BackstageClassical Archiv
124 Episoden
20 Minuten
Matthias von Hülsen ist einer der kreativsten Klassik-Manager: Er war and er Gründung des Schleswig-Holstein Musikfestivals beteiligt, er hat das Musikfestival in Mecklenburg Vorpommern gegründet – und leitet inzwischen das Kammermusikfestival im polnischen Kreisau. Ein Ort, an dem junge Musikerinnen und Musiker zwei Wochen lang intensiv – und bei offenen Türen – an Werken proben können, die ihnen besonders am Herzen liegen. Im BackstageClassical-Podcast spricht von Hülsen über seinen Weg, über den Wandel der Festivals, über das Gute, das die Musik den Menschen bringt – und besonders über das private Engagement, das Grundlage einer funktionierenden Demokratie sei.
36 Minuten
Anerkennung, Freiheit, Karriere: Dafür kämpfte Clara Schumann ihr Leben lang – und stand damit vor den gleichen Herausforderungen wie Frauen im 21. Jahrhundert. Sie haderte mit ihrer Rolle als Mutter von sieben Kindern und mit der nahezu unmöglichen Aufgabe, Beruf und Familie zu vereinbaren. Gestützt auf bisher unbeachtete Quellen, erzählt die Bestsellerautorin Christine Eichel das Leben der gefeierten Pianistin und Komponistin radikal neu und räumt dabei mit einigen Klischees auf. Clara Schumann war keine sanfte Muse im Schatten ihres genialischen Mannes Robert. Im Gegenteil – furchtlos setzte sie sich über männliche Besitzansprüche hinweg, löste sich aus der toxischen Beziehung zu ihrem psychisch labilen Ehemann und stieg durch kluge Imagepflege zum Star ihrer Zeit auf. Dieses mitreißende Buch zeigt: Claras Themen sind verblüffend aktuell. Christine Eichel, 1959 geboren, studierte Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft und wurde mit einer Arbeit über die Musiktheorie von Theodor W. Adorno promoviert. Sie war Fern- sehregisseurin, Moderatorin, Gastprofessorin der Universität der Künste Berlin und leitete das Kulturressort des Magazins Cicero. Ihre Sachbücher »Das deutsche Pfarrhaus. Hort des Geistes und der Macht« (2012), »Deutschland, deine Lehrer« (2014), »Deutsch- land. Lutherland« (2015) und »Der empfindsame Titan. Ludwig van Beethoven im Spiegel seiner wichtigsten Werke« (2019) erreg- ten großes Aufsehen. Christine Eichel lebt als Autorin und Publizistin in Berlin. Mehr auf www.backstageclassical.comGestützt auf bisher unbeachtete Quellen, erzählt die Bestseller- autorin Christine Eichel das Leben der gefeierten Pianistin und Komponistin radikal neu und räumt dabei mit einigen Klischees auf. Clara Schumann war keine sanfte Muse im Schatten ihres genialischen Mannes Robert. Im Gegenteil – furchtlos setzte sie sich über männliche Besitzansprüche hinweg, löste sich aus der toxischen Beziehung zu ihrem psychisch labilen Ehemann und stieg durch kluge Imagepflege zum Star ihrer Zeit auf. Dieses mit- reißende Buch zeigt: Claras Themen sind verblüffend aktuell. Christine Eichel, 1959 geboren, studierte Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft und wurde mit einer Arbeit über die Musiktheorie von Theodor W. Adorno promoviert. Sie war Fern- sehregisseurin, Moderatorin, Gastprofessorin der Universität der Künste Berlin und leitete das Kulturressort des Magazins Cicero. Ihre Sachbücher »Das deutsche Pfarrhaus. Hort des Geistes und der Macht« (2012), »Deutschland, deine Lehrer« (2014), »Deutsch- land. Lutherland« (2015) und »Der empfindsame Titan. Ludwig van Beethoven im Spiegel seiner wichtigsten Werke« (2019) erreg- ten großes Aufsehen. Christine Eichel lebt als Autorin und Pub- lizistin in Berlin. Mehr auf www.backstageclassical.com
46 Minuten
François-Xavier Roth wird neuer Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters – trotz der Vorwürfe, dass er »Dickpicks« und anzügliche Nachrichten an Orchestermusikerinnen und Orchestermusiker versendet hat. Das Gürzenich Orchester hat sich inzwischen von seinem Chef getrennt – Roth soll mit 200.000 Euro abgefunden worden sein. Der SWR hält derweil an ihm fest. Die Debatten um den Fall werden laut und aggressiv geführt. Bei BackstageClassical haben verschiedene Autorinnen und Autoren in Essays Position bezogen: Die Pianistin und Dozentin Shoko Kuroe entdeckte eine öffentliche »Tätermigration«, der Musikwissenschaftler und Dozent Alexander Gurdon schrieb über das Machtbild von Roth, und Stephan Knies kritisierte den Kurs der öffentlichen Debatte und argumentierte, dass der SWR richtig gehandelt habe. In diesem Podcast debattieren die drei gemeinsam mit Axel Brüggemann über den Fall Roth, aber auch über die Konsequenzen und Auswirkungen für den Klassik-Betrieb und die bestehenden Systeme. Wie können Orchester, ihre Leitungen, die Medien und die Öffentlichkeit in Zukunft besser reagieren – und welche Formen der Prävention gibt es? Der Fall Roth bei BackstageClassical: Vor einigen Tagen hatte die Pianistin Shoko Kuroe den Fall François-Xavier Roth kommentiert (https://backstageclassical.com/der-fall-roth-und-das-phaenomen-der-taetermigration/). Für sie ist es ein Fall von Täter-Migration. Axel Brüggemann fragte bereits vor einiger Zeit in seinem Essay (https://backstageclassical.com/was-kommt-nach-dem-dickpick/) danach, ob Kulturinstitutionen überhaupt in der Lage sind, mit Verfehlungen umzugehen. Auch der Dozent der Musikwissenschaft an der TU Dortmund, Alexander Gurdon, kritisierte das Festhalten an Roth als falsche Bestätigung seiner Macht (https://backstageclassical.com/erst-der-missbrauch-dann-die-macht/). Auf all diese Texte antwortete Stephan Knies in seiner Kritik: https://backstageclassical.com/wir-muessen-den-fall-roth-anders-debattieren/
16 Minuten
Das deutsche Stadttheatersystem ist weltweit einmalig. Aber es steht unter Druck und muss sparen. Wie wichtig sind die Häuser heute noch für eine Sängerkarriere? Was sind die Vorteile eines YStadttheater-Engagements? Und wann wird es Zeit, den Mut zu haben, freiberuflich zu arbeiten? Die Sänger Tilmann Unger und Birger Radde haben beide in Ensembles gearbeitet und sind heute erfolgreiche Freelancer. Unger singt die großen Rollen der Heldentenöre in Berlin, an der Semperoper, in Hannover und an anderen internationalen Häusern, und Radde hat zuletzt als Wozzeck an der Wiener Staatsoper für Aufsehen gesorgt – außerdem singt er derzeit den Melot in Wagners Tristan bei den Bayreuther Festspielen. Der eine war lange Mitglied im Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters, der andere am Theater in Bremen. Nach dem Bayreuther Festspiel Open-Air mit Nathalie Stutzmann unterhalten die beiden bei einem Bier mit Axel Brüggemann über das Für und Wider eines Stadttheaterengagements.
23 Minuten
Wie war die Wiederaufnahme des Tannhäuser von Tobias Kratzer? Wie die Kinderoper auf dem Grünen Hügel? Wie ordnen wir die Diskussion um Claudia Roth ein? Kann die Kunst uns das Streiten lehren? Und warum verschwindet das Feuilleton aus den Zeitungen? All diese Fragen erörtert Axel Brüggemann mit dem ehemaligen Chefredakteur von B.Z. und Welt am Sonntag, mit Peter Huth. Die beiden sprechen über Kratzers genialen Tannhäuser und eine großartigen neuen Ideen: Am Anfang verdrückt der Venus-Clan eine Träne, und stößt auf der Flucht an – auf ein Bild des verstorbenen Bayreuth-Tenors Stephen Gould, der diese Rolle eins geprägt hatte. Wahrscheinlich gab es zum ersten Mal Szenenapplaus während einer Bayreuth-Premiere. Dann geht es weiter auf einen Rastplatz mit Frau Holles Märchen-Häuschen, und Kratzer plakatiert eine fiktive Ankündigung: »Dr. Claudias Kasperltheater. Hänsel & Gretel«. Ganz große Oper! Peter Huth berichtet über die Kinderoper Der fliegende Holländer und schwärmt, und debattiert mit Axel Brüggemann die Situation des Feuilletons. Hier das Bayreuth-Tagebuch von Peter Huth.
11 Minuten
Heute eröffnen die Bayreuther Festspiele. Catherine Foster ist die Brünnhilde auf dem Grünen Hügel von Bayreuth – und war das schon in ganz unterschiedlichen Inszenierungen: bei Regisseur Frank Castrof und nun bei Valentin Schwarz. Im Gespräch mit BackstageClassical erzählt sie, dass sie bereits um 11:00 am Morgen im Festspielhaus ist, um sich auf die Rolle am Abend vorzubereiten: »Es geht darum, die Welt vollkommen auszuschalten, der Welt abhanden zu kommen, um am Abend ganz in der Rolle sein zu können.« Bayreuth ist für sie dabei ein einmaliger Ort, da sich hier alles um Wagner dreht. Besonders genießt sie die unterschiedlichen Regie-Perspektiven auf das Werk: »Ich mag Naue Blickwinkel, und gerade im ‚Ring‘ von Valentin Schwarz habe ich meinen eigenen Blick auf die Rolle der Brünnhilde sehr erweitern können«, sagt Foster.
29 Minuten
Der Kulturmanager Fabian Burstein fordert im Gespräch mit BackstageClassical dass die Kultur jene Räume besetzt, die andere schon lange besetzen: Das Zeitalter der alten Medien gehe zu Ende, argumentiert Burstein. Menschen, die Kultur und ihre Vielfalt in Frage stellen, erreichen heute längst ein junges Publikum – und es wird höchste Zeit, dass auch die Kultur diese Räume besetzt: mit positiven Geschichten. Grundsätzlich fordert Burstein, dass man die Finanzierungsmodelle von Medien, besonders von Zeitungen auf den Prüfstein stellt. Derzeit Beobachter er eine redaktionelle Abhängigkeit der Kulturberichterstattung von direkten oder indirekten Geldern aus der Kulturpolitik und aus Kulturinstitutionen. Das gefährde die Unabhängigkeit. Außerdem plädiert der Kulturmanager für neue Dialoge zwischen Kulturpolitik, Kunst und Publikum. Es könne nicht sein, dass wir die Augen vor Problemen der Kulturbranche verschließen, sagt Burstein, und uns die Zahlen schön rechnen. Stattdessen fordert er eine schonungslos ehrliche Debatte über die Krisenfelder des Kulturbetriebes. Es könne nicht sein, dass die Kulturpolitik sich wegduckt und Kulturpolitik im Hinterstübchen betreibe – die kulturelle Verantwortung müsse ins Scheinwerferlicht rücken.
24 Minuten
Dieser Podcast ist entstanden innerhalb eines Journalismus-Workshops mit der Herder-Schule in Rendsburg und ist eine Koproduktion des Schleswig-Holstein Musik Festivals und BackstageClassical. In der zweiten Folge fragen die Autorinnen Livia Storm und Jolie Büchner beim Intendanten des Festivals Christian Kuhnt und bei der Dirigentin Holly Choe nach ihren Perspektiven für die Zukunft der Klassik.
19 Minuten
Dieser Podcast ist entstanden innerhalb eines Journalismus-Workshops mit der Heine-Schule in Rendsburg und ist eine Koproduktion des Schleswig-Holstein Musik Festivals und BackstageClassical. In der ersten Folge fragen die Autorinnen Livia Storm und Jolie Büchner bei Musikerinnen des Festival Orchestras nach ihren Perspektiven für die Zukunft der Klassik und bei der Geigerin Bomsori Kim.
21 Minuten
Christian Kuhnt ist Intendant des Schleswig-Holstein Musikfestivals. In diesem Sommer hat er über 200 Konzerte an 120 Orten. Der Vorverkauf ist sensationell, viele Veranstaltungen sind bereits Ausverkauft. Im BackstageClassical-Gespräch redet er über seine Vision, Musik zu den Menschen zu bringen, über die Russland-Verbindungen von Festival-Gründer Justus Frantz, über die gesellschaftliche Verantwortung von Musikerinnen und Musikern über die Kunst, mit Musik ein breites Publikum zu erreichen. Vor einigen Wochen überlegte der Intendant der Kammermusiktage Hitzacker, Oliver Wille, bei BackstageClassical, ob die großen Festivals nicht an ihrer eigenen Größe zu scheitern drohen. Kuhnt entgegnet, dass man in Schleswig-Holstein nicht mehr expandieren werde, gleichzeitig aber bewusst und aus Vorsatz auf eine Breitenwirkung des Programmes setze. Über den Umgang mit dem Festival-Gründer Justus Frantz sagt Kuhnt, dass jemand, der den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine relativiere derzeit keinen Platz beim Festival habe. Er habe das Gespräch mit Frantz jenseits der Öffentlichkeit gesucht und sei zu seiner Entscheidung gekommen, die Zusammenarbeit auszusetzen.
6 Minuten
Mit bewegenden Worten hat sich Christian Thielemann von der Staatskapelle Dresden verabschiedet: »Was wir in den Jahren erarbeitet haben. War einzigartig, auch weil so viele von Ihnen ins Bayreuth spielen. Ich habe in Bayreuth ja die halbe Cello-Gruppe gehabt. Das war ungeheuerlich. Hier waren sie, meine Sachsen! Es war eine ungeheuer schöne Zeit (…) Es muss Erneuerung geben, und jeder muss entscheiden, wann das so ist. Ich wollte ja gar nichts anderes mehr annehmen. Nun ist es anders gekommen. So ist das manchmal im Leben (…) Was nützt es, weltberühmt zu Hause zu sein, wir hatten internationale Erfolge. Die Dresdner sind die Zwillinge der Wiener. Ich würde das nicht behaupten, wenn ich das nicht beurteilen könnte. Sie sind ein Opern- und ein Konzertorchester von Weltklasse. Das muss immer wieder gesagt werde. Es muss überall gespart werden, aber, wenn man an der Kultur spart – das ist das Schlimmste. Ein Mitglied des Orchesters sagte zu mir: Ach, Herr Thielemann, haben wir einen schönen Arbeitsplatz. Und das stimmt (…) Der Theaterplatz in Dresden ist einer der schönsten Plätze überhaupt. Sein Sie froh, dass sie den haben. Auf Wiedersehen.«
24 Minuten
Das Theater Regensburg wird 2025 Staatstheater – und darauf bereitet sich das Haus bereits jetzt vor. Unter anderen werden 25 bis 30 neue Stellen geschaffen, von der Orchesterdirektion über die Transportabteilung bis zum KBB. All das organisiert der Kaufmännische Direktor am Haus, Matthias Schloderer. Er war an der Bayerischen Staatsoper für die Bereiche Strategisches Management und Marketing verantwortlich und ist seit 2021 am Theater Regensburg. Im Podcast von BackstageClassical spricht er über den Fachkräftemangel, den Reiz der Arbeit am Theater und über die Folgen der Tarifkündigung durch die GDBA.
28 Minuten
Axel Brüggemann hat den Komponisten Hans Werner Henze in Italien besucht – das war vor 20 Jahren. Geblieben ist ein eindrückliches Tondokument, in dem Henze über sein Leben, seine Musik, seine Freunde und Feinde spricht – und über den Tod.
24 Minuten
Die Sommerliche Musiktage in Hitzacker finden ganz weit im Norden, im Wendland, statt. Sie wurden 1946 gegründet und haben Pionierarbeit in Sachen neue Formate geleistet. Am 27 Juli beginnt die neue Saison. Intendant Oliver Wille ist selber Musiker des Kuss Quartetts und lässt diesen Sommer alles um die Zahl VIER kreisen: Vierhändige Klaviermusik, vier Saiten, vier Werke an einem Abend – oder eben spannende Quartette. Im Gespräch mit BackstageClassical erklärt Wille, warum gerade Hitzacker ein Beweis dafür ist, dass man das Publikum nicht unterschätzen sollte, und dass durchaus Interesse am Komplexen besteht. Hitzacker gilt als »Der Grüne Hügel der Kammermusik«, und Wille ist der festen Überzeugung, dass die Herausforderung ein Teil des Erfolges der Festivalgeschichte ist, dass nachhaltige Kultur und die kreative Entwicklung von Formaten Garanten für die Zukunft sind. Gerade in einer Zeit, in der es immer mehr Festivals gibt, wird es wichtig, sich klar zu positionieren, sagt er und befürchtet, dass es in Zukunft eher die großen Veranstalter schwer haben, die gezwungen sind, immer weiter zu expandieren
38 Minuten
Am 25 Juli eröffnen die Bayreuther Festspiele mit einer neuen Tristan-Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson in der musikalischen Leitung von Semyon Bychkov. Beide sind bei den Proben auf Monitoren zu sehen, die im Büro von Festspielleiterin Katharina Wagner flackern. Im BackstageClassical-Podcast (der von Bayreuths Hauptsponsor, der Geldermann Privatsektkellerei unterstützt wurde), spricht die Festspielleiterin über die neuen Strukturen (»Für mich war bei der Verlängerung wichtig, dass die Kunst autonom wird und ein eigenes Budget bekommt«), über nötige Sparmaßnahmen (» Es haben alle Abteilungen gespart: die Technik, die Maske, die Kostüme und das Orchester«) und die Öffnung der Festspiele (»Es ist mir ein Anliegen, dass möglichst viele Menschen zumindest einen Erstkontakt mit Wagner und seinem Werk haben können«).