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[Projekt: Leben] Archiv

101 Episoden
22 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Wir haben heute wieder eine Ausgabe unseres allseits beliebten Buch-Clubs. Und bei mir zu Gast ist wie immer mein hoch geschätzter Freund und Co-Host Martin Schmidt. Wir sprechen über das Buch "Das unendliche Spiel" von Simon Sinek.

Links

"Das unendliche Spiel" bei Morawa

Simon Sineks Website

Simon Sineks berühmter TED-Talk "How Great Leaders Inspire Action"
20 Minuten
Worum geht’s in dieser Folge?

Diesmal ist das Philosophicum der 8. Staffel dran. Im Philosophicum versuche ich ja, mich mit etwas grundsätzlicheren Fragen des Lebens zu beschäftigen. Im Philosophicum geht es also nicht um konkrete Tipps oder fertige Antworten, sondern eher um die offenen Fragen, die mich - und vielleicht auch dich - beschäftigen. Und deshalb lade ich dich in diesem Philosophicum dazu ein, mit mir ein bisschen nachzudenken. 

In diesem Philosophicum geht es um eine Frage, die mich seit fast vier Jahren beschäftigt, nämlich seit dem Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal Papa geworden bin. Die Frage lautet nämlich: Kann man eigentlich die eigenen Kinder auch als Personal Project betrachten? Ist diese Sichtweise hilfreich, das heißt tu ich mir und meinen Kindern damit was Gutes, oder führt uns diese Betrachtungsweise eher auf den Holzweg?

Wie gesagt, ich habe auf diese Frage keine fertige Antwort, eher ein paar Ideen und Gedankensplitter, die ich für diese Folge mal zusammengetragen habe. Die Frage finde ich aber insofern spannend, weil wenn man verschiedene Menschen so fragt, was denn ihre Core Projects sind, also ihre Herzensprojekte, dann kommen so Dinge wie Familie und Kinder immer ganz weit vorne. Und deshalb finde ich es eben so spannend, das mal zu hinterfragen. 

Auf den ersten Blick würde man wahrscheinlich sagen: "Na klar sind die eigenen Kinder ein Herzensprojekt, das ist ja gar keine Frage!" Aber lass uns in dieser Folge, in diesem Philosophicum da mal genauer hinschauen, was wir damit eigentlich meinen und welche Konsequenzen das für unser Leben und das unserer Kinder haben könnte.

Wie gesagt: Keine ausgegorenen Antworten, sondern ein paar Gedanken von mir, die du gerne weiterdenken oder anders denken kannst.

 1. Gedanke: Ist es das passende Modell?

Der erste Gedanke, über den ich gerne laut nachdenken möchte, ist folgender: Wenn wir über unsere Kinder nachdenken, ist da die Metapher der „Personal Projects” überhaupt das richtige Bild? Uns muss nämlich immer wieder bewusst sein: Diese Idee der Personal Projects, das ist ein so genanntes Modell. Ein Modell ist ein Gedankenkonstrukt, also eine geistige Erfindung, die uns dabei helfen kann, unser Leben und das, was wir als unsere Wirklichkeit wahrnehmen, zu erklären. Modelle helfen uns dabei, die Welt besser zu verstehen, weil sie komplexe Vorgänge anschaulicher machen, weil wir uns mithilfe von Modellen komplexe Dinge überhaupt erst erklären können. 

Aber, und das ist ganz wichtig: Modelle SIND NICHT die Wirklichkeit. Das dürfen wir nicht verwechseln. Also: Es ist nicht so, dass es Personal Projects tatsächlich einfach so "gibt". Nein, wir können das Modell der Personal Projects hernehmen, um uns unser Leben besser zu erklären. Und diese Erklärung mithilfe von Personal Projects, das funktioniert aus meiner Sicht in ganz vielen Lebensbereichen wirklich gut. Mit der Personal Projects Theorie lassen sich viele Vorgänge in unserem Leben wunderbar erklären. 

Aber wir müssen uns trotzdem immer wieder fragen: Für diesen konkreten Aspekt unseres Lebens, in dem Fall eben unsere Kinder… Ist auch da die Personal Projects Theorie auch ein nützliches Modell, oder wenden wir da auf diese konkrete Frage ein Werkzeug an, das eigentlich überhaupt nicht passt? 

 2. Gedanke: Bildhauer oder Gärtner?

Wenn ich jetzt einfach mal davon ausgehe, dass es sinnvoll ist, unsere Kinder auch als Personal Projects zu sehen - nicht, weil ich mir sicher bin, dass das ein hilfreiches Modell ist, sondern um einfach mal zu sehen, wo uns diese Sichtweise hinführen würde - also wenn wir jetzt mal sagen: Okay, wir können unsere Kinder als Personal Projects sehen - dann stellt sich schon die nächste Frage: Okay, aber welche Art von Personal Projects? 

Ich meine damit die grundlegende Unterscheidung in Beziehungsprojekte und Ergebnisprojekte. Darüber habe ich schon ein paar Mal gesprochen. Ergebnisprojekte sind Personal Projects, die ein ganz bestimmtes Ergebnis haben oder ein bestimmtes Ziel verfolgen, wohingegen Beziehungsprojekte kein klares Ergebnis und kein bestimmtes Ziel haben, wo eher der Weg das Ziel ist. 

Und wenn wir das jetzt auf unsere Kinder anwenden, dann macht das natürlich einen GEWALTIGEN Unterschied, ob wir unsere Kinder als Ergebnisprojekt oder als Beziehungsprojekt sehen. 

Eltern, die ihre Kinder als Ergebnisprojekt sehen, die kennen wir alle. Das sind richtige Pusher-Eltern. Diese Eltern haben klare Vorstellungen davon, was gut und richtig für ihre Kinder ist und wenden auch sehr viel Energie und Engagement auf, um diese Idealvorstellungen zu erreichen. Und, das ist mir ganz wichtig zu sagen: Diese Eltern tun das aus den allerbesten Absichten! Das sind KEINE lieblosen, schlechten Eltern. Im Gegenteil: Diese Eltern wollen - wie die allermeisten Eltern auf der Welt - nur das Beste für ihre Kinder. Nur eben mit der Herangehensweise, dass sie ein klares Ergebnis, ein klares Ziel vor Augen haben und das Ziel des Herzensprojekts „Kinder” darin sehen, dieses ideale Ergebnis zu erreichen - zum vermeintlichen Wohl der Kinder. Man könnte diese Eltern mit einem Bildhauer vergleichen. Ein Bildhauer hat eine klare Vorstellung davon, was er aus dem Marmorblock machen möchte, und er hämmert so lang an dem Stein herum, bis einigermaßen das raus kommt, was er sich vorgestellt hat. 

Eltern hingegen, die ihre Kinder als Beziehungsprojekt sehen, die handeln eher wie ein Gärtner. Ein Gärtner lässt die Pflanzen in seinem Garten wachsen und beschränkt sich darauf, hie und da mal ein bisschen was zurechtzuschneiden, zu gießen und zu düngen, das Unkraut auszurupfen und generell darauf zu achten, dass alles so gut wie möglich gedeiht - nämlich ganz natürlich, ohne ein bestimmtes Ergebnis vor Augen zu haben. Wenn wir unsere Kinder als Beziehungsprojekte sehen, dann geht es weniger darum, was sie konkret tun, was kurzfristig gut für sie sein könnte, sondern es geht in erster Linie um die langfristige Beziehung zu unseren Kindern - was auch immer konkret aus dieser Beziehung erwachsen wird - in dem Vertrauen darauf, dass unsere Kinder von selbst irgendwann wunderschön aufblühen werden. 

Jetzt wirst du vielleicht sagen: "Eh klar, Kinder sollten - wenn schon - ein Beziehungsprojekt sein." Ja, eh klar, aber so einfach ist das oft nicht. 

Gerade wir Personal Projects Manager sind oft sehr ergebnisorientiert von unserer Persönlichkeit her, und das auch bei unseren Kindern. Wir sind selber oft High Achiever, und deshalb müssen wir, glaube ich, immer wieder mal innehalten und fragen: Wer will ich für meine Kinder jetzt gerade sein, ein Bildhauer oder ein Gärtner? Und: Behandle ich mein Kind gerade dementsprechend, oder eher nicht? 

Aber selbst wenn wir das geklärt haben, gehen die Schwierigkeiten noch weiter. 

 3. Gedanke: Wem „gehören” die Hausaufgaben?

Nehmen wir mal an, wir wären uns einig, dass es der bessere Zugang wäre, die Kinder als Beziehungsprojekt zu sehen. Wie gesagt, darüber kann man gerne noch diskutieren, aber nehmen wir es jetzt einfach mal an. Bleibt die Frage: Was bedeutet das nun konkret im herausfordernden Alltag der Kindererziehung? 

Nehmen wir ein Beispiel: Das Kind war in der Schule, kommt nach Hause und hat keine Lust, seine Hausaufgaben zu erledigen. Ich glaube, sowas in der Richtung können wir uns alle vorstellen. Wie gehen wir als Eltern damit um? 

Wenn wir jetzt sagen, wir wollen wie Gärtner agieren, bedeutet das, dass wir einfach sagen können: Na gut, mein liebes Kind will die Hausaufgabe...
9 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Diese Folge ist die 7. Folge dieser 8. Staffel, in der es um unsere Shared Projects geht - also jene Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen können, dürfen oder müssen.

Für diese Folge habe ich mir etwas Besonderes überlegt. Ich will nämlich eine kleine Zeitreise unternehmen ins Jahr 2018. Meine Hörerinnen und Hörer der ersten Stunde werden sich vielleicht erinnern... Im März 2018 habe ich Brian Little zu einem Interview getroffen. Von Brian Little spreche ich ja immer wieder mal, und das nicht ohne Grund: Brian Little ist der Begründer der Personal Projects Theorie. Von ihm kommt also die Idee, dass wir unser Leben als eine Sammlung von Personal Projects betrachten können. Ich nenne ihn deswegen auch den "Godfather of Personal Projects".

Jedenfalls habe ich mit ihm eine gute Stunde lang geplaudert, und dieses Interview kannst du auch in voller Länge nachhören, und auf der Website projekt-leben.jetzt gibt es sogar eine Übersetzung des Interviews, denn das Interview war natürlich in Englisch. Ich verlinke dir das alles in den Show Notes. 

Ich habe mit Brian Little in dem Interview auch über Shared Projects gesprochen, und diese Passagen aus dem Interview möchte ich in dieser kurzen Podcast-Folge nochmals aufgreifen und ein bisschen nachbesprechen.

Ein Thema, auf das ich Brian Little angesprochen habe, war die Frage, ob sich aus seiner Sicht die Personal Projects, die die Menschen so haben, über die Zeit verändern. Also ob man in den 1960er Jahren andere Personal Projects hatte als heute, im 21. Jahrhundert. Und Brian Little meinte, dass sich ganz zentrale Projekte über Jahre, über Jahrzehnte und vielleicht sogar über Jahrhunderte wenig verändert haben. Er drückt das so aus:

"I think that there are some fundamental things that do apply. That we need to form relations with others, that we are a deeply social animal. Connection with others through joint projects is critical. We found that one of the best predictors of a long-term relationship being sustainable is the emotional support in your projects of the other person. And sharing projects! Many think „Well, I need to have my space and my partner needs his or her space.”. That’s true to a certain extent, but if you are really just two separate project systems never intersecting and enjoying  each other’s convivial delight, then that’s something that can lead to problems."

Brian Little betont also, wie wichtig es ist, dass wir Personal Projects mit anderen Menschen teilen - also zu echten shared projects machen. Dass wir mit den Menschen, die uns wichtig sind, auch gemeinsame Projekte haben, nicht nur jeder seine eigenen Personal Projects nebeneinander. 

Und was genauso wichtig ist: Dass wir andere Menschen, die uns wichtig sind, bei ihren Projekten - und ganz besonders bei ihren Herzensprojekten - wirklich unterstützen. Und das in aller erster Linie emotional. Warum das so wichtig ist, erklärt Brian Little so: 

"There actually is some research on this. One of them is a stream of research that shows that the emotional support of one’s partner is really crucial. We studied this with pregnant women - pregnancy as a project. We looked at what are the factors within the projects that lead to a successful pregnancy? We defined both subjective and objective indicators such as the health of the baby at birth, the Apgar-Scores [i.e. the very first test given to a newborn, done right after birth in the delivery or birthing room], and the subjective feelings of the mother. The best predictor of successful outcome of pregnancy among the project dimensions was the emotional support of your partner.

A few years after that we were studying entrepreneurs. We were trying to find out what is the best predictor for their success after their first year - again using a mixture of hard indicators, financial indicators and also subjective experience of „Yeah, this is really a worthwhile venture!”. And the best predictor was the emotional support of the partner! We thought „Boy, this is sort of intriguing!” Because when entrepreneurs say „This is my baby.”, maybe it’s not just a loose metaphor. Maybe it’s very symbolic of the sense of „Boy, this is tough, and it’s great to have your support.” Now some of these partners in the entrepreneurial ventures were their romantic partners. Others were not, they were just business partners and emotionally important. Not necessarily materially but  just having that emotional support „We’re in this together.”

Ich glaube, was Brian Little hier sagt - und was er tatsächlich auch durch seine Forschungen belegen konnte - kann man gar nicht oft genug sagen, und das kann man in seiner Bedeutung gar nicht überschätzen: Die gegenseitige emotionale Unterstützung von Personal Projects, besonders der Core Projects nach dem Motto "We're in this together"... das ist wahrscheinlich DER Schlüssel für gelungene Beziehungen - ganz besonders in Partnerschaften, aber sicher auch in der Familie insgesamt, in Freundschaften und auch im Bereich der Arbeit. 

Und das möchte ich auch am Schluss dieser Folge, quasi als Zusammenfassung und gleichzeitig als Auftrag für euch mitgeben: Nehmt euch bewusst die Zeit und sprecht mit den Menschen, die euch lieb sind, über eure Personal Projects, besonders über eure Herzensprojekte. Ladet sie dazu ein, etwas über diese Projekte zu erfahren und vielleicht sogar ein Teil dieser Projekte zu werden. Und dann nehmt euch die Zeit, etwas über die Herzensprojekte eurer Lieben zu erfahren. Was beschäftigt sie denn gerade - und vielleicht gibt es ja auch eine Möglichkeit, wie ihr helfen und damit Teil ihrer Herzensprojekte.  

Brian Little hat wissenschaftlich bewiesen, dass euch genau das glücklich manchen wird.  
15 Minuten
 Worum geht’s in dieser Folge?

Wir sind ja mitten in Staffel 8 des Podcasts, und in dieser 8. Staffel geht es ja um unsere Shared Projects. Deshalb habe ich mir gedacht, wär’s vielleicht eine gute Idee, mal über ein ganz konkretes Shared Project von mir zu reden, sozusagen als Case Study. Dabei geht es mir nicht so sehr um das Shared Project an sich, sondern eher um die Meta-Ebene, also was wir von diesem konkreten Projekt aus Sicht der Personal Projects Theorie sagen und lernen können. Und dieses Projekt, von dem ich hier sprechen will, ist der Business Breakfast Club.

Wie ist das Projekt entstanden?

Um euch zu erklären, worum es beim Business Breakfast Club geht, erzähle ich euch zuerst mal, wie das Projekt überhaupt entstanden ist.

Dieses Shared Project hat sich 2012 entwickelt, also vor rund 8 Jahren. Damals waren Viki und ich gerade mal ein halbes Jahr zusammen, und wir hatten folgendes Problem: Wir waren damals beide beruflich ziemlich eingespannt. Wir verbrachten beide viel Zeit in unseren jeweiligen Jobs, sodass wir kaum wirklich die Zeit hatten, uns darüber zu unterhalten, was es so Neues gibt. Und so ist es immer häufiger passiert, dass einer von uns gesagt hat: „Ach ja, das wollte ich dir erzählen, aber dann, irgendwie…” Dann ist immer irgendwas dazwischen gekommen, oder wir haben vergessen, wichtige Neuigkeiten weiterzusagen oder wir waren schlicht zu müde. Morgen ist ja, bekanntlich, auch noch ein Tag.

Jedenfalls ist es uns damals nicht gelungen, dass wir uns spontan Zeit nehmen, uns gegenseitig upzudaten. Deswegen hatte ich eines Tages eine Idee, wie sie nur von einem strukturierten Management-Typen wie mir kommen kann: Warum legen wir nicht einen fixen Termin fest, wo wir beide ganz konzentriert über alles sprechen, was es in unserer Partnerschaft zu besprechen gibt? Einen fixen Termin einmal pro Woche, wo jeder sagen kann, was ihm oder ihr auf dem Herzen liegt? So, wie wir es ja auch in unseren Jobs machen, in denen wir so viel Zeit verbringen.

Und weil wir beide gerne frühstücken, hatten wir die Idee,  das Angenehme gleich mit dem Nützlichen zu verbinden und diese Besprechung bei einem Frühstück in einem netten Lokal zu halten. So entstand dann auch der Name „Business Breakfast Club”. „Business” deswegen, weil es bei dem Frühstück eben vor allem um die „geschäftlichen”, die administrativen Dinge unserer Partnerschaft geht. Und unter diesem Namen läuft dieses Projekt bei uns jetzt eben schon acht erfolgreiche Jahre lang.

Was ist der Business Breakfast Club genau?

Der Business Breakfast Club ist also ein Shared Project von meiner Frau, Viki, und mir. 

Der Business Breakfast Club sind anderthalb bis zwei Stunden pro Woche, die sich Viki und ich für unsere ganzen Shared Projects Zeit nehmen. 

Der Business Breakfast Club ist also eine wöchentliche Besprechung zwischen uns, wo wir über unsere Pläne, Projekte, Termine, To Dos … für die kommenden Tage, Wochen und Monate reden. 

Dazu gehen wir (wann immer möglich) in ein Lokal frühstücken. So verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen. 

Für unseren Business Breakfast Club haben wir einen fixen Zeitpunkt in der Woche ein, in der Regel ist das der Samstag. Das ist auch fix in unserem Kalender eingetragen.  

Dieser regelmäßige fixe Termin hat einen Riesenvorteil: Wir können uns beide darauf verlassen, dass wir am Samstag über alle „operativen“ Sachen sprechen werden, also über alles, was es in unserer Partnerschaft - und seit ein paar Jahren auch in unserer Familie mit zwei Kindern - zu managen gibt. 

Dadurch entspannt sich die restliche Woche ungemein. Wir müssen nicht am Abend, wenn wir müde sind, darüber reden, wie wir jetzt mit der Krabbelstube für unsere Tochter tun. Nein, das können wir konzentriert am Samstag machen, wenn wir ausgeschlafen sind und wenn wir uns bewusst für genau diese Fragen Zeit nehmen. 

Wie gesagt, wir machen das seit fast 8 Jahren und haben schon rund 340 gemeinsame Business Breakfasts gehabt. Für uns ist das inzwischen ein sehr wichtiges Ritual geworden, das wir beide sehr schätzen. Es ist so wichtig, dass wir es auch weitergeführt haben, als die Kinder dazu gekommen sind. Die sind jetzt im Business Breakfast Club einfach dabei - im Moment noch mehr passiv als aktiv, aber das wird sich wahrscheinlich mit den Jahren auch noch ändern, wer ma sehen. 

Aus der Sicht der Personal Projects Theorie betrachtet, könnte man sagen, dass der Business Breakfast Club ein ganz wichtiges Element in unserem Shared Projects Management ist. Das gemeinsame Frühstück ist sowas wie eine Weekly Review unserer Shared Projects, wo wir Projektfortschritte besprechen und die nächsten Schritte gemeinsam festlegen. Und, was auch ganz wichtig ist: Wir treffen bei diesen Business Breakfasts gemeinsam Entscheidungen, und das in einem strukturierten Rahmen, in dem wir uns beide wohl fühlen. Damit verhindern wir auch, dass Shared Projects, die uns eigentlich sehr wichtig wären, einfach einschlafen und versanden, weil sich niemand drum kümmert. 

Wie gesagt, der Business Breakfast Club ist uns beiden sehr wichtig geworden. Wir lassen ihn daher auch nur sehr, sehr ungern ausfallen, und wir machen ihn auch im Urlaub. Wenn es doch mal am Samstag nicht geht, versuchen wir ihn an einem anderen Wochentag unterzubringen. Manchmal haben wir uns auch einfach am Wohnzimmertisch zusammengesetzt, wenn’s nicht anders ging. Man könnte sagen, dass uns dieses Shared Project „heilig" geworden ist. 

Für diejenigen unter euch, die jetzt neugierig geworden sind und wissen wollen, wie so ein Business Breakfast konkret abläuft, für die habe ich noch ein paar Hinweise und Tipps. 

Wie läuft ein Business Breakfast konkret ab?

Also, wir frühstücken jeden Samstag miteinander. Dazu gehen wir meistens in ein Lokal. Früher, in der guten alten Zeit, wo wir noch keine Kinder hatten, da haben wir uns den Spaß gemacht, dass wir jede Woche in ein anderes Lokal zum Frühstücken gegangen sind. Jetzt, mit den Kindern, haben wir inzwischen ein Stammlokal gefunden. Unser Stammlokal ist es vor allem deswegen geworden, weil es eine Spiele-Ecke hat, wo die Kinder spielen können, während wir Erwachsenen besprechen. 

Um die Themen zu sammeln, die wir beim Business Breakfast besprechen wollen, haben wir folgende Lösung gewählt: Wir haben beide Evernote auf unseren Handys installiert. Evernote, das ist ein Notiz-Programm, von dem ich schon öfter in diesem Podcast erzählt habe und das zu einem ganz wichtigen Grundpfeiler in meinem Personal Project Management geworden ist. In Evernote haben wir ein gemeinsames Notizbuch, in das jeder von uns jederzeit neue Notizen einfügen kann oder auch eine bestehende Notiz updaten.  

Jede einzelne Evernote-Notiz steht für ein Thema, das wir besprechen wollen. Also, wenn ich, sagen wir, gerade in der Arbeit bin und mir fällt etwas ein, das ich gerne mit Viki besprechen will, dann nehme ich mir mein Handy, öffne Evernote und lege in unserem gemeinsamen Notizbuch eine Notiz an, wo ich reinschreibe, was ich besprechen will. Vorausgesetzt natürlich, es kann bis nächsten Samstag warten. Und Viki macht genau das Gleiche. 

Der Clou ist jetzt, dass jeder von uns unter der Woche in unserem gemeinsamen Evernote-Notizbuch herumfuhrwerken kann, wie er oder sie will. Jeder von uns kann Notizen hinzufügen und damit neue Themen auf die Agenda setzen. Oder jeder von uns kann bei einer bestehenden Notiz etwas...
21 Minuten
 Worum geht’s in dieser Folge?

Ich bin frisch und munter aus der Weihnachtspause zurück, und mit der ersten Folge des Jahres 2020 geht die aktuelle 8. Staffel weiter. In dieser 8. Staffel sprechen wir ja über unsere Shared Projects, also jene Projekte, die wir mit anderen Menschen gemeinsam durchführen dürfen, können oder müssen. 

In dieser Folge möchte ich eine ganz besonders spannende Art von Shared Projects besprechen, nämlich die Shared Projects, die wir innerhalb von Beziehungen umsetzen. Und mit „Beziehungen” meine ich in erster Linie Lebenspartnerschaften oder Lebensgemeinschaften, also klassischerweise die Shared Projects in einer Ehe oder sonst irgend einer partnerschaftlichen Verbindung. Und aus dieser Sicht einer partnerschaftlichen Zweierbeziehung werde ich diese Projekte auch besprechen.

Du kannst das Ganze aber gerne auch weiter denken. Was ich sage, gilt vermutlich ohne irgendwelche Abstiche auch für andere Beziehungen, z.B. zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Geschwistern oder zwischen guten Freunden. Das einzige, wo meiner Ansicht nach andere Regeln gelten und wo das, was ich heute sage, so nicht 100%ig stimmt, sind Beziehungen im Job, also Arbeitsbeziehungen. Die funktionieren etwas anders, und deshalb gilt das, was ich in dieser Folge sagen werde, nur für enge private Beziehungen. 

 Zur Frage, wie man in Beziehungen, im Partnerschaften, in Ehen gut miteinander auskommt... dazu sind schon viele Bücher geschrieben worden, dazu haben schon viele Menschen ganz viel gesagt, und dazu gibt es dennoch keine letztgültigen Antworten. Und deshalb will ich in dieser Folge auch nicht irgendwelche 10 besten Tipps für gelingende Partnerschaften geben, die dann mehr oder weniger passend und hilfreich sind. Davon gibt's im Internet genug, und dazu gibt's auch genügend Podcasts. 

Ich will stattdessen was versuchen, was es wahrscheinlich nur hier in diesem Podcast gibt. Und zwar: Was können wir denn von der Personal Projects Theorie lernen für unsere Projekte in Partnerschaften? Was hat denn die Personal Projects Theorie für einen besonderen Blick auf die Sache, und vielleicht ergibt sich daraus auch eine neue Sichtweise für den einen oder anderen meiner Hörerinnen und Hörer. Das wäre schön, und das will ich versuchen. 

Also, um eine Beziehung aus der Sicht der Personal Projects Theorie zu verstehen, müssen wir uns dieses Beziehung auf drei verschiedenen Ebenen vorstellen. Und auf jeder dieser Ebene gibt es Personal Projects, aber diese Personal Projects funktionieren auf jeder Ebene ganz unterschiedlich. Und wenn wir das verstehen, welche Projekte auf welcher Ebene laufen und wie die Spielregeln dafür sind, dann verstehen wir aus Sicht der Personal Projects Theorie auch, warum manche Partnerschaften besser und manche weniger gut gelingen. 

Erste Ebene: Die Beziehung als Personal Project

Okay, sehen wir uns mal die erste der drei Ebenen an. Wir können uns die Beziehung an sich als Personal Project vorstellen. Die Beziehung als ein Projekt, an dem zwei Menschen gemeinsam arbeiten. Sehr häufig ist das für diese beiden Menschen auch nicht irgendein Projekt, sondern ein Herzensprojekt. Das merkt man daran, dass wenn man Menschen trifft, bei denen es in der Ehe gerade nicht so rund läuft, dann merkt man, dass deren ganzes Leben irgendwie durcheinander geraten ist. Da ist also nicht nur die Beziehung betroffen, sondern das schlägt sich auch auf die Gesundheit, das hat Auswirkungen auf den Job und so weiter. Das ist ein typisches Zeichen, dass es sich eben um ein Herzensprojekt, ein core project, handelt. 

Und das ist ja auch etwas, das wir im täglichen Sprachgebrauch auch immer wieder hören: An einer Beziehung, an der muss man arbeiten. Wie in einem Projekt, an dem muss man ja auch immer arbeiten. Und in gewisser Weise stimmt das schon, aber es gibt etwas ganz Wichtiges, das wir bei dieser Beziehungsarbeit verstehen müssen. Wir müssen nämlich aufpassen, dass wir hier Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte nicht verwechseln. Und leider kommt genau das sehr häufig vor. 

Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte... dazu habe ich in der 3. Staffel eine ganze Episode aufgenommen, nämlich Episode 3.  

Wenn du diese Folge noch nicht gehört hast, dann ganz kurz, worum geht's dabei? Ich behaupte, es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Typen von Projekten, die nach ganz unterschiedlichen Regeln funktionieren, nämlich eben Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte. Die Leistungsprojekte bezeichne ich auch sehr gerne als „Ergebnisprojekte”, weil damit noch klarer wird, worum es geht. Es ist ganz wichtig, dass wir bei jedem Personal Project wissen, ob es sich im Grunde um ein Ergebnisprojekt oder ein Beziehungsprojekt handelt, denn wenn wir das verwechseln und ein Beziehungsprojekt wie ein Ergebnisprojekt behandeln (und umgekehrt), dann gute Nacht. 

Kurz nochmals zur Wiederholung: Was sind Ergebnisprojekte? 

Ergebnisprojekte sind Personal Projects, bei denen ein konkretes Ergebnis im Vordergrund steht. Man macht dieses Personal Project, weil etwas ganz Bestimmtes, Konkretes, Messbares herauskommen soll. 

Es geht bei Ergebnisprojekten also darum, ein ganz konkretes Problem zu lösen, eine ganz bestimmte Aufgabe zu erledigen, für ein Personal Project einen ganz bestimmten Output zu bekommen. 

Ein Beispiel für ein Ergebnisprojekt wäre z.B. „den nächsten Familienurlaub planen”. Da gibt es ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, und man weiß auch ziemlich genau, wann man mit dem Projekt fertig ist und auch, ob das Projekt erfolgreich war oder nicht - je nachdem, ob man’s geschafft hat, einen Familienurlaub zu buchen, mit dem alle Familienmitglieder leben können - oder eben nicht. 

Beziehungsprojekte dagegen funktionieren ganz anders. Also, was ist jetzt ein Beziehungsprojekt? 

Beziehungsprojekte sind Personal Projects, wo es weniger um ein konkretes Ergebnis geht, sondern wo sich der Output nicht so einfach messen lässt. 

Beziehungsprojekte stehen quasi unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel”. Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr man in ein Beziehungsprojekt investiert, desto besser wird das Ergebnis. Und diese Mehr-Investition zahlt sich tatsächlich aus und wird auch von anderen honoriert. 

Es ist aber bei Beziehungsprojekten nicht so, dass es kein Ziel gibt. Das gibt es sehr wohl. Man will auch mit einem Beziehungsprojekt etwas erreichen. Aber ein Personal Project, das ein Beziehungsprojekt ist, hat kein so klares und bestimmtes Ergebnis vor Augen wie ein Ergebnisprojekt. Es soll was rauskommen, aber was es genau ist, das lässt sich nicht so eindeutig sagen. 

Und es geht auch nicht darum, dass dieses Ergebnis möglichst rasch und mit möglichst wenig Aufwand erreicht wird. Wie gesagt: Der Weg ist das Ziel. 

Eine partnerschaftliche Beziehung ist, no na, ein Beziehungsprojekt. Und zwar ein ziemlich mächtiges Beziehungsprojekt. Vielleicht eines der herausforderndsten Personal Projects unseres Lebens überhaupt.  

Was bedeutet das jetzt für uns: 

Es bedeutet, dass wir unsere Beziehung an sich wie ein langes Beziehungsprojekt sehen können.  

Dieses umfangreiche Beziehungsprojekt… bei dem geht es nicht darum, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Da geht es nicht darum, irgendwelche Ziele zu erreichen. 

In so einem Beziehungsprojekt, da gibt es auch keine Gewinner und Verlierer. Man kann ein Beziehungsprojekt nicht „gewinnen". Wen...
13 Minuten
 Worum geht’s in dieser Folge?

Wir sprechen in dieser Staffel ja über unsere Shared Projects, also jene Projekte, die wir mit anderen Menschen gemeinsam durchführen dürfen, können oder müssen. Und in dieser Folge möchte ich mich einer speziellen Art von Shared Project widmen - nämlich jenen Projekten, die sozusagen gekapert werden. Projekte, in die sich andere Menschen in unserem Umfeld hineinreklamieren und quasi zu einem Shared Project machen. Oder auch umgekehrt: Projekte, in die wir uns hineinmischen und zu unseren eigenen machen. Wo wir mitunter ungefragt zu „Kümmerern“ werden. Es geht also um die Frage, ob und wann und in wie weit es okay ist, sich in die Personal Projects anderer Menschen einzumischen und diese Projekte damit zu Shared Projects zu machen. 

Und, das ist mir wichtig: Dieses „Einmischen“ ist gar nicht unbedingt negativ gemeint, sondern man könnte es auch so formulieren: Wann dürfen wir anderen Menschen in ihren Projekten unterstützen, wann dürfen wir ihnen zur Hand gehen, wann dürfen wir Ihnen eine Last abnehmen? 

Ich will versuchen, in dieser Folge eine Faustregel dafür aufzustellen, an die ich persönlich mich zu halten versuche. Das heißt nicht, dass man das nicht auch anders sehen oder machen kann, aber ich erzähle hier halt mal von meinem Zugang.

Aber fangen wir zuerst mal mit einer Geschichte an.

Die Italiener in Sambia

Diese Geschichte wird von Ernesto Sirolli erzählt. Ernesto Sirolli ist ein sehr interessanter Zeitgenosse. Er ist Italiener und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie man benachteiligte Regionen mithilfe von Entrepreneurship beleben kann. Besonders empfehlenswert ist ein TED-Talk von ihm aus dem Jahr 2012, wirklich großartig. Darin erzählt er die folgende Geschichte. 

In den 1970er Jahren arbeitete Ernesto Sirolli als junger Mann sieben Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika. Und er sagt, dass jedes einzelne Projekt, das sie damals in Afrika umsetzen wollten, schief gegangen ist. Jedes einzelne. Das hat ihn damals als 21-Jährigen ziemlich fertig gemacht. Er dachte damals nämlich: Wir Italiener, wir sind doch gute Menschen, und hier in Afrika leisten wir doch gute Arbeit! Und dennoch geht alles schief, was wir anfassen. Zum Bespiel das Projekt, wo Ernesto Sirolli und seine italienischen Kollegen den Menschen in Sambia zeigen sollten, wie man Gemüse anbaut. Sie kamen also in Süd-Sambia an, mit dem besten italienischen Saatgut, und sie kamen in ein wunderschönes fruchtbares Tal, das zum Sambesi-Fluss führte. Und sie zeigten den Leuten dort wie man italienische pomodori anbaut und Zucchini und so weiter.  

Aber die Einheimischen dort hatten überhaupt kein Interesse, beim Gemüse-Anbau mitzuarbeiten. Und die Italiener waren erstaunt, wie gut das Gemüse in diesem Tal wuchs. Und noch mehr verwundert waren sie, warum die Einheimischen hier nicht schon längst Gemüse anbauten. Also dachten sich die Italiener: Gott sei Dank, dass wir her gekommen sind und den Menschen endlich zeigen, wie sie sich selbst helfen können. Und alles wuchs hervorragend, es gab riesengroße pomodori und wunderbare Zucchini, und die Italiener konnten es gar nicht glauben und sagten den Sambiern: „Schaut, wie einfach Landwirtschaft ist, wenn man sich nur ein bisschen bemüht.“ Als das Gemüse dann reif war und bereit zur Ernte, kamen auf einmal 200 Nilpferde den Fluss herauf und fraßen ALLES auf. ALLES, ratzeputz. Und die Italiener waren schockiert und sagten: „Mein Gott, die Nilpferde!“ Und die Sambier sagten: „Ja, deswegen haben wir hier keine Landwirtschaft.“ „Aber warum habt ihr uns das nicht gesagt?“ „Ihr habt uns nie gefragt.“ 

In dieser Geschichte liegt für mich der Schlüssel zum Verständnis dafür, wie wir mit den Personal Projects anderer Menschen umgehen sollen und wie wir helfen können, ohne uns einzumischen. 

Meine persönlichen Regeln

Also, was können wir aus Ernesto Sirollis Geschichte lernen - oder, was habe ich daraus gelernt? 

Regel: Ernesto Sirolli selbst formuliert das in seinem TED-Talk so: „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Also, wenn du nicht um Hilfe gebeten wirst, dann halte dich raus aus den Personal Projects anderer Menschen. Mach Personal Projects nicht ungefragt und ungebeten zu Shared Projects. „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Regel: Und das ist eigentlich die Kehrseite der ersten Regel: WENN dich jemand um Hilfe bittet, WENN dich jemand in sein Personal Project einlädt, dann sei für ihn oder sie auch da. Wenn du eigeladen wirst zu helfen, wenn jemand sein Personal Project öffnet und zu einem Shared Project macht, dann hilf! Regel: Achtung: „Helfen“ bedeutet nicht, dass du das Projekt an dich reißt. Helfen bedeutet zuerst einmal: Mund halten und zuhören! Einfach mal zuhören, welche Art von Hilfe eigentlich gewünscht wird. Oder Fragen stellen, um herauszufinden, welche Rolle du in diesem Shared Project eigentlich spielen sollst. Nicht gleich loslegen wie die italienischen Entwicklungshelfer, nach dem Motto: „Gott sei Dank bin ich jetzt da, um dich und das Projekt zu retten." Sondern Mund halten und zuhören. Du kannst ruhig davon ausgehen, dass er andere etwas weiß, das du nicht weißt. Regel: Und das ist die Kehrseite der dritten Regel: Es ist in UNSERER Verantwortung, um Hilfe zu fragen. Wenn wir Hilfe bei unseren Personal Projects brauchen, oder wenn wir Projekte mit anderen Menschen umsetzen möchten, dann liegt es an uns, diese Projekte zu öffnen und andere Menschen in diese Projekte einzuladen. Wir dürfen nicht da sitzen und warten, bis endlich jemand unser Elend erkennt und sich unser erbarmt. Nein, es liegt an uns. Bittet, und es wird euch gegeben.  Die 5. Regel ist jetzt die Ausnahme von den anderen vier Regeln: Ich habe für mich festgestellt, dass es EINEN Fall gibt, wo man sich tatsächlich ungefragt einmischen darf - bis zu einem gewissen Maß zumindest. Und das ist, wenn Menschen wirklich in schweren Krisen sind. Wenn jemand schwer verletzt am Boden liegt, warte ich nicht, bis ich zum Helfen eingeladen werde. Und genauso ist es auch bei schweren persönlichen Krisen wie Krankheit oder Trennung oder Tod. Da ist es aus meiner Sicht okay, ja mehr noch: Da ist es aus meiner Sicht geboten sich einzumischen, und zwar um dabei zu helfen, dass dieser Mensch wieder festen Boden unter den Füßen bekommt. Also da dürfen wir ungefragt was zu essen vorbei bringen oder Besorgungen erledigen und so weiter. Menschen in solchen Krisensituationen sind oft nicht fähig, um Hilfe zu fragen, weil sie gar nicht mehr einschätzen können, was sie brauchen oder was ihnen gut tut. Oder weil es in solchen Situationen viel zu demütigend wäre, von selbst um Hilfe zu fragen. 

Aber ansonsten bleibe ich bei der Regel:  „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Und gleichzeitig: Wenn mich jemand um Hilfe bittet, dann versuche ich auch zu helfen. Nämlich indem ich zuerst mal meinen Mund halte und zuhöre. Das gelingt mir mal besser und mal weniger gut, aber ich denke, es lohnt sich dranzubleiben. 

Zusammenfassung

Wenn du dir eine Sache aus dieser Folge mitnehmen sollt, dann wäre es das:  

Ich halte es für das Beste, sich nicht ungefragt in die Personal Projects anderer einzumischen. Wenn du helfen möchtest, dann warte darauf, bis du eingeladen wirst oder frag aktiv nach, WIE du helfen kannst. Gleichzeiti...
16 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Diesmal geht es um die spannende Frage: Wem „gehört“ denn eigentlich ein Shared Project? „Gehört“ natürlich unter Anführungszeichen, soweit Projekte überhaupt jemandem gehören können. Aber mir geht es um Folgendes: Ich habe die Hypothese, dass auch Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen (also Shared Projects), einen so genannten „Project Owner“ haben müssen. Jemanden, der sich für dieses Projekt hauptsächlich zuständig fühlt. Ein Kollege von mir hat das mal so ausgedrückt: „Jedes Projekt braucht einen Kümmerer.“ Das finde ich eine schöne Bezeichnung für das, worum es in dieser Folge geht: Wer ist eigentlich dieser Kümmerer in unseren Shared Projects? Und da ja das Wort „kümmern“ von „Kummer“ kommt, könnte man es auch so ausdrücken: Wer hat in dem Projekt den meisten Kummer, wenn etwas nicht gut läuft? 

Genau um diese Kümmerer in Shared Projects, die so engagiert sind, dass sie das Projekt auch durch schwierige Phasen tragen, die dafür sorgen, dass das Projekt nicht sang- und klanglos untergeht, die in die Bresche springen, wenn Not am Mann ist… um diese Kümmerer soll es also in dieser Folge gehen. 

Wer kann der "Kümmerer" sein?

Naja, da wäre erstens mal die Möglichkeit: Alle, die in dem Shared Project mitmachen, sind Kümmerer. Alle sind gleichermaßen engagiert und tragen Sorge für das Projekt. Diese Möglichkeit gibt es, aber ich glaube, das ist eher eine theoretische Möglichkeit. Ich kenne kein Shared Project in meinem Projektportfolio, wo ich wirklich sagen könnte, da sind alle Projektmitglieder gleichermaßen Kümmerer. Fällt mir weit und breit nichts ein. Es gibt immer einige, die sich etwas mehr engagieren und andere, die sich eher mitziehen lassen - im besten Fall, sofern sie nicht überhaupt quertreiben.  

Noch dazu ist ja die Frage, ob es überhaupt wünschenswert wäre, wenn wirklich alle, die an dem Projekt mitarbeiten, auch echte Kümmerer wären. Was würde dann passieren? Die Abstimmung in dem Projekt wäre wahnsinnig aufwendig. Zu viele Köche verderben den Brei, heißt es. Oder, betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Die Transaktionskosten wären wahnsinnig hoch. In solchen Projekten mag man eigentlich gar nicht mitmachen, weil man das Gefühl hat, da treffen lauter Alphatiere aufeinander und da kommt trotz vielleicht wirklich guter Absichten kaum was Vernünftiges raus. 

Die zweite Möglichkeit, die schon wesentlich häufiger auftritt: Ein Shared Project hat überhaupt keinen Kümmerer. Da ist niemand, der die Initiative übernehmen würde, der Sachen anstößt, der klare Ansagen macht. Jeder wartet ab und schaut, was passiert. Das ist ein bisschen so wie bei Mikado: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Solche Projekte sind klarerweise dem Untergang geweiht und enden sehr häufig in der Projektversickerung - soll heißen, die Projekte verschwinden einfach irgendwann sang- und klanglos, weil irgendwann einfach niemand mehr darüber spricht. Der Mantel des Schweigens legt sich über das Projekt, und es wird heimlich, still und leise zu Grabe getragen. 

Dritte Möglichkeit, auch sehr häufig: Jeder glaubt, der Andere ist der Kümmerer. Auch so ein Projekt ist eigentlich ein Zombie. Jeder schiebt dem anderen den Verantwortung für das Projekt zu und ist dabei auch der festen Überzeugung, dass er selbst ganz sicher nicht der Kümmerer sein kann, weil sowieso und überhaupt. Dann hat jeder der Projektmitglieder eine klare Vorstellung davon, wer eigentlich der Kümmerer sein sollte, nur dabei gibt’s ein Problem: Diese Vorstellungen sind sehr unterschiedlich, und vor allem: Diese unterschiedlichen Vorstellungen wurden nie besprochen! Und so wartet jeder, bis der Kümmerer endlich auf den Plan tritt und die Führung im Projekt übernimmt, aber das geschieht natürlich nicht. Zurück bleiben, neben einem zu Grabe getragenen Zombie-Projekt, häufig gegenseitige Schuldzuweisungen und Enttäuschungen. 

Vierte Möglichkeit, eher selten: Der Kümmerer ist klar definiert. Alle sind sich einig, wer der Kümmerer ist, und der Kümmerer nimmt diese Rolle auch wirklich wahr. Im besten Fall ist diese Einigkeit das Ergebnis einer klaren und eindeutigen Kommunikation innerhalb des Projektes. Nicht selten ist die Einigkeit aber auch ein Zufallsprodukt, weil sich die Rollenverteilung irgendwie intuitiv und automatisch so ergeben hat, ohne dass viel darüber gesprochen wurde. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Wie wird man eigentlich Kümmerer? 

Wie wird man zum "Kümmerer"?

Also, wie wird man jetzt Kümmerer in einem Shared Project? Kommt man dazu wie die Jungfrau zum Kind, oder gibt es bestimmte Dynamiken, die jemanden in die Rolle des Kümmerers hieven? 

Wichtig ist zu wissen, dass die Zuständigkeit für ein Projekt - man könnte auch sagen die Autorität in einem Projekt - zugeschrieben wird. Das heißt, zum Kümmerer wird man von den anderen Projektmitgliedern gemacht. Man kann nicht so einfach das Ruder an sich reißen und sagen: „So, da bin ich jetzt, ich sage euch jetzt wo’s lang geht.“ Da müssen die anderen schon mitspielen und sagen: „Okay, wir sind damit einverstanden. Mach nur.“ Wenn das nämlich nicht der Fall ist, dann glaubst du vielleicht, du bist der Kümmerer in dem Projekt, aber in Wirklichkeit nimmt dich keiner ernst. Soll ja auch schon vorgekommen sein. 

Die anderen machen dich zum Kümmerer. Die Rolle des Kümmerers im Projekt wird zugeschrieben, und diese Zuschreibung erfolgt aufgrund bestimmter Kriterien. Ich nenne dir mal drei solcher Kriterien als Beispiel: 

Zuschreibung durch Seniorität: Der Älteste oder die Erfahrenste wird zum Kümmerer. Wenn der hiesige Sportverein einen Maskenball veranstaltet, dann wird oft der Vereinsobmann zum Kümmerer für dieses Shared Project, weil er derjenige ist, der Kraft Funktion und/oder Alter von den anderen als „Chef“ anerkannt wird. Zuschreibung durch Tradition: Für bestimmte Projekte sind seit jeher bestimmte Personengruppen zuständig. Sehr gut beobachten kann man das bei der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Der Mann ist typischerweise der Kümmerer in einem Projekt wie „Ein neues Auto kaufen“, und die Frau wird automatisch zur Kümmererin in einem Projekt wie „Den Haushalt führen“ - nämlich, und das ist wichtig: Auch dann, wenn sich beide einig sind, dass das eigentlich Shared Projects sind. Die Frau engagiert sich sehr wohl bei der Suche nach einem neuen Auto, und auch der Mann hilft fleißig im Haushalt. Aber die Frage ist eben: Wer kümmert sich um das Projekt auch dann noch, wenn sich sonst niemand mehr drum kümmert? Und da ist es dann eben häufig so, dass die Hausarbeit an der Frau hängenbleibt, wenn der Mann (aus welchem Grund auch immer) keine Zeit hat - aber eben ganz selten umgekehrt. Zuschreibung durch Initiierung: Klar, das kennt man auch: Zum Kümmerer wird der, der das Projekt vorschlägt. Das kommt ganz, ganz häufig vor. Nur, damit gibt es aus meiner Sicht zumindest zwei Probleme.  Der Initiator ist nicht immer der Best-Geeignete, um sich um das Projekt zu kümmern. Das könnten andere eigentlich viel besser. Der Initiator ist vielleicht der naheliegendste, aber nicht immer der beste Kümmerer. Der Initiator kann die Rolle manchmal schlichtweg nicht wahrnehmen. Beispiel: Die Kinder wollen einen Hund, und die Eltern lassen sich nach wochenlangem Abwehrkampf schließlich breitschlagen. Die Familie vereinbart auch, ganz klar, dass sich die Kinder um den Hund kümmern MÜSSEN. Die Kinder haben dem auch freudig zugestimmt, aber es wäre höchst naiv zu glauben...
18 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

In dieser 8. Staffel des Podcasts geht es ja um Shared Projects, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen unternehmen. In dieser Folge möchte ich der harten Wahrheit ins Auge sehen, dass der Erfolg solcher Shared Projects ziemlich unwahrscheinlich ist. Und ich werde dir auch erklären, warum das aus meiner Sicht so ist.

Dazu vorab mal eine kurze Geschichte aus meinem Leben: Gehen wir zurück ins Jahr 2002. Da war ich gerade Student an der Fachhochschule in St. Pölten, Studiengang „Medienmanagement“. Dort haben wir Studenten viel gehört über Medientheorie und Kommunikationstheorie, und da war etwas dabei, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Es war ein Satz von Niklas Luhmann, einem deutschen Soziologen. Und Niklas Luhmann hat gesagt: „Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden.“ 

Kommunikation ist unwahrscheinlich… Als ich das zum ersten Mal gehört habe, da habe ich mir gedacht: Was für ein Stuss. Typisch junger Student halt. Wie kann es sein, dass Kommunikation unwahrscheinlich ist, wo es doch so offensichtlich ist, dass Kommunikation funktioniert. Wir sehen es jeden Tag, dass Menschen miteinander reden und dabei auch was raus kommt. Damals habe ich für mich mitgenommen, dass ich nicht alles glauben sollte, was irgendein gescheiter Wissenschaftler erzählt.

Und während ich immer noch glaube, dass man nicht glauben soll, was einem von so genannten Experten erzählt wird, so hat mich dieser Satz doch über die Jahre begleitet. Kommunikation ist unwahrscheinlich… Mit dem Satz im Hinterkopf ist mir über die Jahre aufgefallen, wie viele, viele Missverständnisse es in der täglichen Kommunikation gibt. Wie oft es vorkommt, dass wir einander nicht richtig verstehen und, wenn wir ganz ehrlich sind, wie oft es vorkommt, dass wir einander gar nicht richtig zuhören. Oder, überhaupt, wie oft gar nicht alles gesagt wird, was eigentlich zu sagen wäre.

Kommunikation ist unwahrscheinlich… Ich glaube heute, dass das stimmt. Niklas Luhmann hatte recht. Es ist ein nützliches Personal Construct davon auszugehen, dass das Missverständnis der Regelfall ist, nicht die Ausnahme. Wirklich gelungene Kommunikation ist viel seltener, als wir vielleicht naiverweise annehmen. Misserfolg in der Kommunikation ist viel wahrscheinlicher als Erfolg.

Wenn wir jetzt unsere Personal Projects und besonders unsere Shared Projects ansehen, dann bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass auch in Shared Projects der Erfolg unwahrscheinlich ist. Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher als dass wir mit Shared Projects glücklicher werden, ist, dass sie uns mehr Sorgen als Freude bereiten. Wie gesagt, das heißt nicht, dass Shared Projects nicht auch glücken können, aber aus meiner Sicht ist es vernünftig davon auszugehen, dass Erfolg die Ausnahme ist, nicht die Regel. Erfolg in Shared Projects ist unwahrscheinlich, davon bin ich überzeugt. 

Das ist vielleicht eine sehr pessimistische Sicht der Dinge, gerade zum Anfang einer ganzen Staffel, in der es um Shared Projects geht. Aber Ich will euch jetzt erklären, warum ich Erfolg in Shared Projects für unwahrscheinlich halte und auch, was diese geringe Erfolgswahrscheinlichkeit für unseren Umgang mit Shared Projects bedeuten könnte. 

 Ich behaupte also, dass Erfolg in unseren Shared Projects unwahrscheinlich ist. Aber wie komme ich zu dieser Behauptung? Ich will euch dafür sieben Argumente geben.

1) Initialisierung

Es fängt schon ganz am Anfang an. Es macht einen wesentlichen Unterschied, WER das Shared Project ins Leben ruft. Es macht einen Unterschied, ob ich das selbst bin oder ob mich jemand anderer mit einem Projekt „zwangsbeglückt“. Projekte, die wir auf’s Auge gedrückt bekommen, sind selten sehr motivierend für uns. Das ist auch der Grund, warum so viele Shared Projects im Job scheitern: Diese Projekte haben sich die meisten nicht ausgesucht, und entsprechend gering ist die Bereitschaft, wirklich alles beizutragen, was dieses Projekt zum Erfolg bräuchte. Gemeinsame Projekte, die man nicht selbst initiiert hat, haben schon mal eine wesentlich höhere Grundwahrscheinlichkeit zu scheitern als solche, die von einem selbst ausgehen.

2) Unterschiedliche Warum

In Episode 2 der 6. Staffel habe ich bereits darüber gesprochen, wie essentiell das Warum eines Personal Projects für den Erfolg ist. Das gilt umso mehr für Shared Projects. Damit Shared Projects Erfolg haben, brauchen sie ein gemeinsames Warum aller Beteiligten. Alle Beteiligten müssen sich einig sein, warum und wozu es das Projekt gibt und was sie damit eigentlich erreichen wollen. Man kann sich vorstellen, dass so ein gemeinsames Warum immer schwieriger wird, je mehr Menschen an den Projekt beteiligt sind. Aber auch schon in Projekten, wo nur zwei Menschen zusammenarbeiten, passiert es ganz leicht, dass die Warum sehr unterschiedlich sind. Nehmen wir das Shared Project „Gemeinsam in Urlaub fahren“ her. Sagen wir, er möchte diesen Urlaub machen, weil er sich freut, viel Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Ihr aber geht es in Wirklichkeit darum, möglichst viel Sightseeing zu machen. Zwei unterschiedliche Warum, die aber durchaus gut zusammenpassen können. Sie können sich ja gemeinsam viel ansehen und dabei Zeit miteinander verbringen. Problematisch wird das nur, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Sagen wir, das Wetter ist schlecht, oder einer der beiden wird im Urlaub krank. Er sagt dann: Nicht so schlimm, wir können uns ja auch im Hotelzimmer gemeinsam eine schöne Zeit machen. Aber sie ist total unglücklich, weil sie um ihr Warum, das Sightseeing, umfällt. Es wird unausweichlich zu Konflikten kommen, und es wäre nicht der erste Pärchenurlaub, der im Streit endet.

3) Unterschiedliche Werte

Die zweite Folge der zweiten Staffel dieses Podcast trug den Titel „Am Ende sind es immer deine Werte“ - und das trifft auf Shared Projects umso mehr zu. Wenn gemeinsame Projekte gelingen sollen, dann braucht es gemeinsame Werte - nämlich immer dann, wenn die Situation nicht ganz eindeutig ist - was ja in Projekten eher der Normalfall ist. Gemeinsame Werte sorgen dafür, dass man gemeinsame Entscheidungen treffen kann. Beim Thema Geld sieht man das wunderbar, nämlich auch, was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Werten aufeinander treffen. Kannst du dir ein Shared Project vorstellen, wo ein Mensch mit dem Wert „Sparsamkeit“ mit einem Menschen mit dem Wert „Genießen“ aufeinandertreffen? Ich kann mir das schon vorstellen, aber eine schöne Vorstellung ist das nicht.

4) Transaktionskosten

Transaktionskosten, das ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaft, aus der Kostenrechnung, genauer gesagt. Mit Transaktionskosten ist gemeint, dass jede Form von Transaktion, also jede Form von Austausch, mit Kosten verbunden ist. Ich denke, das können wir uns auch für Shared Projects gut vorstellen. Wenn man mit anderen Menschen in Projekten zusammenarbeitet, dann ist das aufwendig - oft viel aufwendiger, als wenn man es allein machen würde. Sich abstimmen, miteinander reden, anderen zuhören, über neue Ideen nachdenken… das ist alles aufwendig, es kostet vielleicht kein Geld, aber doch Zeit und Nerven. Transaktionskosten eben. Mitunter können diese Transaktionskosten so hoch sein, dass die Shared Projects zum Scheitern bringen. Nehmen wir als Beispiel wieder den Urlaub her. Der eine oder die andere von euch hat vielleicht schon die Erfahrung gemacht, wie es ist, als Pärchen gemeinsam mit einem anderen Pärchen Urlaub zu machen. Wem es bei der Erinnerung an einen solche...
12 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Mit dieser Folge startet die 8. Staffel von [Projekt: Leben], und das Generalthema dieser 8. Staffel sind unsere „shared projects”, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen - sei es, weil wir uns das freiwillig so ausgesucht haben oder sei es, weil wir diese Projekte von anderen Menschen auf’s Auge gedrückt bekommen haben.  

In gewisser Weise ist diese Staffel bzw. dieses Thema überfällig. 

Rückblickend betrachtet habe ich mich sieben Staffeln lang mehr oder weniger mit Personal Projects aus Sicht der Einzelperson, aus Sicht des individuellen Personal Project Managers beschäftigt. 

Diese Sichtweise war mir deshalb so wichtig, weil ich rüberbringen wollte, dass wir für unsere Personal Projects in erster Linie selbst verantwortlich sind. Wir können uns da auf niemanden ausreden, denn am Ende des Tages ist es UNSERE eigene Lebenszufriedenheit, die wir mit unseren Personal Projects bestimmen - zum Guten oder zum weniger Guten. 

Diese Sichtweise hatte aber auch zur Folge, dass ich diese Eigenverantwortung, diese individuelle Verantwortlichkeit mitunter etwas überbetont habe. Klarerweise sind unsere Personal Projects ganz stark verknüpft mit anderen Menschen und deren Personal Projects. Wenn wir auf unsere eigenen Personal Projects schauen, dann sehen wir in Wirklichkeit ein dichtes Netz von Querverbindungen und Verzweigungen zwischen unseren eigenen Personal Projects und Menschen in unserer Umgebung. Und je näher uns diese Menschen stehen, desto stärker und häufiger sind diese Verzweigungen und Verbindungen. 

Genau diesen Aspekt der Verzweigungen und Verbindungen möchte ich in dieser Folge ein bisschen genauer beleuchten. Ich möchte nämlich über das Konzept der „Interdependenz” sprechen, mit der sich diese ganz starke Vernetzung unserer Personal Projects mit den Personal Projects anderer Menschen sehr gut illustrieren lässt.  

Ich will mal versuchen, euch Interdependenz nicht theoretisch zu erklären, also mit Begriffsdefinitionen oder so, sondern anhand von zwei Blickwinkeln, die euch ein Gefühl dafür geben sollen, worum es bei Interdependenz geht. Interdependenz ist nämlich eines jener Dinge, wo ich finde, das versteht man am besten indirekt, indem man ein „Gefühl” dafür bekommt.  

Also, hier ist der erste Blickwinkel: 

1. Gepflegte Abhängigkeiten

Vor ein paar Wochen war ich bei einem Vortrag von Andy Holzer. Andy Holzer ist ein Osttiroler Bergsteiger, der  auch den Mount Everest bestiegen hat. Gut, das machen mittlerweile ein paar Hundert Menschen pro Jahr, aber das Besondere bei Andy Holzer ist, das er blind ist. Er hat also als erster blinder Mensch den Mount Everest bestiegen. Eine großartige Leistung also. 

Bei dem Vortrag von ihm ging es unter anderem eben auch um diese Everest-Besteigung, und er hat davon erzählt, dass das natürlich nur möglich ist, wenn man Menschen dabei hat, die einem dabei helfen. Er hatte also ein Team dabei, ohne das dieses Personal Project gar nicht möglich gewesen wäre.  

Andy Holzer hat das so beschrieben, dass er sich als blinder Mensch sein ganzes Leben lang in Abhängigkeit von Menschen befindet, die ihm Dinge ermöglichen, die er alleine nicht könnte. Und dann hat Andy Holzer etwas sehr Spannendes gesagt: Er achtet sehr darauf, dass diese Abhängigkeiten, die er da eingeht,  „gepflegte Abhängigkeiten” sind. „Gepflegte Abhängigkeit”, das finde ich ein wunderschönes Bild. Keine Abhängigkeiten, die uns schwach und hilflos machen, sondern Abhängigkeiten von Menschen, die uns dabei helfen, etwas Großes zu erreichen, das wir alleine nicht erreichen könnten. Gepflegt abhängig zu sein bedeutet also, sich bewusst in die Abhängigkeit begeben - und das nicht als Bürde, sondern als absolute Chance zu sehen. Sich darauf einzulassen. Projekte gemeinsam anzugehen und darauf zu vertrauen, dass das Ergebnis mehr ist als die Summe seiner Teile. Wir sind nämlich NICHT auf der Welt, um von anderen Menschen völlig unabhängig zu sein - sondern, um mit unserer Umwelt in Gegenseitigkeit zu leben. Um füreinander da zu sein. Andy Holzer hat das so zusammengefasst: „Wir brauchen einander bitter nötig. Am Anfang brauchen wir die Hebamme, am Schluss brauchen wir den Totengräber." 

2. Persönliches Wachstum

Der zweite Blickwinkel kommt von Stephen Covey, dem Autor des Buches „Die 7 Wege zur Effektivität”, einem echten Klassiker der Selbstmanagement-Literatur. 

Stephen Covey sagt in dem Buch, dass Interdependenz das Ergebnis ist eines persönlichen Wachstumsprozesses, und dieser Prozess läuft in drei Phasen ab: 

Abhängigkeit. Wir sind von bestimmten Menschen abhängig, z.B. von einem Arbeitgeber oder einem Großkunden oder auch unseren Eltern oder unseren Ehepartnern. Irgendwie und irgendwann kommen wir drauf, dass uns diese Abhängigkeiten nicht gut tun, und wir beginnen gegen sie zu rebellieren. Unabhängigkeit: Wir lehnen alle Abhängigkeiten ab. Wir wollen selbst für unser Leben und unser Glück verantwortlich sein. Wir wollen das Steuer in der Hand haben, wir wollen uns nach niemandem richten müssen. Das Pendel schlägt sozusagen in die andere Richtung aus. Interdependenz: Das Pendel pendelt sich in der Mitte ein. Nachdem wir gelernt haben, unabhängig zu sein und für uns selbst zu sorgen, können wir in dieser Phase der Interdependenz wieder Abhängigkeiten oder vielleicht passender Kooperationen eingehen - und zwar aus einer Position der eigene Stärke heraus, der eigenen Unabhängigkeit. Nicht, weil wir uns abhängig machen müssen, sondern weil wir WOLLEN. Weil wir begreifen, dass wir uns selbst etwas Gutes tun, wenn wir uns von anderen Menschen in unseren Personal Projects helfen lassen, wenn wir andere Menschen in unseren Personal Projects mitarbeiten lassen, und wenn wir gleichzeitig zulassen, anderen Menschen bei DEREN Personal Projects zu unterstützen - nämlich ohne selbst etwas dafür zu wollen, außer dass dieses Projekt eines Menschen, der uns wichtig ist, zum Erfolg wird. 

Wenn wir das jetzt auf unsere Personal Projects übertragen, dann könnte Interdependenz sowas sein wie die Erkenntnis, dass wir für viele unserer Personal Projects - vielleicht sogar für die meisten - andere Menschen BRAUCHEN, dass wir andere Menschen in unsere Personal Projects involvieren sollten. Nicht als ein Zeichen von Schwäche, sondern als ein Ausdruck von großer Selbstsicherheit und von großem Vertrauen. Stephen Covey bringt das so auf den Punkt: „Interdependenz ist zehnmal schwieriger als Unabhängigkeit. Kreative Zusammenarbeit erfordert ein enormes Maß an Unabhängigkeit, innerer Sicherheit und Selbstbeherrschung.” 

Wenn wir die Stärke und die Magie dieser „gepflegten Abhängigkeiten” begriffen haben, dann beginnen wir vielleicht auch zu verstehen, wie essenziell es ist, dass auch wir eine Rolle spielen in den Personal Projects anderer Menschen, weil sie nur durch unser Mitwirken zur vollen Entfaltung kommen können. 

Um genau das in all seinen Facetten soll es in den restlichen Folgen dieser Staffel gehen: Shared Projects als jene Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen - nicht aus Abhängigkeit, nicht aus Zwang, nicht als Bürde, sondern weil wir uns gegenseitig BRAUCHEN, um all das zur Entfaltung zu bringen, was uns das Leben an Möglichkeiten schenkt.

Zusammenfassung

...
10 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Diese Folge ist das Staffelfinale dieser 7. Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser Folge möchte ich wie in jedem Staffelfinale einen kurzen Rückblick auf die abgelaufene Staffel machen, einen Ausblick auf die kommende 8. Staffel geben und auch ein bisschen darüber reden, was sich sonst so tut.

1. Rückblick

Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf diese abgelaufene siebente Staffel von [Projekt: Leben].

Für diese siebente Staffel hatte ich mir ja ein Experiment vorgenommen: Ich habe mich in dieser Staffel einen einzigen Buch gewidmet, nämlich dem Buch „Personal Project Pursuit - Goals, Action, and Human Flourishing”. Es stammt aus dem Jahr 2007 und wurde herausgegeben von Brian R. Little, Katariina Salmela-Aro und Susan D. Phillips. 

Die Idee war, dass ich dieses Buch lese und meine Learnings dafür in diesem Podcast für euch, meine lieben Hörerinnen und Hörer aufbereite. Damit ihr dieses Buch nicht auch lesen müsst, sondern ihr das Nützlichste einfach bei mir im Podcast anhören könnt. 

Jetzt, im Rückblick ist vielleicht die Frage erlaubt: Wie gut ist mir denn die Umsetzung der Idee gelungen - so von meinem eigenen Gefühl her.  

Ich würde sagen: Eh ganz gut, aber… 

„Eh ganz gut” deswegen, weil ich glaube, dass ich ein paar wirklich interessante Aspekte aus dem Buch rausnehmen konnte und auch mit dem praktischen Personal Project Management verbinden konnte. Den Selbstversuch mit der Personal Projects Analysis, den ich in der 5. Folge der Staffel unternommen habe, den fand ich auch für mich persönlich sehr aufschlussreich.  

Oder die dritte Folge, wo es um die Idee gegangen ist, dass Personal Projects immer auch Vereinbarungen mit uns selbst sind und dass wir aufpassen müssen, wie wir mit diesen Vereinbarungen - und damit mit uns selbst - umgehen. 

Dem Sprachwissenschaftler in mir haben die Folge 7 und die Folge 8 natürlich besonders getaugt, weil ich den Zusammenhang zwischen den Namen, den wir unseren Projekten geben, und dem subjektiv empfundenen Gefühlen dazu ganz, ganz spannend finde. 

Und schließlich das Philosphicum über den Zufall, das hat mir ganz besonders viel Spaß gemacht zu konzipieren, da war ich richtig im Flow.

Aber kommen wir jetzt vielleicht zum ABER: Es ist mir nicht annähernd gelungen, das Buch zu behandeln. In Wirklichkeit bin ich über Seite 170 nicht hinausgekommen - und bin damit nicht mal bis zur Hälfte gekommen. Da wäre noch so viel, was es zu wissen und zu lesen gäbe. Aber das ist nicht ganz so leicht. Ich habe das eh schon öfters in dieser Staffel gesagt: Es ist ein wissenschaftliches Buch, und es ist in Englisch geschrieben. Das war mir von Anfang an klar. Aber WIE langsam ich beim Lesen und Durcharbeiten weiterkommen würde, das habe ich dann doch unterschätzt. Dieses Buch ist so dicht an Informationen, das liest sich nicht wie ein Roman, da ist das Lesen echte Arbeit. 

Aber ich will mich nicht beschweren. Ich sage nur: Zu dem Buch ist noch längst nicht alles gesagt. Gleichzeitig spüre ich aber auch, dass ich ein bisschen Abwechslung brauche und ich in der nächsten Staffel über ein anderes Thema sprechen möchte. Insofern denke ich, dass ich auf das Buch in der Zukunft immer wieder mal zurückkommen werde, aber wahrscheinlich nicht so dicht und konzentriert wie in dieser Staffel. 

2. Wie geht es denn eigentlich dem Podcast?

Für diejenigen, die sich fragen, wie’s denn dem Podcast an sich so geht, habe ich eine gute Nachricht. Seit dem letzten Staffelfinale sind nochmals gut 2.000 Downloads dazu gekommen, und damit hat der Podcast insgesamt 9.000 Downloads. 

Aber das Interessanteste ist, finde ich: Ich habe mittlerweile mehr Hörerinnen und Hörer in Deutschland als in Österreich! Das freut mich total, und vielleicht bist ja gerade du, der du das hörst, eine meiner Hörerinnen und Hörer in Deutschland. Wenn das so ist, dann schreib mir doch mal, wenn du Lust hast, an post@projekt-leben.jetzt. Würde mich sehr freuen, dich mal kennenzulernen! 

Aber ganz egal wo du, liebe Hörerin, lieber Hörer, diesen Podcast gerade hörst - Ein ganz, ganz herzliches Dankeschön, dass du mir dein Ohr leihst, und das immer und immer wieder. Ich weiß das sehr zu schätzen. 

3. Was gibt es sonst noch?

Ö3 Sendung "Treffpunkt: Podcast"

Zuerst mal möchte ich euch von etwas ganz Interessantem erzählen, was mich ziemlich überrascht hat. Es gibt auf Ö3, dem größten Radiosender Österreichs, seit ein paar Wochen jeden Mittwoch Abend eine Sendung über Podcasts! Ja, die Sendung heißt „Treffpunkt: Podcast”, und die Moderatoren stellen darin verschiedene Podcasts vor und reden darüber. Naja, in Wirklichkeit spielen sie natürlich viel Musik, die durch kurze Beiträge über Podcast unterbrochen wird. Aber immerhin finde ich es erstaunlich, dass dem Medium Podcast auf Ö3 eine eigene Sendung eingeräumt wird.  

Ich hab mir die Sendung auch ein paar Mal schon angehört. Inhaltlich ist da natürlich noch Luft nach oben, was ja auch klar ist, denn die Sendung soll ja in erster Linie unterhalten. Aber insgesamt finde ich es gut, dass auf diese Art und Weise das Medium Podcast vielen Menschen in Österreich bekannter gemacht wird. Keine schlechte Sache, finde ich. 

b) Neuer Job

Das andere Thema, über das ich kurz reden möchte: Ab Mitte November 2019 starte ich ein neues größeres Personal Project. Ich werde dann als Gründungsberater arbeiten, das heißt, ich werde Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer dabei unterstützen, ihr Unternehmen auf Schiene zu bekommen und erfolgreich auf den rauen Wind der Marktwirtschaft vorzubereiten. 

Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe, finde das wahnsinnig spannend, und ich glaube, das ist etwas, wo ich meine Stärken sehr gut einbringen kann.  

Für den Podcast bedeutet das aber, dass dieses neue Personal Project einiges an Zeit beanspruchen wird - und das ist möglicherweise Zeit, die ich bisher für den Podcast verwenden konnte. 

 Aber damit wären wir eh schon beim letzten Punkt:

4.  Ausblick auf die nächste Staffel

Wie geht es weiter mit [Projekt: Leben]? Zunächst mal geht der Podcast in eine kurze Pause. Das heißt, jetzt gibt es zwei Wochen mal keine neuen Folgen. Weiter geht es dann am 26. November mit der ersten Folge der 8. Staffel. 

In der 8. Staffel wird es um „shared projects” gehen, also um Personal Projects, die wir mit anderen Menschen gemeinsam umsetzen wollen oder müssen. Das betrifft viele Projekte in der Familie, am Arbeitsplatz aber auch in der Freizeit. Ich möchte darüber sprechen, wie solche geteilten Projekte „funktionieren” und wie wir uns das Leben in ihnen und mit ihnen erleichtern können. 

Es könnte sein, dass die Folgen in Zukunft etwas kürzer werden, was dem geringeren Zeitbudget geschuldet wäre. Aber das weiß ich noch nicht genau, das werden wir gemeinsam herausfinden. Ich habe jedenfalls vor, weiterhin eine Folge pro Woche zu veröffentlichen - sofern der Podcast und ich nicht gerade in Pause sind. 

Und das war auch schon mein Stichwort zum Abschluss: Ich wünsche euch eine angenehme [Projekt: Leben] Podcast-Pause bis 26. November.
15 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Diese Folge ist eine Ausgabe des allseits beliebten Philosophicums. Im Philosophicum versuche ich ja, mich etwas grundsätzlicheren Fragen zu beschäftigen und lade dich dazu ein, mit mir ein bisschen nachzudenken. Im Philosophicum geht es nicht um konkrete Tipps oder fix-fertige Lösungen, sondern eher um die Fragen, die mich - und vielleicht auch dich - beschäftigen. 

Die Frage dieses Philosophicums lautet: Welche Rolle spielt eigentlich der Zufall in unseren Personal Projects? 

Das ist eine Frage, die mich schon lange umtreibt. Weil es ist ja so: Auf der eine Seite sage ich - und davon bin ich überzeugt -, dass die Art und Weise, wie wir die großen und kleinen Projekte in unserem Leben managen, einen großen Einfluss auf unser Leben haben - und besonders auf das, was wir „Glück“ nennen. Ich sage also, wir haben es zu einem guten Teil selbst in der Hand, ob wir unser Leben als gelungen, als glücklich, als sinnvoll empfinden. Davon bin ich fest überzeugt, und deswegen gibt es auch diesen Podcast, weil ich eben glaube, dass wir mit cleverem Personal Project Management unser Leben besser im Griff haben. 

Und dennoch… und das ist auch ein unumstößliches Faktum: Das Leben lässt sich nicht kontrollieren. Das Leben richtet sich nicht nach unseren Plänen, auch nicht nach den Projektplänen unserer Personal Projects. Personal Project Management findet also immer in einem Spannungsfeld statt - nämlich dem Spannungsfeld des Lebens, das sich an und für sich nicht planen lässt und dem Spielraum für unseren eigenen Willen, unsere Kreativität und unseren Gestaltungswillen, den wir unbestritten auch haben - sicher eingeschränkt, aber er ist da. 

Und in dieses Spannungsfeld will ich heute ein bisschen eintauchen. Wie spielen also das unberechenbare Leben und unser Personal Project Management zusammen? Und ein Kreuzungspunkt, wo sich diese beiden Lebenslinien treffen, ist der Zufall. Der Zufall, diese magischen Momente im Leben, wo etwas passiert, mit dem wir nicht gerechnet haben. Jene zufälligen Ereignisse oder Begegnungen, die unser Leben für immer verändern. Zufälle haben keinen Platz in Projektplänen, und doch dürfen wir immer wieder mit ihnen rechnen. 

Natürlich habe ich auf diese Frage keine fix-fertigen definitiven Antworten. Darum geht es im Philosophicum auch gar nicht. Ich finde Fragen ja sowieso viel interessanter als Antworten. Ich will dir deswegen heute vier Gedanken dazu mitgeben, sozusagen als Schlaglichter auf das Thema. Gänzlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber vielleicht gerade deswegen interessant und inspirierend für dich. 

(1) Schlaglicht: Wie Brian Little die Personal Projects fanden.

Ich finde ja großartig, dass der Zufall eine ganz, ganz zentrale Rolle gespielt hat dabei, dass die Personal Project Theorie überhaupt entwickelt wurde. Als ich Brian Little, den Godfather der Personal Project Theorie, interviewt habe, habe ich auch über diesen Aspekt mit ihm gesprochen. Du kannst das komplette Interview mit ihm gerne nachhören, ich verlinke das auch in den Show Notes, ist wirklich sehr inspirierend… Jedenfalls möchte ich dir hier kurz vorlesen, wie Brian Little im Interview die Geschichte erzählt hat, wie er die Personal Projects gefunden hat - oder besser gesagt, wie sie ihn gefunden haben: 

„Ein entscheidender Punkt war, als ich noch Student war und ich auf dem Gebiet der Neuropsychologie arbeitete. Ich war gerade dabei, nach Berkeley zu gehen, um eine Studie über die Gehirne kleiner Nagetiere zu machen. Ich suchte nach einem Atlas des Gehirns, den ich für eine Analyse brauchte, die ich gerade machte. Ich streckte mich in der Bibliothek des Colleges hoch, aber statt des Atlas des Gehirns erwischte ich ein falsch abgelegtes Exemplar eines Buches von George Kelly namens „The Psychology of Personal Constructs“. […]

Also fing ich an zu lesen - es war nicht das, weswegen ich überhaupt in die Bücherei gegangen war. Ich setzte mich auf den Boden und ungefähr sieben Stunden später stand ich auf und sagte: „Ich möchte keine Rattenhirne studieren. Ich möchte die menschliche Persönlichkeit durch die Brille der Theorie der persönlichen Konstrukte studieren!" Als ich nach Berkeley kam, wechselte ich daher von der Neuropsychologie zur Persönlichkeitspsychologie. [...]

Als ich nach Hause fuhr, wurde mir klar, dass genauso  wie die Straße, auf der ich unterwegs war - ich war auf dem Weg nach Berkeley - so ist auch unser Leben oft: Da gibt es Highways und Abfahrten, und es sind nicht die Konstrukte, sondern die Projekte, an denen ich arbeitete, die mir besonders wichtig waren. Es war also auf diesem Highway, als ich anfing, über „erweiterte Akte von persönlich bedeutsamem Verhalten im Kontext", die Definition von Personal Projects, nachzudenken. Das ist meine Geschichte der Personal Projects - zusammen mit einigen anderen Einflüssen. Sie springen auf dich zu. Es ist, wie du sagst - Projekte wählen manchmal dich.“ 

Was für ein Zufall… Ein falsch abgelegtes Buch, das Brian Little zufällig in die Hände fällt, hat es überhaupt erst ermöglicht, dass wir uns in diesem Podcast über Personal Projects unterhalten. 

(2) Schlaglicht: Das Serendipitäts-Prinzip

Ich möchte als nächstes über das so genannte Serendipitäts-Prinzip sprechen. Serendipity, das ist ein englischer Begriff, den der amerikanische Soziologe Robert Merton in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht hat. Serendiptiy oder Serendipität, das ist das Prinzip des „glücklichen Zufalls“. Manchmal entstehen die besten Sachen aus reinem Zufall heraus. 

Eines der bekanntesten Bespiele für Serendipität ist die so genannte „Entdeckung Amerikas“ durch Christoph Columbus im Jahr 1492. Was wollte Christoph Columbus eigentlich? Wissen wir aus dem Geschichte-Unterricht: Einen anderen Seeweg nach Indien finden. Er wollte nach Indien, angekommen ist er auf den Bahamas. Da ist wohl ein Personal Project komplett schief gegangen - aber herausgekommen ist ein Projekt, das noch viel besser war als das ursprünglich geplante. 

Weitere Bespiele für Serendipität sind die Erfindung des post-its, die Entdeckung von Penicilin, von Silikon, die Erfindung des Klettverschlusses und sogar die Erfindung des von mir heiß geliebten Teebeutels. Immer wollten deren Entdecker eigentlich etwas ganz Anderes, aber Serendipität wollte es, dass sie etwas fanden, womit sie nie im Leben gerechnet hatten. Brian Little greift nach dem falschen Buch… wahrscheinlich auch ein Fall von Serendipität. 

Und wenn du jetzt so in deinem eigenen Leben ein bisschen nachforscht… Vielleicht fallen dir da ebenfalls Beispiele für Serendipität ein. Momente des glücklichen Zufalls, wo du eigentlich etwas ganz anderes wolltest, die größten Besonderheiten in deinem Leben entstanden sind. Bei mir ist das definitiv so. Von Peter Cornelius gibt es ein Lied, das heißt „Zufällig“, und da geht es darum, dass auch die Liebe zwischen zwei Menschen scheinbar zufällig entstehen kann. Ja, das soll auch im echten Leben schon vorgekommen sein. 

(3) Schlaglicht: Der Zufall begünstigt einen wachen Geist.

„Der Zufall begünstigt einen wachen Geist.“ Das ist ein Zitat, das Louis Pasteur zugeschrieben wird - der französische Chemiker, der der Menschheit so großartige Dinge wie die Pasteurisierung und die Tollwutimpfung und viel mehr hinterlassen hat. Genauer genommen hat er gesagt: „Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.“ 

Der Zufall begünstigt also nur einen Geist, der auch vorbereitet ist. Von nichts kommt nichts. Für den glücklichen Zufall muss man also auch emp...
15 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Diese Folge ist eine direkte Fortsetzung zur letzten Folge. In der letzten Folge habe ich ja über einen Artikel von Neil Chambers gesprochen, in dem er beschreibt, dass es da einen Zusammenhang gibt zwischen der Art und Weise, wie wir unsere Personal Projects benennen und den Erfolgsaussichten, die wir diesen Projekten unbewusst zugestehen. Anders formuliert: Man kann aus den Namen eines Personal Projects schon herauslesen, ob wir glauben, dass wir dieses Projekt erfolgreich umsetzen werden oder eher nicht. 

Wenn du die letzte Folge noch nicht gehört hast, dann empfehle ich dir sehr, die letzte Folge zuerst zu hören, bevor du mit dieser Folge weitermachst - weil ja, wie gesagt, diese Folge eine direkte Fortsetzung ist und du dich wesentlich leichter tust, wenn du das Vorwissen der letzten Folge schon hast. 

In dieser Folge geht es nun darum, dass Neil Chambers bei seiner Forschung zu den Projektnamen noch einen Schritt weiter gegangen ist. Er ist nämlich auch der Frage nachgegangen: Könnte es sein, dass bestimmte Menschen zu bestimmten Formulierungen bei ihren Projekt-Namen neigen? Also, gibt es Menschen, die ihren Personal Projects bevorzugt Versuchs-Namen geben? Oder eine andere Gruppe, die ihren Projekten eher Vermeidungs-Namen geben? Und wenn ja, was kann man über solche Versuchs-Typen oder Vermeidungs-Typen oder Mehr-von-Typen sagen? Wie sind die? 

Und genau um diese Typen geht es in dieser Folge. 

Rückblick

Zuerst mal ein kurzer Rückblick auf die letzte Folge: Welche Typen von Projektnamen hat Neil Chambers da überhaupt definiert? 

Aktions-Namen, sozusagen die „normalen“ Projektnamen, also zB „ein guter Ehemann sein“ Versuchs-Namen, also zB „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“ Mehr-von-Namen, also zB „Ein besserer Ehemann sein“ oder auch „Öfter ein guter Ehemann sein“ Vermeidungs-Namen, also zB „Kein schlechter Ehemann sein“ oder „Weniger oft ein schlechter Ehemann sein, damit meine Ehe nicht in die Brüche geht“ oder sowas in die Richtung. Fortsetzungs-Namen, also zB „Weiterhin ein guter Ehemann bleiben“ 

Wie gesagt, Neil Chambers hat sich jetzt angesehen, ob es Menschen gibt, die besonders zu Versuchs-Namen neigen oder auch welche, die ihren Projekten besonders oft Vermeidungs-Namen geben. Kurz gesagt: Ja, es gibt so etwas, das er „individual phrasing tendencies“ nennt, also individuelle Formulierungstendenzen.  

Und dass es sowas tatsächlich gibt, finde ich extrem spannend. Ich bin ja auch studierter Sprachwissenschaftler, und ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel unsere Sprache, wie viel einzelne Worte, die wir verwenden oder nicht verwenden, wie viel die über uns verraten - nämlich auch Dinge, die uns gar nicht bewusst sind, aber die über unsere Sprache im wahrsten Sinn des Wortes „zur Sprache kommen“. Wie gesagt, ein faszinierendes Gebiet für mich, und ich hoffe, ich kann euch in dieser Folge ein bisschen was von meiner Begeisterung mitgeben. 

Bevor wir jetzt über die einzelnen Formulierungs-Typen sprechen, eine wichtige - und ehrlich gesagt für mich etwas überraschende - Erkenntnis: Neil Chambers hat in seinen Forschungen festgestellt, dass es keinen gender bias bei den Formulierungen gibt. Soll heißen: Es ist nicht so, dass Frauen ihre Projekte grundsätzlich anders benennen als Männer. Das widerspricht auch ein bisschen dem landläufigen Vorurteil, dass Frauen grundsätzlich vorsichtiger mit ihrer Sprache und ihren Formulierungen sind. Das hat sich in diesen Untersuchungen jedenfalls nicht bestätigt. 

a)  The Trying Personality

Neil Chambers nennt in „the Trying Personality“, also „die versuchende Persönlichkeit“. Das sind Menschen, die ihren Projekten besonders gerne Versuchs-Namen geben, z.B. „Versuchen, mehr Gemüse und weniger Mannerschnitten zu essen“ und nicht einfach „Mehr Gemüse essen“ oder „Versuchen, nett zu meiner Kollegin zu sein“ statt „Nett zu meiner Kollegin sein“. 

Was kann man über die versuchenden Persönlichkeiten sagen? 

Die versuchende Persönlichkeit hat tendenziell - im Vergleich zu den meisten anderen Menschen - ein verringertes Gefühl von Selbstwirksamkeit. Das heißt: Diese Personen haben weniger stark das Gefühl, das sie für den Erfolg ihrer Personal Projects selbst verantwortlich sind. In deren Augen hängt es also weniger von ihrem eigenen Bemühen ab, ob ein Projekt tatsächlich zum Erfolg wird, sondern von vielen anderen, externen Faktoren.  

Nehmen wir das Projekt her „Versuchen, nett zu meiner Kollegin sein“. Eine versuchende Persönlichkeit würde über dieses Projekt wahrscheinlich sagen: „Naja, ich bemühe mich ja eh, nett zu ihr zu sein, aber meine Kollegin, das ist so eine Beißzange… Die ist so unmöglich, da sagt so dumme Sachen, da kann ich gar nicht anders als meine Beherrschung verlieren. Ich will ja nett sein, aber es geht einfach nicht, weil meine Kollegin so eine Kuh ist.“ Oder sowas in die Richtung. Für den Erfolg dieses Projekts sieht die versuchende Persönlichkeit also in erster Linie die Kollegin verantwortlich.  DIE muss sich zuerst mal ändern, ICH kann da im Grunde nichts wirklich unternehmen. 

Solche Menschen, hat Neil Chambers herausgefunden, sind tendenziell unglücklicher in ihrem Leben im Gesamten gesehen. Sie neigen mehr zu Verstimmungen und Depressionen, weil sie eben stärker das Gefühl haben, dass sie ihr Leben nicht wirklich in der Hand haben und bei ihren Personal Projects stark vom guten Willen anderer abhängig sind. 

b) The Morish Individual

Neil Chambers nennt ihn „the Morish Individual“, frei übersetzt sowas wie „das mehrende Individuum“. Das sind Menschen, die ihren Projekten bevorzugt Mehr-von-Namen geben. Also, diese Menschen nennen ein Projekt z.B. „Öfter mit meinen Eltern telefonieren“ und nicht einfach nur „Mit meinen Eltern telefonieren“ oder „Mich gesünder ernähren“ und nicht nur „Mich gesund ernähren“ und so weiter. 

Was können wir über diese „mehrenden“ Typen sagen? 

Die für mich etwas überraschende Erkenntnis ist, dass Menschen, die viele „mehr von“-Projekte haben, sich tendenziell als weniger kompetent in ihren Projekten sehen und weniger das Gefühl haben, dass ihre Projekte erfolgreich sein werden. 

Das Interessante dabei ist jetzt, dass dieses Gefühl, in seinen Projekten nicht besonders kompetent zu sein und die Erfolgschancen als nicht besonders rosig einzuschätzen, nicht nur auf die Projekte zutrifft, denen sie „Mehr -von“-Namen geben, sondern auf ALLE Projekte - also auch auf jene, denen sie ganz normale Aktionsnamen geben.  

Der mehrende Typ möchte also viel in seinem Leben verbessern, aber irgendwie kommt er nicht richtig vom Fleck.  

c) The Avoidant Personality

Kommen wir zu „the Avoidant Personality“, also die vermeidende Persönlichkeit. Das sind Menschen, die ihren Projekten gerne Vermeidungsnamen geben, also zum Beispiel „Mich nicht immer so ungesund ernähren“ statt „Mich gesund ernähren“ oder „Mir die Arbeit nicht so zu Herzen nehmen“ statt „Auf meine Work.Life-Balance achten“ und so weiter. 

Was ist mit diesen vermeidenden Persönlichkeiten? 

Solche Persönlichkeiten drücken dadurch, das...
14 Minuten
 Worum geht’s in dieser Folge?

Ich bin ja in dieser Staffel dabei, das Buch „Personal Projects Pursuit“ von Brian Little zu studieren, und darin bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mir besonders viel Freude gemacht hat. Wie ihr vielleicht wisst oder nicht wisst, ich habe neben einem Wirtschaftsstudium auch Sprachwissenschaft studiert. Ich bin also auch gelernter Sprachwissenschaftler, und in dem Buch gibt es tatsächlich einen Artikel, wo die Personal Projects Forschung und die Sprachwissenschaft zusammenfinden. Und genau über diesen Artikel möchte ich in dieser Folge - und auch in der nächsten - sprechen.  

Der Artikel stammt übrigens von Neil C. Chambers und findet sich im Buch auf den Seiten 145 - 169 - für jene unter euch, die das nachlesen möchten. All jene, die lieber hören als lesen, lade ich hiermit ein, mit mir eine spannende Reise in die Sprache unserer Personal Projects zu unternehmen.

Worum geht's in dem Artikel?

Neil Chambers ist der Frage nachgegangen, ob man aus der Art und Weise, wie wir unsere Personal Projects benennen, irgendetwas herauslesen kann.  

Wir müssen uns nämlich Folgendes vorstellen: Jeder von uns hat ja eine Vielzahl von Möglichkeiten, ein bestimmtes Personal Project zu benennen. Die Namen unserer Personal Projects sind ja in der Regel nicht vorgegeben, sondern wir wählen diese Namen selbst. Und dabei ist es interessant, dass wir diese Namen tatsächlich nicht ganz zufällig wählen dürften, oder anders formuliert: Welche Namen wir unseren Projekten geben, das sagt etwas über diese Projekte selbst aus. 

Ich gebe euch ein Beispiel: Stellt euch vor, ich habe ein Projekt, wo es im Grunde darum geht, dass ich ein guter Ehemann sein möchte, was auch immer das konkret bedeuten mag. Also habe ich ein Personal Project, genauer gesagt ein Self Project, dem ich einen Namen geben kann. Und dieses Projekt könnte heißen „Ein guter Ehemann sein“. Klar. Es könnte aber genauso gut heißen „Kein schlechter Ehemann sein“. Oder es könnte heißen „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“. Oder es könnte heißen „Öfter mal ein guter Ehemann sein“. Oder es könnte heißen: „Ein guter Ehemann sein, um meine Ehe zu retten“. Oder es könnte auch heißen „Weiterhin ein guter Ehemann sein“. Und noch viele andere Varianten, die unsere Sprache hergibt. 

Wie wir unsere Personal Projects benennen, dafür gibt es keine Regeln. Aber Neil Chambers beschreibt in seinem Artikel, dass es dennoch nicht ganz zufällig ist, welche Namen wir unseren Projekten geben.  

Er hat z.B. untersucht, ob es tatsächlich einen Unterschied macht, ob jemand sein Projekt „Ein guter Ehemann sein“ nennt oder „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“. Wie hat er das erforscht? Mit der Personal Projects Analysis, die ich ja vor ein paar Folgen vorgestellt habe. Jedenfalls hat er sich 10.604 Projektnamen angesehen und die in fünf Kategorien geteilt: 

Aktions-Namen, sozusagen die „normalen“ Projektnamen, also zB „ein guter Ehemann sein“ Versuchs-Namen, also zB „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“ Mehr-von-Namen, also zB „Ein besserer Ehemann sein“ oder auch „Öfter ein guter Ehemann sein“ Vermeidungs-Namen, also zB „Kein schlechter Ehemann sein“ oder „Weniger oft ein schlechter Ehemann sein, damit meine Ehe nicht in die Brüche geht“ oder sowas in die Richtung. Fortsetzungs-Namen, also zB „Weiterhin ein guter Ehemann bleiben“ 

Und dann hat sich Neil Chambers angeschaut, ob es einen Zusammenhang gibt, wie wir unsere Projekte benennen und wie erfolgreich wir glauben, dass wir bei der Umsetzung dieser Projekte sein werden. Eine ganz, ganz spannende Frage, wie ich finde - und überhaupt eine geniale Idee, sowas zu untersuchen.  

Okay, schauen wir uns an, was Neil Chambers herausgefunden hat. 

a) Versuchs-Namen

Zuerst hat sich Neil Chambers die Versuchs-Projekte angesehen, also „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“. Dabei hat er folgendes herausgefunden: Wer sein Projekt nennt „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“ und nicht einfach nur „Ein guter Ehemann sein“, also wer etwas versucht zu tun anstatt es einfach zu tun, der schätzt die Erfolgschancen dieses Projekts systematisch schlechter ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Versuchs-Projekt scheitert, wird von den Probanden der Untersuchung höher eingeschätzt, als das bei einem normalen Aktions-Projekt der Fall ist. 

Warum ist das so? Weil wir uns mit dem „versuchen“ ein Hintertürchen offen lassen. Es geht bei Versuchs-Projekten nämlich nicht um das Ergebnis, nicht um den Output, sondern nur um den Versuch. Bei Versuchs-Projekten ist das Projektziel also schon erreicht, wenn du es nur versuchst - unabhängig davon, ob du jetzt tatsächlich ein guter Ehemann gewesen bist oder nicht. Unsere Sprache ist also verräterisch: Wenn wir das Wort „versuchen“ in unseren Projektnamen einbauen, dann wissen wir unbewusst längst, dass das ein Projekt ist, bei dem wir eher nicht glauben, dass wir groß Erfolg haben werden. 

b) Mehr-von-Namen

Kommen wir zu den Projekten mit Mehr-von-Namen, also beispielsweise „Ein besserer Ehemann sein“ oder auch „Mehr Sport machen“ oder „Mehr Zeit mit meinen Eltern verbringen“ oder „Wieder öfter Klavier spielen“ und so weiter. Was hat Neil Chambers über diese Projektnamen herausgefunden?  

Grundsätzlich ist es so, dass wir von diesen Mehr-von-Projekte tatsächlich gerne mehr in unserem Leben hätten. Also wenn jemand sagt, sie hat ein Projekt das heißt „Wieder öfter Klavier spielen“, dann ist es meisten so, dass das Projekt ihr tatsächlich Freude bereiten würde. Also, mit unseren Mehr-von-Projekten verbinden wir in der Regel sehr positive Gefühle. Aber es gibt einen Haken: Gleichzeitig schätzen wir die Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich „mehr von“ etwas in unser Leben bekommen, als nicht besonders hoch ein. Wenn ich also sage, mein Projekt heißt „Ein besserer Ehemann sein“, dann drücke ich damit unbewusst aus, dass es mir zwar schon gut gefallen würde, wenn ich ein besserer Ehemann wäre, aber leider, leider… ich glaube nicht, dass mir das gelingen wird. Oder im Fall des Projekts „Wieder öfter Klavier spielen“: Ja, sie würde wirklich gerne öfter Klavier spielen, aber neben den vielen anderen Dingen, die im Alltag zu erledigen sind, schätzt sie die Wahrscheinlichkeit nicht besonders hoch ein, dass sie dafür wirklich Zeit und Muße finden wird. 

c) Vermeidungs-Namen

Okay, was ist mit den Vermeidungs-Namen, also z.B. „Kein schlechter Ehemann sein“ oder auch „Nicht so ungesund essen“. 

Auch bei diesen Projekten haben wir ein Problem, und zwar Folgendes: Wenn wir ein Projekt hernehmen, das heißt „Mich gesund ernähren“, dann kann ich, wenn ich mich ein bisschen einlese, wahrscheinlich sagen: Okay, da gibt es vier, fünf oder sechs Dinge, die ich in meiner Ernährung umstellen sollte, und dann habe ich schon einen großen Schritt Richtung gesunder Ernährung gemacht. Aber was ist, wenn ich das Projekt in Richtung Vermeidung formuliere, also „Schlechte Ernährung vermeiden“? Dann ist es so, dass ich zwar nur eine Handvoll Dinge habe, die ich tun kann, um mich GUT zu ernähren, aber tausend Möglichkeiten, um mich SCHLECHT zu ernähren. Es gibt also viel mehr Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, als etwas richtig zu machen. Das gilt auch für das Projekt „Ein guter Ehemann sein“. Wenn ich mein Projekt nenne „Kein schlechter Ehemann sein“, dann habe ich irrsinnigen Stress damit, weil es pot...
13 Minuten
 Worum geht’s in dieser Folge?

Ich bin ja dabei, das Buch „Personal Projects Pursuit“ von Brian Little zu studieren, und in dieser Folge möchte ich über ein Phänomen bei unseren Personal Projects sprechen, das Brian Little auf Seite 74 des Buches beschreibt - nämlich den Meaning Manageability Trade-off. 

Was das genau ist, warum er uns immer wieder beschäftigt und wie wir mit dem Meaning Manageability Trade-off umgehen können, davon handelt diese Folge. 

Was ist der Meaning Manageability Trade-off?

Okay, was ist jetzt genau der Meaning Manageability Trade-off? 

Naja, dazu müssen wir zuerst mal drüber sprechen, was mit „meaning“ und was mit „manageability“ im Zusammenhang mit Personal Projects gemeint ist. 

Was bedeutet „meaning“?

Schauen wir uns mal den Begriff „meaning“ an. Bei „meaning“ geht es um den Sinn, den wir mit einem Personal Project verbinden. Jeder von uns hat ein intuitives Gefühl dafür, wie sinn-voll, wie erfüllend ein bestimmtes Personal Project für ihn ist. Ein Projekt, wo ich persönlich sagen würde, da steckt ganz viel „meaning“ drin, wäre zum Beispiel mein Personal Project „Papa sein“. „Papa sein“, das ist ein core project, ein Herzensprojekt von mir, und in der Regel ist es so, dass unsere Herzensprojekte jene Projekte sind, die für uns viel „meaning“ haben.

Und im Gegensatz dazu wird es Projekte in unserem Leben geben, wo wir sagen: „Naja, dieses Projekt mache ich zwar, aber Sinn? Sinn hat das nicht wirklich für mich. Oder nicht sehr viel.“ Das könnte z.B. ein Projekt sein wie „Jeden Sonntag den Papiermüll zur Müllinsel bringen“. Das ist ein Projekt von mir, wo ich sage: „Ich sehe zwar ein, dass das erledigt gehört, aber zu dem, was mir Sinn gibt in meinem Leben, trägt das nicht wirklich was bei.“ 

Okay, ich hoffe, es ist für dich jetzt verständlich, was mit „meaning“ im Zusammenhang mit Personal Projects gemeint ist. Schauen wir uns jetzt den zweiten Begriff genauer an, nämlich „manageability“. 

Was bedeutet „manageability“?

„Manageability“, damit ist gemeint, wie schwer oder wie leicht wir uns tun, ein bestimmtes Personal Projects zu managen. Das heißt, wie schwer oder wie leicht ist es, ein bestimmtes Personal Project im Alltag umzusetzen. Wie schwer oder wie leicht fällt es uns, für ein bestimmtes Personal Project tatsächlich auch ganz konkrete nächste Schritte zu finden, zu sagen, was als nächstes zu tun ist und so weiter. 

Bleiben wir wieder bei den beiden Beispielen meiner Personal Projects. Da haben wir einerseits das Personal Project „Papa sein“, und dann ist da das Personal Project „Jeden Sonntag den Papiermüll zur Müllinsel bringen“. Welches davon, glaubst du, hat für mich die größere „manageability“?  

Ist wahrscheinlich leicht zu erraten: Es ist das Papiermüll-Projekt. Das ist ziemlich leicht zu managen: Ich weiß, was zu tun ist und wann es zu tun ist. Ich hab das auch schon ein paar Mal gemacht und kann ganz gut abschätzen, wie das ablaufen wird. Viel kann mich dabei nicht überraschen, außer vielleicht, es regnet genau dann, wenn ich den Papiermüll wegbringen will, aber auch dafür stehen mir mit Regenjacke oder Regenschirm geeignete Management-Tools zur Verfügung. Ich kann also sagen, dieses Projekt bekomme ich ganz gut hin. 

Aber was ist mit dem Projekt „Papa sein“? Das spielt auf einem ganz anderen Level. Das zu managen, stellt mich beinahe täglich vor Herausforderungen. Da gibt es viel zu beachten, da hängt vieles voneinander ab, da hängt auch vieles von anderen Personen in meiner Familie ab, insgesamt ist das ein komplexes Projekt. Und komplexe Projekte sind schwer zu managen, das habe ich in einer eigenen Podcast-Folge ja schon genauer erklärt. 

Also, zusammengefasst: Es gibt Projekte, bei denen tun wir uns leicht sie zu managen, und es gibt Projekte, da kommen wir regelmäßig an unsere Grenzen.   

Und was ist jetzt der Meaning Manageability Trade-off?

Vermutlich hast du das Problem schon erkannt. Es ist bei unseren Personal Projects häufig so, dass „meaning“ und „manageability“ umgekehrt proportional zueinander sind. Soll heißen: Ein Projekt mit viel „meaning“ hat wenig „manageability“, und ein Projekt mit viel „manageability“ hat oft wenig „meaning“. Das muss nicht immer so sein, aber es ist nicht ungewöhnlich, dass es diesen Konflikt gibt. 

Was jetzt passiert, ist, dass wir in dem Fall einen Trade-off eingehen müssen. Ein Trade-off, das ist so etwas wie ein Kompromiss, eine Abwägung, ein Ausgleich, könnte man sagen. Wir müssen also für jedes Projekt abwägen (und das machen wir meistens ganz unbewusst, automatisch). Wie viel „meaning“ will ich in dem Projekt, und wie viel „manageability“. Anders formuliert: Wenn ich ein Projekt habe, das für mich viel „meaning“ hat, dann bin ich wahrscheinlich bereit, bei der „manageability“ Abstriche zu machen. Also, wenn ich Papa sein will, dann muss ich auch bereit sein, mich darauf einzulassen, dass dieses Projekt öfter mal nicht so läuft wie geplant, dass Überraschungen auftreten und dass mir häufig nicht ganz klar ist, was der nächste Schritt in dem Projekt sein wird. 

Andererseits, wenn ich ein Projekt habe, das für mich nur ganz wenig „meaning“ hat, dann werde ich dafür haben wollen, dass es möglichst leicht zu managen ist. Also, wenn ich schon den Papiermüll wegbringen muss, dann soll das bitte so einfach sein wie nur irgendwie möglich. Ich bin nicht bereit, dafür mehr Zeit, Energie und Nerven zu investieren als unbedingt notwendig. Mein Trade-off ist, dass ich wenig Sinn hinnehme, aber dafür als Ausgleich erwarte, dass das Management dieses Projektes ganz, ganz einfach ist. 

Denken wir diesen Meaning Manageability Trade-off noch einen Schritt weiter. Was ist, wenn dieser Trade-off bei einem Projekt nicht funktioniert? Was passiert dann? 

Da wäre erstens mal der Fall, dass wir ein Projekt mit viel „meaning“ haben, das wir aber auch als leicht zu managen empfinden. So ein Projekt wird wahrscheinlich unser Lieblingsprojekt sein. Das machen wir gerne, da kommen wir in den Flow, das macht Spaß. Von diesen Projekten können wir eigentlich gar nicht genug in unserem Leben haben. Aber was ist im umgekehrten Fall? Ein Projekt, das für uns wenig Sinn hat, aber schwer zu managen ist? Du kannst es dir wahrscheinlich vorstellen, das sind Projekte, die uns Jahre unseres Lebens kosten, die uns gewaltig auf die Nerven gehen. Es hat keinen Sinn, und es ist mühsam? Solche Projekte wollen wir - und sollten wir - so schnell wie möglich los werden. 

Okay, das mal dazu, was der Meaning Manageability Trade-off ist und wo er her kommt. Schauen wir uns jetzt noch an, wie wir mit dem Meaning Manageability Trade-off im Alltag umgehen können. 

Wie können wir mit dem Meaning Manageability Trade-off umgehen?

Ich habe da 3 Tipps für euch, die dabei helfen können, unsere Personal Projects gut durch den Meaning Manageability Trade-off zu steuern. 

Tipp 1: Akzeptiere den Trade-off

Nimm den Trade-off als Teil des Spiels unserer Personal Projects hin. Man kann ihm nicht entkommen, er gehört einfach dazu. Er ist ganz automatisch da. Wie eines meiner Lieblingssprichwörter sagt: Wer einen Baum hat, der hat auch Laub. Es geht also nicht drum, ihn zu vermeiden, sondern mit ihm zu leben. Also, der erste Schritt aus meiner Sicht zu einem produktiven Umgang mit dem Meaning Manageability Trade-off ist mal, ihn hinzunehmen und nicht gegen Windmühlen zu kämpfen. 

Tipp 2: Geh den Trade-off bewusst ein

Ich habe ja schon gesagt, dass wir unbewusst im Alltag ständig mit dem Meaning Ma...
17 Minuten
Worum geht's in dieser Folge?

Diese Folge ist eine direkte Fortsetzung zur letzten Folge, wo ich über die Personal Projects Analysis gesprochen habe. Die Personal Projects Analysis ist eine Forschungsmethode, mit der man Personal Projects analysieren kann, und in der letzten Folge habe ich diese Methode genauer beschrieben: wie sie aufgebaut ist, welche verschiedenen Module enthalten sind, was man da alles machen muss, wenn man an so einer Personal Projects Analysis teilnehmen will.

Für diese Folge habe ich mir gedacht, wäre es vielleicht ganz spannend, wenn ich euch erzähle, was bei einer Personal Projects Analysis so rauskommen kann. Also welche Ergebnisse eine Personal Projects Analysis liefert und welche Schlüsse man daraus ziehen kann. 

Und als Anschauungsobjekt, als Versuchskaninchen sozusagen, habe ich eine Versuchsperson gewählt, die für fast jede Idee zu haben ist, den ich ihr vorschlage. Nämlich: Ich selbst. Ich habe meine eigenen Personal Projects hergenommen und sie durch die Personal Projects Analysis gejagt. 

In dieser Folge erfährst du, was ich dabei über mich und meine Personal Projects gelernt habe.

Meine Personal Projects Analysis

Kurz nochmals zur Wiederholung: Die Personal Projects Analysis besteht aus 6 verschiedenen Modulen, und in jedem dieser Module wird man als Versuchsperson aufgefordert, seine Personal Projects auf die eine oder andere Art zu analysieren. 

Ich möchte jetzt ein Modul nach dem anderen durchgehen und euch zu jedem Modul sagen, was ich über meine Personal Projects gelernt habe. 

1. Project Dump (Project Elictiation)

Alles beginnt mit der so genannten „project elicitation“, auch „project dump“ genannt. In diesem Modul geht es ja darum, dass man alle Personal Projects aufschreibt, die einem so einfallen. Normalerweise hat man dafür 10-15 Minuten Zeit. Ich habe die Spielregeln für mich aber etwas abgeändert und einfach in Evernote nachgeschaut, für welche meiner Personal Projects ich eine Evernote-Notiz angelegt habe. Ich habe für dieses Modul also schon etwas Vorarbeit geleistet, und das habe ich für dieses Modul auch ausgenützt. 

Vielleicht überhaupt ein kurzes Wort zu den Spielregeln der Personal Projects Analysis: Brian Little betont immer wieder explizit, dass die Regeln der Personal Projects Analysis nicht in Stein gemeißelt sind. Sie können und sollen angepasst werden, je nach Forschungssituation und Anforderungen. Insofern bin ich da im grünen Bereich, wenn ich die Spielregeln da etwas adaptiere und anpasse. 

Ich habe also ALLE meine Personal Projects hergenommen. Das heißt, alle Personal Projects, die mir bewusst sind. Gut möglich, dass ich noch einige andere Projekte habe, von denen ich gar nicht weiß, dass ich sie habe. Aber dazu vielleicht mal in einer anderen Folge mehr. 

Alle meine Personal Projects, das sind Stand heute 377. 

Von diesen 377 Projekten sind 318 aktiv und 59 erledigt. 

Und dann hat mich noch interessiert… Diese 318 aktiven Personal Projects… In welchem Zeitraum stelle ich mir denn vor, dass ich die erledigen werde? Diese Frage ist in der Form kein Bestandteil der originalen Personal Projects Analysis. Aber wie gesagt: Meine Analyse, meine Regeln! 

Also, von den 318 Projekten will ich ca. 36 Prozent, das sind 113 Projekte, innerhalb des nächsten Jahres erledigen. Die restlichen 64% der Projekte sind auf den St. Nimmerleinstag verschoben. Also sind es aktuell ein bisschen über 100 Personal Projects, die mich in nächster Zeit umtreiben. 

Interessant ist auch: Darin enthalten sind 10% der Projekte, die nie ein Ende haben. Zum Beispiel das Projekt „Papa sein“, das endet erst mit meinem letzten Atemzug. Aktuell habe ich 38 solcher Projekte, die ich ja gerne „Beziehungsprojekte“ nenne, eben weil sie an sich kein Ablaufdatum haben. 

Ich finde es spannend zu sehen, dass ich mich nur mit rund einem Drittel meiner Personal Projects aktiv beschäftige und fast zwei Drittel in Warteposition sind. Wäre auch interessant zu wissen, ob das generell bei den meisten Menschen genauso ist oder nicht.  

2. Refined Project List

In dem Modul geht es darum, für die weitere Analyse 10 Projekte auszuwählen, die besonders typisch für mich sind.  

Bei einer Auswahl aus über 100 aktiven Projekten ist es gar nicht so einfach, 10 auszuwählen, wie du dir vielleicht vorstellen kannst. Ich habe deswegen die Spielregeln wieder etwas gebogen und 11 Projekte ausgewählt. Das sind fast genau 10%, das hat gut für mich gepasst.

Bei der Auswahl bin ich möglichst spontan und mit Bauchgefühl vorgegangen. Interessant ist, dass ich im Nachhinein festgestellt habe, dass meine intuitive Auswahl ziemlich repräsentativ war und dass meine Auswahl tatsächlich ein ganz gutes Bild von der Gesamtheit meiner Personal Projects vermittelt hat. 

Gut, mit den 11 Projekten habe ich dann weiter gemacht mit der…  

3. Personal Projects Appraisal Matrix A

In diesem Modul geht es ja darum, jedes der ausgewählten Projekte anhand von 17 Kriterien zu bewerten, nämlich von 0 bis 10. Also 0, wenn das Kriterium gar nicht zutrifft für das Projekt, und 10, wenn das Kriterium voll und ganz zutrifft. 

Also bin ich die 17 Kriterien für meine 11 Projekte durchgegangen, das war ganz schön viel Arbeit. Und was ist raus gekommen? 

Es gibt 5 Kriterien, mit denen sich meine Personal Projects besonders gut beschreiben lassen. Diese 5 Kriterien sind:  

Mit dem mit Abstand höchstem Wert: Autonomy oder Autonomie, also: Wie sehr machst du dieses Projekt aus freiem Willen oder eher, weil es jemand anderer für dich will? 

Ich habe das große Glück, dass ich die allermeisten meiner Personal Projects aus freien Stücken machen darf. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass der Wert „Freiheit“ für mich einer der wichtigsten Werte in meinem Leben überhaupt ist. Insofern ist das sehr stimmig für mich. 

Kriterium, auch sehr hoch bewertet: Support oder Unterstützung, also: Wie sehr fühlst du dich bei diesem Projekt von anderen unterstützt? 

Ich fühle mich bei meinen Projekten also insgesamt sehr gut unterstützt, was auch ein Riesenglück ist. 

Value Congruency oder Werte-Übereinstimmung, also: Wie gut passt dieses Projekt zu den Werten, die du als Mensch hast? 

Bei mir passt das sehr gut zusammen. Ich habe kaum Projekte in meinem Leben, wo ich stark gegen meine Werte handeln müsste. 

Outcome / Likelihood Of Success oder Erfolgsaussichten, also: Wie erfolgreich, glaubst du, wird dieses Projekt sein? 

Auch dieses Kriterium habe ich hoch bewertet. Das bedeutet, dass ich mir zutraue, dass ich meine ausgewählten Projekte tatsächlich auch zum Erfolg führen werde. Das finde ich persönlich eine ausgesprochen motivierende Erkenntnis. 

Responsibility oder Verantwortung, also: Wie sehr fühlst du dich für dieses Projekt verantwortlich? 

Ich fühle mich für meine Projekte sehr verantwortlich. Das hat mich jetzt nicht besonders überrascht, das passt ganz gut zu mir als Mensch. 

Und welche Kriterien haben am wenigsten für meine Personal Projects zugetroffen? 

Am allerwenigsten zugetroffen hat Visibility oder Sichtbarkeit, also...
[Projekt: Leben]

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[Projekt: Leben] - Der Podcast für alle, die noch was vor haben im Leben.