ARCHITEKTURFUNK Archiv
223 Episoden
41 Minuten
Ein Krankenhaus ist kein Gebäude wie jedes andere, es ist eine Stadt im Kleinen. Barbara Schott, Architektin und Partnerin bei heinlewischer, plant seit 2008 Gesundheitsbauten – vom Zentral-OP am Humboldt-Klinikum in Reinickendorf bis zu Campusstrukturen für Vivantes. Ihr Büro setzt auf Hospitanzen vor Ort und Mock-ups in Originalgröße: In Neukölln testeten fast 20 Nutzerinnen und Nutzer aus der Rettungsstelle gemeinsam räumliche Konzepte. Denn wer ins Krankenhaus kommt, befindet sich in einer verletzlichen Situation, und genau das prägt den Entwurf. Ein Gespräch über Nutzungsvielfalt, das Managen hochkomplexer Bauten und die Frage, was Architektur für Erholung und Genesung leisten kann.
41 Minuten
Die Architekturhistorikerin und Urbanistin Dr. Turit Fröbe setzt sich für die Professionalisierung der Baukulturellen Bildung ein. Denn Baukultur ist zwar überall, aber trotzdem kaum Teil unserer Allgemeinbildung. Fröbe will das ändern. Mit ihrer Online-Akademie „Baukulturelle Bildung.Online“ macht sie Wissen in der Breite zugänglich, das bislang lokal verpufft. Es geht um Alltagsblindheit, um Aha-Momente vor der eigenen Haustür und um die Frage, wie Lehrkräfte, Kinder und letztlich die Gesellschaft sprachfähig werden für ihre gebaute Umwelt. Warum Baukultur mehr ist als Stilkunde und viel politischer, als viele denken, erfahrt Ihr in dieser Episode.
1 Stunde
Elisabeth Endres forscht und plant an der Schnittstelle von Architektur und Gebäudetechnik. Im Gespräch geht es um die Frage, wann Technik vom unterstützenden Mittel zum Selbstzweck wird – und was das für Entwurf, Komfort und Verantwortung bedeutet. Wie viel Technik ist wirklich nötig? Welche Rolle spielen Grundriss, Speichermasse und Raumhöhe? Und warum kann ein Mindeststandard ein Qualitätsmerkmal sein? Ein sachliches Gespräch über Robustheit, Suffizienz und die Kunst, weniger zu wollen.
39 Minuten
Was braucht Wohnungsbau wirklich und worauf kann er verzichten? Matthias Foitzik und Mario Hoebel über das Suffizienzhaus U10 in Kassel, ausgezeichnet mit dem Heinze ArchitekturAWARD. Der fünfgeschossige Holzbau ohne Treppenhaus, dafür mit Außentreppe und Laubengängen besteht aus gebrauchten Bauteilen, die teilweise bei Kleinanzeigen ergattert wurden. Es geht um Reduktion statt Übertechnik, um soziale Qualitäten durch Architektur, um gemeinschaftliches Mietwohnen und um die Erkenntnis, dass die Reduktion von Komfort kein Verlust ist, sondern ein Gewinn. Wie die Stimmung auf der Baustelle war, und warum es am Ende trotz gebrauchter Bauteile keine Mängelbeseitigung geben musste, erfahrt ihr in dieser Episode.
39 Minuten
Fionn und Simon Mögel von Querkopf Architekten erzählen, wie sie in Kassel ein introvertiertes Industrieensemble in ein offenes Wohnquartier verwandelt haben. Es geht um das Freilegen von Qualitäten, um Denkmalschutz als Inspiration, um Entsiegelung, Materialentscheidungen und die Verantwortung gegenüber Stadt und Nachbarschaft. Und um die Erfahrung, wenn Architektur Entwicklung, Bau und Haltung zugleich ist.
37 Minuten
Claus Anderhalten spricht über flüchtige Düfte und wie man sie ausstellen kann. Das neue Museum für Düfte und Aromen in Holzminden schafft im Inneren ein räumliches und olfaktorisches Erlebnis und markiert außen im Stadtraum eine neue Adresse. "Sensoria" wurde mit dem Heinze ArchitekturAward ausgezeichnet. Die skulpturale Form des Neubaus positioniert einen vergessenen Ort im Stadtrraum neu. Wie die Form zustande kam, warum das Material und die Fassade an eine Rüstung erinnert und was im Inneren passiert, erzählt Anderhalten in dieser Episode. Ein Gespräch über Wahrnehmung, Haltung und die Frage, wie Architektur dem Flüchtigen einen Rahmen geben kann.
40 Minuten
Das Schulzentrum Davos Platz wirkt von außen wie ein selbstbewusster Neubau – und ist doch zu fast der Hälfte Bestand. Otto Closs von Cura Architekten spricht im Architekturfunk über ein Projekt, das bewusst gegen die Logik des Abrisses entworfen wurde und dafür mit dem Heinze ArchitekturAWARD 2025 ausgezeichnet ist. Der bestehende Schulbau aus den 1950er-Jahren blieb erhalten, wurde baulich entkoppelt und von einem neuen Holzbau regelrecht überstülpt: außen klar, neu und zeitgenössisch, innen ein ablesbarer Dialog zwischen Alt und Neu. Closs erklärt, warum der Bestand im Inneren sichtbar bleiben sollte, welche pragmatischen Überlegungen hinter der Konstruktion standen und wie es gelang, das Gebäude in nur zwei Jahren umzusetzen. Es geht um Nachhaltigkeit als Haltung, um Entscheidungsfreude von Bauherrschaft und Planungsteam, um Holzbau, Vorfertigung und die Frage, warum gutes Weiterbauen nicht nach Verzicht aussehen darf – darüber spricht Otto Closs in dieser Episode.
33 Minuten
Hadi Teherani spricht über seinen Weg vom Autohaus, das heute unter Denkmalschutz steht, über die fast existenzbedrohende Russlandkrise bis zu luxuriösen Wohnhochhäusern in Teheran. Es geht um Risiko, Loyalität zu Mitarbeitenden, verlorene und gewonnene Auszeichnungen – und die Frage, warum für ihn an Ruhestand nicht zu denken ist. Ein persönliches Gespräch über Tempo, Haltung und zeitlose Qualität.
33 Minuten
Lindner denkt Zirkularität nicht als Trend, sondern als Haltung: Rücknahmeoptionen, modulare Systeme und prozessorientierte Zusammenarbeit prägen die Entwicklung ihrer Produkte – vom Doppelboden bis zum Raum-in-Raum-System CAS Rooms. Marc Sakowsky und Matthias Quinkert sprechen darüber, wie Wiederverwendung, Revisionierbarkeit und gemeinsames Wissen mit Planenden neue Spielräume öffnen. Ein Gespräch über Qualität, Verantwortung und echte Kreisläufe.
32 Minuten
Nico Santuario von der Michelgroup spricht über ein Logistikprojekt, das weit über seine funktionale Aufgabe hinausgeht: den Weleda Logistik-Campus in Schwäbisch Gmünd. Der Bauherr Weleda wollte ein sichtbares Zeichen setzen gegen gesichtslose Gewerbegebiete und für ökologische Verantwortung. Entstanden ist ein Ensemble aus Holzhochregal, einer der größten Stampflehmwände Europas und großzügigen Freiräumen für Biodiversität. Santuario erzählt, wie regionale Materialien, zirkuläres Bauen und ein mutiger Entwurfsprozess ein Logistikgebäude zu einem Vorreiter für nachhaltiges Gewerbebauen machen und was das für zukünftige Projekte bedeutet. Ein Heinze Architektur Award-Gewinnerprojekt.
30 Minuten
Sven Urselmann hat sein Innenarchitekturbüro in Düsseldorf Schritt für Schritt von konventionellen Abläufen auf zirkuläre Praxis umgestellt. Im Gespräch mit Kerstin Kuhnekath beschreibt er, wie dieser Prozess begonnen hat, welche Routinen sich geändert haben und warum der Blick auf Materialien, Demontagefähigkeit und Verfügbarkeit heute zentral für seine Arbeit ist. Es geht um Bauteiljagd, um die Rolle von Handwerk und Planung im Reuse-Kontext und um den Bauwendehof als gemeinsames Lernfeld. Urselmann erläutert, weshalb Innenräume ein wesentlicher Hebel für Klimaschutz und Scope-3-Emissionen sind – und wie Gestaltung gelingen kann, wenn sie sich konsequent an Kreisläufen orientiert, ohne gestalterische Qualität zu verlieren.
26 Minuten
Cordula Weimann hat 40 Jahre lang Häuser saniert – bis sie beschloss, die Welt zu sanieren. Im Gespräch mit Klaus Füner erzählt sie, wie sie mit über 60 die Bewegung Omas for Future gründete, um die ältere Generation für den Klimaschutz zu gewinnen, warum Verantwortung für die Zukunft keine Frage des Alters ist, wie Mut entsteht, wenn man Haltung zeigt, und warum sie heute sagt: „Wir verzichten nicht auf Wohlstand, wenn wir handeln, sondern auf Lebensqualität, wenn wir es nicht tun.“ Außerdem spricht sie über das Kinderbuch „Oma, erzähl mir von der Zukunft“, in dem eine Oma mit ihrer Enkelin in Städte der Zukunft reist – und zeigt, dass Hoffnung, Wandel und Zusammenhalt eine Generationssache sind.
27 Minuten
Dr. Myriam Rapior spricht über ihre Arbeit als stellvertretende Bundesvorsitzende des BUND und als Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, der die Bundesregierung berät. Sie berichtet, wie es in der Zukunftskommission Landwirtschaft gelungen ist, rund 40 sehr unterschiedliche Akteur*innen zusammenzubringen und gemeinsame Empfehlungen für die Politik zu entwickeln – ein Prozess, von dem auch die Bau- und Planungsbranche lernen kann. Zudem geht es um die Auswirkungen von Unternehmensstandorten auf Klima und Biodiversität und um Verantwortung in globalen Wertschöpfungsketten.
49 Minuten
Ive Nekic und Thomas Meusburger sprechen mit Klaus Füner über die Frage, wie wertvolle Stadträume von den übermäßig vielen parkenden Autos befreit werden können. Der ruhende Verkehr blockiert in einem hohen Maß die Straßen und Plätze des öffentlichen Raumes. Multiparking-Systeme wollen darauf eine Antwort geben: Autos werden gestapelt statt verteilt, wodurch Freiraum für Bäume, Begrünung, Begegnung und Aufenthalt entsteht. Das Gespräch führt von praktischen Beispielen wie dem Rosenviertel in Memmingen bis zu den gesellschaftlichen Auswirkungen kompakter Parkkonzepte und zeigt, wie technische Systeme und Stadtplanung gemeinsam zur Klimaanpassung beitragen können.
46 Minuten
Architekt Jurek Brüggen gehört zu einer Generation, die nicht wartet, bis sie gefragt wird. Mit seinem Büro undjurekbrüggen und der AFEA – Association for Ecological Architecture – initiiert er Projekte, berät Verwaltungen und zeigt, wie Architekt*innen gesellschaftlich und politisch Einfluss nehmen können. Ob Plattenbau in Stendal oder Gemeinschaftshaus in Werder: Brüggen sucht Wege, Bestände zu transformieren, Ressourcen zu bewahren und neue Allianzen zwischen Architektur, Politik und Zivilgesellschaft zu schaffen. Wie das funktioniert und welche Hürden genommen werden müssen, erzählt er in dieser Episode.