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Sinn:Suche Archiv
84 Episoden
24 Minuten
Ben Becker ist wohl einer der vielseitigsten Künstler, die wir in Deutschland haben. Er steht für Kino- und Fernsehfilme vor der Kamera, spielt mit Leidenschaft Theater, spricht Synchronrollen, Hörspiele und Hörbücher, ist Sänger und schreibt Bücher für Erwachsene und Kinder. Er überzeugt als Martin Luther und als Sänger Robert Biberti in der Filmbiografie „Comedian Harmonists“. Aber auch in der Rolle eines Kindsmörders jagt er einem Schreckensschauer über den Rücken. Immer wieder beschäftigt sich Becker aber auch mit der Bibel. Viele kennen die Bibel überhaupt erst durch ihn. Denn mit seiner markanten Bassstimme hat Becker „Die Bibel. Eine gesprochene Symphonie“ eingesprochen. Eine seiner neuesten Rollen ist die des Judas. Allein auf der Bühne spricht er eine beeindruckende Verteidigungsrede der wohl umstrittensten Person der Bibel. Kurz vor einem Auftritt im Hamburger Michel hat Ben Becker sich Zeit genommen für die neue Folge von „Sinn:Suche“.
1 Stunde 13 Minuten
Die Mail habe ich erstaunlich lange auf Halde gelegt – eine Pressemitteilung über das neue Buch der Philosophin Ina Schmidt: „Die Kraft der Verantwortung. Über eine Haltung mit Zukunft.“ Komisch, muss am Thema liegen. Denn ich mag nicht nur Ina. Ich mag auch ihre Bücher. Sie kann so über Philosophie sprechen, dass man etwas versteht. Und wir haben schon viele erfreuliche Sendungen zusammen gemacht. Warum also mag ich nicht mit ihr über Verantwortung sprechen?! Ich rufe die Mail wieder auf: Klingt eigentlich super interessant. Gleichzeitig merke ich: „Verantwortung“ macht mir gleich ein schlechtes Gewissen. Für mich hört sich das nach Klimakrise, Schuldgefühlen und Vorwürfen an. Interessant eigentlich! Wie kommt das? Ina Schmidt hat ihr Buch schließlich „Die Kraft der Verantwortung“ genannt. In dem Thema muss also auch etwas Positives zu finden sein! Ich rufe Ina an: „Warum suchst Du Dir eigentlich immer die unangenehmen Themen aus?! Aber lass uns einen Podcast dazu machen. Wie wir das sehen. Du als Philosophin und ich als Theologin und Pastorin.“
Ina freut sich und sie lädt mich ein zur Aufnahme in ihr Gartenhaus. Wunderbar! Bei Kaffee an so einem schönen Ort und zusammen mit Ina denke ich gerne auch über schwierige Themen nach.
Und tatsächlich! Ina Schmidt hat Recht: In Verantwortung steckt wirklich jede Kraft und Motivation!
Ina freut sich und sie lädt mich ein zur Aufnahme in ihr Gartenhaus. Wunderbar! Bei Kaffee an so einem schönen Ort und zusammen mit Ina denke ich gerne auch über schwierige Themen nach.
Und tatsächlich! Ina Schmidt hat Recht: In Verantwortung steckt wirklich jede Kraft und Motivation!
26 Minuten
Kirsten Boie ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen für Kinder- und Jugendbücher. Manche sagen, sie sei die Astrid Lindgren Norddeutschlands. Über hundert Bücher hat sie schon geschrieben. Kinder lieben den kleinen Ritter Trenk, die Sommerby-Reihe oder die Geschichten von den Kindern aus dem Möwenweg. Jugendliche lernen durch Boies Bücher aber auch ernste Themen wie Krieg, die Shoa, Flucht und Vertreibung kennen. Ihr neues Buch führt drei Kinder im Juni 1945 in den Trümmern Hamburgs zusammen. Ich habe mit ihr nach einer Lesung für Kinder gesprochen. Es war die erste Lesung nach Monaten Pandemie-bedingter Pause. Und die letzte Lesung vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Es geht um Kirsten Boies Kindheit in den 1950er Jahren im zerstörten Hamburg, um Kriegstraumata, die Politisierung der Jugend und die Bedeutung von Büchern.
1 Stunde 3 Minuten
„Die Kirche kann viel von Sexarbeiterinnen lernen“, sagt Kristina Marlen, Sexarbeiterin in Berlin – und gläubig. Interessante Headline im Netz! Klingt spannend und für mich so schräg und provozierend, dass ich sie gleich mal um ein Interview bitten muss. Glauben und Prostitution: Wie soll das zusammen gehen? Vor meinem inneren Auge sehe ich Straßenstrich, Drogensucht, Zwangsprostitution. Kurzum: Elend und Gewalt. Gebrochene Persönlichkeiten, die aus Not diesen Job ausüben müssen. Gebrochen klingt Kristina Marlen am Telefon gar nicht. Eher vergnügt. Sie freut sich, dass ich als Radiopastorin mit ihr ins Gespräch kommen möchte. In ihrem Kolleginnenkreis gab es dafür leicht spöttische Rückmeldungen, dass sie sich mit einer von der Kirche unterhalten möchte, sagt sie. Eine Art Tabubruch, lacht sie. Und das ist es irgendwie natürlich für mich auch. „Mein Großvater war Pastor“, sagt sie. „Meine Lieblingsbibelstelle ist Psalm 23. Und: Sexarbeiterin sein, ist meine Berufung.“
Mein Kopf schwirrt. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich habe richtig viel gelacht am Telefon. So eine lustige und warmherzige Person mit Tiefgang. Aber was hatte ich denn eigentlich gedacht? Mit welcher Vorannahme und Vorurteilen bin ich eigentlich in den Kontakt gegangen? Ich bin die moralisch überlegende Reporterin und sie das schwarze Schaf? Ich schreibe Kristina Marlen: Ich würde gerne noch einmal mit Ihnen sprechen. Sie dürfen mir natürlich auch Fragen stellen. Wollen wir zusammen einen Podcast aufnehmen?
Mein Kopf schwirrt. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich habe richtig viel gelacht am Telefon. So eine lustige und warmherzige Person mit Tiefgang. Aber was hatte ich denn eigentlich gedacht? Mit welcher Vorannahme und Vorurteilen bin ich eigentlich in den Kontakt gegangen? Ich bin die moralisch überlegende Reporterin und sie das schwarze Schaf? Ich schreibe Kristina Marlen: Ich würde gerne noch einmal mit Ihnen sprechen. Sie dürfen mir natürlich auch Fragen stellen. Wollen wir zusammen einen Podcast aufnehmen?
1 Stunde 1 Minute
Aminata Touré ist Abgeordnete im Landtag von Schleswig-Holstein und Landtagsvizepräsidentin. Seit zehn Jahren ist sie Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Doch ihr gesellschaftliches Engagement begann schon zu Schulzeiten, als sie zur Schulsprecherin gewählt wurde. Eine beeindruckende Geschichte, vor allem, wenn man weiß, dass ihre Familie aus Mali nach Deutschland floh und Aminata Touré die ersten fünf Jahre ihres Lebens in einer Flüchtlingsunterkunft lebte und von Abschiebung bedroht war. Ich habe sie im Landeshaus in Kiel besucht, um mit ihr über ihr Buch "Wir könnten mehr sein. Die Macht der Vielfalt", über ihre Ambitionen in der Politik, den Kampf gegen Rassismus und den Klimawandel, und über Religion, Spiritualität und den schönsten Tag ihres Lebens zu sprechen. Aminata Touré war gut aufgelegt und hatte – wie man hört – viel Interessantes zu sagen.
1 Stunde 3 Minuten
Mit Annie Heger zu schnacken war grandios. Wir reden über Heimat. Natürlich. Ostfriesland, Plattdeutsch, die Menschen unseres Herzens. Und warum all das für unser Seelenleben wichtig ist. Anhören! Träumen, eine Träne aus den Augenwinkeln streichen, dahinschmelzen. Es wird deep, immer wieder. Wenn wir über Annies Sehnsucht nach einem gesunden Körper talken, wenn wir andächtig von Sven Regeners Musik schwärmen und „an Land“ gehen oder über das YouTube-Projekt Basis:Kirche nachdenken. Annie Heger ist Sängerin, Kabarettistin, Moderatorin und Autorin für „Hör mal’n beten to“ im NDR. Sie pendelt zwischen Berlin, Nordeutschland und der Welt.
1 Stunde 4 Minuten
Wolf Biermann ist Liedermacher und Poet. Seine Gedichtbände zählen zu den erfolgreichsten der deutschen Nachkriegsliteratur. Seine Geschichte bewegt: Als jüdisches Kind überlebt er die Hamburger Bombennächte. Sein Vater, überzeugter Kommunist, wird in Auschwitz ermordet. Als Jugendlicher verlässt Biermann 1953 die Bundesrepublik und geht in die DDR, denn er ist überzeugt: Dort entsteht das bessere Deutschland. Doch kaum ist er angekommen, folgt die Ernüchterung. Er wird zum unbequemen Mahner. 1976 singt er in Westdeutschland und wird von der SED nicht mehr ins Land gelassen. Seitdem wohnt er in Hamburg. Auch mit 85 Jahren bleibt er ein unbequemer Mahner, der zu seiner Meinung steht. Auch und gerade dann, wenn er anderen damit widerspricht. In seinem neuen Buch "Mensch Gott" hat er Texte aus sechs Jahrzehnten versammelt. Ich besuche ihn, und wir reden über Ermutigung, Glaube und Unglaube, Toleranz und darüber, warum Wolf Biermann als Atheist viele Christen zu seinen Freunden zählt.
1 Stunde 4 Minuten
Judy Bailey ist eine erfolgreiche Musikerin. Geboren in London, aufgewachsen auf Barbados ist sie seit 25 Jahren mit ihrem Mann Patrick Depuhl verheiratet und lebt mit ihm und den drei Söhnen in Deutschland. Durch ausgedehnte Tourneen, die sie auf alle fünf Kontinente geführt haben, und durch Auftritte auf Kirchentagen ist sie vielen Menschen bekannt. Aber auch an sehr ungewöhnlichen Orten tritt sie auf: Z.B. in einer Besteckfabrik, einer Autowerkstatt, einem Jugendgefängnis, einem Kinderhospiz und im Frankfurter Flughafen. Ihr Lied „Jesus in my house“ ist ein Klassiker. Nun hat das Ehepaar Bailey / Depuhl eine CD mit sehr persönlichen Texten aufgenommen: „Das Leben ist nicht Schwarz-Weiß. Geschichten von Wurzeln, Welt und Heimat“. Drei Jahre hat die Vorbereitung dafür gedauert und hat das Paar nach Barbados, den Senegal und an viele weitere Orte geführt. Und weil die Lieder und Geschichten nicht nur hörenswert sind, sondern auch wunderbar zu lesen, ist daraus noch ein Buch entstanden. Ich habe die beiden gefragt, wie es war, die eigenen Wurzeln der so unterschiedlichen Familien zu entdecken, was Heimat für sie bedeutet und welche Rolle der Glaube in ihrem Leben spielt.
1 Stunde 4 Minuten
Loslassen. Das sagt sich so leicht. Was kann damit eigentlich gemeint sein? Und was nicht? "Loslassen" heißt das Buch von Radiojournalist Marc Frangipane. Da schreibt er über seine Erfahrungen mit der Krankheit, dem Sterben und dem Tod seiner Mutter. Beim Lesen wird mir klar: Dies ist keine dogmatische Begriffserklärung, sondern ein persönlicher Erfahrungsbericht, der Mut machen möchte, sich dem Thema Abschied in unterschiedlichen Facetten zu stellen. Ich habe in den letzten Jahren meinen Vater und meine Schwiegermutter verloren. Und weil ich Marc vom NDR in Hamburg kenne, frage ich ihn einfach mal: "Hättest Du Lust, dass wir uns mal austauschen über das Thema?" Marc hat Lust und er freut sich sogar. Für unseren Podcast nimmt er sich nicht nur richtig viel Zeit an seinem freien Tag. Ich bekomme Kuchen und Tee in bezauberndem Retrogeschirr an seinem sonnigen Küchentisch und fühle mich richtig wohl. Eine gute Voraussetzung für ein herausforderndes Thema: Loslassen. Hört mal rein!