Kocheler ZwischenTon Archiv
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„Alles, was jemand als Künstler in die Welt setzt, kann politisch verstanden werden“, sagt HK Gruber. Der Komponist, Dirigent und Chansonnier aus Wien ist ein Urgestein der zeitgenössischen klassischen Musik. Mit seinem weitläufigen Engagement stellt der mittlerweile Achtzigjährige viele seiner jüngeren Kolleginnen und Kollegen in den Schatten. Grubers Musik ist gleichermaßen einladend wie subversiv und in der Regel mit reichlich Gesellschaftskritik gewürzt. Wie sein „Pandämonium“ Frankenstein!! aus dem Jahr 1977, eines der populärsten und meistaufgeführten Werke des 20. Jahrhunderts. Als Chansonnier setzt sich Gruber besonders für die politischen Lieder von Hanns Eisler und Kurt Weill ein und interpretiert sie mit einer unnachahmlichen Mischung aus Sarkasmus und Wiener Schmäh.
15 Minuten
„Ich denke und hoffe ja, dass Kunst immer politisch ist“, sagt Anna Konjetzky. In ihrer eigenen Arbeit setzt sich die Choreografin mit dem Kern unseres Menschseins auseinander. Oftmals geht es dabei um gesellschaftlich geformte Körperbilder oder um Gefühle wie Wut. Anna Konjetzky stellt sie aber nicht nur tänzerisch dar, sondern zeigt vor allem, was wir mit solchen Emotionen verbinden, wie sie zustande kommen und welche Auswirkungen sie auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft haben. Ihre Performances müssen dabei nicht unbedingt gefallen. Sie sollten die Zuschauenden aber berühren und zum Nachdenken anregen. In ihrem jüngsten Tanzprojekt Songs of absence erforscht die Choreografin das Phänomen Abwesenheit – eine Hommage an Vergessenes oder Verdrängtes. https://www.annakonjetzky.com/
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„Mir ging es immer darum, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln“, sagt Hans Jürgen Stockerl. Der Schauspieler und Sprecher ist seinem Motto über Jahrzehnte hinweg treu geblieben: angefangen mit Regieassistenzen bei Otto Schenk, Wim Wenders und Herbert von Karajan über eine Schauspielausbildung und anschließende Auftritte in Fernseh- und Theaterproduktionen, bis hin zur Mitwirkung in Kabarett und Musical. Sein Markenzeichen ist die so klangvolle wie unverwechselbare Stimme. Zu hören ist sie mittlerweile nicht nur in Funk, Fernsehen und auf Theaterbühnen, sondern auch auf unzähligen Hörbüchern. So vielfältig die Aktivitäten von Stockerl auch sein mögen, eines ist ihm dabei immer wichtig: die ökonomische Unabhängigkeit, die die künstlerische erst möglich macht. https://stockerl-diestimme.de/
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„Auch ein schlechtes Kulturerlebnis ist ein Erlebnis, über das man sprechen kann“, sagt Sabine Ruchlinski. Die Geschäftsführerin und Vorsitzende des Vereins KulturRaum München schlägt in ihrer Arbeit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der einen Seite ermöglicht sie Menschen Kulturerlebnisse, die sich das finanziell nicht leisten können. Auf der anderen Seite gewinnt sie auch neues Publikum für die Kultur. Beides gelingt dank der Unterstützung zahlreicher kulturbegeisterter Menschen, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren. https://www.kulturraum-muenchen.de/
15 Minuten
„Niemand käme auf die Idee, 600 Millionen Euro für die Filmbranche zu fordern“, sagt Daniel Sponsel. Der Chef des Münchner Dokumentarfilm-Festivals DOK.fest spielt damit auf die hohen Beträge an, die ein kulturelles Prestigeprojekt wie das Humboldt Forum an öffentlichen Geldern verschlingt. Während sich hochkulturelle Institutionen wie Museen oder Opernhäuser auf die Unterstützung des Staats, der Länder und der Gemeinden verlassen können, werde vom Kino erwartet, dass es wie ein Wirtschaftsbetrieb funktioniert. Dass das in einem drastischen Missverhältnis zur tatsächlichen Bedeutung der Filmbranche steht, beweist Daniel Sponsel mit seinem DOK.fest, das in seiner diesjährigen Ausgabe 56.000 Zuschauer erreichte. https://www.dokfest-muenchen.de/ https://www.filmdienst.de/artikel/58664/filmfordergesetz-novellierung
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„Mich haben schon immer die Zwischenräume von Macht und Gewalt interessiert“, sagt Şeyda Kurt. Die Kulturjournalistin und Sachbuchautorin lässt sich nicht von Klischees hinters Licht führen. Stattdessen hinterfragt sie scheinbar Selbstverständliches wie gesellschaftliche Normen, traditionelle Beziehungsmuster und Gefühle. In ihrem Buch Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist deckt sie Strukturen von Gewalt und Macht auf, die sich unter dem Deckmantel der Liebe unbemerkt entfalten. Sie plädiert für eine Kultur der Offenheit, Ehrlichkeit und des Respekts in Liebes- und Freundschaftsbeziehungen. Das Thema brennt offenbar vielen Menschen auf den Nägeln, denn mit ihrer Veröffentlichung hat Şeyda Kurt einen Bestseller gelandet. Ebenso wie mit ihrem jüngsten Buch über den Hass. https://seydakurt.de/
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„Es gibt niemanden, der ein Gen für Volksmusik hat und ein Gen für Schönberg“, sagt Rudolf Herfurtner. Der Schriftsteller und Autor von Jugendbüchern hat seit seiner Kindheit für Musik viel übrig. Dass ihm einmal ausgerechnet die klassische Musik besonders wichtig sein würde, war ursprünglich nicht abzusehen. Denn sein Elternhaus hatte mit Hochkultur nichts am Hut. Erst durch Brüche in seinem Lebenslauf kam Herfurtner mit Oper, Oratorium und Orchester in Kontakt und hat seither eine regelrechte Leidenschaft für die Klassik entwickelt. Mittlerweile mischt er selbst im Musikbetrieb mit: als Librettist arbeitet er mit Komponisten wie Wilfried Hiller und HK Gruber zusammen, stellt auf CDs und in Büchern Opernwerke vor und ist als Vermittler auf Konzertpodien unterwegs.
15 Minuten
„Bei uns werden die Gestalterinnen und Gestalter von morgen ausgebildet“, sagt Lydia Grün. Seit einem halben Jahr trägt sie als Präsidentin der Hochschule für Musik und Theater München Verantwortung dafür, dass junge Musikschaffende bestmöglich auf ihr Berufsleben vorbereitet werden – angesichts des Wandels in der Musikbranche eine enorme Herausforderung. Denn um dafür gut gerüstet zu sein, braucht es heute viel mehr als die perfekte Beherrschung des Instruments. Als ehemalige Professorin für Musikvermittlung möchte Lydia Grün bei den Künstlerinnen und Künstlern eine innere Haltung fördern, welche die Welt und die Gesellschaft nicht aus dem Blick verliert.
15 Minuten
„Ich wünsche mir, dass die etablierte Kultur nicht so abschätzig auf uns herabschaut“, sagt Jaromir Konecny. Der Poetry Slammer ist ein Urgestein der Münchner Kleinkunstszene – aber keineswegs nur das. Die Aktivitäten des gebürtigen Tschechen sind so vielfältig wie sein Lebenslauf. Neben Auftritten als Slammer und Kabarettist ist er erfolgreicher Schriftsteller und hat eine beachtliche Karriere als Wissenschaftler hingelegt. Als KI-Experte ist er besonders gefragt und bringt sein Wissen gerne auf unterhaltsame Weise auch in seine Bühnenprogramme ein. https://www.jaromir-konecny.de/ https://www.mobile-university.de/ueber-uns/hochschulteam/konecny-jaromir/
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„Wir brauchen diese sogenannten dritten Orte, die einladen, sich dort aufzuhalten“, sagt Anna Kleeblatt. Die Münchner Kulturmanagerin setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass Bayerns Kultur erhalten und allen Menschen zugänglich gemacht wird. Zum Beispiel indem man Theaterfoyers zu Treffpunkten für die ganze Gesellschaft macht. Dafür braucht es keineswegs mehr Geld, meint sie, sondern vor allem einen Plan, den man bei den politisch Verantwortlichen bisher vergeblich sucht. Um das zu ändern, hat Anna Kleeblatt die Initiative „Kulturzukunft Bayern“ mitbegründet, die von den Politikern tragfähige Konzepte für die Zukunft einfordert. Ihre Vision von einer Kultur, die von der breiten Gesellschaft getragen wird, verwirklicht sie selbst als Organisatorin von Großveranstaltungen wie 2018 dem Faust Festival oder aktuell dem Flower Power Festival in München.
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„Diese Welt ist komplett untergegangen“, sagt Tanja Cummings, wenn sie von den jüdischen Gemeinden in Polen spricht, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Seit 2007 arbeitet die Filmemacherin und Regisseurin mit Zeitzeugen zusammen, welche die Gräuel des Nationalsozialismus überlebt haben und hält so die Erinnerung an eine Kultur wach, in der Ost und West sich begegnen. Ursprünglich hat Tanja Cummings Philosophie und Anglistik studiert und ist dann eher per Zufall zum Filmemachen gekommen. Auch das zentrale Thema ihrer filmischen Dokumentationen, die vom jüdischen Leben zwischen Deutschland und Polen handeln, hat sich eher zufällig ergeben, als sie aus Interesse an dem östlichen Nachbarland einen Verein für Ost-West-Annäherung gründete. https://daszelig-film.de
Bernd Zimmer über große Bildformate, unser Verhältnis zur Natur und über den Wandel im Kulturbetrieb
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„Der Betrachter malt die Bilder zu Ende“, sagt Bernd Zimmer. Der Maler und bildende Künstler will den Menschen mit seinen Kunstwerken kein fertiges Weltbild vorsetzen. Er selbst hat auf eher verschlungenen Pfaden zum Malen gefunden, als er die großformatigen Gemälde der mexikanischen Muralisten entdeckte. Nach seinem Durchbruch als Vertreter der „Neuen Wilden“ im Berlin der 1980er Jahre ist er dem großen Format treu geblieben. Dabei fand er durch das Nachdenken über den Menschen und die Natur sowie durch das Betrachten von Landschaften zu seinem ganz persönlichen Stil. Vor kurzem hat er mit der Säulenhalle Stoa169 im oberbayerischen Polling seinen großen Traum realisiert: ein Gemeinschaftsprojekt mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern als Symbol für eine friedliche Weltgemeinschaft. https://www.berndzimmer.com/ https://stoa169.com/de/
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„Es ist naiv zu glauben, wir singen ein Lied und die Welt ist besser“, sagt Alexandra Kertz-Welzel. Die Professorin für Musikpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht, wie Musik und musikalische Bildung die Menschen und die Welt verändern können. Dabei nutzt sie ihre internationale Forschungserfahrung, um auch den Wert von Ideen zu prüfen, die bei uns wenig bekannt sind, wie Community Music oder utopisches Denken. Insbesondere letzterem spricht Alexandra Kertz-Welzel eine gesellschaftsverändernde Kraft zu. Eine Kraft, die ihre Wirkung besonders in Kunst und Musik entfaltet, wo das Utopische ohnehin zuhause ist.
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„Alles, was im öffentlichen Raum passiert, ist auf eine Art und Weise politisch“, meint Anna Bardavelidze. Gerade erst hat die junge Schauspielerin mit deutsch-georgischen Wurzeln ihr Schauspielstudium in Frankfurt abgeschlossen und ist ab der Saison 2022/2023 bereits Mitglied im Ensemble des Münchner Residenztheaters. Sie weiß allerdings, dass es nicht immer so selbstverständlich glatt laufen muss in ihrem Traumberuf. Und dass die Chancen nicht für alle gleich sind. Daher wünscht sie sich Projekte, die auch weniger privilegierte Menschen als Akteur*innen in den Theaterbetrieb hereinholen. Und zwar nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne und dort, wo die Entscheidungen gefällt werden.
15 Minuten
„Ich bin relativ sicher, dass es einen Schrumpfungsprozess geben wird“, sagt Martin Hielscher. Der Cheflektor im Literaturprogramm des Münchner Beck-Verlags sieht die Zukunft des Literaturbetriebs mit Sorge. Einerseits seien der Buchhandel, die vielfältige Verlagslandschaft und das deutschsprachige Feuilleton im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Andererseits sind die Verkaufszahlen im Buchmarkt seit einiger Zeit deutlich rückläufig. Seit vielen Jahren begleitet und unterstützt Hielscher arrivierte Schriftsteller*innen bei der Entstehung ihrer Bücher. Schreiben ist für ihn sowohl ein schwieriger und harter Arbeitsprozess als auch eine der bereicherndsten Ausdrucks- und Erkenntnismöglichkeiten.
Kocheler ZwischenTon
Was bedeutet Kultur? Wie relevant ist Kultur für unsere Gesellschaft und warum? Wird Kultur von der Politik genügend unterstützt? Im Kocheler ZwischenTon, dem kulturpolitischen Podcast der Georg-von-V...