Sternstunde Religion Archiv
86 Episoden
56 Minuten
Meditation und Achtsamkeit boomen seit einigen Jahren. Doch wie sinnvoll ist das stille Sitzen auf dem Kissen? Wieviel hat der Achtsamkeitshype mit Buddhismus zu tun und wie hält man eine jahrzehntelange Meditationspraxis aufrecht? Olivia Röllin im Gespräch mit Gert Scobel. Schon mit 16 begann der Fernsehmoderator, Philosoph und Theologe Gert Scobel zu meditieren. Die Faszination hat ihn seither nie mehr losgelassen. Inzwischen diskutiert er auf Podien mit dem Dalai Lama und schreibt Bücher darüber, was das bewusste Atmen und der leere Geist im Menschen Positives auslösen können. Oder er spricht in der nach ihm benannten TV-Sendung mit buddhistischen Mönchen über die Verbindung von Meditation und Kreativität. Doch Scobel sieht im aktuellen Mindfulness-Trend, der einfachen Zugänglichkeit und der enormen Kommerzialisierung von Meditationstechniken auch Gefahren und Probleme. Was hat Achtsamkeit mit Meditation zu tun? Weshalb haben solche fernöstlichen Methoden einen so grossen Zulauf? Was heisst eigentlich Erleuchtung oder Erwachen? Und wie klar ist ein Geist, der über Jahrzehnte meditativ trainiert wurde? Das bespricht Olivia Röllin im Gespräch mit Gert Scobel.
58 Minuten
Reinhold Beckmann, Moderator, Talkshow-Gastgeber, Dokumentarfilmer und Musiker, hat seine vier Onkel nie kennengelernt. Sie sind alle im Zweiten Weltkrieg gefallen. Seine Mutter hat ihm deren Geschichten vermacht. Und Geschichten über das, was der Krieg mit Menschen macht, wenn keiner zurückkehrt. Kurz vor ihrem Tod hat Reinhold Beckmann von seiner Mutter einen Schuhkarton voller Briefe erhalten. Es waren die Feldpostbriefe ihrer Brüder. Die vier blutjungen Männer hatten sie von den Fronten des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Keiner von ihnen kehrte zurück. Beckmanns Mutter hatte – im Gegensatz zu vielen anderen – offen über die Kriegszeit und ihre Verluste gesprochen, trotz aller Schicksalsschläge. Ihre Seele sei nie verbogen gewesen, schreibt Reinhold Beckmann in seinem Buch «Aenne und ihre Brüder – Die Geschichte meiner Mutter». Woher kam diese Kraft? Welche Rolle spielte der Glaube? Gibt es etwas Unverlierbares in uns Menschen? Und was geschieht mit all diesem ungelebten Leben der jungen Männer, die nicht vom Krieg zurückkehrten? Ein Gespräch mit Reinhold Beckmann unter der Leitung von Ahmad Milad Karimi.
59 Minuten
Wenn sich Religionen zu Fragen der Sexualität äussern, steht oft die partnerschaftlich orientierte Sexualität im Fokus. Kommerzialisierte Formen wie Prostitution werden ausgeblendet. Ist Prostitution Sünde? Unmoralisch? Gegen die Menschenwürde? Die Streitfrage im Haus der Religionen in Bern. In der Schweiz ist Prostitution seit 1942 legal. Sexarbeit wird heutzutage faktisch akzeptiert, gesellschaftlich aber immer noch verurteilt. Diverse Länder in Europa möchten das Gewerbe mit dem sogenannten «nordischen Modell» eindämmen, bei dem Freier und Bordellbetreiber bestraft werden. Für Sexarbeiterinnen soll es Ausstiegshilfen geben. Eine Diskussion, die auch das Europäische Parlament und die Schweiz erreicht hat. Soll man Sex kaufen dürfen? Oder Prostitution verbieten? Und wie steht es mit der Menschenwürde und der Freiwilligkeit von Sexarbeiterinnen? Ist Sexarbeit ein Beruf wie jeder andere? Was sagt die theologische Ethik zu diesen Fragen und wie gehen die verschiedenen Religionen mit dem Phänomen Prostitution um? Unter der Leitung von Olivia Röllin diskutieren im Haus der Religionen in Bern Nathalie Eleyth, evangelische Sexualethikerin, Theologin und Religionswissenschaftlerin, Lilian Studer, Präsidentin Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP), Schwester Ariane, Gassenarbeiterin, katholische Theologin und Gründerin Verein «Incontro», Jay, Sex-Workerin, Mitglied Sexworkers Collective, und Martin Bachmann, Sexualtherapeut, ehemaliger Berater «Mannebüro» Zürich.
59 Minuten
Der Konflikt um das Heilige Land ist erneut ausgebrochen, in einer noch nie dagewesenen Heftigkeit. Warum ist dieser Landstrich derart umkämpft? Was hat das alles mit Religion zu tun? Und welcher Friede ist jetzt noch möglich? Der Nahostkonflikt war nie weg, aber jetzt schaut die Öffentlichkeit wieder hin. Der Terroranschlag der radikalislamistischen Hamas auf Israel, Vergeltungsangriffe Israels auf das von der Hamas regierte Gaza. Tausende von Zivilisten, die unfassbares Leid erfahren. Ein trauriger und entsetzlicher Höhepunkt einer Gewaltspirale, die sich immer weiterdreht. Wo liegen die Wurzeln dieses Konflikts? Welche Rolle spielen Religionen, welchen Stellenwert haben unterschiedliche Narrative? Was geschah vor der Staatsgründung Israels, warum wurde der Status von Jerusalem nie zu Ende verhandelt und welche Friedensvisionen gibt es jetzt noch? Olivia Röllin spricht mit dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze und dem Judaisten und Theologen Christian Rutishauser.
59 Minuten
Die Welt ist aus den Fugen. Kriege, Klima, Flüchtende, Pandemien – irgendwie herrscht permanent Krise. Doch das sei nicht unsere Schuld, sagen Carel van Schaik und Kai Michel und weisen uns den Weg, wie wir da wieder rauskommen: mit Mündigkeit und einem Blick, der tief in die Vergangenheit reicht. Selbstoptimierung, Achtsamkeit, Übungen zu mehr Resilienz – ohne dieses Rüstzeug, so scheint es zumindest, kommt heute kaum noch jemand aus. Die Strategien, um die beschleunigte Gegenwart zu bewältigen, sagen viel über die innersten Bedürfnisse aus, sagen der Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker Kai Michel. Einmal mehr schauen die beiden Wissenschaftler sehr weit zurück, um die aus den Fugen geratene Gegenwart zu verstehen und behaupten: Wir seien nicht gemacht für die Welt, in der wir heute leben. Dass sie uns dennoch normal erscheint, sei ohne Religion nicht zu verstehen, sie sei die Normalisierungsmaschine schlechthin. Wie viel Urmensch steckt noch in uns? Weshalb kommen wir mit dem Status quo dieses Planeten nicht klar und welche Rolle spielt die Religion, wenn es darum geht, sich der Gegenwart anzunähern? Diesen Fragen geht Olivia Röllin im Gespräch mit dem Anthropologen Carel van Schaik und dem Historiker Kai Michel nach.
1 Stunde
Rudolf Steiner hat fraglos ein grosses Erbe hinterlassen: von den Steiner-Schulen über Demeter bis zu Weleda. Wer aber war der umstrittene Begründer der Anthroposophie? Woran glaubte er wirklich? Das klären Yves Bossart und Olivia Röllin in einer Begegnung der Sternstunden Religion und Philosophie. Vor rund hundert Jahren hat der Österreicher Rudolf Steiner in vielen Lebensbereichen wegweisende Impulse gegeben: Von der Pädagogik über die biodynamische Landwirtschaft und anthroposophische Medizin bis zur Architektur und dem Bankenwesen. Doch immer wieder wird Kritik laut, an Steiners Schriften, die klare deutschnationalistische Züge aufweisen, oder an Steiner Schulen, die sich teilweise den Corona-Massnahmen widersetzten. Weshalb? Welches Weltbild verbirgt sich hinter der «Anthroposophie»? Was hat es mit Steiners Glauben an «Hellseherei», «Karma» und «Astralleibern» auf sich? Um diese Fragen zu klären, besucht Olivia Röllin eine Steiner Schule in Münchenstein bei Basel und das Goetheanum, den Sitz der «Allgemeinen anthroposophischen Gesellschaft» in Dornach. Yves Bossart spricht im Studio mit der Anthroposophin und Steiner-Biografin Martina Maria Sam und mit dem Anthroposophie-Kritiker und Religionsphilosophen Ansgar Martins.
1 Stunde 6 Minuten
Weltweit sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Gewalt. Ihre Schicksale sind jedoch oft unsichtbar, das Thema ist Tabu. Für viele ist der Suizid eine Sünde gegen Gott oder zumindest Symptom einer Krankheit. Andere sehen im «Freitod» den ultimativen Akt menschlicher Autonomie. Der Philosoph Walter Benjamin bezeichnete den Suizid als die «Quintessenz der Moderne». Wenn der «Selbstmord» keine Sünde mehr ist gegen Gott, wird er dann zum letzten Akt des freien Willens? Wann aber ist ein Suizidwunsch wirklich frei – und wann bloss das Symptom einer Notsituation oder einer Krankheit wie der Depression? Und welche Verantwortung hat man gegenüber den Hinterbliebenen? Philosophie und Theologie beschäftigen sich seit jeher mit diesen schwierigen Fragen am Lebensende, mit dem Verhältnis von Freiheit und Tod. Die Sendungen «Sternstunde Philosophie» und «Sternstunde Religion» widmen sich darum gemeinsam dem Tabuthema Suizid: Olivia Röllin besucht das Kriseninterventionszentrum (KIZ) in Winterthur und Yves Bossart spricht mit der evangelischen Theologin Dorothee Arnold-Krüger und dem Philosophen und Mediziner Matthias Bormuth.
28 Minuten
Lilian Thuram ist einer der grössten Fussballer, die Frankreich je hatte, und ein vehementer Kämpfer gegen Ausgrenzung und Rassismus. Der französische Rekordnationalspieler ist seit dem Ende seiner Sport-Karriere Buchautor und in der antirassistischen Aufklärungsarbeit aktiv. «Man wird nicht weiss geboren, man wird dazu gemacht» schreibt Lilian Thuram in seinem neuesten Buch «Das weisse Denken». Er spricht aus eigener Erfahrung. Mit 9 Jahren kam Thuram aus Guadeloupe nach Paris. Als ihn die Mitschüler als «dreckigen Schwarzen» bezeichnen, versteht er zuerst die Welt nicht. Die Antwort seiner Mutter darauf: «Die Menschen sind nun mal rassistisch. Das wird sich nicht ändern.» Es scheint fast, als wäre diese Erfahrung die Initialzündung gewesen für Thurams spätere Beschäftigung mit dem Thema. Fortan beginnt er sich zu fragen, woher Rassismus kommt und welche Strukturen dafür verantwortlich sind, dass dieser in unserer Gesellschaft so hartnäckig bestehen bleibt. Seine Erkenntnis: Im Grunde geht es nicht um Hautfarben, sondern um gesellschaftliche und politische Konstrukte, die Ausbeutungsstrukturen legitimieren - vom Kolonialismus über die Sklaverei bis in die heutige Zeit. Dass dabei auch Jesus «weissgewaschen» wird, ist nur eine Spielart des sogenannt «weissen Denkens». Olivia Röllin im Gespräch über die verbindende und entzweiende Kraft von Fussball, die Hautfarbe Gottes und verzerrte Perspektiven auf die Welt.
32 Minuten
Es gibt gute Gründe, heute auf den Pflichtzölibat zu verzichten, dies meint der renommierte Kirchenhistoriker und Priester Hubert Wolf. Deshalb fordert er ein Ende der Zölibatspflicht. (Wiederholung vom 27.10.2019) Die Missbrauchsskandale innerhalb der römisch-katholischen Kirche aber auch der enorme Priestermangel lassen die Rufe nach der Abschaffung des Pflichtzölibats wieder laut werden – er stelle ein Risikofaktor dar, sind sich einige sicher, andere sehen im Zölibat gar den Grund für die Missbräuche. Doch die Diskussion um den Zölibat ist Jahrhunderte alt. Klar ist: Die Lebensform von Geistlichen steht unter grossem Druck. Muss der Zölibat als Grundpfeiler der Kirche verstanden oder kann ohne Traditionsverlust darauf verzichtet werden? Wie ist der Zölibat entstanden und was sagt die Bibel? Im Gespräch mit Olivia Röllin stellt Hubert Wolf den Zölibat auf den kirchenhistorischen Prüfstand
60 Minuten
Krebs. Niemand will diese Diagnose bekommen. Wolfram Gössling hat sie zwei Mal erhalten. Und unzählige Male selbst gestellt. Der deutsche Onkologe und Autor über Kontrollverlust, Demut, Liebe und die Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Willenskraft. Niemand will die Diagnose Krebs bekommen. Wolfram Gössling hat sie zwei Mal erhalten. Und er weiss sehr gut, was das heisst, denn er ist Onkologe, Spezialist für Leberkrebs. Von einem Tag auf den anderen verändert sich alles. Die Krankheit und ihre Behandlung haben Körper, Geist und Seele fest im Griff. Alles, was man einst selbst in der Hand hatte, muss man nun an Eltern, Partnerin, Kinder delegieren. Ob man wieder gesund wird, weiss man nicht. Bei Wolfram Gössling zumindest standen die Chancen sehr schlecht dafür. Wolfram Gössling spricht und schreibt drei Jahre nach dem Rückfall über seine lebensverändernde Diagnose und Behandlung. Damit will er Mut machen und aufzeigen, was es bedeutet, mit einer solchen Diagnose konfrontiert zu werden. Denn: Krebs sei immer noch ein Tabu, obwohl derart viele Menschen davon betroffen seien. Olivia Röllin spricht mit ihm über die Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Willenskraft, den Trost im scheinbar Ausweglosen, über die Kraft der Liebe, und warum die Hoffnung nie stirbt, auch nicht zuletzt.
55 Minuten
«Der erste Sinn des Lebens ist, zu erfassen, dass es keinen gibt»: Markus Gabriels Thesen sind steil und herausfordernd. Ein Gespräch über die Rolle der Religion in unserer Gesellschaft, über den philosophischen und verzaubernden Gott und die Frage, was Gott von einem Einhorn unterscheidet. Er ist 43 Jahre alt, trägt seit 14 Jahren bereits den Titel eines Philosophieprofessors, schreibt Bücher am Laufband, gilt gerne als Starphilosoph und Bestsellerautor: Markus Gabriel. Er hat mehrere Bücher und Artikel veröffentlicht, in denen er sich mit Themen wie dem Sinn des Lebens, der Existenz Gottes und der Natur der menschlichen Erkenntnis auseinandersetzt. Eines seiner bekanntesten Werke ist «Warum es die Welt nicht gibt», in dem er die Idee einer allumfassenden Welt als Illusion hinterfragt. Gabriel argumentiert, dass der Glaube an Gott nicht auf objektiven Beweisen beruhen kann, sondern eine subjektive Erfahrung ist, die individuell und kulturell geprägt ist. Doch welche Rolle spielt Religion in der heutigen säkularen Gesellschaft? Ist sie noch relevant oder eher obsolet geworden, eine schöne, letzte Illusion der Schwachen? Ist Gott eine philosophische Frage? Gibt es einen Gott der Philosophen? Und hat unser Leben einen Sinn, den wir ihm nicht selbst verleihen? Ein Gespräch unter der Leitung von Ahmad Milad Karimi.
1 Stunde
Einmal mehr waren es Bilder des Schreckens: Zu Tausenden versuchten Menschen am Flughafen von Kabul vor der Machtübernahme der islamistischen Taliban zu fliehen. Was mit einem furchtbaren Terroranschlag begann, endet in einem instabilen, religiös politisierten Mittleren Osten. Vor mehr als 20 Jahren, Ende September 2001, rief der damalige US-Präsident George W. Bush den Krieg gegen den Terror aus. Kurz davor geschah das Undenkbare: Entführte Passagierflugzeuge sorgten vor den Augen der Weltbevölkerung für den grössten Terroranschlag auf US- amerikanischem Boden. 9/11 ging ins kollektive Gedächtnis ein. Kurz danach begann der Krieg gegen al-Qaida und die Taliban in Afghanistan. 20 Jahre später ziehen sich die USA und ihre Verbündeten überstürzt aus Afghanistan zurück. Was die Truppen zurücklassen, nennen einige verbrannte Erde, andere sehen im Fall Afghanistan einmal mehr das Scheitern des Nationbuilding und die Arroganz des Westens. Ist das das Ende des Westens, wie wir ihn kannten, oder «nur» das Ende des Kolonialismus? War der 11. September 2001 eine Zeitenwende? Und: Warum lässt sich ausgerechnet «der Islam» so gut extremistisch vereinnahmen? Darüber spricht Olivia Röllin mit den Islamwissenschaftlern Ahmad Milad Karimi und Stefan Weidner. Wiederholung vom 05.09.2021
30 Minuten
2023 ist ein Schlüsseljahr für die Republik Türkei. Das Land wird 100 Jahre alt, und der wiedergewählte Präsident Recep Tayyip Erdo?an darf den Vielvölkerstaat weiterhin nach streng nationalistischem Gusto formen. Was bedeutet das für Europa? Und wieviel Religion kann und darf Politik? Ende Mai wurde Recep Tayyip Erdo?an als Präsident der Türkei wiedergewählt. Inzwischen dient er der Republik Türkiye, wie das Land offiziell heisst, seit 20 Jahren, fünf weitere kommen nun dazu. Eine wichtige Zeit, denn vor 100 Jahren wurde die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches gegründet, und Mustafa Kemal Atatürk verordnete Land und Leuten Laizismus und westliche Werte. Genau mit diesem Erbe gerät Präsident Erdo?an allerdings wiederholt in Konflikt und entfernt sich politisch immer weiter von der EU. Der türkische Präsident mache aber auch einiges richtig, erklärt Osteuropahistorikerin Çi?dem Akyol. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern nehme er die konservative, gläubige Landbevölkerung ernst und lässt sie so an der Macht teilhaben. Dass bei ihm Religion und Politik Hand in Hand geht, sorgt aber für grosse Spannungen im Land. Was bedeutet das für den Rest Europas und die Schweiz? Und: Wie nationalistisch kann ein Vielvölkerstaat eigentlich sein? Das klärt Olivia Röllin im Gespräch mit der Journalistin und Autorin Çi?dem Akyol.
34 Minuten
Die Taliban fordern eine strikte Geschlechtertrennung. Leidtragend sind vor allem die Frauen. Unter den Taliban werden Frauen diskriminiert, aus dem öffentlichen Raum verdrängt und ihre Rechte werden massiv eingeschränkt. Woher rührt diese Frauenverachtung und welche Rolle spielt dabei die Religion? Seit August 2021 herrschen die Taliban zum zweiten Mal über Afghanistan. Millionen Menschen sind auf der Flucht, die Hungersnot ist omnipräsent. Das Land befindet sich ökonomisch, aber auch gesellschaftlich und kulturell, an einem Tiefpunkt. Insbesondere das Leid der Frauen und Mädchen ist überall im Land spürbar: Mädchen dürfen nach der 6. Klasse keine weitere Schulbildung erfahren, Frauen werden religiös bevormundet und sie dürfen nicht arbeiten. Woher stammt die Taliban-Ideologie? Und wie legitimieren die Taliban ihre Massnahmen? Ausschliesslich religiös? Und welche Rolle spielt dabei der Westen? Ahmad Milad Karimi spricht mit Waslat Hasrat-Nazimi, Journalistin, Autorin des Buches «Die Löwinnen von Afghanistan» und Leiterin der Afghanistan-Redaktion der Deutschen Welle.
27 Minuten
Der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann sagt, durch seine Krankheit sei er ein anderer geworden. Zweimal ist er fast gestorben, heute ist er 72 Jahre alt. Olivia Röllin spricht mit dem streitbaren Intellektuellen über Schreiben als Ressource, die Kraft der Träume und seine Liebe zu Katzen. Seine literarischen Themen kreisen oft um seine Familie, seine Herkunft und sein Leben. Vor Jahren schwer an Krebs erkrankt, findet er im Schreiben Kraft und verarbeitet die dramatische Lebensbedrohung immer wieder zu Literatur. Auch religiöse Motive durchziehen sein gesamtes Werk. Als Klosterschüler in Einsiedeln gründete er einen Atheistenclub, heute verteidigt er das Gipfelkreuz und plädiert für die lateinische Messe. Im Gespräch mit Olivia Röllin erzählt Thomas Hürlimann, wieso er sich vom kritischen Zeitgenossen zu einem konservativen Beobachter verwandelt hat, wie Träume sein Schreiben beeinflussen und wie ihm sein jung verstorbener Bruder noch heute Kraft gibt. Wiederholung vom 20.12.2020