzug medizinisch begleitet werden sollte und welche Gefahren vor allem bei Benzodiazepinen oder harten Drogen wie Heroin bestehen. Ein weiterer Teil der Folge widmet sich Cannabis. Ich bespreche, wie es wirkt, warum besonders junge Menschen ein erhöhtes Risiko haben und weshalb die Wirkung auf das noch reifende Gehirn nicht unterschätzt werden darf. Dabei ist mir wichtig, dass Prävention und Aufklärung nicht durch Verteufelung oder Verharmlosung erfolgen, sondern durch differenzierte Information und das Bewusstsein für die eigene Verantwortung. Mit dieser Folge möchte ich ein besseres Verständnis für Suchterkrankungen vermitteln und Betroffene wie Angehörige darin unterstützen, Wege aus der Abhängigkeit zu erkennen. Hinweis: Diese Folge ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Ein Entzug – insbesondere bei Alkohol oder Benzodiazepinen – sollte immer ärztlich begleitet werden.
33 Minuten
In dieser Episode geht es um Persönlichkeitsstörungen – was sie von normalen Charaktereigenschaften unterscheidet, warum Diagnosen mit Bedacht gestellt werden sollten und wie verschiedene Formen wie narzisstische, paranoide oder dissoziale Persönlichkeiten verstanden werden können. Außerdem erklärt Dr. Ulrich Seidel, weshalb die Borderline-Störung keine klassische Persönlichkeitsstörung ist und welche Rolle Psychotherapie bei der Behandlung spielt. Mehr Informationen finden Sie auf www.dein-psycho-doc.de
21 Minuten
In dieser Folge spreche ich über das Thema Demenz – von der häufigsten Form, der Alzheimer-Demenz, bis hin zu selteneren Varianten wie der frontotemporalen Demenz oder vaskulären Demenz. Ich erkläre, warum Demenz kein normaler Alterungsprozess ist, welche Veränderungen im Gehirn zugrunde liegen und wie sich erste Anzeichen erkennen lassen. Außerdem gehe ich auf Diagnostik, therapeutische Möglichkeiten und vorbeugende Maßnahmen ein. Mein Ziel ist es, Ihnen fundiertes Wissen verständlich zu vermitteln – egal, ob Sie selbst betroffen sind, Angehörige unterstützen oder sich einfach für psychische Gesundheit interessieren. Mehr Informationen und alle weiteren Folgen finden Sie auf www.der-psycho-doc.de.