[Projekt: Leben] Archiv
101 Episoden
23 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?
Wir haben heute unseren Buch-Club. Bei mir zu Gast ist wieder Martin Schmidt.
Wir sprechen heute über nicht eines, sondern zwei Bücher. Zwei Bücher, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkel mit einem weiteren Feind unserer Personal Projects beschäftigen. Und dieser Feind ist der Überfluss.
Und die beiden Bücher sind
„Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu leben”von Josef ‚Joki‘ Kirschner Das Buch ist 1980 erschienen, also inzwischen fast 40 Jahre alt. Geschrieben wurde es von Josef Kirschner, einem könnte man sagen, österreichischen Selbsthilfe-Guru seiner Zeit, inzwischen verstorbenen. „Living With Less” des Amerikaners Joshua Becker aus dem Jahr 2012.
Das Buch ist 2012 erschienen, also einigermaßen aktuell.
Geschrieben von Joshua Becker, einem amerikanischen Pastor (und das merkt man auch).
Einer der Pioniere der „Minimalism”-Bewegung.
„Living With Less” war eines der ersten amerikanischen Bücher (oder Büchlein) zu diesem Trend, der seither hohe Wellen geschlagen hat.
Meine Idee bei diesen beiden Büchern war ja Folgende: Da ist einmal ein Buch aus dem Jahr 1980, von einem Österreicher geschrieben. Und dann ist da ein anderes Buch, fast 25 Jahre später von einem Amerikaner geschrieben. Beide beschäftigen sich mit dem Thema „Überfluss”. Jetzt habe ich mir gedacht, es wäre ja spannend zu schauen:
Wie sich das Problem Überfluss über die Jahre verändert?
In wie weit ist das Problem aus österreichischer und aus amerikanischer Sicht anders?
Oder haben die beiden Bücher vielleicht sogar mehr gemeinsam, als man denkt?
Aber zuerst mal überhaupt die Frage:
Was ist das Problem mit dem Überfluss?
Der Überfluss… Warum ist das ein Feind unserer Personal Projects?
Ein Überfluss an Personal Projects = Wir haben zu viele Personal Projects, und verstreuen unsere Energie wie bei einem Feuerwerk.
Wir kommen bei keinem Projekt richtig weiter.
Wir haben das Gefühl, dass wir uns zwischen unseren Personal Projects zerreiben.
Materieller Überfluss: Je mehr Dinge wir haben, desto mehr belasten sie uns. Überfluss ist längst nicht mehr ein materielles Problem. Es geht nicht nur um die Dinge, die wir zu viel haben. Informationsüberfluss: Siehe Folge 2 dieser Staffel „Informationsüberflutung”:
Zu viel Information lähmt uns.
Wir müssen unsere eigenen Kuratoren sein.
Also Gründe genug, darüber nachzudenken, ob wir nicht mit weniger Überfluss glücklicher leben würden. Und genau mit dieser Frage beschäftigen sich auch die beiden Bücher, die wir in dieser Folge besprechen werden.
# 1: Inhalt
Martin
Beide Bücher widmen sich primär dem Thema Minimalismus.
Joki Kirschner bezeichnet dabei Minimalismus als das große Abenteuer unserer Zeit, wobei die Zeit, in der er das Buch geschrieben hat, schon einige Jahrzehnte vorbei ist.
Joshua Becker beschreibt Minimalismus als unerwarteten Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit. Damit haben beide meiner Meinung nach ein wenig recht: es ist sicherlich zunächst einmal ein Abenteuer, sich auf Minimalismus einzulassen und bringt uns aus meiner Sicht auch Zufriedenheit ins Leben.
Josef Kirschner
Josef Kirschner hat dieses Buch vor fast 40 Jahren (1980) geschrieben. Das muss man bei der Beurteilung des Inhalts auf jeden Fall berücksichtigen, denn das Wertebild der Gesellschaft hat sich seit damals massiv verändert. Das wird vor allem bei Kapitel 16 deutlich, wenn Kirschner über das Rollenbild der Frau schreibt oder auch in Kapitel 18, wo es auch ein wenig um das Thema Führung geht. Mit den Ansichten, die er hier vertritt, würde wohl kein Verlag dieses Buch heute noch veröffentlichen.
Was noch dazukommt, ist, dass die meisten Menschen meiner Generation in Österreich den Autor sehr gut aus dem Fernsehen kennen und man deshalb auch immer die Erzählerstimme im Ohr hat.
Joshua Becker
Joshua Becker ist Pastor und wählt daher wenig überraschend einen viel geistlicheren Ansatz als Josef Kirschner. Er zitiert im Buch öfter Stellen aus der Bibel und bringt sie in Zusammenhang mit den Vorteilen des Minimalismus beziehungsweise verwendet sie als Erklärungsbasis dafür.
Das Thema ist in beiden Fällen interessant, die Herangehensweise gefällt mir bei Kirschner ein wenig besser als bei Becker. Daher bekommt Kirschner von mir die Note 2 und Becker die Note 3 für den Inhalt.
Günter
Josef Kirschner
Überfluss wird aus verschiedensten Perspektiven betrachtet und warum das ein Problem ist und was man dagegen tun kann. In fast 40 recht kurzen Kapiteln.
Insgesamt scheint es ihm weniger um deine Anleitung für den Einzelnen zum Minimalismus zu gehen, sondern um eine Kritik an einer Gesellschaft, die im Überfluss lebt und daran degeneriert.
Joshua Becker
Joshua Becker erklärt den Minimalismus-Gedanken aus zwei Perspektiven:
Minimalismus ist „what Jesus would do”.
Wie er selbst zum Minimalismus gekommen ist und wie er den in seinem eigenen Leben lebt.
Joshua Becker ist ein Pastor, und Minimalismus ist aus seiner Sicht „what Jesus would do”. Sehr amerikanisch.
Dadurch ergibt sich eine enge Verknüpfung von Minimalismus und christlicher Religion, die natürlich nicht sein müsste. Ja sogar eher verstörend wirkt für jemanden, der nur an der Praxis des Minimalismus als Lebensstil interessiert ist.
# 2: Verständlichkeit, Lesbarkeit
Martin
Josef Kirschner
Josef Kirschner schreibt in einer sehr einfachen Sprache und hält seine Kapitel sehr kurz. Er gliedert knapp 220 Seiten in 35 Kapitel, das bedeutet, jedes Kapitel hat im Schnitt knapp über 6 Seiten. Das macht es auf jeden Fall übersichtlich und einfach zu lesen und deshalb bekommt er von mir dafür die Note 1.
Joshua Becker
Joshua Beckers Buch hat insgesamt nur etwas mehr als 100 Seiten, die in 4 Teile mit insgesamt 11 Kapiteln unterteilt sind. Also hält er sich in den einzelnen Kapiteln ebenfalls sehr kurz und bringt seine gewünschten Aussagen schön auf den Punkt. Daher erhält auch Joshua Becker von mir in dieser Kategorie die Note 1. Als Anmerkung sei noch gesagt, dass ich das Buch von Dir in englischer Sprache bekommen habe. Hier muss man auch erwähnen, dass sich das Buch einer recht einfachen Sprache bedient und daher auch für Nicht-Natives wie mich einfach lesbar ist.
Günter
Josef Kirschner
Es ist verständlich, keine Frage.
Joki Kirschners Sprache ist stellenweise ein bisschen hölzern.
Seine Beispiele sind mitunter aus der Zeit gefallen (zB wenn er über die Aufgaben seiner Frau schreibt).
Note: 2-3
Joshua Becker
Es ist verständlich, keine Frage. Das Englisch ist nicht ...
Wir haben heute unseren Buch-Club. Bei mir zu Gast ist wieder Martin Schmidt.
Wir sprechen heute über nicht eines, sondern zwei Bücher. Zwei Bücher, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkel mit einem weiteren Feind unserer Personal Projects beschäftigen. Und dieser Feind ist der Überfluss.
Und die beiden Bücher sind
„Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu leben”von Josef ‚Joki‘ Kirschner Das Buch ist 1980 erschienen, also inzwischen fast 40 Jahre alt. Geschrieben wurde es von Josef Kirschner, einem könnte man sagen, österreichischen Selbsthilfe-Guru seiner Zeit, inzwischen verstorbenen. „Living With Less” des Amerikaners Joshua Becker aus dem Jahr 2012.
Das Buch ist 2012 erschienen, also einigermaßen aktuell.
Geschrieben von Joshua Becker, einem amerikanischen Pastor (und das merkt man auch).
Einer der Pioniere der „Minimalism”-Bewegung.
„Living With Less” war eines der ersten amerikanischen Bücher (oder Büchlein) zu diesem Trend, der seither hohe Wellen geschlagen hat.
Meine Idee bei diesen beiden Büchern war ja Folgende: Da ist einmal ein Buch aus dem Jahr 1980, von einem Österreicher geschrieben. Und dann ist da ein anderes Buch, fast 25 Jahre später von einem Amerikaner geschrieben. Beide beschäftigen sich mit dem Thema „Überfluss”. Jetzt habe ich mir gedacht, es wäre ja spannend zu schauen:
Wie sich das Problem Überfluss über die Jahre verändert?
In wie weit ist das Problem aus österreichischer und aus amerikanischer Sicht anders?
Oder haben die beiden Bücher vielleicht sogar mehr gemeinsam, als man denkt?
Aber zuerst mal überhaupt die Frage:
Was ist das Problem mit dem Überfluss?
Der Überfluss… Warum ist das ein Feind unserer Personal Projects?
Ein Überfluss an Personal Projects = Wir haben zu viele Personal Projects, und verstreuen unsere Energie wie bei einem Feuerwerk.
Wir kommen bei keinem Projekt richtig weiter.
Wir haben das Gefühl, dass wir uns zwischen unseren Personal Projects zerreiben.
Materieller Überfluss: Je mehr Dinge wir haben, desto mehr belasten sie uns. Überfluss ist längst nicht mehr ein materielles Problem. Es geht nicht nur um die Dinge, die wir zu viel haben. Informationsüberfluss: Siehe Folge 2 dieser Staffel „Informationsüberflutung”:
Zu viel Information lähmt uns.
Wir müssen unsere eigenen Kuratoren sein.
Also Gründe genug, darüber nachzudenken, ob wir nicht mit weniger Überfluss glücklicher leben würden. Und genau mit dieser Frage beschäftigen sich auch die beiden Bücher, die wir in dieser Folge besprechen werden.
# 1: Inhalt
Martin
Beide Bücher widmen sich primär dem Thema Minimalismus.
Joki Kirschner bezeichnet dabei Minimalismus als das große Abenteuer unserer Zeit, wobei die Zeit, in der er das Buch geschrieben hat, schon einige Jahrzehnte vorbei ist.
Joshua Becker beschreibt Minimalismus als unerwarteten Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit. Damit haben beide meiner Meinung nach ein wenig recht: es ist sicherlich zunächst einmal ein Abenteuer, sich auf Minimalismus einzulassen und bringt uns aus meiner Sicht auch Zufriedenheit ins Leben.
Josef Kirschner
Josef Kirschner hat dieses Buch vor fast 40 Jahren (1980) geschrieben. Das muss man bei der Beurteilung des Inhalts auf jeden Fall berücksichtigen, denn das Wertebild der Gesellschaft hat sich seit damals massiv verändert. Das wird vor allem bei Kapitel 16 deutlich, wenn Kirschner über das Rollenbild der Frau schreibt oder auch in Kapitel 18, wo es auch ein wenig um das Thema Führung geht. Mit den Ansichten, die er hier vertritt, würde wohl kein Verlag dieses Buch heute noch veröffentlichen.
Was noch dazukommt, ist, dass die meisten Menschen meiner Generation in Österreich den Autor sehr gut aus dem Fernsehen kennen und man deshalb auch immer die Erzählerstimme im Ohr hat.
Joshua Becker
Joshua Becker ist Pastor und wählt daher wenig überraschend einen viel geistlicheren Ansatz als Josef Kirschner. Er zitiert im Buch öfter Stellen aus der Bibel und bringt sie in Zusammenhang mit den Vorteilen des Minimalismus beziehungsweise verwendet sie als Erklärungsbasis dafür.
Das Thema ist in beiden Fällen interessant, die Herangehensweise gefällt mir bei Kirschner ein wenig besser als bei Becker. Daher bekommt Kirschner von mir die Note 2 und Becker die Note 3 für den Inhalt.
Günter
Josef Kirschner
Überfluss wird aus verschiedensten Perspektiven betrachtet und warum das ein Problem ist und was man dagegen tun kann. In fast 40 recht kurzen Kapiteln.
Insgesamt scheint es ihm weniger um deine Anleitung für den Einzelnen zum Minimalismus zu gehen, sondern um eine Kritik an einer Gesellschaft, die im Überfluss lebt und daran degeneriert.
Joshua Becker
Joshua Becker erklärt den Minimalismus-Gedanken aus zwei Perspektiven:
Minimalismus ist „what Jesus would do”.
Wie er selbst zum Minimalismus gekommen ist und wie er den in seinem eigenen Leben lebt.
Joshua Becker ist ein Pastor, und Minimalismus ist aus seiner Sicht „what Jesus would do”. Sehr amerikanisch.
Dadurch ergibt sich eine enge Verknüpfung von Minimalismus und christlicher Religion, die natürlich nicht sein müsste. Ja sogar eher verstörend wirkt für jemanden, der nur an der Praxis des Minimalismus als Lebensstil interessiert ist.
# 2: Verständlichkeit, Lesbarkeit
Martin
Josef Kirschner
Josef Kirschner schreibt in einer sehr einfachen Sprache und hält seine Kapitel sehr kurz. Er gliedert knapp 220 Seiten in 35 Kapitel, das bedeutet, jedes Kapitel hat im Schnitt knapp über 6 Seiten. Das macht es auf jeden Fall übersichtlich und einfach zu lesen und deshalb bekommt er von mir dafür die Note 1.
Joshua Becker
Joshua Beckers Buch hat insgesamt nur etwas mehr als 100 Seiten, die in 4 Teile mit insgesamt 11 Kapiteln unterteilt sind. Also hält er sich in den einzelnen Kapiteln ebenfalls sehr kurz und bringt seine gewünschten Aussagen schön auf den Punkt. Daher erhält auch Joshua Becker von mir in dieser Kategorie die Note 1. Als Anmerkung sei noch gesagt, dass ich das Buch von Dir in englischer Sprache bekommen habe. Hier muss man auch erwähnen, dass sich das Buch einer recht einfachen Sprache bedient und daher auch für Nicht-Natives wie mich einfach lesbar ist.
Günter
Josef Kirschner
Es ist verständlich, keine Frage.
Joki Kirschners Sprache ist stellenweise ein bisschen hölzern.
Seine Beispiele sind mitunter aus der Zeit gefallen (zB wenn er über die Aufgaben seiner Frau schreibt).
Note: 2-3
Joshua Becker
Es ist verständlich, keine Frage. Das Englisch ist nicht ...
19 Minuten
Worum geht’s in dieser Folge?
Diese Folge ist wieder mal ein Philosophicum, und zwar das Philosophicum zur 5. Staffel von [Projekt: Leben], in der es ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects geht. Im Philosophicum versuche ich immer, ein bisschen über den Tellerrand hinauszuschauen und mir über philosophischere Themen ein paar Gedanken zu machen.
Und für dieses Philosophicum habe ich mir ein aktuelles Phänomen ausgesucht, das nennt sich „die Ökonomisierung unseres Lebens“.
Und das ist, das sage ich gleich vorweg, ein ziemlich schwieriges Thema. Schwierig deshalb, weil es gar nicht so einfach ist zu erklären, was damit gemeint ist. Und trotzdem ist es allgegenwärtig. Aber die Schwierigkeit dabei ist, dass es so präsent ist, dass uns oft gar nicht auffällt - weil es für uns völlig „normal“ ist, so wie es ist und so wie wir leben. Die Ökonomisierung versteckt sich also sozusagen vor unseren Augen. Und dennoch - oder gerade deswegen - möchte ich in dieser Folge den Versuch starten, anhand eines Beispiels zu zeigen, wie ökonomische Motive (und ökonomisch heißt hier nichts anderes als wirtschaftlich) unser Leben beeinflussen. Möge der Versuch gelingen!
Was bedeutet "Ökonomisierung"?
Ich schlage vor, wir starten mal ganz am Anfang. Ich erkläre mal, was mit „Ökonomisierung“ eigentlich gemeint ist.
Ökonomie, das ist nichts anderes als ein Fremdwort für Wirtschaft. Und Ökonomisierung ist also sowas wie eine „Verwirtschaftlichung“, in dem Fall eine Verwirtschaftlichung unseres Lebens. Gemeint ist damit, dass immer mehr Bereiche in unserem Leben, also Beziehungen, Bildung, Gesundheit, gesellschaftliches Engagement, Freizeit etc., dass immer mehr dieser Bereiche einer Logik folgt, die eigentlich aus dem Wirtschaftsbereich kommt. Dass Denkweisen und Handlungsweisen, die eigentlich ihren Ursprung in Unternehmen und in der Betriebswirtschaftslehre haben, auch auf Lebensbereiche angewendet werden, die vordergündig gar nichts mit Wirtschaft zu tun haben. Ich werde euch dazu noch ein Beispiel geben, aber das mal zur Erklärung im Groben.
Jetzt schauen wir uns mal an: Welche Denkweisen und Handlungswiesen sind es denn, die da vom Wirtschaftsleben auf unser gesamtes Leben umgelegt werden?
Naja, da wäre zuerst mal (und am wichtigsten) das so genannte „ökonomische Prinzip“, oder auch „Wirtschaftlichkeitsprinzip“. Das ökonomische Prinzip kennt im Grunde jeder, aber wahrscheinlich nicht unbedingt unter diesem Namen. Im ökonomischen Prinzip geht es um nichts anderes als das Verhältnis von Input und Output, also von dem, was man einsetzt (der Input) und das was man rausbekommt (der Output). Und die Logik des ökonomischen Prinzips ist jetzt folgende: Wirtschaftlich ist etwas, wenn ich mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Output bekomme. Also zum Beispiel: Wenn ich mit möglichst wenig Lernaufwand eine gute oder sogar sehr gute Note bekomme. Das wäre aus Sicht der Ökonomie wirtschaftliches Handeln. Oder wenn ich um möglichst wenig Geld eine supertolle Urlaubsreise buche. Denn in der Ökonomie geht es im Grunde um nichts anderes als zu schauen, dass wir möglichst immer wirtschaftlich und möglichst selten unwirtschaftlich handeln.
Wobei „wir“ in dem Fall eigentlich ein bisschen ungenau ist. Denn ursprünglich geht es der Ökonomie darum, dass Unternehmen möglichst wirtschaftlich handeln. Also z.B. mit möglichst wenig Mitarbeitereinsatz möglichst viel Gewinn machen. Das wäre das ökonomische Prinzip in einem Unternehmen.
Aber man kann das ökonomische Prinzip auch auf Menschen und das Leben von Menschen umlegen. Und so gesehen bedeutet Ökonomisierung des Lebens, dass diese Logik von Input und Output, die in einem Unternehmen gilt, auch auf den einzelnen Menschen und unser Leben umgelegt wird. Dass also die Frage, ob etwas „wirtschaftlich“ ist oder nicht, immer mehr unserer Lebensbereiche und Lebensentscheidungen (und damit nichts weniger als unsere Personal Projects und unsere Herzensprojekte) beeinflusst.
So, jetzt ist es aber höchste Zeit für ein Beispiel, damit ihr euch das besser vorstellen könnt.
Ein sehr anschauliches Beispiel, wie ich finde, ist die Ökonomisierung im Bereich der Bildung. Und damit ist nicht gemeint, dass irgendwelche Firmen in den Schulen Werbung aufhängen und die Schulen dafür Geld bekommen. Oder das Hochschulen immer mehr angewiesen sind auf Forschungsprojekte, die von Unternehmen finanziert oder mitfinanziert werden. Nein, das mag eine Folgeerscheinung sein, aber darum geht es mir nicht. Worum es mir geht, ist viel grundsätzlicher. Und es oft schon so „normal“, dass es uns gar nicht mehr auffällt.
In Österreich haben wir derzeit eine Wirtschaftsministerin, die heißt Margarete Schramböck. Margarete Schramböck ist von der ÖVP, also einer traditionell eher Unternehmer-freundlichen Partei, und Frau Schramböck selbst ist erst seit Kurzem Politikerin, sie ist Quereinsteigerin und hat zuvor lange Zeit in der Telekommunikationsbranche gearbeitet. Naja, jedenfalls hat Frau Schramböck unlängst in einem Interview gemeint, dass die Gymnasien in Österreich „am Markt vorbei“ produzieren. Gemeint hat sie damit wohl, dass das, was die Schülerinnen und Schüler in einem Gymnasium lernen, nicht das ist, was die Unternehmen später von ihren zukünftigen Mitarbeiterinen und Mitarbeitern brauchen. Dass man also im Gymnasium das Falsche für den späteren Berufseinstieg und den beruflichen Erfolg lernt - Stichwort Fachkräftemangel.
Naja, dieser Aussage kann man jetzt grundsätzlich zustimmen oder nicht, da gibt es Für und Wider. Wie immer geht es mir in diesem Podcast nicht um eine politische Diskussion, sondern es geht mir darum, dass diese Aussage, nämlich dass „Schule am Markt vorbei produziert“, ein gutes Beispiel ist für die Ökonomisierung eines Lebenbereiches, in dem Fall der Bildung. Was da nämlich passiert, ist, dass die Schulbildung unserer Kinder (also sozusagen der Input) reduziert wird auf die Frage: Kommt da der richtige Output raus? Und noch genauer: Kommt da der richtige Output für unsere Unternehmen heraus?
Wenn man so argumentiert, dann lässt man klarerweise viele Dinge völlig weg, die in einer Schule passieren oder passieren können und die gut und wichtig für die Kinder sind. Übrig bleibt dann nur mehr die ökonomische Frage: Ist das, was in der Schule passiert und gelernt wird, „wirtschaftlich“ im Sinn von: Ist es nützlich, ist es effizient, ist das Wissen später brauchbar und so weiter.
So, und jetzt stelle ich mal eine Behauptung auf: Bei diesem Beispiel der österreichischen Wirtschaftsministerin, die fordert, dass sich die Gymnasien mehr am Markt orientieren… Ich behaupte, dass sich viele Menschen da draußen, in Österreich und in Deutschland, denken: „Ja, da hat sie ja recht!“ Und ich behaupte auch, das sich gerade in diesem Moment auch ein guter Teil meiner Hörerinnen und Hörer denkt: „Günter, ich verstehe nicht, was da dein Problem ist. Im Grunde stimmt es ja: Was nützt es denn, wenn die Kinder im Gymnasium sinnlose Sachen lernen, die sie später im Berufsleben nie mehr brauchen?“
So, und da muss ich jetzt Karl Marx ins Spiel bringen.
Tauschwert vs. Gebrauchswert
Karl Marx ist etwas aus der Mode gekommen, das liegt auch daran, dass das Experiment des Kommunismus schrecklich schief gegangen ist. Aber ein Gedanke von Karl Marx ist für das Verständnis dieses Phänomens sehr hilfreich, finde ich, und den möchte ich euch jetzt vorstellen.
Karl Marx hat nämlich eine Unterscheidung getroffen, wofür das Wissen gut sein kann, das wir im Lauf...
Diese Folge ist wieder mal ein Philosophicum, und zwar das Philosophicum zur 5. Staffel von [Projekt: Leben], in der es ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects geht. Im Philosophicum versuche ich immer, ein bisschen über den Tellerrand hinauszuschauen und mir über philosophischere Themen ein paar Gedanken zu machen.
Und für dieses Philosophicum habe ich mir ein aktuelles Phänomen ausgesucht, das nennt sich „die Ökonomisierung unseres Lebens“.
Und das ist, das sage ich gleich vorweg, ein ziemlich schwieriges Thema. Schwierig deshalb, weil es gar nicht so einfach ist zu erklären, was damit gemeint ist. Und trotzdem ist es allgegenwärtig. Aber die Schwierigkeit dabei ist, dass es so präsent ist, dass uns oft gar nicht auffällt - weil es für uns völlig „normal“ ist, so wie es ist und so wie wir leben. Die Ökonomisierung versteckt sich also sozusagen vor unseren Augen. Und dennoch - oder gerade deswegen - möchte ich in dieser Folge den Versuch starten, anhand eines Beispiels zu zeigen, wie ökonomische Motive (und ökonomisch heißt hier nichts anderes als wirtschaftlich) unser Leben beeinflussen. Möge der Versuch gelingen!
Was bedeutet "Ökonomisierung"?
Ich schlage vor, wir starten mal ganz am Anfang. Ich erkläre mal, was mit „Ökonomisierung“ eigentlich gemeint ist.
Ökonomie, das ist nichts anderes als ein Fremdwort für Wirtschaft. Und Ökonomisierung ist also sowas wie eine „Verwirtschaftlichung“, in dem Fall eine Verwirtschaftlichung unseres Lebens. Gemeint ist damit, dass immer mehr Bereiche in unserem Leben, also Beziehungen, Bildung, Gesundheit, gesellschaftliches Engagement, Freizeit etc., dass immer mehr dieser Bereiche einer Logik folgt, die eigentlich aus dem Wirtschaftsbereich kommt. Dass Denkweisen und Handlungsweisen, die eigentlich ihren Ursprung in Unternehmen und in der Betriebswirtschaftslehre haben, auch auf Lebensbereiche angewendet werden, die vordergündig gar nichts mit Wirtschaft zu tun haben. Ich werde euch dazu noch ein Beispiel geben, aber das mal zur Erklärung im Groben.
Jetzt schauen wir uns mal an: Welche Denkweisen und Handlungswiesen sind es denn, die da vom Wirtschaftsleben auf unser gesamtes Leben umgelegt werden?
Naja, da wäre zuerst mal (und am wichtigsten) das so genannte „ökonomische Prinzip“, oder auch „Wirtschaftlichkeitsprinzip“. Das ökonomische Prinzip kennt im Grunde jeder, aber wahrscheinlich nicht unbedingt unter diesem Namen. Im ökonomischen Prinzip geht es um nichts anderes als das Verhältnis von Input und Output, also von dem, was man einsetzt (der Input) und das was man rausbekommt (der Output). Und die Logik des ökonomischen Prinzips ist jetzt folgende: Wirtschaftlich ist etwas, wenn ich mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Output bekomme. Also zum Beispiel: Wenn ich mit möglichst wenig Lernaufwand eine gute oder sogar sehr gute Note bekomme. Das wäre aus Sicht der Ökonomie wirtschaftliches Handeln. Oder wenn ich um möglichst wenig Geld eine supertolle Urlaubsreise buche. Denn in der Ökonomie geht es im Grunde um nichts anderes als zu schauen, dass wir möglichst immer wirtschaftlich und möglichst selten unwirtschaftlich handeln.
Wobei „wir“ in dem Fall eigentlich ein bisschen ungenau ist. Denn ursprünglich geht es der Ökonomie darum, dass Unternehmen möglichst wirtschaftlich handeln. Also z.B. mit möglichst wenig Mitarbeitereinsatz möglichst viel Gewinn machen. Das wäre das ökonomische Prinzip in einem Unternehmen.
Aber man kann das ökonomische Prinzip auch auf Menschen und das Leben von Menschen umlegen. Und so gesehen bedeutet Ökonomisierung des Lebens, dass diese Logik von Input und Output, die in einem Unternehmen gilt, auch auf den einzelnen Menschen und unser Leben umgelegt wird. Dass also die Frage, ob etwas „wirtschaftlich“ ist oder nicht, immer mehr unserer Lebensbereiche und Lebensentscheidungen (und damit nichts weniger als unsere Personal Projects und unsere Herzensprojekte) beeinflusst.
So, jetzt ist es aber höchste Zeit für ein Beispiel, damit ihr euch das besser vorstellen könnt.
Ein sehr anschauliches Beispiel, wie ich finde, ist die Ökonomisierung im Bereich der Bildung. Und damit ist nicht gemeint, dass irgendwelche Firmen in den Schulen Werbung aufhängen und die Schulen dafür Geld bekommen. Oder das Hochschulen immer mehr angewiesen sind auf Forschungsprojekte, die von Unternehmen finanziert oder mitfinanziert werden. Nein, das mag eine Folgeerscheinung sein, aber darum geht es mir nicht. Worum es mir geht, ist viel grundsätzlicher. Und es oft schon so „normal“, dass es uns gar nicht mehr auffällt.
In Österreich haben wir derzeit eine Wirtschaftsministerin, die heißt Margarete Schramböck. Margarete Schramböck ist von der ÖVP, also einer traditionell eher Unternehmer-freundlichen Partei, und Frau Schramböck selbst ist erst seit Kurzem Politikerin, sie ist Quereinsteigerin und hat zuvor lange Zeit in der Telekommunikationsbranche gearbeitet. Naja, jedenfalls hat Frau Schramböck unlängst in einem Interview gemeint, dass die Gymnasien in Österreich „am Markt vorbei“ produzieren. Gemeint hat sie damit wohl, dass das, was die Schülerinnen und Schüler in einem Gymnasium lernen, nicht das ist, was die Unternehmen später von ihren zukünftigen Mitarbeiterinen und Mitarbeitern brauchen. Dass man also im Gymnasium das Falsche für den späteren Berufseinstieg und den beruflichen Erfolg lernt - Stichwort Fachkräftemangel.
Naja, dieser Aussage kann man jetzt grundsätzlich zustimmen oder nicht, da gibt es Für und Wider. Wie immer geht es mir in diesem Podcast nicht um eine politische Diskussion, sondern es geht mir darum, dass diese Aussage, nämlich dass „Schule am Markt vorbei produziert“, ein gutes Beispiel ist für die Ökonomisierung eines Lebenbereiches, in dem Fall der Bildung. Was da nämlich passiert, ist, dass die Schulbildung unserer Kinder (also sozusagen der Input) reduziert wird auf die Frage: Kommt da der richtige Output raus? Und noch genauer: Kommt da der richtige Output für unsere Unternehmen heraus?
Wenn man so argumentiert, dann lässt man klarerweise viele Dinge völlig weg, die in einer Schule passieren oder passieren können und die gut und wichtig für die Kinder sind. Übrig bleibt dann nur mehr die ökonomische Frage: Ist das, was in der Schule passiert und gelernt wird, „wirtschaftlich“ im Sinn von: Ist es nützlich, ist es effizient, ist das Wissen später brauchbar und so weiter.
So, und jetzt stelle ich mal eine Behauptung auf: Bei diesem Beispiel der österreichischen Wirtschaftsministerin, die fordert, dass sich die Gymnasien mehr am Markt orientieren… Ich behaupte, dass sich viele Menschen da draußen, in Österreich und in Deutschland, denken: „Ja, da hat sie ja recht!“ Und ich behaupte auch, das sich gerade in diesem Moment auch ein guter Teil meiner Hörerinnen und Hörer denkt: „Günter, ich verstehe nicht, was da dein Problem ist. Im Grunde stimmt es ja: Was nützt es denn, wenn die Kinder im Gymnasium sinnlose Sachen lernen, die sie später im Berufsleben nie mehr brauchen?“
So, und da muss ich jetzt Karl Marx ins Spiel bringen.
Tauschwert vs. Gebrauchswert
Karl Marx ist etwas aus der Mode gekommen, das liegt auch daran, dass das Experiment des Kommunismus schrecklich schief gegangen ist. Aber ein Gedanke von Karl Marx ist für das Verständnis dieses Phänomens sehr hilfreich, finde ich, und den möchte ich euch jetzt vorstellen.
Karl Marx hat nämlich eine Unterscheidung getroffen, wofür das Wissen gut sein kann, das wir im Lauf...
15 Minuten
Worum geht’s in der heutigen Folge?
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die diffuse Angst.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…
Was ist eigentlich diffuse Angst und was ist das Problem damit? Wie wirkt sich die diffuse Angst auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um diffuse Angst in unseren Personal Projects zu verringern?
Was ist eigentlich „diffuse Angst“ und was ist das Problem damit?
Diffuse Angst ist, wie der Name schon sagt, eine Form der Angst, eben mit der Besonderheit, dass sie diffus ist. Das bedeutet, das ist keine Angst vor etwas ganz Konkreten, wie wenn jemand z.B. Angst vor Spinnen hat oder Flugangst oder Angst vor dem Zahnarzt. Das wären alles Bespiele für ganz konkrete Ängste. Konkrete Ängste haben einen bestimmten Grund und auch ein bestimmtes Objekt, auf das sich diese Angst richtet, eben Spinnen oder Flugzeuge oder den Zahnarzt.
Diffuse Ängste funktionieren anders. Diffuse Ängste haben nämlich keinen bestimmten Grund und auch keine bestimmte Richtung - deswegen sind sie eben „diffus“. Diffuse Ängste entstehen, obwohl es gar keine konkrete Bedrohung gibt. Da ist gar nicht wirklich was, das uns Anlass zur Sorge oder zur Angst geben würde - und wir fürchten uns trotzdem.
Diffuse Ängste funktionieren nach der so genannten Angstformel, die ich bei Joki Kirschner gefunden habe. Über Joki Kirschner werde ich übrigens im Buchclub in der übernächsten Folge sprechen, wie immer gemeinsam mit meinem Co-Host Martin Schmidt. Also, Joki Kirschners Angstformel lautet: „Was geschieht, wenn morgen dies oder jenes passiert?”
Die diffuse Angst beruht also auf dem „Was wäre wenn…“. Und dabei geht es meistens darum, dass wir Angst haben, dass unser Leben sich verschlechtert. Dass es uns aus irgend einem Grund in der Zukunft nicht mehr so gut gehen wird wie jetzt. „Was wäre, wenn in der Zukunft mein Umsatz einbricht?“ Das wäre ein typisches Beispiel für eine diffuse Angst einer Selbständigen. Diffus deswegen, weil sie im Moment keinen Umsatzeinbruch hat. Sie hat wahrscheinlich nicht mal Anzeichen dafür, dass in absehbarer Zukunft der Umsatz einbrechen wird. Aber es besteht natürlich die theoretische Möglichkeit, dass das irgendwann passiert - und davor hat sie Angst. Eigentlich ohne Grund und ohne Anlass, aber die Angst ist trotzdem da. Und sie ist real.
Dabei ist es jetzt wichtig, diffuse Angst nicht mit Pessimismus zu verwechseln. Pessimistische Menschen sehen so ziemlich alles aus einer negativen Perspektive, aber diffuse Angst kann auch Menschen betreffen, die in den meisten Bereichen ihres Lebens ganz optimistisch sind. Und: Diffuse Angst kommt, wie gesagt, meistens da her, dass wir Angst um unsere Lebensqualität, um unsere Sicherheit und unsere materielle Absicherung haben.
So weit also mal dazu, was diffuse Angst ist. Aber was hat das jetzt mit unseren Personal Projects zu tun?
Wie wirkt sich diffuse Angst auf unsere Personal Projects aus?
In den vergangenen Folgen über die Feinde unserer Personal Projects haben wir es ja schon öfter mit Formen der Angst zu tun gehabt, z.B. in der Folge über FOMO (die Angst, etwas zu verpassen) oder auch in der Folge über den Individualismus.
Jedenfalls habe ich da auch schon immer gesagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um unsere Personal Projects geht.
Warum eigentlich? Weil Angst unsere Wahrnehmung einschränkt. Wenn wir Angst haben, nehmen wir bedrohliche Dinge viel stärker wahr. Oder, noch schlimmer: Wir nehmen viel MEHR Dinge als bedrohlich wahr. Wir interpretieren Informationen also als potenziell bedrohlich, auch wenn sie eigentlich ganz neutral wären oder gar keine konkreten Auswirkungen auf unser Leben haben.
Die Selbständige, die Angst davor hat, dass ihr Umsatz einbricht… Wenn die in der Zeitung davon liest, dass das Wirtschaftswachstum um 0,1% gesunken ist, dann schrillen bei ihr wahrscheinlich die Alarmglocken, weil sie befürchtet, dass ihre Kunden jetzt weniger Geld haben und ihr scharenweise davon laufen. Das ist natürlich nicht rational, aber unter Angst denken wir eben nicht rational. Wir bekommen einen Tunnelblick und nehmen Dinge als bedrohlich wahr, die objektiv gesehen gar nichts mit unserer ganz konkreten aktuellen Situation zu tun haben. Kein einziger Kunde hat gekündigt, und es gibt auch keine Anzeichen, dass das der Fall sein wird. Es ist also eine reine Fantasie, der unsere Selbständige in ihrem Herzensprojekt da zum Opfer fällt. Eine Fantasie, und eben keine Tatsache.
Für unsere Personal Projects bedeutet das, dass wir so gut wie möglich versuchen sollten, die Angst aus unseren Projekten raus zu halten. Unter Angst treffen wir nämlich schlechte Entscheidungen, eben durch den Tunnelblick. Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Projekte und besonders unsere Herzensprojekte bedroht sind, wenn wir uns vor Verlust und Mangel fürchten, dann verringern sich unsere wahrgenommenen Handlungsoptionen, dann verlieren wir unsere Kreativität, und unsere Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt.
Alles Dinge, die wir bei unseren Projekten genau nicht wollen, weil sie uns blockieren und weil auf diese Weise unsere Projekte ins Stocken geraten. Und Projekte, die stocken, bei denen wir das Gefühl haben, es geht nichts weiter oder überhaupt, dass wir Rückschritte machen… diese Projekte machen uns unglücklich. Und meistens verstärkt das dann noch die diffuse Angst, die wir eh schon haben.
Also ziemlich tückisch, die ganze Sache. Bleibt die Frage: Was können wir tun?
Was können wir tun, um diffuse Angst in unseren Personal Projects zu verringern?
Die Angst zu besiegen oder auch nur zu verringern, das ist keine einfache Sache. Das weiß jeder, der zB Angst vor dem Zahnarzt hat. Da nützen vernünftige Argumente nicht viel. Da kann ich mir natürlich sagen: "Günter, schau, das ist zu deinem besten. Wenn der Zahnarzt jetzt ein bisschen bohrt, dann sparst du dir viele unangenehme Schmerzen in der Zukunft.“ Das ist vernünftig, das verstehe ich… aber ob es die Angst verringert? Ich bezweifle es.
Und noch ein bisschen schwieriger ist es bei der diffusen Angst. Die hat ja gar keine konkrete Ursache, kein Ziel und keine Richtung, und deshalb ist es noch schwieriger, ihr Herr zu werden.
Aber trotzdem ist es aus meiner Sicht nicht völlig hoffnungslos. Wir machen nämlich schon einen Riesenschritt, wenn uns überhaupt bewusst wird, dass es eine diffuse Angst ist, die wir da empfinden. Weil nämlich: Meistens glauben wir, dass unsere Angst oder Besorgnis völlig logisch und begründet ist. Wir nehmen die meisten unserer diffusen Ängste nämlich gar nicht als diffus wahr. Wir glauben nämlich, dass wir guten Grund haben, uns vor zB dem Umsatzeinbruch zu fürchten.
Und diesen Irrtum gilt es aufzudecken. Und dazu habe ich zwei Anregungen für euch.
(1) Die erste Anregung kommt von Seth Godin, einem persönlichen Hero von mir. Seth Godin schreibt in einem Blog-Artikel über den Unterschied zwischen dem, was bedrohlich IST, und dem, was sich bedrohlich ANFÜHLT. Und da ist ein Riesenunterschied.
Die meisten Dinge, vor denen wir uns fürchten, fühlen sich bedrohlich an, aber in Wirklichkeit sind sie es gar nicht. Es zahlt sich also a...
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die diffuse Angst.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…
Was ist eigentlich diffuse Angst und was ist das Problem damit? Wie wirkt sich die diffuse Angst auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um diffuse Angst in unseren Personal Projects zu verringern?
Was ist eigentlich „diffuse Angst“ und was ist das Problem damit?
Diffuse Angst ist, wie der Name schon sagt, eine Form der Angst, eben mit der Besonderheit, dass sie diffus ist. Das bedeutet, das ist keine Angst vor etwas ganz Konkreten, wie wenn jemand z.B. Angst vor Spinnen hat oder Flugangst oder Angst vor dem Zahnarzt. Das wären alles Bespiele für ganz konkrete Ängste. Konkrete Ängste haben einen bestimmten Grund und auch ein bestimmtes Objekt, auf das sich diese Angst richtet, eben Spinnen oder Flugzeuge oder den Zahnarzt.
Diffuse Ängste funktionieren anders. Diffuse Ängste haben nämlich keinen bestimmten Grund und auch keine bestimmte Richtung - deswegen sind sie eben „diffus“. Diffuse Ängste entstehen, obwohl es gar keine konkrete Bedrohung gibt. Da ist gar nicht wirklich was, das uns Anlass zur Sorge oder zur Angst geben würde - und wir fürchten uns trotzdem.
Diffuse Ängste funktionieren nach der so genannten Angstformel, die ich bei Joki Kirschner gefunden habe. Über Joki Kirschner werde ich übrigens im Buchclub in der übernächsten Folge sprechen, wie immer gemeinsam mit meinem Co-Host Martin Schmidt. Also, Joki Kirschners Angstformel lautet: „Was geschieht, wenn morgen dies oder jenes passiert?”
Die diffuse Angst beruht also auf dem „Was wäre wenn…“. Und dabei geht es meistens darum, dass wir Angst haben, dass unser Leben sich verschlechtert. Dass es uns aus irgend einem Grund in der Zukunft nicht mehr so gut gehen wird wie jetzt. „Was wäre, wenn in der Zukunft mein Umsatz einbricht?“ Das wäre ein typisches Beispiel für eine diffuse Angst einer Selbständigen. Diffus deswegen, weil sie im Moment keinen Umsatzeinbruch hat. Sie hat wahrscheinlich nicht mal Anzeichen dafür, dass in absehbarer Zukunft der Umsatz einbrechen wird. Aber es besteht natürlich die theoretische Möglichkeit, dass das irgendwann passiert - und davor hat sie Angst. Eigentlich ohne Grund und ohne Anlass, aber die Angst ist trotzdem da. Und sie ist real.
Dabei ist es jetzt wichtig, diffuse Angst nicht mit Pessimismus zu verwechseln. Pessimistische Menschen sehen so ziemlich alles aus einer negativen Perspektive, aber diffuse Angst kann auch Menschen betreffen, die in den meisten Bereichen ihres Lebens ganz optimistisch sind. Und: Diffuse Angst kommt, wie gesagt, meistens da her, dass wir Angst um unsere Lebensqualität, um unsere Sicherheit und unsere materielle Absicherung haben.
So weit also mal dazu, was diffuse Angst ist. Aber was hat das jetzt mit unseren Personal Projects zu tun?
Wie wirkt sich diffuse Angst auf unsere Personal Projects aus?
In den vergangenen Folgen über die Feinde unserer Personal Projects haben wir es ja schon öfter mit Formen der Angst zu tun gehabt, z.B. in der Folge über FOMO (die Angst, etwas zu verpassen) oder auch in der Folge über den Individualismus.
Jedenfalls habe ich da auch schon immer gesagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um unsere Personal Projects geht.
Warum eigentlich? Weil Angst unsere Wahrnehmung einschränkt. Wenn wir Angst haben, nehmen wir bedrohliche Dinge viel stärker wahr. Oder, noch schlimmer: Wir nehmen viel MEHR Dinge als bedrohlich wahr. Wir interpretieren Informationen also als potenziell bedrohlich, auch wenn sie eigentlich ganz neutral wären oder gar keine konkreten Auswirkungen auf unser Leben haben.
Die Selbständige, die Angst davor hat, dass ihr Umsatz einbricht… Wenn die in der Zeitung davon liest, dass das Wirtschaftswachstum um 0,1% gesunken ist, dann schrillen bei ihr wahrscheinlich die Alarmglocken, weil sie befürchtet, dass ihre Kunden jetzt weniger Geld haben und ihr scharenweise davon laufen. Das ist natürlich nicht rational, aber unter Angst denken wir eben nicht rational. Wir bekommen einen Tunnelblick und nehmen Dinge als bedrohlich wahr, die objektiv gesehen gar nichts mit unserer ganz konkreten aktuellen Situation zu tun haben. Kein einziger Kunde hat gekündigt, und es gibt auch keine Anzeichen, dass das der Fall sein wird. Es ist also eine reine Fantasie, der unsere Selbständige in ihrem Herzensprojekt da zum Opfer fällt. Eine Fantasie, und eben keine Tatsache.
Für unsere Personal Projects bedeutet das, dass wir so gut wie möglich versuchen sollten, die Angst aus unseren Projekten raus zu halten. Unter Angst treffen wir nämlich schlechte Entscheidungen, eben durch den Tunnelblick. Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Projekte und besonders unsere Herzensprojekte bedroht sind, wenn wir uns vor Verlust und Mangel fürchten, dann verringern sich unsere wahrgenommenen Handlungsoptionen, dann verlieren wir unsere Kreativität, und unsere Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt.
Alles Dinge, die wir bei unseren Projekten genau nicht wollen, weil sie uns blockieren und weil auf diese Weise unsere Projekte ins Stocken geraten. Und Projekte, die stocken, bei denen wir das Gefühl haben, es geht nichts weiter oder überhaupt, dass wir Rückschritte machen… diese Projekte machen uns unglücklich. Und meistens verstärkt das dann noch die diffuse Angst, die wir eh schon haben.
Also ziemlich tückisch, die ganze Sache. Bleibt die Frage: Was können wir tun?
Was können wir tun, um diffuse Angst in unseren Personal Projects zu verringern?
Die Angst zu besiegen oder auch nur zu verringern, das ist keine einfache Sache. Das weiß jeder, der zB Angst vor dem Zahnarzt hat. Da nützen vernünftige Argumente nicht viel. Da kann ich mir natürlich sagen: "Günter, schau, das ist zu deinem besten. Wenn der Zahnarzt jetzt ein bisschen bohrt, dann sparst du dir viele unangenehme Schmerzen in der Zukunft.“ Das ist vernünftig, das verstehe ich… aber ob es die Angst verringert? Ich bezweifle es.
Und noch ein bisschen schwieriger ist es bei der diffusen Angst. Die hat ja gar keine konkrete Ursache, kein Ziel und keine Richtung, und deshalb ist es noch schwieriger, ihr Herr zu werden.
Aber trotzdem ist es aus meiner Sicht nicht völlig hoffnungslos. Wir machen nämlich schon einen Riesenschritt, wenn uns überhaupt bewusst wird, dass es eine diffuse Angst ist, die wir da empfinden. Weil nämlich: Meistens glauben wir, dass unsere Angst oder Besorgnis völlig logisch und begründet ist. Wir nehmen die meisten unserer diffusen Ängste nämlich gar nicht als diffus wahr. Wir glauben nämlich, dass wir guten Grund haben, uns vor zB dem Umsatzeinbruch zu fürchten.
Und diesen Irrtum gilt es aufzudecken. Und dazu habe ich zwei Anregungen für euch.
(1) Die erste Anregung kommt von Seth Godin, einem persönlichen Hero von mir. Seth Godin schreibt in einem Blog-Artikel über den Unterschied zwischen dem, was bedrohlich IST, und dem, was sich bedrohlich ANFÜHLT. Und da ist ein Riesenunterschied.
Die meisten Dinge, vor denen wir uns fürchten, fühlen sich bedrohlich an, aber in Wirklichkeit sind sie es gar nicht. Es zahlt sich also a...
21 Minuten
Worum geht’s in der heutigen Folge?
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die Resignation.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…
Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit? Wie wirkt sich Resignation auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um Resignation in unseren Personal Projects zu vermeiden?
Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit?
Also die Resignation in unseren Personal Projects… Bevor ich darüber sprechen kann, möchte ich ein bisschen ausholen. Die Resignation hat nämlich eine Vorstufe, und die nennt sich: Überforderung.
Überforderung in unseren Personal Projects ist, glaube ich, eher die Regel als die Ausnahme. Wir sind in vielfältiger Weise mit unseren Personal Projects und ganz besonders mit unseren Herzensprojekten überfordert. Nehmen wir Projekte wie „Eine Ehe führen“ oder „Eine erfolgreiche berufliche Karriere haben“ oder „Mir nicht immer alles so zu Herzen nehmen“. Das sind anspruchsvolle Projekte, und ich denke, es ist ganz gut nachvollziehbar, dass wir mit diesen Projekten auch ab und zu mal überfordert sind.
Aber werfen wir da mal einen genaueren Blick drauf, auf die Überforderung. Wo kommt die Überforderung in unseren Personal Projects eigentlich her?
Naja, zuerst mal, und das habe ich eh schon angedeutet: Überforderung liegt quasi in der Natur von Personal Projects. Sie ist part of the game, sozusagen. Wenn man in der Managementliteratur nachliest, wie eigentlich Projekte definiert sind, dann findet man da meist folgendes Merkmal von Projekten: Etwas ist dann ein Projekt, wenn es neuartig ist. Das heißt auch für unsere Personal Projects, dass Personal Projects von ihrem Wesen her einzigartige, neuartige Dinge sind, die wir zum ersten Mal machen, wo wir noch überhaupt keine Erfahrung damit haben. Nehmen wir diesen Podcast als Beispiel: Ja, manchmal bin ich mit dem Podcast auch überfordert. Manchmal ist es echt schwer, die Zeit zu finden, eine neue Episode zu konzipieren und dann aufzunehmen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, meine Gedanken in eine schlüssige Form zu bringen, wo ich das Gefühl habe, meine Hörerinnen und Hörer können das auch nachvollziehen. Und auch wenn ich jetzt nach mehr als 50 Folgen schon etwas Routine habe, ist doch jede einzelne Folge eine neue Herausforderung. Aber das ist ganz klar. Diese Art von Überforderung ist ganz normal und, wenn es im Rahmen bleibt, auch gut. Denn diese leichte Überforderung macht die Arbeit ja auch spannend, und umso größer ist die Freude und der Stolz, wenn wieder eine weitere Folge sozusagen im Kasten ist.
Manchmal kommt die Überforderung aus unserer Umwelt. Manchmal kommen Personal Projects auf uns zu, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns jemand auf’s Auge drückt. Wenn dir deine Partnerin plötzlich eröffnet, dass sie sich von dir trennen will… Naja, das kann dich schon mal überfordern, länger oder kürzer, je nachdem. Also solche Personal Projects, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns in ihrer Heftigkeit vor scheinbar unüberwindbare Herausforderungen stellt, solche Projekte gibt es.
Aber ich glaube, solche Projekte sind eher die Ausnahme, was die Überforderung betrifft. Meistens kommt die Überforderung nämlich aus uns selbst heraus. Wir überfordern uns selber auf vielfältige Art und Weise. Wir überfordern uns zB mit der Anzahl von Personal Projects, die wir gleichzeitig schaffen wollen. Wir überfordern uns mit den Erfolgskriterien, die wir an unsere Personal Projects anlegen. Und wir überfordern uns, und da müssen wir uns auch mal ehrlich sein, weil wir uns nicht immer wie erwachsene Menschen verhalten und auch in unseren Personal Projects einfach dumme Dinge tun. So ehrlich müssen wir auch sein.
Also, das waren mal ein paar Gedanken zur Überforderung in unseren Personal Projects. Wie gesagt, Überforderung, das ist aus meiner Sicht ganz normal. Das ist im Paket unserer Personal Projects dabei. Das kommt immer wieder vor, das werden wir auch nicht vermeiden können und darüber brauchen wir uns keinen großen Kopf machen.So ist einfach das Leben. Im Prinzip ist wohl jeder von uns mit dem Leben an sich überfordert, und wir tun halt, so gut wir können.
Aber Resignation… das ist etwas anderes. Resignation spielt auf einer ganz anderen Ebene als die Überforderung. Resignation ist tatsächlich ein Feind unserer Personal Projects.
Wenn wir bei einem Personal Project resignieren, dann hören wir auf, das zu tun, was eigentlich notwendig wäre. Wir geben einfach auf. Aus, Ende. Wir stecken den Kopf in den Sand und hören auf, die notwendigen nächsten Schritte im Projekt zu tun. In den meisten Fällen bedeutet das: Wir treffen einfach keine Entscheidungen mehr, weil wir das Gefühl haben: Ist eh schon wurscht, ist eh alles für die Fische. Es ist völlig egal, was ich als nächstes tue, es wird keinen Unterschied machen.
Und dieser Zustand der Resignation ist, glaube ich ohne Übertreibung sagen zu können, ein Todfeind unserer Personal Projects.
Warum?
Wie wirkt sich Resignation auf unsere Personal Projects aus?
Resignation bedeutet, dass wir ein Personal Project einfach aufgeben - aber nicht, weil wir es schon abgeschlossen hätten oder aus der bewussten Entscheidung, das Projekt fallen zu lassen. Sondern einfach, weil wir uns damit nicht mehr beschäftigen mögen. Wir kapitulieren und treffen gar keine Entscheidungen mehr. Hauptsache, wir haben unsere Ruhe.
Resignation kann viele Erscheinungsformen haben. Nicht jede Form von Resignation ist so offensichtlich. Ich gebe euch mal ein paar Beispiele für Formen der Resignation.
Da wäre als erstes mal die Prokrastination, d.h. wir schieben das, was wir eigentlich zu tun hätten, bis zum St. Nimmerleinstag hinaus. Der Anruf beim Kunden, den wir schon seit zwei Wochen auf der To Do Liste haben? Warum ist der noch nicht erfolgt? Schaut so aus, als hätten wir in diesem Projekt - aus welchem Grund auch immer - resigniert.
Dann wäre da das Phänomen, dass wir eine Entscheidung zu treffen haben, aber wir verlieren uns in einer endlosen Informationsrecherche. Wir rechtfertigen das damit, dass wir natürlich alle Informationen und Optionen kennen müssen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Und wir wirken ja auch sehr engagiert in dem Projekt, weil wir auch wirklich viel Zeit investieren. Aber wenn wir bei der Recherche zu keinem Ende und dadurch zu keiner Entscheidung kommen, dann ist das auch nichts anderes als eine sehr beschäftigte Form der Resignation.
Dann wäre da natürlich das Grübeln, das Gedankenkreisen. Wenn wir in endlosen Reflexionsschleifen gefangen sind und dadurch zu keiner Entscheidung fähig sind, dann ist das auch nichts anderes als Resignation.
Oder diese beliebte Form der Resignation: Wir überlassen wichtige Entscheidungen einfach jemand anderem - und geben damit auch die Verantwortung ab. Oder wir überlassen die Entscheidung überhaupt dem Zufall oder dem Schicksal oder dem Horoskop. Das sind alles Formen der Resignation, weil wir die Verantwortung in unseren Personal Projects nicht mehr wahr nehmen. Noch schlimmer natürlich, wenn das unsere Herzensprojekte betrifft.
Und letztes Beispiel, ebenfalls sehr beliebt: Wir wählen kontinuierlich die Option, die uns kurzfristig weniger Schmerzen...
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die Resignation.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…
Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit? Wie wirkt sich Resignation auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um Resignation in unseren Personal Projects zu vermeiden?
Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit?
Also die Resignation in unseren Personal Projects… Bevor ich darüber sprechen kann, möchte ich ein bisschen ausholen. Die Resignation hat nämlich eine Vorstufe, und die nennt sich: Überforderung.
Überforderung in unseren Personal Projects ist, glaube ich, eher die Regel als die Ausnahme. Wir sind in vielfältiger Weise mit unseren Personal Projects und ganz besonders mit unseren Herzensprojekten überfordert. Nehmen wir Projekte wie „Eine Ehe führen“ oder „Eine erfolgreiche berufliche Karriere haben“ oder „Mir nicht immer alles so zu Herzen nehmen“. Das sind anspruchsvolle Projekte, und ich denke, es ist ganz gut nachvollziehbar, dass wir mit diesen Projekten auch ab und zu mal überfordert sind.
Aber werfen wir da mal einen genaueren Blick drauf, auf die Überforderung. Wo kommt die Überforderung in unseren Personal Projects eigentlich her?
Naja, zuerst mal, und das habe ich eh schon angedeutet: Überforderung liegt quasi in der Natur von Personal Projects. Sie ist part of the game, sozusagen. Wenn man in der Managementliteratur nachliest, wie eigentlich Projekte definiert sind, dann findet man da meist folgendes Merkmal von Projekten: Etwas ist dann ein Projekt, wenn es neuartig ist. Das heißt auch für unsere Personal Projects, dass Personal Projects von ihrem Wesen her einzigartige, neuartige Dinge sind, die wir zum ersten Mal machen, wo wir noch überhaupt keine Erfahrung damit haben. Nehmen wir diesen Podcast als Beispiel: Ja, manchmal bin ich mit dem Podcast auch überfordert. Manchmal ist es echt schwer, die Zeit zu finden, eine neue Episode zu konzipieren und dann aufzunehmen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, meine Gedanken in eine schlüssige Form zu bringen, wo ich das Gefühl habe, meine Hörerinnen und Hörer können das auch nachvollziehen. Und auch wenn ich jetzt nach mehr als 50 Folgen schon etwas Routine habe, ist doch jede einzelne Folge eine neue Herausforderung. Aber das ist ganz klar. Diese Art von Überforderung ist ganz normal und, wenn es im Rahmen bleibt, auch gut. Denn diese leichte Überforderung macht die Arbeit ja auch spannend, und umso größer ist die Freude und der Stolz, wenn wieder eine weitere Folge sozusagen im Kasten ist.
Manchmal kommt die Überforderung aus unserer Umwelt. Manchmal kommen Personal Projects auf uns zu, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns jemand auf’s Auge drückt. Wenn dir deine Partnerin plötzlich eröffnet, dass sie sich von dir trennen will… Naja, das kann dich schon mal überfordern, länger oder kürzer, je nachdem. Also solche Personal Projects, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns in ihrer Heftigkeit vor scheinbar unüberwindbare Herausforderungen stellt, solche Projekte gibt es.
Aber ich glaube, solche Projekte sind eher die Ausnahme, was die Überforderung betrifft. Meistens kommt die Überforderung nämlich aus uns selbst heraus. Wir überfordern uns selber auf vielfältige Art und Weise. Wir überfordern uns zB mit der Anzahl von Personal Projects, die wir gleichzeitig schaffen wollen. Wir überfordern uns mit den Erfolgskriterien, die wir an unsere Personal Projects anlegen. Und wir überfordern uns, und da müssen wir uns auch mal ehrlich sein, weil wir uns nicht immer wie erwachsene Menschen verhalten und auch in unseren Personal Projects einfach dumme Dinge tun. So ehrlich müssen wir auch sein.
Also, das waren mal ein paar Gedanken zur Überforderung in unseren Personal Projects. Wie gesagt, Überforderung, das ist aus meiner Sicht ganz normal. Das ist im Paket unserer Personal Projects dabei. Das kommt immer wieder vor, das werden wir auch nicht vermeiden können und darüber brauchen wir uns keinen großen Kopf machen.So ist einfach das Leben. Im Prinzip ist wohl jeder von uns mit dem Leben an sich überfordert, und wir tun halt, so gut wir können.
Aber Resignation… das ist etwas anderes. Resignation spielt auf einer ganz anderen Ebene als die Überforderung. Resignation ist tatsächlich ein Feind unserer Personal Projects.
Wenn wir bei einem Personal Project resignieren, dann hören wir auf, das zu tun, was eigentlich notwendig wäre. Wir geben einfach auf. Aus, Ende. Wir stecken den Kopf in den Sand und hören auf, die notwendigen nächsten Schritte im Projekt zu tun. In den meisten Fällen bedeutet das: Wir treffen einfach keine Entscheidungen mehr, weil wir das Gefühl haben: Ist eh schon wurscht, ist eh alles für die Fische. Es ist völlig egal, was ich als nächstes tue, es wird keinen Unterschied machen.
Und dieser Zustand der Resignation ist, glaube ich ohne Übertreibung sagen zu können, ein Todfeind unserer Personal Projects.
Warum?
Wie wirkt sich Resignation auf unsere Personal Projects aus?
Resignation bedeutet, dass wir ein Personal Project einfach aufgeben - aber nicht, weil wir es schon abgeschlossen hätten oder aus der bewussten Entscheidung, das Projekt fallen zu lassen. Sondern einfach, weil wir uns damit nicht mehr beschäftigen mögen. Wir kapitulieren und treffen gar keine Entscheidungen mehr. Hauptsache, wir haben unsere Ruhe.
Resignation kann viele Erscheinungsformen haben. Nicht jede Form von Resignation ist so offensichtlich. Ich gebe euch mal ein paar Beispiele für Formen der Resignation.
Da wäre als erstes mal die Prokrastination, d.h. wir schieben das, was wir eigentlich zu tun hätten, bis zum St. Nimmerleinstag hinaus. Der Anruf beim Kunden, den wir schon seit zwei Wochen auf der To Do Liste haben? Warum ist der noch nicht erfolgt? Schaut so aus, als hätten wir in diesem Projekt - aus welchem Grund auch immer - resigniert.
Dann wäre da das Phänomen, dass wir eine Entscheidung zu treffen haben, aber wir verlieren uns in einer endlosen Informationsrecherche. Wir rechtfertigen das damit, dass wir natürlich alle Informationen und Optionen kennen müssen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Und wir wirken ja auch sehr engagiert in dem Projekt, weil wir auch wirklich viel Zeit investieren. Aber wenn wir bei der Recherche zu keinem Ende und dadurch zu keiner Entscheidung kommen, dann ist das auch nichts anderes als eine sehr beschäftigte Form der Resignation.
Dann wäre da natürlich das Grübeln, das Gedankenkreisen. Wenn wir in endlosen Reflexionsschleifen gefangen sind und dadurch zu keiner Entscheidung fähig sind, dann ist das auch nichts anderes als Resignation.
Oder diese beliebte Form der Resignation: Wir überlassen wichtige Entscheidungen einfach jemand anderem - und geben damit auch die Verantwortung ab. Oder wir überlassen die Entscheidung überhaupt dem Zufall oder dem Schicksal oder dem Horoskop. Das sind alles Formen der Resignation, weil wir die Verantwortung in unseren Personal Projects nicht mehr wahr nehmen. Noch schlimmer natürlich, wenn das unsere Herzensprojekte betrifft.
Und letztes Beispiel, ebenfalls sehr beliebt: Wir wählen kontinuierlich die Option, die uns kurzfristig weniger Schmerzen...
18 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist FOMO - Fear Of Missing Out, oder die Angst, etwas zu verpassen.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…
Was bedeutet FOMO genau, und was ist eigentlich das Problem damit? Wie wirkt sich FOMO auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um mit FOMO in unseren Personal Projects besser umzugehen?
Was bedeutet „FOMO“ genau, und was ist eigentlich das Problem damit?
FOMO ist die Abkürzung, also das Akronym, von „Fear Of Missing Out“ - also die Angst, etwas zu versäumen. Gemeint ist damit, dass wir Menschen darunter leiden, wenn wir das Gefühl haben, wir sind bei etwas nicht dabei - und genau dort, wo wir jetzt nicht dabei sind, könnte etwas passieren oder besprochen werden, was für uns eigentlich ganz, ganz immens wichtig wäre. FOMO tritt also dann auf, wenn du z.B. zur Vereinssitzung nicht gehen kannst, weil du krank bist. Wer weiß, was du da versäumst! Oder wenn du an einem Abend entweder zur Geburtstagsparty deines Freundes oder zum Konzert deiner Lieblingsband gehen kannst: Egal, wie du dich entscheidest, du wirst unter FOMO leiden, weil du notgedrungen etwas verpasst. Also die Angst, etwas zu verpassen, ist auch die Angst, dass wir die falschen Entscheidungen treffen und uns im Nachhinein denken: Wäre ich nicht doch besser zum Konzert gegangen und nicht zu dieser öden Party! Oder eben auch umgekehrt: Wer weiß, wie viel Spaß meine ganzen Freunde bei der Party haben, und ich steh da allein in der stickigen Konzerthalle. Und das natürlich umso mehr, wenn du während des Konzerts auf Facebook ein lustiges Foto von der Party gepostet siehst. Und jedes weitere lustige Foto befeuert deine Zweifel. Aber wiederum auch umgekehrt: Wenn du bei der Party bist und währenddessen nur mal kurz Facebook checkst und da siehst du ein Livevideo vom Konzert… Naja, du kannst dir wahrscheinlich denken, was dann passiert.
Dabei ist FOMO längst kein neues Phänomen, das durch Social Media entstanden wäre. Nein, FOMO gibt es im Grunde schon so lange es Menschen gibt. Soziale Interaktionen sind für uns Menschen unerlässlich. Wir brauchen sie zum Leben genauso notwendig wie Nahrung. Die Angst vor dem Alleinsein, also die Angst, etwas wichtiges in den sozialen Gruppen, in denen man sich bewegt, etwas Wichtiges zu versäumen… ja, das war eine Art Überlebensschutz!
Diese Zeiten sind natürlich vorbei, und FOMO ist keine Frage des Überlebens mehr. Und dennoch ist FOMO heute weiter verbreitet denn je. FOMO verstärkt sich nämlich durch die modernen technischen Geräte (ja klar, ich meine das Smartphone) und dem schnellen Zugang zu Informationen über die sozialen Gruppen, in denen wir uns bewegen (und ja, ich meine damit Facebook und Instagram und die anderen üblichen Verdächtigen). Social Media macht es so wahnsinnig einfach, uns mit anderen zu vergleichen. Und das Vergleichen ist der ideale Nährboden für FOMO. Nach dem Motto: Warum ist mein eigenes Leben eigentlich so langweilig?
FOMO ist, und das muss uns bewusst sein, eine diffuse Angst. Also keine Angst vor etwas Bestimmten, vor einer bestimmten Gefahr (wie zB Flugangst oder die Angst vor Spinnen), sondern eben diffus. Diese Angst hat keinen eindeutigen Auslöser, keinen bestimmten Grund und auch keine konkrete Bedrohung. Und genau das macht diffuse Ängste so gefährlich. Aber mehr zu diffusen Ängsten dann in der übernächsten Podcast-Folge.
Bleiben wir für heute bei der FOMO und schauen wir uns als nächstes an:
Wie wirkt sich FOMO auf unsere Personal Projects aus?
Grundsätzlich gilt ja: Angst ist ein schlechter Ratgeber, besonders bei unseren Personal Projects. Und die Angst, etwas zu versäumen, macht da keine Ausnahme.
Mir kommt vor, dass FOMO wie eine Art Brandbeschleuniger wirkt. Die Herausforderungen, die wir mit Personal Projects haben und über die ich in den vorigen Episoden dieser Staffel schon gesprochen habe, die werden durch FOMO nochmal verstärkt. Was ich damit meine, möchte ich euch an drei Beispielen zeigen.
(1) Wir haben ja schon gesagt, dass das Vergleichen mit Anderen - und damit auch das Vergleichen unserer Personal Projects mit den Personal Projects anderer - uns und unseren Personal Projects viel mehr schadet als nützt. In der Folge über den Verlust der Eigenzeit habe ich das schon genauer besprochen. FOMO verstärkt natürlich unser Drängen, uns zu vergleichen - weil schließlich wollen wir nicht mit Personal Projects unsere Zeit verschwenden, wenn andere mit anderen Personal Projects viel glücklicher zu sein scheinen. Aber das ist natürlich völliger Unsinn. Wir vergleichen nämlich, was nicht zu vergleichen ist - und FOMO gibt uns dafür scheinbar die Legitimation.
(2) In der letzten Folge, wo es um den Verlust der Stille gegangen ist, habe ich ja gesagt, dass wir die wenigen Momente der Stille, die wir eigentlich hätten, uns oft selber zerstören, indem wir uns mit irgendwelchen Nichtigkeiten von der Stille ablenken. Und FOMO ist genau der Grund dafür. Während wir nämlich still sein könnten, haben wir Angst, was wir durch das Stillsein versäumen könnten. Was passiert derweil auf Facebook? Welche Podcasts könnte ich in der Zwischenzeit hören? usw. Seltsamerweise haben wir aber kein FOMO, wenn es um die Stille geht. Wir haben keine Angst vor dem, was wir versäumen, wenn wir zu wenig still sind. Nur umgekehrt. Und das tut, wie gesagt, unseren Personal Projects - und ganz besonders unseren Herzensprojekten - nicht gut. Weil die brauchen Stille wie die Blumen den Regen.
(3) FOMO verhindert, dass wir uns festlegen. FOMO verhindert, dass wir Entscheidungen treffen - weil wir uns nicht endgültig festlegen wollen. Eben weil wir Angst haben, dass wir uns mit einer Entscheidung die ganzen anderen Möglichkeiten vergeben, gegen die wir uns entscheiden würden. Über dieses Problem habe ich in der allerersten Staffel des Podcasts eine Folge gemacht mit dem Titel „Im Rausch der Optionen“. Wenn du Lust hast, kannst du darin gerne nachhören, wie die Angst vor der Auswahl (und damit natürlich die Angst, dass wir etwas versäumen), viele unserer Personal Projects nie abschließen oder andere Personal Projects gar nie starten oder bei anderen Personal Projects laufend auf der Stelle treten.
Diese drei Beispiele sind natürlich nicht umfassend für die Probleme, die FOMO in unseren Personal Projects erzeugt. Aber ich denke, sie zeigen schon, dass wir es da mit einem mächtigen Feind zu tun haben, vor dem wir unsere Personal Projects so gut wie möglich schützen sollten. Die Frage ist aber: Wie?
Was können wir tun, um mit FOMO in unseren Personal Projects besser umzugehen?
Ich denke, hier schadet ein kleiner Reality Check nicht. Die Angst, etwas zu versäumen - gerade was soziale Beziehungen betrifft -, die ist tief in unserem Gehirn verwurzelt. Die werden wir nicht los. Ich bin mir nicht mal sicher, ob irgendwelche Zen-Mönche, die abgeschieden in einen Kloster leben und den ganzen Tag meditieren, ob nicht auch diese Zen-Mönche nicht immer wieder mal FOMO haben und sich denken: Meine Güte, das Leben hier ist schon ziemlich langweilig. Ich hätte wahrscheinlich doch besser in meinem Dorf bei meiner Familie bleiben sollen. Kann sein, dass sich auch die sowas in der Richtung denken. Also, ich glaube, wir werden FOMO nicht los. Was wir aber versuchen können, ist, FOMO so weit in den Griff zu bekommen, dass sie uns nicht zu sehr schadet und ablenkt von dem, was eigentlich ...
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist FOMO - Fear Of Missing Out, oder die Angst, etwas zu verpassen.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…
Was bedeutet FOMO genau, und was ist eigentlich das Problem damit? Wie wirkt sich FOMO auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um mit FOMO in unseren Personal Projects besser umzugehen?
Was bedeutet „FOMO“ genau, und was ist eigentlich das Problem damit?
FOMO ist die Abkürzung, also das Akronym, von „Fear Of Missing Out“ - also die Angst, etwas zu versäumen. Gemeint ist damit, dass wir Menschen darunter leiden, wenn wir das Gefühl haben, wir sind bei etwas nicht dabei - und genau dort, wo wir jetzt nicht dabei sind, könnte etwas passieren oder besprochen werden, was für uns eigentlich ganz, ganz immens wichtig wäre. FOMO tritt also dann auf, wenn du z.B. zur Vereinssitzung nicht gehen kannst, weil du krank bist. Wer weiß, was du da versäumst! Oder wenn du an einem Abend entweder zur Geburtstagsparty deines Freundes oder zum Konzert deiner Lieblingsband gehen kannst: Egal, wie du dich entscheidest, du wirst unter FOMO leiden, weil du notgedrungen etwas verpasst. Also die Angst, etwas zu verpassen, ist auch die Angst, dass wir die falschen Entscheidungen treffen und uns im Nachhinein denken: Wäre ich nicht doch besser zum Konzert gegangen und nicht zu dieser öden Party! Oder eben auch umgekehrt: Wer weiß, wie viel Spaß meine ganzen Freunde bei der Party haben, und ich steh da allein in der stickigen Konzerthalle. Und das natürlich umso mehr, wenn du während des Konzerts auf Facebook ein lustiges Foto von der Party gepostet siehst. Und jedes weitere lustige Foto befeuert deine Zweifel. Aber wiederum auch umgekehrt: Wenn du bei der Party bist und währenddessen nur mal kurz Facebook checkst und da siehst du ein Livevideo vom Konzert… Naja, du kannst dir wahrscheinlich denken, was dann passiert.
Dabei ist FOMO längst kein neues Phänomen, das durch Social Media entstanden wäre. Nein, FOMO gibt es im Grunde schon so lange es Menschen gibt. Soziale Interaktionen sind für uns Menschen unerlässlich. Wir brauchen sie zum Leben genauso notwendig wie Nahrung. Die Angst vor dem Alleinsein, also die Angst, etwas wichtiges in den sozialen Gruppen, in denen man sich bewegt, etwas Wichtiges zu versäumen… ja, das war eine Art Überlebensschutz!
Diese Zeiten sind natürlich vorbei, und FOMO ist keine Frage des Überlebens mehr. Und dennoch ist FOMO heute weiter verbreitet denn je. FOMO verstärkt sich nämlich durch die modernen technischen Geräte (ja klar, ich meine das Smartphone) und dem schnellen Zugang zu Informationen über die sozialen Gruppen, in denen wir uns bewegen (und ja, ich meine damit Facebook und Instagram und die anderen üblichen Verdächtigen). Social Media macht es so wahnsinnig einfach, uns mit anderen zu vergleichen. Und das Vergleichen ist der ideale Nährboden für FOMO. Nach dem Motto: Warum ist mein eigenes Leben eigentlich so langweilig?
FOMO ist, und das muss uns bewusst sein, eine diffuse Angst. Also keine Angst vor etwas Bestimmten, vor einer bestimmten Gefahr (wie zB Flugangst oder die Angst vor Spinnen), sondern eben diffus. Diese Angst hat keinen eindeutigen Auslöser, keinen bestimmten Grund und auch keine konkrete Bedrohung. Und genau das macht diffuse Ängste so gefährlich. Aber mehr zu diffusen Ängsten dann in der übernächsten Podcast-Folge.
Bleiben wir für heute bei der FOMO und schauen wir uns als nächstes an:
Wie wirkt sich FOMO auf unsere Personal Projects aus?
Grundsätzlich gilt ja: Angst ist ein schlechter Ratgeber, besonders bei unseren Personal Projects. Und die Angst, etwas zu versäumen, macht da keine Ausnahme.
Mir kommt vor, dass FOMO wie eine Art Brandbeschleuniger wirkt. Die Herausforderungen, die wir mit Personal Projects haben und über die ich in den vorigen Episoden dieser Staffel schon gesprochen habe, die werden durch FOMO nochmal verstärkt. Was ich damit meine, möchte ich euch an drei Beispielen zeigen.
(1) Wir haben ja schon gesagt, dass das Vergleichen mit Anderen - und damit auch das Vergleichen unserer Personal Projects mit den Personal Projects anderer - uns und unseren Personal Projects viel mehr schadet als nützt. In der Folge über den Verlust der Eigenzeit habe ich das schon genauer besprochen. FOMO verstärkt natürlich unser Drängen, uns zu vergleichen - weil schließlich wollen wir nicht mit Personal Projects unsere Zeit verschwenden, wenn andere mit anderen Personal Projects viel glücklicher zu sein scheinen. Aber das ist natürlich völliger Unsinn. Wir vergleichen nämlich, was nicht zu vergleichen ist - und FOMO gibt uns dafür scheinbar die Legitimation.
(2) In der letzten Folge, wo es um den Verlust der Stille gegangen ist, habe ich ja gesagt, dass wir die wenigen Momente der Stille, die wir eigentlich hätten, uns oft selber zerstören, indem wir uns mit irgendwelchen Nichtigkeiten von der Stille ablenken. Und FOMO ist genau der Grund dafür. Während wir nämlich still sein könnten, haben wir Angst, was wir durch das Stillsein versäumen könnten. Was passiert derweil auf Facebook? Welche Podcasts könnte ich in der Zwischenzeit hören? usw. Seltsamerweise haben wir aber kein FOMO, wenn es um die Stille geht. Wir haben keine Angst vor dem, was wir versäumen, wenn wir zu wenig still sind. Nur umgekehrt. Und das tut, wie gesagt, unseren Personal Projects - und ganz besonders unseren Herzensprojekten - nicht gut. Weil die brauchen Stille wie die Blumen den Regen.
(3) FOMO verhindert, dass wir uns festlegen. FOMO verhindert, dass wir Entscheidungen treffen - weil wir uns nicht endgültig festlegen wollen. Eben weil wir Angst haben, dass wir uns mit einer Entscheidung die ganzen anderen Möglichkeiten vergeben, gegen die wir uns entscheiden würden. Über dieses Problem habe ich in der allerersten Staffel des Podcasts eine Folge gemacht mit dem Titel „Im Rausch der Optionen“. Wenn du Lust hast, kannst du darin gerne nachhören, wie die Angst vor der Auswahl (und damit natürlich die Angst, dass wir etwas versäumen), viele unserer Personal Projects nie abschließen oder andere Personal Projects gar nie starten oder bei anderen Personal Projects laufend auf der Stelle treten.
Diese drei Beispiele sind natürlich nicht umfassend für die Probleme, die FOMO in unseren Personal Projects erzeugt. Aber ich denke, sie zeigen schon, dass wir es da mit einem mächtigen Feind zu tun haben, vor dem wir unsere Personal Projects so gut wie möglich schützen sollten. Die Frage ist aber: Wie?
Was können wir tun, um mit FOMO in unseren Personal Projects besser umzugehen?
Ich denke, hier schadet ein kleiner Reality Check nicht. Die Angst, etwas zu versäumen - gerade was soziale Beziehungen betrifft -, die ist tief in unserem Gehirn verwurzelt. Die werden wir nicht los. Ich bin mir nicht mal sicher, ob irgendwelche Zen-Mönche, die abgeschieden in einen Kloster leben und den ganzen Tag meditieren, ob nicht auch diese Zen-Mönche nicht immer wieder mal FOMO haben und sich denken: Meine Güte, das Leben hier ist schon ziemlich langweilig. Ich hätte wahrscheinlich doch besser in meinem Dorf bei meiner Familie bleiben sollen. Kann sein, dass sich auch die sowas in der Richtung denken. Also, ich glaube, wir werden FOMO nicht los. Was wir aber versuchen können, ist, FOMO so weit in den Griff zu bekommen, dass sie uns nicht zu sehr schadet und ablenkt von dem, was eigentlich ...
16 Minuten
Worum geht’s in der heutigen Folge? In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] geht es ja um die „Feinde" unserer Personal Projects, und auch dieses Mal ist wieder so ein Feind dran. Und der Feind heißt heute Verlust der……. Stille. Und so möchte ich mir auch in dieser Folge ansehen...
Was meine ich mit dem „Verlust der Stille“, und was ist genau das Problem damit?Wie wirkt sich zu wenig Stille auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun, um mehr Stille in unser Leben zu bekommen?
Was meine ich mit dem „Verlust der Stille“, und was ist eigentlich das Problem damit?
Naja, wenn wir uns unsere Welt um uns herum so anschauen, oder besser gesagt… Wenn wir uns unsere Welt um uns so anHÖREN, dann haben wir aus meiner Sicht ein ständiges Hintergrundrauschen um uns herum. Egal, wo wir sind, es ist ziemlich „laut“ um uns herum. Und mit „laut“ meine ich jetzt nicht nur den Lärm, den wir mit den Ohren wahrnehmen. Ich meine damit auch andere Sinneseindrücke. Es ist auch ziemlich „laut“ (unter Anführungszeichen) zum Beispiel für unsere Augen. Es prasseln jeden Tag, jede Minute sehr, sehr viele Sinneseindrücke auf uns ein, und es gibt immer weniger Oasen, wo wir sowas wie Stille empfinden können - Stille für unsere Ohren, für unsere Augen, aber auch Stille von den Gedanken und Sorgen und Grübeleien, die uns jeden Tag begleiten. Also kurz gesagt: Ich finde, wir haben in unserem Leben wenige Momente, wo es um uns herum ruhig ist. Das hat natürlich mit unserer Welt zu tun, in der wir leben. Wenn man zum Einkaufen in den Supermarkt geht, dann wird man da mit Hintergrundmusik berieselt, ob man will oder nicht. Und auch an Orten, wo man ein bisschen runter kommen könnte, ist es nie ganz still. Auch in den meisten Kaffeehäusern oder Restaurants läuft Musik im Hintergrund, ganz selbstverständlich. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Überleg mal für dich: Stell dir vor, du kommst am Abend nach Hause. Das Haus oder die Wohnung ist noch leer, weil die anderen Familienmitglieder erst später heimkommen werden. Und jetzt überleg mal: Wie lange dauert es ca., bis du den Fernseher aufdrehst oder Musik? Wie lange hältst du die Stille einer leeren Wohnung aus, bis sie dir unangenehm wird und du wieder für das gewohnte Hintergrundrauschen sorgst. Ja, Stille ist unangenehm. Stille ist irritierend. Versuch mal, wenn du mit jemandem telefonierst, drei Sekunden nichts zu sagen. Nur drei Sekunden lang. Drei Sekunden Stille reichen aus, damit dein Gegenüber sowas sagt wie „Bist du noch da?“. Drei Sekunden Stille, und es wird schon unangenehm und irritierend. Oder beobachte mal für dich, wenn du dich mit jemandem unterhältst, z.B. im Kaffeehaus oder so, ihr habt ein Thema beendet und es tritt eine ganz natürliche Pause ein. Wie lange hältst du die Pause aus, bevor du das Gefühl hast: Jetzt muss ich aber was, sagen, denn sonst ist das komisch. Oder dein Gesprächspartner, der hat wahrscheinlich das gleiche Gefühl? Eine Minute, EINE Minute lang schweigend nebeneinander zu sitzen… kommt praktisch nie vor! Eine Minute kann nämlich verdammt lang sein, wenn man sie wirklich schweigend verbringt. Probier das mal aus, kann zu faszinierenden Einsichten führen. Also, das ist mein Befund: Unsere Umgebung sorgt dafür, dass wir immer weniger Stille in unserem Leben haben, und wenn wir dann mal stille Momente hätten (siehe leere Wohnung am Abend), dann tun wir unser Möglichstes, diesen Zustand der Stille ja nicht zu lange aufrecht erhalten zu müssen. Na gut, jetzt bin ich aber kein Kulturpessimist der sagt: Unsere Welt ist so laut, das hätte es früher nicht gegeben, und früher oder später geht sowieso alles vor die Hunde. Nein, mir geht es in diesem Podcast ja um Personal Projects, und ich sehe ein handfestes Problem für unsere Personal Projects, wenn wir die Stille in unserem Leben verlieren.
Wie wirkt sich zu wenig Stille auf unsere Personal Projects aus?
Dass wir in unserem Leben kaum mehr Momente der Stille haben, dass wir ständig eine Art Hintergrundmusik laufen haben, das hat eine handfeste Konsequenz, und eine Konsequenz, die nicht gut ist. Der Verlust der Stille sorgt nämlich dafür, dass wir unsere „innere Stimme“ nicht mehr hören. Ja, die innere Stimme… oder man kann diese Stimme auch Bauchgefühl nennen. Die innere Stimme, die dafür sorgt, dass wir wissen, was gut und was richtig für uns ist. Die innere Stimme, die uns sagt, wenn irgendetwas gerade ganz und gar nicht stimmt in unserem Leben. Die innere Stimme, die uns verlässlich sagt, wann wir „ja“ sagen sollten und wann besser „nein“. Wir brauchen unsere innere Stimme für unsere Personal Projects und ganz besonders für unsere Herzensprojekte wie einen Bissen Brot. Die innere Stimme oder das Bauchgefühl oder wie auch immer wir das bezeichnen wollen… wir brauchen das, um die großen und kleinen Entscheidungen in unserem Leben zu treffen. Denn wenn wir glauben, dass wir die Entscheidungen, die wir da jeden Tag so treffen, mit dem Verstand, also mit dem Gehirn treffen… Naja, das ist ein Irrtum. So funktioniert das nicht. Es ist inzwischen ziemlich gut erforscht, wie Entscheidungen in uns zustande kommen. Entscheidungen sind nämlich immer zuerst unbewusst - also Bauchentscheidungen. Und erst, wenn diese unbewusste Entscheidung getroffen ist, setzt der Verstand ein und sucht vernünftige Argumente, um diese Entscheidung zu erklären und zu verteidigen. Also unser Gehirn ist immer Zweiter, wenn es um Entscheidungen geht. Zuerst der Bauch, dann das Gehirn. So funktionieren Entscheidungen. Naja, und da sehe ich jetzt folgendes Problem: Was ist jetzt, wenn sich unser Bauch für etwas entschieden hat, und wir das nicht wahrnehmen können? Was, wenn unsere innere Stimme uns längst etwas zu sagen hätte, aber wir hören sie nicht vor lauter Hintergrundrauschen? Also was ist, wenn mit dem Verlust der Stille wir auch die Fähigkeit verlieren, genau jene Personal Projects umzusetzen, die uns WIRKLICH gut tun, die uns WIRKLICH wichtig sind, die uns WIRKLICH Sinn geben? Wir brauchen also unsere innere Stimme, damit wir die für uns passenden Entscheidungen in unserem Leben treffen können. Damit wir mitbekommen, wenn uns etwas nicht gut tut oder auch wenn uns etwas super gut tut. Und um diese innere Stimme gut wahrnehmen zu können, brauchen wir nicht weniger, sondern MEHR Stille. Aber wie?
Was können wir tun, um mehr Stille in unser Leben zu bekommen?
Naja, das ist eigentlich gar nicht kompliziert. Hier mal drei ganz einfache, pragmatische Vorschläge: 1. Du könntest ganz bewusst stille Orte aufsuchen. Und damit meine ich nicht unbedingt das Klo, obwohl das sicher auch den Zweck erfüllen würde. Sondern Orte, die dazu gedacht sind, dass man darin still ist oder still wird. Das sind zum Beispiel Kirchen. Oder Bibliotheken. Oder auch ein Wald. 2. Du könntest natürlich meditieren, wenn du das magst und die Ausdauer dazu hast. Da geht es ja auch darum, still zu sitzen und still zu sein und das auszuhalten. 3. Und ich glaube, das ist am Wichtigsten: Du könntest die Gelegenheiten der Stille, die sich dir bieten, einfach nützen. Also:
Du könntest den Fernseher oder die Musik NICHT aufdrehen, wenn du in die leere Wohnung kommst.
Du könntest in der U-Bahn oder im Auto mal ohne Kopfhörer oder Autoradio fahren.
Du könntest im Büro den Radio ausschalten - wenn du einen hast.
Und so weiter. Also einfach die Gelegenheiten zur Stille, die du eigentlich eh hättest, einfach mal bewusst nutzen. Und so eine Gelegenheit zur Stille hast du genau jetzt auch, nämlich am Ende dieses Podcasts. Der Podcast heute ist etwas kürzer als normal, und diese paar eingesparten Minuten möchte ich dir als Zeit der Stille schenken. Also: Wenn du m...
Was meine ich mit dem „Verlust der Stille“, und was ist genau das Problem damit?Wie wirkt sich zu wenig Stille auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun, um mehr Stille in unser Leben zu bekommen?
Was meine ich mit dem „Verlust der Stille“, und was ist eigentlich das Problem damit?
Naja, wenn wir uns unsere Welt um uns herum so anschauen, oder besser gesagt… Wenn wir uns unsere Welt um uns so anHÖREN, dann haben wir aus meiner Sicht ein ständiges Hintergrundrauschen um uns herum. Egal, wo wir sind, es ist ziemlich „laut“ um uns herum. Und mit „laut“ meine ich jetzt nicht nur den Lärm, den wir mit den Ohren wahrnehmen. Ich meine damit auch andere Sinneseindrücke. Es ist auch ziemlich „laut“ (unter Anführungszeichen) zum Beispiel für unsere Augen. Es prasseln jeden Tag, jede Minute sehr, sehr viele Sinneseindrücke auf uns ein, und es gibt immer weniger Oasen, wo wir sowas wie Stille empfinden können - Stille für unsere Ohren, für unsere Augen, aber auch Stille von den Gedanken und Sorgen und Grübeleien, die uns jeden Tag begleiten. Also kurz gesagt: Ich finde, wir haben in unserem Leben wenige Momente, wo es um uns herum ruhig ist. Das hat natürlich mit unserer Welt zu tun, in der wir leben. Wenn man zum Einkaufen in den Supermarkt geht, dann wird man da mit Hintergrundmusik berieselt, ob man will oder nicht. Und auch an Orten, wo man ein bisschen runter kommen könnte, ist es nie ganz still. Auch in den meisten Kaffeehäusern oder Restaurants läuft Musik im Hintergrund, ganz selbstverständlich. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Überleg mal für dich: Stell dir vor, du kommst am Abend nach Hause. Das Haus oder die Wohnung ist noch leer, weil die anderen Familienmitglieder erst später heimkommen werden. Und jetzt überleg mal: Wie lange dauert es ca., bis du den Fernseher aufdrehst oder Musik? Wie lange hältst du die Stille einer leeren Wohnung aus, bis sie dir unangenehm wird und du wieder für das gewohnte Hintergrundrauschen sorgst. Ja, Stille ist unangenehm. Stille ist irritierend. Versuch mal, wenn du mit jemandem telefonierst, drei Sekunden nichts zu sagen. Nur drei Sekunden lang. Drei Sekunden Stille reichen aus, damit dein Gegenüber sowas sagt wie „Bist du noch da?“. Drei Sekunden Stille, und es wird schon unangenehm und irritierend. Oder beobachte mal für dich, wenn du dich mit jemandem unterhältst, z.B. im Kaffeehaus oder so, ihr habt ein Thema beendet und es tritt eine ganz natürliche Pause ein. Wie lange hältst du die Pause aus, bevor du das Gefühl hast: Jetzt muss ich aber was, sagen, denn sonst ist das komisch. Oder dein Gesprächspartner, der hat wahrscheinlich das gleiche Gefühl? Eine Minute, EINE Minute lang schweigend nebeneinander zu sitzen… kommt praktisch nie vor! Eine Minute kann nämlich verdammt lang sein, wenn man sie wirklich schweigend verbringt. Probier das mal aus, kann zu faszinierenden Einsichten führen. Also, das ist mein Befund: Unsere Umgebung sorgt dafür, dass wir immer weniger Stille in unserem Leben haben, und wenn wir dann mal stille Momente hätten (siehe leere Wohnung am Abend), dann tun wir unser Möglichstes, diesen Zustand der Stille ja nicht zu lange aufrecht erhalten zu müssen. Na gut, jetzt bin ich aber kein Kulturpessimist der sagt: Unsere Welt ist so laut, das hätte es früher nicht gegeben, und früher oder später geht sowieso alles vor die Hunde. Nein, mir geht es in diesem Podcast ja um Personal Projects, und ich sehe ein handfestes Problem für unsere Personal Projects, wenn wir die Stille in unserem Leben verlieren.
Wie wirkt sich zu wenig Stille auf unsere Personal Projects aus?
Dass wir in unserem Leben kaum mehr Momente der Stille haben, dass wir ständig eine Art Hintergrundmusik laufen haben, das hat eine handfeste Konsequenz, und eine Konsequenz, die nicht gut ist. Der Verlust der Stille sorgt nämlich dafür, dass wir unsere „innere Stimme“ nicht mehr hören. Ja, die innere Stimme… oder man kann diese Stimme auch Bauchgefühl nennen. Die innere Stimme, die dafür sorgt, dass wir wissen, was gut und was richtig für uns ist. Die innere Stimme, die uns sagt, wenn irgendetwas gerade ganz und gar nicht stimmt in unserem Leben. Die innere Stimme, die uns verlässlich sagt, wann wir „ja“ sagen sollten und wann besser „nein“. Wir brauchen unsere innere Stimme für unsere Personal Projects und ganz besonders für unsere Herzensprojekte wie einen Bissen Brot. Die innere Stimme oder das Bauchgefühl oder wie auch immer wir das bezeichnen wollen… wir brauchen das, um die großen und kleinen Entscheidungen in unserem Leben zu treffen. Denn wenn wir glauben, dass wir die Entscheidungen, die wir da jeden Tag so treffen, mit dem Verstand, also mit dem Gehirn treffen… Naja, das ist ein Irrtum. So funktioniert das nicht. Es ist inzwischen ziemlich gut erforscht, wie Entscheidungen in uns zustande kommen. Entscheidungen sind nämlich immer zuerst unbewusst - also Bauchentscheidungen. Und erst, wenn diese unbewusste Entscheidung getroffen ist, setzt der Verstand ein und sucht vernünftige Argumente, um diese Entscheidung zu erklären und zu verteidigen. Also unser Gehirn ist immer Zweiter, wenn es um Entscheidungen geht. Zuerst der Bauch, dann das Gehirn. So funktionieren Entscheidungen. Naja, und da sehe ich jetzt folgendes Problem: Was ist jetzt, wenn sich unser Bauch für etwas entschieden hat, und wir das nicht wahrnehmen können? Was, wenn unsere innere Stimme uns längst etwas zu sagen hätte, aber wir hören sie nicht vor lauter Hintergrundrauschen? Also was ist, wenn mit dem Verlust der Stille wir auch die Fähigkeit verlieren, genau jene Personal Projects umzusetzen, die uns WIRKLICH gut tun, die uns WIRKLICH wichtig sind, die uns WIRKLICH Sinn geben? Wir brauchen also unsere innere Stimme, damit wir die für uns passenden Entscheidungen in unserem Leben treffen können. Damit wir mitbekommen, wenn uns etwas nicht gut tut oder auch wenn uns etwas super gut tut. Und um diese innere Stimme gut wahrnehmen zu können, brauchen wir nicht weniger, sondern MEHR Stille. Aber wie?
Was können wir tun, um mehr Stille in unser Leben zu bekommen?
Naja, das ist eigentlich gar nicht kompliziert. Hier mal drei ganz einfache, pragmatische Vorschläge: 1. Du könntest ganz bewusst stille Orte aufsuchen. Und damit meine ich nicht unbedingt das Klo, obwohl das sicher auch den Zweck erfüllen würde. Sondern Orte, die dazu gedacht sind, dass man darin still ist oder still wird. Das sind zum Beispiel Kirchen. Oder Bibliotheken. Oder auch ein Wald. 2. Du könntest natürlich meditieren, wenn du das magst und die Ausdauer dazu hast. Da geht es ja auch darum, still zu sitzen und still zu sein und das auszuhalten. 3. Und ich glaube, das ist am Wichtigsten: Du könntest die Gelegenheiten der Stille, die sich dir bieten, einfach nützen. Also:
Du könntest den Fernseher oder die Musik NICHT aufdrehen, wenn du in die leere Wohnung kommst.
Du könntest in der U-Bahn oder im Auto mal ohne Kopfhörer oder Autoradio fahren.
Du könntest im Büro den Radio ausschalten - wenn du einen hast.
Und so weiter. Also einfach die Gelegenheiten zur Stille, die du eigentlich eh hättest, einfach mal bewusst nutzen. Und so eine Gelegenheit zur Stille hast du genau jetzt auch, nämlich am Ende dieses Podcasts. Der Podcast heute ist etwas kürzer als normal, und diese paar eingesparten Minuten möchte ich dir als Zeit der Stille schenken. Also: Wenn du m...
16 Minuten
Worum geht’s in der heutigen Folge? In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] geht es ja um die „Feinde" unserer Personal Projects, und auch dieses Mal ist wieder so ein Feind dran. Und der Feind heißt heute Individualismus. Und so möchte ich mir auch in dieser Folge ansehen...
Was ist mit „Individualismus” gemeint, und was ist genau das Problem damit?Wie wirkt sich Individualismus auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun, um die negativen Auswirkungen des Individualismus zu mildern?
Was ist mit „Individualismus” gemeint, und was ist eigentlich das Problem damit?
Gleich mal eines vorweg: Individualismus an sich, das ist überhaupt kein Problem. Problematisch ist aus meiner Sicht, wenn der Individualismus aus dem Ruder läuft. Aber zuerst mal: Was ist mit Individualismus gemeint. Naja, kurz gesagt: Individualismus ist das Gegenstück zum Kollektivismus. Kollektivismus funktioniert nach dem Motto: Der Einzelne ist weniger wichtig als die Gruppe. Die Interessen der Gruppe haben immer Vorrang vor den Interessen eines Einzelnen. Auf diese Art und Weise war unsere Gesellschaft über viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende, organisiert. Der Einzelne ist Teil der Gruppe und sorgt dafür, dass es der Gruppe gut geht. Das ist die wichtigste Aufgabe, denn das sichert das Überleben von ihm und allen anderen in der Gruppe. Der Individualismus hingegen ist ein viel jüngerer Gesellschaftsentwurf, der erst im 20. Jahrhundert so richtig Fuß gefasst hat - und das auch vor allem in den so genannten „westlichen Gesellschaften”. Viele Kulturen auf der ganzen Welt sind bis heute stark kollektivistisch geprägt, da sind Sachen wie Familie oder Dorfgemeinschaft oder die Gruppen, von denen man sich als Teil sieht, nach wie vor sehr hohe Güter. Naja, im Individualismus lautet das Motto: Der Einzelne ist wichtiger als die Gruppe. Die Interessen des Einzelnen müssen sich nicht den Zwängen irgendwelcher Gruppen oder Organisationen oder Autoritäten unterordnen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und jeder kann das tun, was er oder sie will und braucht nicht darauf hören, was die Eltern sagen oder was die Großfamilie sagt oder was die Kirche oder die Partei oder „der Staat” sagt. Diese ganzen gesellschaftlichen Institutionen, also Familie, Kirche, Partei, Pfadfinder, Ortsgemeinschaft und so weiter, die sind im Individualismus ziemlich abgemeldet. Nicht, dass es sie nicht mehr gäbe und dass sie ganz unwichtig wären. Das nicht, das ist auch bei jedem Menschen natürlich ein bisschen anders. Aber generell lautet das Credo: Wenn du eine Entscheidung in deinem Leben zu treffen hast, z.B. wenn es darum geht, welchen Beruf du ergreifen willst, dann bist in erster Linie du selbst gefordert, die Entscheidung zu treffen. Du hast alle Möglichkeiten, aber du musst selbst auswählen und wissen, was für dich das Beste ist. Deine Eltern schreiben dir nichts vor, der Staat zwingt dich in keinen Job (so wie das im Kommunismus der Fall war), du übernimmst nicht mehr automatisch den Beruf deines Vaters, und auch „die Partei” versorgt dich nicht mehr mit einem sicheren Posten. Du selbst bist gefordert, dich zu entscheiden und für dich zu wählen. Und das nicht nur bei Ausbildung und Beruf, sondern dein ganzes Leben lang. Das ist natürlich einerseits eine große Freiheit. Natürlich ist es super, wenn jeder werden kann, was er oder sie will, wenn die Eltern nicht mehr aussuchen, wen man heiratet und wenn man nicht den Pfarrer oder den Bürgermeister oder den Bezirksparteiobmann bei wichtigen Entscheidungen um Erlaubnis fragen muss. Das ist gar keine Frage. Es geht sogar noch weiter: Ohne die Idee des Individualismus gäbe es auch sowas wie Personal Projects nicht in der Form. In einer kollektivistischen Gesellschaft hätte kaum jemand wirklich eigenen Personal Projects, die allermeisten Projekte wären gemeinsame Projekte, da wäre wenig Privates dabei. Dass wir uns überhaupt mit Personal Projects auseinandersetzen dürfen, ist ein Geschenk des Wandels in unserer Gesellschaft vom Kollektivismus hin zum Individualismus. Aber: Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Weil es ist jetzt nämlich Folgendes: Diese Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, sich selbst seinen Lebensweg und seine Personal Projects aussuchen zu können… das ist gleichzeitig auch ein Fluch: Du MUSST alle Entscheidungen in deinem Leben selbst treffen. Ja, du kannst deine Eltern und den Bürgermeister und den Pfarrer oder wen auch immer natürlich um Rat fragen. Aber entscheiden, das musst du selber. Niemand nimmt dir das ab. Und damit trägst du auch die alleinige und die volle Verantwortung für deine Entscheidungen! Wenn du eine Entscheidung triffst und die stellt sich im Nachhinein als falsch heraus… naja, selber schuld. Erwarte dir nicht allzu viel Mitleid. Du bist gefordert, das selber wieder auszubügeln. Und genau da sind wir beim Knackpunkt und beim Problem mit dem Individualismus: Einerseits ist das eine riesige Freiheit, die uns viel ermöglicht - viel mehr als z.B. noch der Generation meiner Großeltern. Und andererseits stehen wir damit oft sehr allein da. Wir sind gefordert, ja gezwungen, dass wir selbst unser Leben zu einer Erfolgsgeschichte machen. Wir haben ja alle Möglichkeiten, oder? Wir können uns ja frei entscheiden, nicht? Na dann gibt es ja auch keine Ausreden. Und das erzeugt einen riesen, riesen Druck. Und damit sind wir auch schon bei der Frage:
Wie wirkt sich Individualismus auf unsere Personal Projects aus?
Wie gesagt: Im Individualismus geht es darum, dass der Einzelne etwas Besonderes ist und wichtig ist. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Was aber schlecht ist, ist, wenn der Individualismus aus den Fugen gerät. Dann wird das Besonders-Sein nämlich zur Pflicht. Du MUSST etwas Besonderes sein. Du musst dich von den Anderen unterscheiden. Du musst einzigartig und authentisch sein und so weiter. Das gilt natürlich auch für unsere Personal Projects. Nehmen wir so ein vermeintlich simples Personal Project wie „Einen neuen Job suchen”. Unvermeidlicher Teil so eines Projektes ist das Bewerbungsgespräch. Und was ist eine Standardfrage von so einen Bewerbungsgespräch? „Warum sollten wir ausgerechnet Sie nehmen?” „Warum sollten wir ausgerechnet Sie nehmen?” - Das ist eine typische Frage des Individualismus. Naja, warum schon? Einfach nur zu sagen „Weil ich meine Arbeit gut machen werde.” - das reicht nicht. Das ist paradox, aber das reicht nicht. Von der Bewerberin in dem Gespräch wird erwartet, dass sie da jetzt etwas Besonderes zu sagen hat, etwas, das sie von allen anderen Mitbewerberinnen unterscheidet. Aber was soll man denn da schon groß sagen? Sooooo einzigartig ist jeder von uns dann auch wieder nicht, vor allem dann nicht, wenn sich mehrere Menschen um den gleichen Job bewerben. Man kann davon ausgehen, dass die eher mehr gemeinsam haben als dass sie unterscheidet. Aber genau dieser Anspruch, dass wir als Person und mit unserem Leben etwas „Besonderes” machen wollen (oder müssen), das erzeugt viel Druck. „Einfach nur normal sein”, das reicht nicht. Normal ist fad, normal ist unkreativ, normal ist das Gegenteil von erfolgreich. Und so suchen wir uns Personal Projects, die unsere Individualität unterstreichen. Die uns zu etwas Besonderem machen sollen. Und ich rede da jetzt nicht von den Projekten, wo es darum geht, dass wir vielleicht ein ausgefallenes Hobby haben, das uns Spaß macht. Das ist schon in Ordnung. Es geht mir darum, einen kritischen Blick auf unsere Personal Projects zu werfen und uns zu fragen: Welche dieser Projekte dienen in erster Linie dazu, mich und meine Person als etwas Besonderes zu inszenieren? Wo geht es uns vor allem darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen, gut dazustehen und anderen zu signalisieren: Schau, ich hab da coole Personal Projects, ...
Was ist mit „Individualismus” gemeint, und was ist genau das Problem damit?Wie wirkt sich Individualismus auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun, um die negativen Auswirkungen des Individualismus zu mildern?
Was ist mit „Individualismus” gemeint, und was ist eigentlich das Problem damit?
Gleich mal eines vorweg: Individualismus an sich, das ist überhaupt kein Problem. Problematisch ist aus meiner Sicht, wenn der Individualismus aus dem Ruder läuft. Aber zuerst mal: Was ist mit Individualismus gemeint. Naja, kurz gesagt: Individualismus ist das Gegenstück zum Kollektivismus. Kollektivismus funktioniert nach dem Motto: Der Einzelne ist weniger wichtig als die Gruppe. Die Interessen der Gruppe haben immer Vorrang vor den Interessen eines Einzelnen. Auf diese Art und Weise war unsere Gesellschaft über viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende, organisiert. Der Einzelne ist Teil der Gruppe und sorgt dafür, dass es der Gruppe gut geht. Das ist die wichtigste Aufgabe, denn das sichert das Überleben von ihm und allen anderen in der Gruppe. Der Individualismus hingegen ist ein viel jüngerer Gesellschaftsentwurf, der erst im 20. Jahrhundert so richtig Fuß gefasst hat - und das auch vor allem in den so genannten „westlichen Gesellschaften”. Viele Kulturen auf der ganzen Welt sind bis heute stark kollektivistisch geprägt, da sind Sachen wie Familie oder Dorfgemeinschaft oder die Gruppen, von denen man sich als Teil sieht, nach wie vor sehr hohe Güter. Naja, im Individualismus lautet das Motto: Der Einzelne ist wichtiger als die Gruppe. Die Interessen des Einzelnen müssen sich nicht den Zwängen irgendwelcher Gruppen oder Organisationen oder Autoritäten unterordnen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und jeder kann das tun, was er oder sie will und braucht nicht darauf hören, was die Eltern sagen oder was die Großfamilie sagt oder was die Kirche oder die Partei oder „der Staat” sagt. Diese ganzen gesellschaftlichen Institutionen, also Familie, Kirche, Partei, Pfadfinder, Ortsgemeinschaft und so weiter, die sind im Individualismus ziemlich abgemeldet. Nicht, dass es sie nicht mehr gäbe und dass sie ganz unwichtig wären. Das nicht, das ist auch bei jedem Menschen natürlich ein bisschen anders. Aber generell lautet das Credo: Wenn du eine Entscheidung in deinem Leben zu treffen hast, z.B. wenn es darum geht, welchen Beruf du ergreifen willst, dann bist in erster Linie du selbst gefordert, die Entscheidung zu treffen. Du hast alle Möglichkeiten, aber du musst selbst auswählen und wissen, was für dich das Beste ist. Deine Eltern schreiben dir nichts vor, der Staat zwingt dich in keinen Job (so wie das im Kommunismus der Fall war), du übernimmst nicht mehr automatisch den Beruf deines Vaters, und auch „die Partei” versorgt dich nicht mehr mit einem sicheren Posten. Du selbst bist gefordert, dich zu entscheiden und für dich zu wählen. Und das nicht nur bei Ausbildung und Beruf, sondern dein ganzes Leben lang. Das ist natürlich einerseits eine große Freiheit. Natürlich ist es super, wenn jeder werden kann, was er oder sie will, wenn die Eltern nicht mehr aussuchen, wen man heiratet und wenn man nicht den Pfarrer oder den Bürgermeister oder den Bezirksparteiobmann bei wichtigen Entscheidungen um Erlaubnis fragen muss. Das ist gar keine Frage. Es geht sogar noch weiter: Ohne die Idee des Individualismus gäbe es auch sowas wie Personal Projects nicht in der Form. In einer kollektivistischen Gesellschaft hätte kaum jemand wirklich eigenen Personal Projects, die allermeisten Projekte wären gemeinsame Projekte, da wäre wenig Privates dabei. Dass wir uns überhaupt mit Personal Projects auseinandersetzen dürfen, ist ein Geschenk des Wandels in unserer Gesellschaft vom Kollektivismus hin zum Individualismus. Aber: Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Weil es ist jetzt nämlich Folgendes: Diese Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, sich selbst seinen Lebensweg und seine Personal Projects aussuchen zu können… das ist gleichzeitig auch ein Fluch: Du MUSST alle Entscheidungen in deinem Leben selbst treffen. Ja, du kannst deine Eltern und den Bürgermeister und den Pfarrer oder wen auch immer natürlich um Rat fragen. Aber entscheiden, das musst du selber. Niemand nimmt dir das ab. Und damit trägst du auch die alleinige und die volle Verantwortung für deine Entscheidungen! Wenn du eine Entscheidung triffst und die stellt sich im Nachhinein als falsch heraus… naja, selber schuld. Erwarte dir nicht allzu viel Mitleid. Du bist gefordert, das selber wieder auszubügeln. Und genau da sind wir beim Knackpunkt und beim Problem mit dem Individualismus: Einerseits ist das eine riesige Freiheit, die uns viel ermöglicht - viel mehr als z.B. noch der Generation meiner Großeltern. Und andererseits stehen wir damit oft sehr allein da. Wir sind gefordert, ja gezwungen, dass wir selbst unser Leben zu einer Erfolgsgeschichte machen. Wir haben ja alle Möglichkeiten, oder? Wir können uns ja frei entscheiden, nicht? Na dann gibt es ja auch keine Ausreden. Und das erzeugt einen riesen, riesen Druck. Und damit sind wir auch schon bei der Frage:
Wie wirkt sich Individualismus auf unsere Personal Projects aus?
Wie gesagt: Im Individualismus geht es darum, dass der Einzelne etwas Besonderes ist und wichtig ist. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Was aber schlecht ist, ist, wenn der Individualismus aus den Fugen gerät. Dann wird das Besonders-Sein nämlich zur Pflicht. Du MUSST etwas Besonderes sein. Du musst dich von den Anderen unterscheiden. Du musst einzigartig und authentisch sein und so weiter. Das gilt natürlich auch für unsere Personal Projects. Nehmen wir so ein vermeintlich simples Personal Project wie „Einen neuen Job suchen”. Unvermeidlicher Teil so eines Projektes ist das Bewerbungsgespräch. Und was ist eine Standardfrage von so einen Bewerbungsgespräch? „Warum sollten wir ausgerechnet Sie nehmen?” „Warum sollten wir ausgerechnet Sie nehmen?” - Das ist eine typische Frage des Individualismus. Naja, warum schon? Einfach nur zu sagen „Weil ich meine Arbeit gut machen werde.” - das reicht nicht. Das ist paradox, aber das reicht nicht. Von der Bewerberin in dem Gespräch wird erwartet, dass sie da jetzt etwas Besonderes zu sagen hat, etwas, das sie von allen anderen Mitbewerberinnen unterscheidet. Aber was soll man denn da schon groß sagen? Sooooo einzigartig ist jeder von uns dann auch wieder nicht, vor allem dann nicht, wenn sich mehrere Menschen um den gleichen Job bewerben. Man kann davon ausgehen, dass die eher mehr gemeinsam haben als dass sie unterscheidet. Aber genau dieser Anspruch, dass wir als Person und mit unserem Leben etwas „Besonderes” machen wollen (oder müssen), das erzeugt viel Druck. „Einfach nur normal sein”, das reicht nicht. Normal ist fad, normal ist unkreativ, normal ist das Gegenteil von erfolgreich. Und so suchen wir uns Personal Projects, die unsere Individualität unterstreichen. Die uns zu etwas Besonderem machen sollen. Und ich rede da jetzt nicht von den Projekten, wo es darum geht, dass wir vielleicht ein ausgefallenes Hobby haben, das uns Spaß macht. Das ist schon in Ordnung. Es geht mir darum, einen kritischen Blick auf unsere Personal Projects zu werfen und uns zu fragen: Welche dieser Projekte dienen in erster Linie dazu, mich und meine Person als etwas Besonderes zu inszenieren? Wo geht es uns vor allem darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen, gut dazustehen und anderen zu signalisieren: Schau, ich hab da coole Personal Projects, ...
17 Minuten
Worum geht’s in der heutigen Folge?
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] geht es ja um die „Feinde" unserer Personal Projects, und heute ist wieder ein solcher Feind dran. Dieser Feind ist die so genannte Leistungsgesellschaft. Und so möchte ich mir auch in dieser Folge ansehen...
Wer ist eigentlich mit „Leistungsgesellschaft” gemeint, und was ist genau das Problem mit ihr?Wie wirkt sich die Leistungsgesellschaft auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun? Wie können wir mit den Auswirkungen der Leistungsgesellschaft besser umgehen?
Was ist mit „Leistungsgesellschaft” gemeint, und was ist eigentlich das Problem damit?
Also, die Leistungsgesellschaft… das ist ein Begriff, mit dem zusammengefasst wird, dass in der Gesellschaft, in der wir leben, Leistung und Erfolg und produktiv sein und so weiter hohe gesellschaftliche Werte sind. Man kann es auf den Nenner bringen: Wer Leistung bringt, wer - wie man es in der Politik gerne formuliert - „brav und fleißig“ ist, der ist gesellschaftlich angesehen. Wir verwenden relativ viel Zeit darauf, alle möglichen Dinge in unserem Leben zu messen. Wir machen Rankings und Evaluierungen, wir messen und vergleichen ständig.
Die andere Seite der Medaille ist: Alles, was den Anschein erweckt, in irgend einer Weise „unnütz“ zu sein… das ist verdächtig. Es gibt in der Leistungsgesellschaft wohl keinen größeren Vorwurf als jemandem zu sagen, er oder sie liege in der „sozialen Hängematte“. Arbeitslos zu sein, das ist mit gesellschaftlichem Prestigeverlust verbunden - insbesondere dann, wenn man sich nicht schnell und aktiv um einen neuen Job bemüht. Jemand, der eine berufliche Auszeit nimmt, der wird mitunter schief angeschaut. Eben weil er oder sie gegen die Werte der Leistungsgesellschaft verstößt. Das Gefährliche an der Leistungsgesellschaft ist aus meiner Sicht Folgendes: Die Werte der Leistungsgesellschaft, also Fleiß und Anstrengung und Erfolg und so weiter, die sind so tief in uns verwurzelt, dass wir sie kaum mehr hinterfragen. Im Gegenteil: Aktuell habe ich den Eindruck, dass Leistung als Wert in unserer Gesellschaft wieder absolut Hochkonjunktur hat. Und das hat zur Folge, dass wir Leistung auch in Bereichen messen wollen, wo wir uns durchaus fragen dürften: Hat das überhaupt irgend einen Sinn? Was meine ich damit? Ich nenne euch mal ein Beispiel, das hoffentlich leicht nachvollziehbar ist: Eine der ersten Aktivitäten, die die neue österreichische Bundesregierung angegangen ist, war die Noten und das Sitzenbleiben in der Volksschule wieder einzuführen. Wie immer geht es mir in diesem Podcast nicht um eine politische Diskussion, ich will nur Folgendes feststellen: Die Idee, Leistung schon bei Sechsjährigen zu messen und Nicht-Leistung mit strengen Konsequenzen zu bestrafen, das ist selbstverständlich eine Idee der Leistungsgesellschaft. Und wie gesagt, dafür mag es Für und Wider geben, aber ich glaube, dass wir uns viel zu wenig bewusst sind, wie tief verwurzelt der Ethos der Leistungsgesellschaft in unserer Gesellschaft ist, wenn wir schon unsere Kleinsten an diesen Werten ausrichten. Wobei: Den Leistungsgedanken lernen Kinder schon im Kindergarten kennen und oft sogar schon davor. Naja, jedenfalls möchte ich mal ein paar Konsequenzen nennen, die aus solchen gesellschaftlichen Maßnahmen entstehen. Oder mit anderen Worten: Was lernen die Kinder dadurch, dass sie Noten bekommen?
Konsequenz: Die Kinder lernen etwas über Wert und Selbstwert, und das lässt sich auf folgenden Nenner bringen: Wenn du etwas leistest, bist du etwas wert. Für gute Leistungen bekommst du Lob und Zuneigung.
Bei Erwachsenen führt genau diese Formel dann übrigens zu Überarbeitung und Burn-Out. Eh klar, wenn man seinen Selbstwert vorwiegend über seinen beruflichen Erfolg definiert.
Konsequenz: Die Kinder lernen, dass es wichtig ist, besser zu sein als die anderen. Mit anderen Worten: Kinder lernen von klein auf, sich mit anderen zu vergleichen und zu messen. Noten erhöhen natürlich die Vergleichbarkeit: Bin ich jetzt besser oder schlechter als der andere? Und dabei kommen die Kinder dann drauf, dass es gar nicht soooo wichtig ist, wie gut man selbst ist und wie sehr man sich selbst anstrengt. Man muss nur besser sein als die anderen.
Das führt bei Erwachsenen dann zu dem ständigen Vergleichen, das ich in der letzten Folge besprochen habe, beim Verlust der Eigenzeit. Und das ständige Vergleichen ist aus meiner Sicht Gift für ein glückliches Leben, weil wir vergleichen, was sich eigentlich gar nicht vergleichen lässt.
Konsequenz: Die Kinder lernen, dass es grundsätzlich okay ist, Erfolg zu haben auf Kosten anderer. Also, es ist vielleicht nicht gut, aber auch nicht sehr schlimm. Man hat nämlich nicht wirklich was davon, wenn man anderen hilft, auch erfolgreich zu sein. Im Gegenteil: Das macht die ganze Sache nur mühsamer für einen selbst.
Bei Erwachsenen führt das dann dazu, dass Werte wie „Solidarität“ aktuell nicht besonders geschätzt werden. Jeder ist seines Glückes Schmied, und wer sich anstrengt, der kann auch glücklich werden. So ungefähr lautet das Credo.
Okay, das waren mal drei Auswirkungen der Leistungsgesellschaft am Beispiel unserer Kleinen. Ich finde, Kinder geben da immer super Beispiele ab. Nicht nur, weil ich selber zwei habe, sondern weil sich Kinder wirklich gut eignen, um unsere gesellschaftlichen Muster aufzuzeigen und weil man sich da gut fragen kann: Muss das wirklich unbedingt so sein? Na gut, aber machen wir jetzt mal den Schritt weg von den Kindern hin zu unseren Personal Projects und fragen uns:
Wie wirkt sich die Leistungsgesellschaft auf unsere Personal Projects aus?
Machen wir ein kurzes Gedankenexperiment: Denk mal an die zwei, drei, fünf Personal Projects, die dich heute gerade beschäftigen. Wenn du dir diese Personal Projects so anschaust, dann frag dich mal: In wie vielen davon geht es um „Leistung”? In wie vielen davon bewertest du den Erfolg der Projekte an deiner Performance?
Naja, da sind sicher mal alle beruflichen Projekte. Oder alle schulischen. Da geht es natürlich um Leistung. Der Erfolg dieser Projekte ist meistens an Leistungsziele gekoppelt. Das ist halt so, und das ist auch nicht unbedingt tragisch, damit haben wir meistens gelernt ganz gut umzugehen. Aber wie sieht das mit den Projekten in deinem Privatleben aus? Sind die wenigstens Leistungs-frei? Oder deine Herzensprojekte? Sind die wenigstens frei von Leistungsdruck? Vielleicht geht es dir wie mir und musst sagen: Nein, leider nicht. Auch in meinen Herzensprojekten habe ich einen Leistungsdruck. Und zwar einen Leistungsdruck, den ich mir selber auferlegt habe, ungefragt und ohne Not. Wieder ein Beispiel dazu von mir. Jetzt sind wir wieder bei den Kindern, aber weil es so plakativ ist: Ein Herzensprojekt von mir lautet „Ein guter Vater sein”. Naja, kann man sagen, das ist ein schönes Projekt. Aber schauen wir mal genauer hin. Das Projekt heißt „Ein GUTER Vater sein”, nicht einfach nur „Vater sein”. Das heißt, da ist eine Leistungskomponente schon mit eingebaut, bewusst oder unbewusst. Weil was heißt das denn genau, ein GUTER Vater zu sein? An welchen Kriterien will ich das messen? WIE will ich das messen? Und gut im Vergleich wozu? Gut im Vergleich zu meinem eigenen Vater, im Vergleich zu meinem Nachbarn, der auch zwei Kinder hat oder gut im Vergleich zu allen Vätern der Welt? Und noch dazu: Ich habe zwei Kinder. Was für meinen Großen ein guter Vater ist, muss es noch lange nicht für meine Kleine sein - und umgekehrt. Noch dazu, weil sich die Anforderungen auch ständig ändern. Also, ich glaube, man sieht schon, dass es im Prinzip für die Fische ist, meine Vaterrolle unter irgend einen Leistungsanspruch zu stellen. Und dennoch tue ich es, weil ich mich gar nicht entziehen k...
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] geht es ja um die „Feinde" unserer Personal Projects, und heute ist wieder ein solcher Feind dran. Dieser Feind ist die so genannte Leistungsgesellschaft. Und so möchte ich mir auch in dieser Folge ansehen...
Wer ist eigentlich mit „Leistungsgesellschaft” gemeint, und was ist genau das Problem mit ihr?Wie wirkt sich die Leistungsgesellschaft auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun? Wie können wir mit den Auswirkungen der Leistungsgesellschaft besser umgehen?
Was ist mit „Leistungsgesellschaft” gemeint, und was ist eigentlich das Problem damit?
Also, die Leistungsgesellschaft… das ist ein Begriff, mit dem zusammengefasst wird, dass in der Gesellschaft, in der wir leben, Leistung und Erfolg und produktiv sein und so weiter hohe gesellschaftliche Werte sind. Man kann es auf den Nenner bringen: Wer Leistung bringt, wer - wie man es in der Politik gerne formuliert - „brav und fleißig“ ist, der ist gesellschaftlich angesehen. Wir verwenden relativ viel Zeit darauf, alle möglichen Dinge in unserem Leben zu messen. Wir machen Rankings und Evaluierungen, wir messen und vergleichen ständig.
Die andere Seite der Medaille ist: Alles, was den Anschein erweckt, in irgend einer Weise „unnütz“ zu sein… das ist verdächtig. Es gibt in der Leistungsgesellschaft wohl keinen größeren Vorwurf als jemandem zu sagen, er oder sie liege in der „sozialen Hängematte“. Arbeitslos zu sein, das ist mit gesellschaftlichem Prestigeverlust verbunden - insbesondere dann, wenn man sich nicht schnell und aktiv um einen neuen Job bemüht. Jemand, der eine berufliche Auszeit nimmt, der wird mitunter schief angeschaut. Eben weil er oder sie gegen die Werte der Leistungsgesellschaft verstößt. Das Gefährliche an der Leistungsgesellschaft ist aus meiner Sicht Folgendes: Die Werte der Leistungsgesellschaft, also Fleiß und Anstrengung und Erfolg und so weiter, die sind so tief in uns verwurzelt, dass wir sie kaum mehr hinterfragen. Im Gegenteil: Aktuell habe ich den Eindruck, dass Leistung als Wert in unserer Gesellschaft wieder absolut Hochkonjunktur hat. Und das hat zur Folge, dass wir Leistung auch in Bereichen messen wollen, wo wir uns durchaus fragen dürften: Hat das überhaupt irgend einen Sinn? Was meine ich damit? Ich nenne euch mal ein Beispiel, das hoffentlich leicht nachvollziehbar ist: Eine der ersten Aktivitäten, die die neue österreichische Bundesregierung angegangen ist, war die Noten und das Sitzenbleiben in der Volksschule wieder einzuführen. Wie immer geht es mir in diesem Podcast nicht um eine politische Diskussion, ich will nur Folgendes feststellen: Die Idee, Leistung schon bei Sechsjährigen zu messen und Nicht-Leistung mit strengen Konsequenzen zu bestrafen, das ist selbstverständlich eine Idee der Leistungsgesellschaft. Und wie gesagt, dafür mag es Für und Wider geben, aber ich glaube, dass wir uns viel zu wenig bewusst sind, wie tief verwurzelt der Ethos der Leistungsgesellschaft in unserer Gesellschaft ist, wenn wir schon unsere Kleinsten an diesen Werten ausrichten. Wobei: Den Leistungsgedanken lernen Kinder schon im Kindergarten kennen und oft sogar schon davor. Naja, jedenfalls möchte ich mal ein paar Konsequenzen nennen, die aus solchen gesellschaftlichen Maßnahmen entstehen. Oder mit anderen Worten: Was lernen die Kinder dadurch, dass sie Noten bekommen?
Konsequenz: Die Kinder lernen etwas über Wert und Selbstwert, und das lässt sich auf folgenden Nenner bringen: Wenn du etwas leistest, bist du etwas wert. Für gute Leistungen bekommst du Lob und Zuneigung.
Bei Erwachsenen führt genau diese Formel dann übrigens zu Überarbeitung und Burn-Out. Eh klar, wenn man seinen Selbstwert vorwiegend über seinen beruflichen Erfolg definiert.
Konsequenz: Die Kinder lernen, dass es wichtig ist, besser zu sein als die anderen. Mit anderen Worten: Kinder lernen von klein auf, sich mit anderen zu vergleichen und zu messen. Noten erhöhen natürlich die Vergleichbarkeit: Bin ich jetzt besser oder schlechter als der andere? Und dabei kommen die Kinder dann drauf, dass es gar nicht soooo wichtig ist, wie gut man selbst ist und wie sehr man sich selbst anstrengt. Man muss nur besser sein als die anderen.
Das führt bei Erwachsenen dann zu dem ständigen Vergleichen, das ich in der letzten Folge besprochen habe, beim Verlust der Eigenzeit. Und das ständige Vergleichen ist aus meiner Sicht Gift für ein glückliches Leben, weil wir vergleichen, was sich eigentlich gar nicht vergleichen lässt.
Konsequenz: Die Kinder lernen, dass es grundsätzlich okay ist, Erfolg zu haben auf Kosten anderer. Also, es ist vielleicht nicht gut, aber auch nicht sehr schlimm. Man hat nämlich nicht wirklich was davon, wenn man anderen hilft, auch erfolgreich zu sein. Im Gegenteil: Das macht die ganze Sache nur mühsamer für einen selbst.
Bei Erwachsenen führt das dann dazu, dass Werte wie „Solidarität“ aktuell nicht besonders geschätzt werden. Jeder ist seines Glückes Schmied, und wer sich anstrengt, der kann auch glücklich werden. So ungefähr lautet das Credo.
Okay, das waren mal drei Auswirkungen der Leistungsgesellschaft am Beispiel unserer Kleinen. Ich finde, Kinder geben da immer super Beispiele ab. Nicht nur, weil ich selber zwei habe, sondern weil sich Kinder wirklich gut eignen, um unsere gesellschaftlichen Muster aufzuzeigen und weil man sich da gut fragen kann: Muss das wirklich unbedingt so sein? Na gut, aber machen wir jetzt mal den Schritt weg von den Kindern hin zu unseren Personal Projects und fragen uns:
Wie wirkt sich die Leistungsgesellschaft auf unsere Personal Projects aus?
Machen wir ein kurzes Gedankenexperiment: Denk mal an die zwei, drei, fünf Personal Projects, die dich heute gerade beschäftigen. Wenn du dir diese Personal Projects so anschaust, dann frag dich mal: In wie vielen davon geht es um „Leistung”? In wie vielen davon bewertest du den Erfolg der Projekte an deiner Performance?
Naja, da sind sicher mal alle beruflichen Projekte. Oder alle schulischen. Da geht es natürlich um Leistung. Der Erfolg dieser Projekte ist meistens an Leistungsziele gekoppelt. Das ist halt so, und das ist auch nicht unbedingt tragisch, damit haben wir meistens gelernt ganz gut umzugehen. Aber wie sieht das mit den Projekten in deinem Privatleben aus? Sind die wenigstens Leistungs-frei? Oder deine Herzensprojekte? Sind die wenigstens frei von Leistungsdruck? Vielleicht geht es dir wie mir und musst sagen: Nein, leider nicht. Auch in meinen Herzensprojekten habe ich einen Leistungsdruck. Und zwar einen Leistungsdruck, den ich mir selber auferlegt habe, ungefragt und ohne Not. Wieder ein Beispiel dazu von mir. Jetzt sind wir wieder bei den Kindern, aber weil es so plakativ ist: Ein Herzensprojekt von mir lautet „Ein guter Vater sein”. Naja, kann man sagen, das ist ein schönes Projekt. Aber schauen wir mal genauer hin. Das Projekt heißt „Ein GUTER Vater sein”, nicht einfach nur „Vater sein”. Das heißt, da ist eine Leistungskomponente schon mit eingebaut, bewusst oder unbewusst. Weil was heißt das denn genau, ein GUTER Vater zu sein? An welchen Kriterien will ich das messen? WIE will ich das messen? Und gut im Vergleich wozu? Gut im Vergleich zu meinem eigenen Vater, im Vergleich zu meinem Nachbarn, der auch zwei Kinder hat oder gut im Vergleich zu allen Vätern der Welt? Und noch dazu: Ich habe zwei Kinder. Was für meinen Großen ein guter Vater ist, muss es noch lange nicht für meine Kleine sein - und umgekehrt. Noch dazu, weil sich die Anforderungen auch ständig ändern. Also, ich glaube, man sieht schon, dass es im Prinzip für die Fische ist, meine Vaterrolle unter irgend einen Leistungsanspruch zu stellen. Und dennoch tue ich es, weil ich mich gar nicht entziehen k...
19 Minuten
Worum geht’s in dieser Folge?
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] geht es ja um die „Feinde" unserer Personal Projects, und dieses mal ist ein besonders folgenreicher Feind dran: Der Verlust der Eigenzeit. Und wie auch schon in der letzten Folge, wo es um die Informationsüberflutung gegangen ist, möchte ich mir auch in dieser Folge ansehen...
Wer ist eigentlich der Feind, und was ist genau das Problem mit ihm?Wie wirkt sich dieser Feind auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun? Wie können wir mit ihm umgehen?
Wer ist der Feind, und was ist eigentlich das Problem mit ihm? Also, der Verlust der Eigenzeit… Eigenzeit, das ist ein Begriff, der eigentlich aus der Physik kommt, also genauer gesagt aus der Relativitätstheorie. Ich werde aber jetzt nicht versuchen, euch den Begriff aus Sicht der Relativitätstheorie zu erklären. Mich interessiert der Begriff an sich. Ich borge ihn mir einfach aus. Für mich drückt der Begriff „Eigenzeit” nämlich etwas aus, was wir intuitiv, glaube ich, alle irgendwie spüren: Dass viele Dinge ihre eigene Zeit brauchen. Dass alles seine Zeit braucht. Dass sich Projekte und Menschen und Beziehungen unterschiedlich schnell entwickeln. Dass man diese Entwicklungen auch nicht wirklich beschleunigen kann, selbst wenn man das gerne möchte. Es gibt ja das Sprichwort, das das Prinzip der Eigenzeit sehr gut ausdrückt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Super Beispiele für Eigenzeit kann an übrigens bei kleinen Kindern finden. Jedes Kind lernt irgendwann gehen, jedes lernt irgendwann sprechen, jedes hat irgendwann alle Zähne. Aber es ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich, wie lange das jeweils dauert. Manche Kinder gehen, während andere noch krabbeln, manche haben eine total schnelle sprachliche Entwicklung und bei manchen dauert das eben länger. Und das Eindrucksvolle ist ja dabei: Das alles dauert seine Zeit, und es gibt nichts, was man tun müsste, um da irgendwas zu beschleunigen. Es hat keinen Sinn, das bringt überhaupt nichts. Im Gegenteil: Das Beste, was man tun kann, ist jedem Kind seine Eigenzeit zu lassen und zu sagen: Das wird schon, früher oder später. Das Prinzip der Eigenzeit kann man auch gut bei Menschen beobachten, die gerade aufgestanden sind. Manche springen aus dem Bett und sind sofort voll einsatzbereit, und Andere brauchen zwei Stunden, bis sie auf Betriebstemperatur kommen. Auch da gibt es nicht wirklich viel, was man sinnvollerweise tun könnte - oder auch nur tun müsste. Ich hoffe, ich konnte dir mit den Beispielen gut beschreiben, was ich mit „Eigenzeit” meine. Das Problem - und damit der Feind unserer Personal Projects - ist jetzt, dass wir Kindern diese Eigenzeit vielleicht noch zugestehen - wobei, auch immer weniger. Aber je älter die Kinder werden, und besonders bei uns Erwachsenen… da gibt es immer weniger Spielräume für Eigenzeit. Wir sind als Erwachsene in unserem Leben ziemlich von außen durchgetaktet. Warum ist das so? Naja, eine große Rolle dabei spielt, dass in unserer Gesellschaft viel gehalten wird auf Normierung und Standardisierung. Ich weiß nicht, ob dir das klar ist, aber wir leben in einer sehr, sehr, sehr standardisierten Welt. Viele Prozesse in unserem Leben sind sehr klar vorgegeben und lassen ganz wenig Spielraum für individuelle Gegebenheiten. Klassisches Beispiel ist natürlich die Schule. In einer Klasse mit 20 Kindern bleibt natürlich ganz wenig Zeit für Eigenzeit. Was ja auch klar ist, und das weiß ich auch eigener Erfahrung als Trainer: Wenn du bestimmte Dinge im Unterricht durchbringen willst, dann hast du als Lehrerin oder als Trainer gar nicht die Möglichkeit, dich nach der Eigenzeit jedes Einzelnen zu richten. Du orientierst dich irgendwo an einem Mittelwert, und dabei ist dir völlig klar, dass einige dabei sind, die gedanklich viel schneller sind und dann wie der andere, die weit mehr Zeit zum Mitdenken und zum Nachdenken bräuchten. Aber: Es geht halt nicht, weil die organisatorischen Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. Eigenzeit lässt sich nämlich ganz schwer organisieren und administrieren. Deswegen findet man Eigenzeit auch so selten am Arbeitsplatz. Es ist wohl jedem klar, dass standardisierte Arbeitszeiten Montag bis Freitag von 9 bis 5 nicht für jeden optimal sind. Standardisierte Arbeitszeiten sind das Gegenteil von Eigenzeit. Eigentlich müsste jeder dann in die Arbeit kommen, wenn es für ihn oder sie ideal ist. Und die Anzahl an Stunden arbeiten, die ihr oder ihm möglich sind. Das wird natürlich schwanken. In manchen Wochen gehen vielleicht nur 20 Stunden, in anderen Wochen, wo man super drauf ist, sind vielleicht auch 60 Stunden kein Problem. Aber immer 40, jede Woche über Jahre? Nein, Eigenzeit ist das nicht gerade. Ich tue mir überhaupt schwer, gute Beispiele für Eigenzeit in unserer Gesellschaft zu finden. In unserer Leistungsgesellschaft - und um die Leistungsgesellschaft geht es übrigens in der nächsten Folge - in unserer Leistungsgesellschaft ist Eigenzeit ein Fremdkörper. Das passt nicht rein, das passt nicht zusammen. Leistung hat viel mit Produktivität zu tun, und Produktivität fußt ganz stark auf Normierung, auf Messbarkeit, auf Standardisierung und Vergleichbarkeit. Und Eigenzeit ist das genaue Gegenteil davon. Das lässt sich nicht vergleichen, das lässt sich nicht gut managen, das lässt sich nicht planen. Und deswegen passt das Konzept der Eigenzeit so gar nicht zu der gegenwärtigen Gesellschaft, in der wir leben. Okay, das mal zum Thema Eigenzeit in unserer Gesellschaft. Aber wie sieht es jetzt mit der Eigenzeit in unseren ganz persönlichen Personal Projects aus?
Wie wirkt sich der Verlust von Eigenzeit auf unsere Personal Projects aus?
Wenn wir jetzt an unsere Personal Projects denken und vor allem an unsere Herzensprojekte… dann glaube ich, dass die ganz stark auf der Idee von Eigenzeit beruhen. Personal Projects sind, wie der Name schon sagt, personal - also immer individuell. Immer. Nicht nur, weil jeder von uns ganz unterschiedliche Personal Projects hat. Sondern selbst dann, wenn zwei Menschen das gleiche Personal Project haben, dann laufen diese Personal Projects mit unterschiedlichen Eigenzeiten. Weil jeder Mensch unterschiedlich ist, weil sie unterschiedliche Werte haben, weil sich das Leben von einem Menschen überhaupt nicht vergleichen lässt mit dem Leben eines anderen Menschen. Das gilt ganz besonders für Beziehungsprojekte. Beziehungsprojekte nenne ich jene Personal Projects, wo es kein bestimmtes Ergebnis zu erreichen gibt, sondern wo das Tun an und für sich schon das Ziel des Projekts ist. Das wären z.B. Personal Projects wie „Eine gute Ehe führen” oder „Spanisch lernen” oder „Im Gospelchor singen”. Das sind allesamt Projekte, wo nicht ein bestimmtes Endergebnis vordefiniert ist, sondern die Ergebnisse kommen mit dem Tun. Ich habe mal eine ganze Folge über den Unterschied von Beziehungsprojekten und Leistungsprojekten gemacht, die verlinke ich dir in den Show Notes, wenn du sie noch nicht gehört hast oder nochmal nachhören möchtest. Es ist, denke ich, völlig klar und nachvollziehbar, dass Personal Projects und insbesondere Beziehungsprojekte Eigenzeit brauchen. Das dauert alles seine Zeit, da hilft es auch nicht, wenn man hudelt, also versucht, da irgendwas beschleunigen zu wollen. Man könnte sagen: Diese Projekte, und das sind ganz ganz oft unsere Herzensprojekte, die folgen einem eigenen Takt - dem Takt des Lebens. So weit, so logisch, denke ich. Aber was machen wir Menschen jetzt? Wir vertreiben das bisschen, was wir an Eigenzeit in unserem Leben noch haben, Stück für Stück selbst, weil wir immer wieder etwas ganz ganz Unsinniges tun: Wir vergleichen. Wir vergleichen alles und jeden. Wir vergleichen immer und überall. Und wir vergleichen auch unsere Personal Projects. Wir wollen Spanisch lernen, weil es uns eigentlich...
In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] geht es ja um die „Feinde" unserer Personal Projects, und dieses mal ist ein besonders folgenreicher Feind dran: Der Verlust der Eigenzeit. Und wie auch schon in der letzten Folge, wo es um die Informationsüberflutung gegangen ist, möchte ich mir auch in dieser Folge ansehen...
Wer ist eigentlich der Feind, und was ist genau das Problem mit ihm?Wie wirkt sich dieser Feind auf unsere Personal Projects aus?Was können wir tun? Wie können wir mit ihm umgehen?
Wer ist der Feind, und was ist eigentlich das Problem mit ihm? Also, der Verlust der Eigenzeit… Eigenzeit, das ist ein Begriff, der eigentlich aus der Physik kommt, also genauer gesagt aus der Relativitätstheorie. Ich werde aber jetzt nicht versuchen, euch den Begriff aus Sicht der Relativitätstheorie zu erklären. Mich interessiert der Begriff an sich. Ich borge ihn mir einfach aus. Für mich drückt der Begriff „Eigenzeit” nämlich etwas aus, was wir intuitiv, glaube ich, alle irgendwie spüren: Dass viele Dinge ihre eigene Zeit brauchen. Dass alles seine Zeit braucht. Dass sich Projekte und Menschen und Beziehungen unterschiedlich schnell entwickeln. Dass man diese Entwicklungen auch nicht wirklich beschleunigen kann, selbst wenn man das gerne möchte. Es gibt ja das Sprichwort, das das Prinzip der Eigenzeit sehr gut ausdrückt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Super Beispiele für Eigenzeit kann an übrigens bei kleinen Kindern finden. Jedes Kind lernt irgendwann gehen, jedes lernt irgendwann sprechen, jedes hat irgendwann alle Zähne. Aber es ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich, wie lange das jeweils dauert. Manche Kinder gehen, während andere noch krabbeln, manche haben eine total schnelle sprachliche Entwicklung und bei manchen dauert das eben länger. Und das Eindrucksvolle ist ja dabei: Das alles dauert seine Zeit, und es gibt nichts, was man tun müsste, um da irgendwas zu beschleunigen. Es hat keinen Sinn, das bringt überhaupt nichts. Im Gegenteil: Das Beste, was man tun kann, ist jedem Kind seine Eigenzeit zu lassen und zu sagen: Das wird schon, früher oder später. Das Prinzip der Eigenzeit kann man auch gut bei Menschen beobachten, die gerade aufgestanden sind. Manche springen aus dem Bett und sind sofort voll einsatzbereit, und Andere brauchen zwei Stunden, bis sie auf Betriebstemperatur kommen. Auch da gibt es nicht wirklich viel, was man sinnvollerweise tun könnte - oder auch nur tun müsste. Ich hoffe, ich konnte dir mit den Beispielen gut beschreiben, was ich mit „Eigenzeit” meine. Das Problem - und damit der Feind unserer Personal Projects - ist jetzt, dass wir Kindern diese Eigenzeit vielleicht noch zugestehen - wobei, auch immer weniger. Aber je älter die Kinder werden, und besonders bei uns Erwachsenen… da gibt es immer weniger Spielräume für Eigenzeit. Wir sind als Erwachsene in unserem Leben ziemlich von außen durchgetaktet. Warum ist das so? Naja, eine große Rolle dabei spielt, dass in unserer Gesellschaft viel gehalten wird auf Normierung und Standardisierung. Ich weiß nicht, ob dir das klar ist, aber wir leben in einer sehr, sehr, sehr standardisierten Welt. Viele Prozesse in unserem Leben sind sehr klar vorgegeben und lassen ganz wenig Spielraum für individuelle Gegebenheiten. Klassisches Beispiel ist natürlich die Schule. In einer Klasse mit 20 Kindern bleibt natürlich ganz wenig Zeit für Eigenzeit. Was ja auch klar ist, und das weiß ich auch eigener Erfahrung als Trainer: Wenn du bestimmte Dinge im Unterricht durchbringen willst, dann hast du als Lehrerin oder als Trainer gar nicht die Möglichkeit, dich nach der Eigenzeit jedes Einzelnen zu richten. Du orientierst dich irgendwo an einem Mittelwert, und dabei ist dir völlig klar, dass einige dabei sind, die gedanklich viel schneller sind und dann wie der andere, die weit mehr Zeit zum Mitdenken und zum Nachdenken bräuchten. Aber: Es geht halt nicht, weil die organisatorischen Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. Eigenzeit lässt sich nämlich ganz schwer organisieren und administrieren. Deswegen findet man Eigenzeit auch so selten am Arbeitsplatz. Es ist wohl jedem klar, dass standardisierte Arbeitszeiten Montag bis Freitag von 9 bis 5 nicht für jeden optimal sind. Standardisierte Arbeitszeiten sind das Gegenteil von Eigenzeit. Eigentlich müsste jeder dann in die Arbeit kommen, wenn es für ihn oder sie ideal ist. Und die Anzahl an Stunden arbeiten, die ihr oder ihm möglich sind. Das wird natürlich schwanken. In manchen Wochen gehen vielleicht nur 20 Stunden, in anderen Wochen, wo man super drauf ist, sind vielleicht auch 60 Stunden kein Problem. Aber immer 40, jede Woche über Jahre? Nein, Eigenzeit ist das nicht gerade. Ich tue mir überhaupt schwer, gute Beispiele für Eigenzeit in unserer Gesellschaft zu finden. In unserer Leistungsgesellschaft - und um die Leistungsgesellschaft geht es übrigens in der nächsten Folge - in unserer Leistungsgesellschaft ist Eigenzeit ein Fremdkörper. Das passt nicht rein, das passt nicht zusammen. Leistung hat viel mit Produktivität zu tun, und Produktivität fußt ganz stark auf Normierung, auf Messbarkeit, auf Standardisierung und Vergleichbarkeit. Und Eigenzeit ist das genaue Gegenteil davon. Das lässt sich nicht vergleichen, das lässt sich nicht gut managen, das lässt sich nicht planen. Und deswegen passt das Konzept der Eigenzeit so gar nicht zu der gegenwärtigen Gesellschaft, in der wir leben. Okay, das mal zum Thema Eigenzeit in unserer Gesellschaft. Aber wie sieht es jetzt mit der Eigenzeit in unseren ganz persönlichen Personal Projects aus?
Wie wirkt sich der Verlust von Eigenzeit auf unsere Personal Projects aus?
Wenn wir jetzt an unsere Personal Projects denken und vor allem an unsere Herzensprojekte… dann glaube ich, dass die ganz stark auf der Idee von Eigenzeit beruhen. Personal Projects sind, wie der Name schon sagt, personal - also immer individuell. Immer. Nicht nur, weil jeder von uns ganz unterschiedliche Personal Projects hat. Sondern selbst dann, wenn zwei Menschen das gleiche Personal Project haben, dann laufen diese Personal Projects mit unterschiedlichen Eigenzeiten. Weil jeder Mensch unterschiedlich ist, weil sie unterschiedliche Werte haben, weil sich das Leben von einem Menschen überhaupt nicht vergleichen lässt mit dem Leben eines anderen Menschen. Das gilt ganz besonders für Beziehungsprojekte. Beziehungsprojekte nenne ich jene Personal Projects, wo es kein bestimmtes Ergebnis zu erreichen gibt, sondern wo das Tun an und für sich schon das Ziel des Projekts ist. Das wären z.B. Personal Projects wie „Eine gute Ehe führen” oder „Spanisch lernen” oder „Im Gospelchor singen”. Das sind allesamt Projekte, wo nicht ein bestimmtes Endergebnis vordefiniert ist, sondern die Ergebnisse kommen mit dem Tun. Ich habe mal eine ganze Folge über den Unterschied von Beziehungsprojekten und Leistungsprojekten gemacht, die verlinke ich dir in den Show Notes, wenn du sie noch nicht gehört hast oder nochmal nachhören möchtest. Es ist, denke ich, völlig klar und nachvollziehbar, dass Personal Projects und insbesondere Beziehungsprojekte Eigenzeit brauchen. Das dauert alles seine Zeit, da hilft es auch nicht, wenn man hudelt, also versucht, da irgendwas beschleunigen zu wollen. Man könnte sagen: Diese Projekte, und das sind ganz ganz oft unsere Herzensprojekte, die folgen einem eigenen Takt - dem Takt des Lebens. So weit, so logisch, denke ich. Aber was machen wir Menschen jetzt? Wir vertreiben das bisschen, was wir an Eigenzeit in unserem Leben noch haben, Stück für Stück selbst, weil wir immer wieder etwas ganz ganz Unsinniges tun: Wir vergleichen. Wir vergleichen alles und jeden. Wir vergleichen immer und überall. Und wir vergleichen auch unsere Personal Projects. Wir wollen Spanisch lernen, weil es uns eigentlich...
20 Minuten
Servus und willkommen bei „Projekt: Leben“, dem Podcast rund um unsere Personal Projects, also die Dinge, die uns wirklich wichtig sind in unserem Leben. Mein Name ist Günter Schmatzberger, und ich freue mich, dass du auch diesmal wieder dabei bist.
Worum geht’s in der heutigen Folge?
Die 5. Staffel von [Projekt: Leben] ist ja gerade gestartet, und heute geht es um den ersten Feind unserer Personal Projects, dem wir genauer ins Gesicht sehen wollen. Und dieser Feind heißt Informationsüberflutung.
In der letzten Folge, die war so was wie die Kick-Off-Folge zu dieser Season, da habe ich genauer erklärt, dass viele Umstände, die uns das Leben in unseren Personal Projects schwer machen, mit gesellschaftlichen Trends und Mechanismen und Mustern zu tun haben.
Es gibt also gesellschaftliche Entwicklungen, die negativ auf unsere ganz individuellen Personal Projects wirken. Und da gibt es gar nicht so wenige! Und genau das ist auch bei diesem ersten Feind, der Informationsüberflutung der Fall. Und deshalb möchte ich mir in dieser Folge genauer ansehen.
Heute geht es also darum …
1. Wer ist eigentlich der Feind, und was ist genau das Problem mit ihm?
2. Wie wirkt sich dieser Feind auf unsere Personal Projects aus?
3. Was können wir tun? Wie können wir mit ihm umgehen?
Wer ist der Feind, und was ist eigentlich das Problem mit ihm?
Der Feind nennt sich also Informationsüberflutung. Und die Informationsüberflutung ist eine Folge dessen, was manchmal als Informationsgesellschaft bezeichnet wird.
Was bedeutet „Informationsgesellschaft” in aller Kürze?
Wir leben in einer Gesellschaft, wo alleine die Anzahl an Informationen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Und zwar so stark wie bisher nie in der Geschichte der Menschheit.
Das Grundproblem ist jetzt Folgendes: Jeden Tag wird eine gigantische Menge an Informationen erzeugt. Vielleicht nur ein paar Beispiele:
Weltweit werden jedes Jahr ca. 280 Millarden e-Mails versendet. Und es werden jedes Jahr mehr. 2020 sollen es schon 300 Milliarden e-Mails sein (Quelle).
Oder ein anderes Beispiel: Täglich - täglich! - erscheinen allein am deutschsprachigen Markt ca. 200 Bücher am Tag (Quelle). 200 Bücher täglich! Wer soll das alles lesen?
Oder Podcasts: Ich glaube, man kann sagen, dass Podcasts immer noch ein Nischenmedium sind. Die meisten Menschen da draußen wissen gar nicht, was ein Podcast ist. Und dennoch: Weltweit gibt es schätzungsweise 400.000 verschiedene Podcasts mit insgesamt 14 Millionen Episoden (Quelle). 14 Millionen Episoden - und täglich kommen neue dazu! Wer soll das alles hören?
Das Problem dabei ist jetzt Folgendes: Wir Menschen, und speziell unsere Gehirne, sind nicht darauf ausgelegt, mit so vielen Informationen umzugehen. Das war viele tausende Jahre auch einfach nicht notwendig. Und daher tun wir uns immer wieder sehr schwer, mit der Informationsüberflutung umzugehen. Und was noch dazu kommt: Die Informationsüberflutung wird in der Zukunft nicht weniger werden, sondern immer mehr! Es ist kein Ende in Sicht, eher im Gegenteil: Die Information vergrößert sich immer schneller.
Na gut, könnte man sagen, ist natürlich ein Wahnsinn… so viele e-Mails, so viele Bücher, so viele Podcasts… aber was geht mich das an? Was bedeutet das für meine Personal Projects?
Und damit sind wir auch schon bei der zweiten Frage:
Wie wirkt sich dieser Feind auf unsere Personal Projects aus?
Ich möchte mal vier Auswirkungen besprechen, die aus meiner Sicht wirklich schädlich sind für unsere Personal Projects.
(1) Zunahme an Komplexität
Die Welt wird immer komplizierter. Es ist immer schwerer, den Überblick zu haben. Es ist immer schwerer herauszufinden, was von der ganzen Flut an Informationen für mich und meine Personal Projects das Wichtige ist. Was relevant ist und wie das alles zusammenhängt. Es wird immer schwerer zu verstehen, was da eigentlich so läuft in unserer Welt.
Vielleicht ein kleines Gedankenexperiment dazu: Ich nenne dir jetzt fünf Begriffe. Wie viele davon kennst du? Und, noch wichtiger: Wie viele davon könntest du jemand anderem in ein paar Sätzen erklären?
1. Blockchain
2. Fortnite
3. Hyperloop
4. WeChat
5. UNO Migrationspakt
Na, wie viele hättest du geschafft. Gratuliere dir zu jedem einzelnen, und für die anderen gibt es ja Google, oder?
Naja, und genau damit sind wir auch schon beim zweiten Problem
(2) Schockstarre
Diese wachsende Komplexität führt zu einer Überforderung. Da hilft auch Google nichts. Wir tun uns wirklich schwer, damit umzugehen - und verfallen daher mitunter in eine Art Schockstarre in unseren Personal Projects. Wir werden handlungsunfähig.
Warum ist das so?
Wenn wir mit einem PP starten, dann haben wir nie alle Informationen beisammen, die wir brauchen (oder glauben zu brauchen). Wir können gar nicht alles wissen, was relevant sein könnte…
Und was dann passiert, ist Folgendes: Man weiß gar nicht, wo man mit einem Projekt anfangen soll. Da gibt es so viel zu beachten! Da gibt es so viel noch zu lernen! Da gibt es so viele Bücher noch zu lesen! Pfuh… Vielleicht sollte ich mir doch lieber ein anderes Projekt suchen… (Wobei: Bei einem anderen Projekt ist es natürlich auch nicht viel anders…)
Also machen wir lieber nichts, als etwas Falsch zu machen, weil wir gar nicht abschätzen können, was richtig und was falsch wäre.
Nächster Punkt:
(3) Wir nehmen Personal Projects an, die gar nicht „unsere\" sind
Spannende Sache, finde ich. Dadurch, dass wir Zugang zu allen möglichen Informationen haben, hängen wir uns Personal Projects um, auf die wir selber gar nicht gekommen wären. Das hat vielleicht der eine oder die andere schon erlebt: Da sieht man auf Facebook jemanden, der da ein Posting macht über ein PP von sich. Sagen wir, um ein reales Beispiel zu nehmen: Eine Mama hat das PP gestartet, die für ihre kleine Tochter, die gerade das Essen lernt, sämtliches Essen selbst zu kochen. Also keine gekauften Brei-Gläschen, sondern z.B. nur selbst gemachte Couscous-Bratlinge.
So, und jetzt stell dir vor: Du hast auch ein Baby daheim, etwa im gleichen Alter. Jetzt kann (und wird) Folgendes passieren: Du fragst dich: Hm… sollte ich das nicht auch machen? Sollte ich nicht auch solche Bratlinge für meinen kleinen Schatz machen und auf die Hipp-Gläser verzichten? Naja, besser wäre es schon...
Und im Nu hast du ein Personal Project auf der Agenda, das es ohne Facebook gar nicht gäbe. Das Projekt kommt nicht aus dir selbst heraus, sondern hast du dir nur deshalb umgehängt, weil du die Information bekommen hast, dass andere dieses PP verfolgen. Und du übernimmst es dann, obwohl vielleicht gar keine große Not dazu besteht und dein kleiner Schatz mit den Breigläsern eh sehr zufrieden ist. Und nimmst dir damit wahrscheinlich Zeit weg, die du eigentlich für deine Herzensprojekte gut brauchen könntest, die wirklich DEINE sind.
Aber aus noch einem Grund sind z.B. die Informationen, die wir über Facebook und Co. bekommen, für unsere PP schädlich.
(4) Ablenkung
Viele Informationen, di...
Worum geht’s in der heutigen Folge?
Die 5. Staffel von [Projekt: Leben] ist ja gerade gestartet, und heute geht es um den ersten Feind unserer Personal Projects, dem wir genauer ins Gesicht sehen wollen. Und dieser Feind heißt Informationsüberflutung.
In der letzten Folge, die war so was wie die Kick-Off-Folge zu dieser Season, da habe ich genauer erklärt, dass viele Umstände, die uns das Leben in unseren Personal Projects schwer machen, mit gesellschaftlichen Trends und Mechanismen und Mustern zu tun haben.
Es gibt also gesellschaftliche Entwicklungen, die negativ auf unsere ganz individuellen Personal Projects wirken. Und da gibt es gar nicht so wenige! Und genau das ist auch bei diesem ersten Feind, der Informationsüberflutung der Fall. Und deshalb möchte ich mir in dieser Folge genauer ansehen.
Heute geht es also darum …
1. Wer ist eigentlich der Feind, und was ist genau das Problem mit ihm?
2. Wie wirkt sich dieser Feind auf unsere Personal Projects aus?
3. Was können wir tun? Wie können wir mit ihm umgehen?
Wer ist der Feind, und was ist eigentlich das Problem mit ihm?
Der Feind nennt sich also Informationsüberflutung. Und die Informationsüberflutung ist eine Folge dessen, was manchmal als Informationsgesellschaft bezeichnet wird.
Was bedeutet „Informationsgesellschaft” in aller Kürze?
Wir leben in einer Gesellschaft, wo alleine die Anzahl an Informationen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Und zwar so stark wie bisher nie in der Geschichte der Menschheit.
Das Grundproblem ist jetzt Folgendes: Jeden Tag wird eine gigantische Menge an Informationen erzeugt. Vielleicht nur ein paar Beispiele:
Weltweit werden jedes Jahr ca. 280 Millarden e-Mails versendet. Und es werden jedes Jahr mehr. 2020 sollen es schon 300 Milliarden e-Mails sein (Quelle).
Oder ein anderes Beispiel: Täglich - täglich! - erscheinen allein am deutschsprachigen Markt ca. 200 Bücher am Tag (Quelle). 200 Bücher täglich! Wer soll das alles lesen?
Oder Podcasts: Ich glaube, man kann sagen, dass Podcasts immer noch ein Nischenmedium sind. Die meisten Menschen da draußen wissen gar nicht, was ein Podcast ist. Und dennoch: Weltweit gibt es schätzungsweise 400.000 verschiedene Podcasts mit insgesamt 14 Millionen Episoden (Quelle). 14 Millionen Episoden - und täglich kommen neue dazu! Wer soll das alles hören?
Das Problem dabei ist jetzt Folgendes: Wir Menschen, und speziell unsere Gehirne, sind nicht darauf ausgelegt, mit so vielen Informationen umzugehen. Das war viele tausende Jahre auch einfach nicht notwendig. Und daher tun wir uns immer wieder sehr schwer, mit der Informationsüberflutung umzugehen. Und was noch dazu kommt: Die Informationsüberflutung wird in der Zukunft nicht weniger werden, sondern immer mehr! Es ist kein Ende in Sicht, eher im Gegenteil: Die Information vergrößert sich immer schneller.
Na gut, könnte man sagen, ist natürlich ein Wahnsinn… so viele e-Mails, so viele Bücher, so viele Podcasts… aber was geht mich das an? Was bedeutet das für meine Personal Projects?
Und damit sind wir auch schon bei der zweiten Frage:
Wie wirkt sich dieser Feind auf unsere Personal Projects aus?
Ich möchte mal vier Auswirkungen besprechen, die aus meiner Sicht wirklich schädlich sind für unsere Personal Projects.
(1) Zunahme an Komplexität
Die Welt wird immer komplizierter. Es ist immer schwerer, den Überblick zu haben. Es ist immer schwerer herauszufinden, was von der ganzen Flut an Informationen für mich und meine Personal Projects das Wichtige ist. Was relevant ist und wie das alles zusammenhängt. Es wird immer schwerer zu verstehen, was da eigentlich so läuft in unserer Welt.
Vielleicht ein kleines Gedankenexperiment dazu: Ich nenne dir jetzt fünf Begriffe. Wie viele davon kennst du? Und, noch wichtiger: Wie viele davon könntest du jemand anderem in ein paar Sätzen erklären?
1. Blockchain
2. Fortnite
3. Hyperloop
4. WeChat
5. UNO Migrationspakt
Na, wie viele hättest du geschafft. Gratuliere dir zu jedem einzelnen, und für die anderen gibt es ja Google, oder?
Naja, und genau damit sind wir auch schon beim zweiten Problem
(2) Schockstarre
Diese wachsende Komplexität führt zu einer Überforderung. Da hilft auch Google nichts. Wir tun uns wirklich schwer, damit umzugehen - und verfallen daher mitunter in eine Art Schockstarre in unseren Personal Projects. Wir werden handlungsunfähig.
Warum ist das so?
Wenn wir mit einem PP starten, dann haben wir nie alle Informationen beisammen, die wir brauchen (oder glauben zu brauchen). Wir können gar nicht alles wissen, was relevant sein könnte…
Und was dann passiert, ist Folgendes: Man weiß gar nicht, wo man mit einem Projekt anfangen soll. Da gibt es so viel zu beachten! Da gibt es so viel noch zu lernen! Da gibt es so viele Bücher noch zu lesen! Pfuh… Vielleicht sollte ich mir doch lieber ein anderes Projekt suchen… (Wobei: Bei einem anderen Projekt ist es natürlich auch nicht viel anders…)
Also machen wir lieber nichts, als etwas Falsch zu machen, weil wir gar nicht abschätzen können, was richtig und was falsch wäre.
Nächster Punkt:
(3) Wir nehmen Personal Projects an, die gar nicht „unsere\" sind
Spannende Sache, finde ich. Dadurch, dass wir Zugang zu allen möglichen Informationen haben, hängen wir uns Personal Projects um, auf die wir selber gar nicht gekommen wären. Das hat vielleicht der eine oder die andere schon erlebt: Da sieht man auf Facebook jemanden, der da ein Posting macht über ein PP von sich. Sagen wir, um ein reales Beispiel zu nehmen: Eine Mama hat das PP gestartet, die für ihre kleine Tochter, die gerade das Essen lernt, sämtliches Essen selbst zu kochen. Also keine gekauften Brei-Gläschen, sondern z.B. nur selbst gemachte Couscous-Bratlinge.
So, und jetzt stell dir vor: Du hast auch ein Baby daheim, etwa im gleichen Alter. Jetzt kann (und wird) Folgendes passieren: Du fragst dich: Hm… sollte ich das nicht auch machen? Sollte ich nicht auch solche Bratlinge für meinen kleinen Schatz machen und auf die Hipp-Gläser verzichten? Naja, besser wäre es schon...
Und im Nu hast du ein Personal Project auf der Agenda, das es ohne Facebook gar nicht gäbe. Das Projekt kommt nicht aus dir selbst heraus, sondern hast du dir nur deshalb umgehängt, weil du die Information bekommen hast, dass andere dieses PP verfolgen. Und du übernimmst es dann, obwohl vielleicht gar keine große Not dazu besteht und dein kleiner Schatz mit den Breigläsern eh sehr zufrieden ist. Und nimmst dir damit wahrscheinlich Zeit weg, die du eigentlich für deine Herzensprojekte gut brauchen könntest, die wirklich DEINE sind.
Aber aus noch einem Grund sind z.B. die Informationen, die wir über Facebook und Co. bekommen, für unsere PP schädlich.
(4) Ablenkung
Viele Informationen, di...
17 Minuten
Worum geht's in dieser Folge? Willkommen auch im Neuen Jahr! Ich hoffe, ihr seid mit euren Personal Projects - und vor allem mit euren Herzensprojekten - schwungvoll ins Neue Jahr 2019 gestartet! [Projekt: Leben] ist aus der Winterpause zurück, und auch in diesem Jahr 2019 wird es in diesem Podcast wieder um Personal Projects gehen, da ist noch längst nicht alles gesagt. Und damit kommen wir auch schon zur neuen Staffel, der 5. Staffel des Podcasts, die mit dieser Folge so quasi ihr Kick-Off hat. Diese Staffel trägt den Titel „Personal Projects und ihre Feinde”. Und was das bedeutet und wohin ich damit will, das erkläre ich euch jetzt in dieser Kick-Off-Folge.
Zur Erinnerung: Was sind Personal Projects? Gehen wir zuerst mal ganz zurück an den Anfang. Personal Projects sind ja unsere größeren und kleineren Projekte, die wir in unserem Leben verfolgen. Oder, man könnte es auch so sagen: Unser Leben ist im Grunde nichts anderes als die Gesamtheit aller unserer Personal Projects, die wir im Laufe unseres Lebens verfolgen - oder auch nicht verfolgen. Das Interessante dabei ist jetzt, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen Personal Projects und Glück - oder Zufriedenheit. Und dieser Zusammenhang lautet so: Glück = sustainable pursuit of Personal Projects, genauer gesagt der sustainable pursuit von core projects. So definiert Brian Little, der Godfather der Personal Projects, das. Was bedeutet das jetzt konkret:
Bestimmte Personal Projects sind uns besonders wichtig. Das sind die Core Projects, oder wie ich sie nenne, die Herzensprojekte. Zu den Herzensprojekten habe ich in der ersten Staffel schon eine eigene Folge gemacht, die verlinke ich dir in den Show Notes - zum Nachhören.
Es geht also darum, dass wir unsere Herzensprojekte verfolgen - und zwar „sustainable”. Und sustainable heißt so viel wie „nachhaltig”. Also wir müssen unsere Herzensprojekte über einen längeren Zeitraum, längerfristig verfolgen können. Nicht nur kurzfristig, so eine Stunde oder ein paar Tage, sondern bei unseren Herzensprojekten geht es um Personal Projects, die dauern ein paar Jahre oder vielleicht auch ein ganzes Leben lang.
Aber mit diesem „sustainable pursuit”, also dem nachhaltigen Verfolgen unserer Personal Projects, damit sind ein paar Probleme verbunden. Es ist nämlich nicht so, als könnten wir unsere Personal Projects immer so umsetzen, wie wir uns das vorstellen.Da treten oft viel mehr Schwierigkeiten auf, als uns gut tun, was dazu führt, dass wir bei unseren Personal Projects nicht wie gewünscht weiterkommen oder bestimmte Personal Projects abbrechen oder mit bestimmten Personal Projects gar nie starten. Diese sustainability, diese Nachhaltigkeit hat nämlich einige FEINDE. Grob gesagt, sind es zwei:
Der erste Feind sind wir selbstDer zweite Feind… das sind die anderen
Über den ersten Feind habe ich auch schon mal eine ganze Staffel gemacht, und zwar die zweite Staffel. Da ist es ja um Selbst-Management gegangen und um die Frage, wie wir es schaffen können, uns selbst zu befähigen, unsere Personal Projects nachhaltig zu verfolgen. In dieser Staffel möchte ich mir aber den anderen Feind genauer ansehen: Nämlich die Anderen. Also unsere Mitmenschen. Oder, noch ein bisschen weiter gegriffen: Die Gesellschaft, in der wir leben. Die Art und Weise, wie wir alle miteinander, also wir als Gesellschaft, uns das Leben organisieren.
Gefördert, verhindert, aufgezwungen
Und ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen: Die Welt, in der wir gerade leben… und da rede ich jetzt von Mitteleuropa im 21. Jahrhundert… also die Welt, in der wir gerade leben, die hat ziemlich starke Auswirkungen auf unsere Personal Projects. Es ist nämlich ein Irrtum zu denken, dass wir bei der Wahl unserer Personal Projects völlig freie Hand hätten. Da rede ich jetzt noch nicht mal von der Ausführung, sondern allein nur von der Wahl. Die Gesellschaft, in der wir leben, beeinflusst ganz stark, welche Personal Projects wir überhaupt in Angriff nehmen. Und dieser Einfluss hat eine von drei Formen:
Die Gesellschaft FÖRDERT bestimmte Personal ProjectsDie Gesellschaft VERHINDERT bestimmte Personal ProjectsDie Gesellschaft ZWINGT uns bestimmte Personal Projects auf
Public Service Announcement
Aber bevor ich jetzt von diesen drei Einflüssen erzähle, wie immer mein Hinweis für dich: Wenn du eine Frage zu diesem Thema hast oder überhaupt zu Personal Projects, wenn du Ideen und Anregungen zum Podcast hast, dann schreib mir bitte. Schreib mir bitte an post@projekt-leben.jetzt. Ich antworte sehr gerne.
Projekte, die gefördert werden
Okay, schauen wir uns jetzt diese drei Einflüsse ein bisschen genauer an. (1) Die Gesellschaft, in der wir leben, FÖRDERT ganz bestimmte Personal Projects. Das heißt, es gibt Personal Projects, die werden gesellschaftlich als gut und wertvoll und wünschenswert gesehen. Wenn man so ein Personal Projects verfolgt, dann klopfen einem andere auf die Schulter dafür. Was sind das für Projekte? Na zum Beispiel, wenn du in deiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr bist. Da wird jeder sagen: Super Personal Project, Respekt! (Außer vielleicht dein Ehepartner, der oder die findet, dass du dafür viel zu viel Zeit aufwendest. Aber das ist eine andere Baustelle, das lassen wir mal beiseite.) Oder ein Personal Projects, das momentan in Österreich gerade gesellschaftlichen Aufwind bekommt: Das Papa-Monat. Das, was man „aktive Vaterschaft” nennt, also dass sich die Papas um die Erziehung ihrer Kinder kümmern, dass sie sich dafür auch Zeit nehmen und ggf. dafür auch beruflich etwas (aber bitte nur ETWAS!) zurückstecken… ja, das ist gerade in. Auch das Papa-Monat wäre also ein Personal Project, mit dem man gesellschaftlich momentan gut dasteht.
Projekte, die verhindert werden
So, das war mal die positive Seite von Personal Projects und Gesellschaft. Aber, wie ihr euch vorstellen könnt, da gibt es da auch eine Schattenseite: (2) Die Gesellschaft, in der wir leben, VERHINDERT bestimmte Personal Projects - oder macht sie uns zumindest alles andere als leicht. Bestimmte Personal Projects sind einfach nicht gut angesehen. Das hat natürlich mit den gesellschaftlichen Werten zu tun, weil davon hängt nämlich ab, ob wir als Gesellschaft etwas für erstrebenswert halten oder nicht. Was wäre dafür ein Beispiel? Klar, das sind einmal alle Personal Projects, die gesetzlich verboten sind. Wenn du ein Personal Project hast, das heißt „Mit einem Pyramidenspiel zum Millionär werden”, dann hat unsere Gesellschaft da was dagegen. Aus gutem Grund, weil mit diesem Personal Project schadest du anderen Menschen, und deswegen ist es verboten. Auch ein PP wie „Das Problem mit meiner Familie lösen, indem ich alle umbringe” … das geht nicht. Ist verboten. War vielleicht nicht immer so, aber die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts in Österreich sagt: Das darfst du nicht. Dieses PP erlauben wir dir nicht. Okay, jetzt kann man sagen: Na gut, aber Günter: Das ist ja eh klar, dass solche Personal Projects verboten sind und verhindert werden. Da wirst du ja wohl jetzt nichts dagegen sagen, oder? Eh nicht. Um Gottes Willen. Aber die Geschichte ist ja damit auch noch nicht zu Ende. Dass man solche Personal Projects nicht haben will, ist eh klar. Aber daneben gibt es eine ganze Reihe von Personal Projects, die sind zwar nicht gesetzlich verboten, aber wir als Gesellschaft wollen sie trotzdem nicht haben. Da sind die Sabotagemechanismen viel, viel subtiler. Dafür ein ganz aktuelles Beispiel aus der österreichischen Innenpolitik: das frühe Aufstehen. Oder besser gesagt: Das späte Aufstehen. Unser Bundeskanzler Kurz hat unlängst seine Befürchtung geäu...
Zur Erinnerung: Was sind Personal Projects? Gehen wir zuerst mal ganz zurück an den Anfang. Personal Projects sind ja unsere größeren und kleineren Projekte, die wir in unserem Leben verfolgen. Oder, man könnte es auch so sagen: Unser Leben ist im Grunde nichts anderes als die Gesamtheit aller unserer Personal Projects, die wir im Laufe unseres Lebens verfolgen - oder auch nicht verfolgen. Das Interessante dabei ist jetzt, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen Personal Projects und Glück - oder Zufriedenheit. Und dieser Zusammenhang lautet so: Glück = sustainable pursuit of Personal Projects, genauer gesagt der sustainable pursuit von core projects. So definiert Brian Little, der Godfather der Personal Projects, das. Was bedeutet das jetzt konkret:
Bestimmte Personal Projects sind uns besonders wichtig. Das sind die Core Projects, oder wie ich sie nenne, die Herzensprojekte. Zu den Herzensprojekten habe ich in der ersten Staffel schon eine eigene Folge gemacht, die verlinke ich dir in den Show Notes - zum Nachhören.
Es geht also darum, dass wir unsere Herzensprojekte verfolgen - und zwar „sustainable”. Und sustainable heißt so viel wie „nachhaltig”. Also wir müssen unsere Herzensprojekte über einen längeren Zeitraum, längerfristig verfolgen können. Nicht nur kurzfristig, so eine Stunde oder ein paar Tage, sondern bei unseren Herzensprojekten geht es um Personal Projects, die dauern ein paar Jahre oder vielleicht auch ein ganzes Leben lang.
Aber mit diesem „sustainable pursuit”, also dem nachhaltigen Verfolgen unserer Personal Projects, damit sind ein paar Probleme verbunden. Es ist nämlich nicht so, als könnten wir unsere Personal Projects immer so umsetzen, wie wir uns das vorstellen.Da treten oft viel mehr Schwierigkeiten auf, als uns gut tun, was dazu führt, dass wir bei unseren Personal Projects nicht wie gewünscht weiterkommen oder bestimmte Personal Projects abbrechen oder mit bestimmten Personal Projects gar nie starten. Diese sustainability, diese Nachhaltigkeit hat nämlich einige FEINDE. Grob gesagt, sind es zwei:
Der erste Feind sind wir selbstDer zweite Feind… das sind die anderen
Über den ersten Feind habe ich auch schon mal eine ganze Staffel gemacht, und zwar die zweite Staffel. Da ist es ja um Selbst-Management gegangen und um die Frage, wie wir es schaffen können, uns selbst zu befähigen, unsere Personal Projects nachhaltig zu verfolgen. In dieser Staffel möchte ich mir aber den anderen Feind genauer ansehen: Nämlich die Anderen. Also unsere Mitmenschen. Oder, noch ein bisschen weiter gegriffen: Die Gesellschaft, in der wir leben. Die Art und Weise, wie wir alle miteinander, also wir als Gesellschaft, uns das Leben organisieren.
Gefördert, verhindert, aufgezwungen
Und ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen: Die Welt, in der wir gerade leben… und da rede ich jetzt von Mitteleuropa im 21. Jahrhundert… also die Welt, in der wir gerade leben, die hat ziemlich starke Auswirkungen auf unsere Personal Projects. Es ist nämlich ein Irrtum zu denken, dass wir bei der Wahl unserer Personal Projects völlig freie Hand hätten. Da rede ich jetzt noch nicht mal von der Ausführung, sondern allein nur von der Wahl. Die Gesellschaft, in der wir leben, beeinflusst ganz stark, welche Personal Projects wir überhaupt in Angriff nehmen. Und dieser Einfluss hat eine von drei Formen:
Die Gesellschaft FÖRDERT bestimmte Personal ProjectsDie Gesellschaft VERHINDERT bestimmte Personal ProjectsDie Gesellschaft ZWINGT uns bestimmte Personal Projects auf
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Projekte, die gefördert werden
Okay, schauen wir uns jetzt diese drei Einflüsse ein bisschen genauer an. (1) Die Gesellschaft, in der wir leben, FÖRDERT ganz bestimmte Personal Projects. Das heißt, es gibt Personal Projects, die werden gesellschaftlich als gut und wertvoll und wünschenswert gesehen. Wenn man so ein Personal Projects verfolgt, dann klopfen einem andere auf die Schulter dafür. Was sind das für Projekte? Na zum Beispiel, wenn du in deiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr bist. Da wird jeder sagen: Super Personal Project, Respekt! (Außer vielleicht dein Ehepartner, der oder die findet, dass du dafür viel zu viel Zeit aufwendest. Aber das ist eine andere Baustelle, das lassen wir mal beiseite.) Oder ein Personal Projects, das momentan in Österreich gerade gesellschaftlichen Aufwind bekommt: Das Papa-Monat. Das, was man „aktive Vaterschaft” nennt, also dass sich die Papas um die Erziehung ihrer Kinder kümmern, dass sie sich dafür auch Zeit nehmen und ggf. dafür auch beruflich etwas (aber bitte nur ETWAS!) zurückstecken… ja, das ist gerade in. Auch das Papa-Monat wäre also ein Personal Project, mit dem man gesellschaftlich momentan gut dasteht.
Projekte, die verhindert werden
So, das war mal die positive Seite von Personal Projects und Gesellschaft. Aber, wie ihr euch vorstellen könnt, da gibt es da auch eine Schattenseite: (2) Die Gesellschaft, in der wir leben, VERHINDERT bestimmte Personal Projects - oder macht sie uns zumindest alles andere als leicht. Bestimmte Personal Projects sind einfach nicht gut angesehen. Das hat natürlich mit den gesellschaftlichen Werten zu tun, weil davon hängt nämlich ab, ob wir als Gesellschaft etwas für erstrebenswert halten oder nicht. Was wäre dafür ein Beispiel? Klar, das sind einmal alle Personal Projects, die gesetzlich verboten sind. Wenn du ein Personal Project hast, das heißt „Mit einem Pyramidenspiel zum Millionär werden”, dann hat unsere Gesellschaft da was dagegen. Aus gutem Grund, weil mit diesem Personal Project schadest du anderen Menschen, und deswegen ist es verboten. Auch ein PP wie „Das Problem mit meiner Familie lösen, indem ich alle umbringe” … das geht nicht. Ist verboten. War vielleicht nicht immer so, aber die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts in Österreich sagt: Das darfst du nicht. Dieses PP erlauben wir dir nicht. Okay, jetzt kann man sagen: Na gut, aber Günter: Das ist ja eh klar, dass solche Personal Projects verboten sind und verhindert werden. Da wirst du ja wohl jetzt nichts dagegen sagen, oder? Eh nicht. Um Gottes Willen. Aber die Geschichte ist ja damit auch noch nicht zu Ende. Dass man solche Personal Projects nicht haben will, ist eh klar. Aber daneben gibt es eine ganze Reihe von Personal Projects, die sind zwar nicht gesetzlich verboten, aber wir als Gesellschaft wollen sie trotzdem nicht haben. Da sind die Sabotagemechanismen viel, viel subtiler. Dafür ein ganz aktuelles Beispiel aus der österreichischen Innenpolitik: das frühe Aufstehen. Oder besser gesagt: Das späte Aufstehen. Unser Bundeskanzler Kurz hat unlängst seine Befürchtung geäu...
14 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?
Ja, es ist wieder so weit… die vierte Staffel von [Projekt: Leben] geht mit dieser Folge auch schon wieder zu Ende. Die heutige Folge ist das Staffel-Finale.
Und weil es in dieser Staffel ja über Personal Projects und Geld gegangen ist, und weil diese Folge gerade mitten in die Adventszeit fällt, habe ich mir gedacht, ich mache in dieser Folge eine kurze Weihnachts-Spezialfolge.
Und was könnte da besser passen als über das Spenden zu reden - also Personal Projects oder Situationen im Leben, wo wir Geld nicht für uns ausgeben, sondern anderen Menschen oder Organisationen oder was auch immer überlassen.
Wenn du lieber liest als hörst...
Das "Lead Sheet" dieser Podcast-Folge zum Nachlesen
Links und Tipps
Der Link zur Bewertung auf iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/projekt-leben/id1330610422?mt=2
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Ja, es ist wieder so weit… die vierte Staffel von [Projekt: Leben] geht mit dieser Folge auch schon wieder zu Ende. Die heutige Folge ist das Staffel-Finale.
Und weil es in dieser Staffel ja über Personal Projects und Geld gegangen ist, und weil diese Folge gerade mitten in die Adventszeit fällt, habe ich mir gedacht, ich mache in dieser Folge eine kurze Weihnachts-Spezialfolge.
Und was könnte da besser passen als über das Spenden zu reden - also Personal Projects oder Situationen im Leben, wo wir Geld nicht für uns ausgeben, sondern anderen Menschen oder Organisationen oder was auch immer überlassen.
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34 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?
Diese Folge ist ein Interview mit Silvia Breier. Silvia arbeitet als Coach in Wien und ist auch Speakerin und Buchautorin. Und in ihren Büchern beschäftigt sie sich unter anderem eben auch mit dem Thema Geld.
Und deshalb habe ich mit mit Silvia über Geld unterhalten - und zwar darüber, was Geld aus ihrer Sicht psychologisch mit uns macht.
Und so spreche ich mit Silvia über
wie sie in ihrer eigenen Arbeit mit Geld zu tun hat
welche „Geldtypen” es gibt und welche unterschiedlichen Einstellungen sie zum Geld haben.
und warum Geld immer nur eine Leinwand ist.
Wenn du lieber liest als hörst...
Das "Lead Sheet" dieser Podcast-Folge zum Nachlesen
Links und Tipps
Silvias Blog-Artikel: Geldtypen - Wie ticken Sie?
Silvia Breiers Website
Silvias Buch "Geld. Macht. Gefühle" auf Amazon
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Und deshalb habe ich mit mit Silvia über Geld unterhalten - und zwar darüber, was Geld aus ihrer Sicht psychologisch mit uns macht.
Und so spreche ich mit Silvia über
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und warum Geld immer nur eine Leinwand ist.
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15 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?
Diese Folge ist wieder ein "Buchclub". Im Buchclub stelle ich ein Buch vor, das besonders gut zum Thema der Season passt und das mich persönlich sehr inspiriert hat. In dieser Folge besprechen mein Co-Moderator Martin Schmidt und ich das Buch "Der reichste Mann von Babylon" des amerikanischen Autors George S. Clason. Wir sprechen wie immer über die Passagen, die uns besonders gut oder eher weniger gefallen haben und diskutieren darüber, was wir aus diesem fast hundert Jahre alten Buch über unsere Personal Projects lernen können.
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"Der reichste Mann von Babylon" bei Morawa
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Diese Folge ist wieder ein "Buchclub". Im Buchclub stelle ich ein Buch vor, das besonders gut zum Thema der Season passt und das mich persönlich sehr inspiriert hat. In dieser Folge besprechen mein Co-Moderator Martin Schmidt und ich das Buch "Der reichste Mann von Babylon" des amerikanischen Autors George S. Clason. Wir sprechen wie immer über die Passagen, die uns besonders gut oder eher weniger gefallen haben und diskutieren darüber, was wir aus diesem fast hundert Jahre alten Buch über unsere Personal Projects lernen können.
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"Der reichste Mann von Babylon" bei Morawa
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17 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?
Der zweite Teil des Philosophicums zum Thema: Macht uns Geld glücklich - oder zumindest glücklicher?
Die Antwort kommt diesmal von drei amerikanischen Wissenschaftlern, die sagen: Ja! Denn wenn dich Geld nicht glücklich macht, dann gibst du es wahrscheinlich falsch aus.
Und praktischerweise geben sie auch acht Tipps, wie wir unser Geld am besten ausgeben sollten, damit wir damit glücklich(er) werden.
Wenn du lieber liest als hörst...
Das "Lead Sheet" dieser Podcast-Folge zum Nachlesen
Links und Tipps
Elizabeth W. Dunn, Daniel T. Gilbert, Timothy D. Wilson: If Money Doesn’t Make You Happy, You Probably Aren't Spending It Right.
Daniel Gilbert: Ins Glück stolpern. Leseprobe
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Der zweite Teil des Philosophicums zum Thema: Macht uns Geld glücklich - oder zumindest glücklicher?
Die Antwort kommt diesmal von drei amerikanischen Wissenschaftlern, die sagen: Ja! Denn wenn dich Geld nicht glücklich macht, dann gibst du es wahrscheinlich falsch aus.
Und praktischerweise geben sie auch acht Tipps, wie wir unser Geld am besten ausgeben sollten, damit wir damit glücklich(er) werden.
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Elizabeth W. Dunn, Daniel T. Gilbert, Timothy D. Wilson: If Money Doesn’t Make You Happy, You Probably Aren't Spending It Right.
Daniel Gilbert: Ins Glück stolpern. Leseprobe
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