Nachteilsausgleiche sorgen immer wieder für Diskussionen. Für die einen sind sie eine notwendige Voraussetzung für faire Bildungschancen, für andere entsteht schnell der Eindruck, einzelne Schülerinnen und Schüler könnten dadurch Vorteile erhalten. Gerade bei Beeinträchtigungen, die von außen nicht sichtbar sind, halten sich solche Zweifel besonders hartnäckig. Karina Sinn kennt diese Erfahrungen. In der Folge beschreibt sie, wie sich Legasthenie für sie konkret auswirkt, warum ihre Leistungen teilweise anders wahrgenommen wurden und welche Unterstützung ihr auf dem Weg bis zum Abitur geholfen hat. Doch Legasthenie ist nur ein Beispiel. Herr Freier, Ansprechpartner für Inklusionsfragen, erklärt, wie unterschiedlich Beeinträchtigungen sein können, weshalb viele von ihnen im Schulalltag zunächst unbemerkt bleiben und woran Eltern und Lehrkräfte erkennen können, dass Schülerinnen und Schüler möglicherweise andere Bedingungen benötigen, um ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zeigen zu können. Was gleicht ein Nachteilsausgleich also tatsächlich aus? Werden dadurch Anforderungen gesenkt – oder werden Barrieren reduziert, die den Zugang zu Unterricht, Aufgaben und Prüfungen erschweren? Die Folge führt damit zu einer grundsätzlichen Frage von Schule und Bildung: Ist es gerecht, alle gleich zu behandeln, wenn ihre Voraussetzungen unterschiedlich sind? Müssen sich alle Schülerinnen und Schüler Wissen auf demselben Weg erschließen? Oder braucht Bildung unterschiedliche Zugänge, damit Einschränkungen beim Sehen, Hören, Lesen oder in anderen Bereichen nicht darüber entscheiden, was ein Mensch lernen und leisten kann?
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.