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Pur und Ungesüßt - Der Künstler*innen Talk Archiv

61 Episoden

CineCollective

44 Minuten
Die Filmexpertinnen Djamila Grandits und Doris Posch sind Teil des CineCollectives und Organisatorinnen des Freiluft Filmfests "Kaleidoskop" am Wiener Karlsplatz.

Von 30. Juni bis 14. Juli 2023 sind 15 Filme aus der ganzen Welt zu sehen - open air und bei freiem Eintritt.

Ein Thema zieht sich dabei durch alle Filme: Die Stadt als vielfältiger Lebens-, Begegnungs- und Kulturraum, der allen Menschen gehört. Was es bedeutet und bedeuten kann, wenn die versprochene Freiheit und Teilhabe verwehrt bleiben, ist die zentrale Fragestellung, denen die Kuratorinnen mit ihrer Filmauswahl nachgehen.

Das Freiluft Filmfest "Kaleidoskop" wird auch 2024 wieder auf dem Wiener Karlsplatz stattfinden.

photo credit (c) Peter Griesser
23 Minuten
"In Österreich ist noch viel Platz nach oben was Kreativität und Musik angeht". 2021 erscheint ihre Debut Single "Y U Trippin", kurz darauf ein ganzes Album - feinster Dance Pop mit inhaltlichem Tiefgang. TAY-LAH ist mit Balkan Beats und afrikanischer Musik aufgewachsen, zu ihren musikalischen Vorbildern zählen Amy Winehouse, Adele, Doja Cat, Ice Spice und (the queen!) Beyoncé. Wenn sie neue Songs schreibt, kommt immer zuerst der Beat - "der Beat muss mich catchen" - danach folgt der Rest.

Wir sprechen außerdem über Erfolgsdruck, ihren Traum vom großen Ruhm und über notwendige Veränderungen in der österreichischen Musikbranche: "Viele Leute, die in der Musikbranche arbeiten, sind schon sehr lange dabei und denken, dass die Art wie das Musikbusiness jetzt geführt wird, in Ordnung ist und nicht geändert werden muss." Was sie diesen Leuten sagt? "Old school alles schön und gut. Aber there's new school as well, so let's try it!"

photo credit (c) Monika Jankovic
35 Minuten
Als Dr. Benjamin Powidl ist er für die Clini Clowns in Wiener Spitälern im Einsatz. Clowns sieht er dabei aber nicht nur als Spaßmacher, sondern vor allem auch als Begegnungskünstler:innen. "Ein guter Clown ist jemand, der andere in den Arm nimmt und ihnen einen schützenden Mantel umlegt und nicht einen nassen Fetzen ins Gesicht schnalzt."

Was wir von Clowns lernen können? "Clowns sind Weltmeister des Scheiterns. Für Clowns ist das eigene Scheitern nie das Ende, sondern immer der Beginn von etwas Neuem."

Als Theatermacher möchte er Möglichkeitsräume eröffnen. Das institutionalisierte Theater hält er vielfach für zu elitär und abgehoben. Peter Spindler versteht Theatermachen vor allem als Handwerk und plädiert dafür, statt künstlich Probleme für die Bühne zu konstruieren, die echten Probleme der Welt zu benennen und künstlerische Antworten darauf zu finden.

Zudem ist es ihm ein Anliegen, das kulturelle Angebot niederschwelliger zu gestalten: "Theater muss inklusiver und bunter werden. Wir müssen neue Publika ansprechen, die Türen aufmachen und auf die Menschen zugehen. Da braucht's neue Wege und die gibt es auch."

photo credit (c) Petra Rautenstrauch
37 Minuten
Innerhalb kürzester Zeit gelingt es Rahel sich als fixe Größe der österreichischen Musiklandschaft zu etablieren. Ihre erste Single "Tapp Tapp Tapp" steigt vor zwei Jahren direkt in die FM4 Charts ein und hält sich dort für mehrere Wochen in den Top 10. Es folgen zahlreiche Releases und eine Nominierung bei den Amadeus Austrian Music Awards.

Wer einem die Erlaubnis gibt, gesehen und gehört zu werden? "Vor allem man selbst!" Denn: "Man muss nicht perfekt sein, um sich auf eine Bühne zu stellen. Wenn man irgendwas hat, das die Leute anspricht, dann reicht das schon."

Rahels Texte sind literarische Meisterwerke. Musikalisch bewegt sie sich zwischen New Wave, Dream Pop und Neue Deutsche Welle und beweist damit eindrucksvoll wie wunderschön knallharte Gesellschaftskritik klingen kann.

photo credits (c) Gwen Meta
35 Minuten
"Zeitgenössischer Tanz bedeutet, mich mit den Themen auseinander zu setzen, die mich persönlich gerade beschäftigen." 2021 gründet der gebürtige Wiener Raphael Miro Holzer in Spanien seine eigene Tanzkompanie. Dieses Jahr zeigt er seine Arbeiten erstmals hierzulande. Im März 2023 hatte er mit vanholzers Österreich Premiere am Posthof in Linz. Inspiration findet der mehrfach ausgezeichnete Contemporary Choreograf in der Architektur, im Film oder in surrealistischen Gemälden. Sein aktuelles künstlerisches Projekt: "Barocktanz aus dem 18. Jahrhundert, der akrobatische Bewegungen aus dem Zirkus trifft".
36 Minuten
"Wenn es ungerecht und unehrlich wird, kann ich wirklich grantig werden." Seine Stimme in der Öffentlichkeit setzt der beliebte Schauspieler regelmäßig für Gleichberechtigung, Toleranz und einen respektvollen Umgang miteinander ein. Die mediale Aufmerksamkeit möchte er auch weiterhin nutzen, um auf gesellschaftspolitisch relevante Themen und Missstände hinzuweisen.

"Ich finde es wahnsinnig schlimm, dass es noch immer Equal Pay Days gibt. Nicht, dass es sie gibt, sondern dass es sie geben muss. Dass Frauen in gleichen Positionen weniger verdienen. Das kann's nicht sein!"

Der große Durchbruch gelingt Markus 2018 mit der Hauptrolle im Kinofilm Erik & Erika, der ins Rennen um die Golden Globes geschickt wird und ihm eine Nominierung für die Romy und für den Österreichischen Filmpreis einbringt. 

photo credit (c) Philine Hofmann
39 Minuten
Als Radiomoderatorin und Sängerin begeistert uns Melanie See mit ihrer kraftvollen und sympathischen Stimme. Umso erstaunlicher: Für sie selbst war es ein langer Prozess sich mit der eigenen Stimme anzufreunden. 2022 erscheint ihre erste Single "Für dich renn ich los". Ob der Song als Schlager oder Deutschpop zu bezeichnen ist, da gehen die Meinungen auseinander. Aber wozu braucht's diese Einteilung überhaupt? "Für die Platzierung am Markt ist es leider schon wichtig, dass deine Musik gelabelt ist." Sie selbst verwehrt sich aber vehement gegen Schubladendenken und möchte sich auch weiterhin nicht von Genregrenzen einschränken lassen. 

Das Leben sieht sie als Prozess, in dem man sich ständig weiter entwickelt und verändert. Dafür muss man auch an sich selbst arbeiten: "Ich bin lange Zeit verbissen an meine Träume rangegangen und vielleicht haben bestimmte Dinge aus genau diesem Grund nicht funktioniert. Ich versuch jetzt auch in meiner Musik meinen Perfektionismus so gut es geht wegzulassen, was sehr schwierig für mich ist."

Melanies neuer Song "Alles so leicht" erscheint im Februar 2023 und ist ein Plädoyer für die Menschlichkeit und ein Aufruf einander wieder mit mehr Liebe zu begegnen. 

photo credit (c) Rebecca Dimény
32 Minuten
"Es ist absurd, dass sich so viele Menschen dafür interessieren, was ich zu sagen hab". Es sind viele und es werden täglich mehr. In Jaquelines neuem Buch "Ungeschönt" geht es um gesellschaftliche Tabus, Bodyshaming und psychische Gesundheit. Die Kernbotschaft: "Es ist möglich sich der Welt und dem eigenen Leben zuzumuten."

Mit ihrer künstlerischen Arbeit möchte uns die Autorin ermutigen unsere Scham hinter uns zu lassen und aufzeigen, dass es möglich ist, sich über Konstrukte und Normen hinwegsetzen. Das Ziel? "Frei werden und für sich selbst ein gutes und glückliches Leben schaffen."

Große Emotionen sieht Jaqueline als Kraftquelle. Und so verwundert es nicht, dass sich die tiefsinnige und warmherzige Autorin danach sehnt, nahbare und zugängliche Kunst zu schaffen und sich auch nicht davor scheut mit rohen und großen Emotionen zu arbeiten. "Kunst ist dann Kunst, wenn es irgendetwas bewegt."

photo credit (c) Sophie Narwatil
42 Minuten
"Als Regisseur ist man der größte Dilettant von allen". Er muss es wissen. Nikolaus Habjan gehört zweifelsohne zu den größten Theatermachern unserer Zeit und ist längst in allen großen und kleinen Theaterhäusern in Österreich, Deutschland und der Schweiz zu Hause.

Mit der Inszenierung der Zauberflöte ist für ihn dieses Jahr ein lang gehegter Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Die Zauberflöte stand zuletzt aufgrund frauenfeindlicher Textpassagen vermehrt in der Kritik. Zurecht? Nikolaus Habjan hat dazu eine ganz klare Meinung. Er erklärt, wie er Mozarts bekannteste Oper sieht und was der Science-Fiction-Horrorfilm "Alien" von Ridley Scott aus dem Jahr 1979 mit den emanzipatorischen Ansätzen der Zauberflöte zu tun hat.

Nikolaus ist nicht nur ein brillanter Künstler, sondern auch ein glühender Kämpfer für Menschenrechte. Gleichberechtigung? Zu langsam! Er stellt große Forderungen an die Politik, denn für Diskriminierung egal welcher Art hat er keinerlei Verständnis: "Alle Menschen scheißen braun und das macht uns alle gleich".

Ein respektvoller Umgang ist ihm auch mit seinen Künstler*innen bei der Erarbeitung neuer Stücke besonders wichtig, denn "Probenzeit ist Lebenszeit". Und die soll für alle so angenehm wie möglich sein.

Foto: (c) Sebastian Fröhlich
33 Minuten
"Den Sinn kann ich alleine finden. Sinnlichkeit beinhaltet etwas Gemeinsames." Der ausgebildete Schauspieler ist heute als bildender Künstler und Performance Artist aktiv. Er versteht sich als intermedialer Künstler, der sich nicht auf ein einziges Medium beschränken möchte und in seiner künstlerischen Arbeit auf verschiedene Materialien setzt. Sein Anspruch? "Wenn ich Kunst sehe und in meinem Kopf eine weitere Türe geöffnet wird, die davor verschlossen war, dann hat der Künstler/die Künstlerin alles richtig gemacht." Wir sprechen über seine Begegnungen mit Schauspiellegende Elfriede Ott. "Mathias, aus dir wird was" hat sie ihm als Widmung in ihr Weihnachtsbuch geschrieben und sie sollte recht behalten. Seine Pläne für die Zukunft? Weiterhin erfolgreich scheitern! "Wenn du nur Ideen im Kopf hast und sie nicht umsetzt, wirst du die Erfahrung des Prozesses nicht machen. Aus dem Scheitern gewinnt und lernt man so viel Neues, das einen stärker macht für die nächsten Aufgaben im Leben."

Foto: (c) Mafalda Rakos
53 Minuten
"Mich ärgert, wenn so getan wird, als ob feministische Themen keine Expertise bräuchten". Die Arbeit der mehrfach ausgezeichneten Filmregisseurin und Drehbuchautorin Katharina Mückstein war von Anfang an geprägt von Feminismus, sowie Fragen der Identität und Fragen der Gerechtigkeit. "Mich interessiert wo sich das Politische und das Persönliche treffen." Anfang 2023 kommt ihr Dokumentarfilm Feminism WTF in die Kinos, mit dem sie einem breiten Publikum näher bringen will, womit sich queer/feministische Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aktuell auseinandersetzen.

Foto: (c)  Elsa Okazaki
42 Minuten
Mit ihrem Schmusechor will die studierte Musiktherapeutin Verena Giesinger vor allem eines: Lust und Leidenschaft am gemeinsamen Singen vermitteln. Was als Hobbychor im WG-Zimmer begann, ist inzwischen drauf und dran ein etablierter Profichor und eine Größe der österreichischen Musiklandschaft zu werden: FM4 Session mit Oehl, Konzerte im ORF Radiokulturhaus, Popfest in Wien, Schäxpir Festival in Linz, Poolbar Festival in Feldkirch, Filmpreis-Gala in Grafenegg. Die Mitglieder des Schmusechors genießen es Genregrenzen auszuloten, etwa wenn sie in Kooperation mit dem immersiven Theaterensemble Nesterval zu singenden Schauspieler*innen und Tänzer*innen werden.

Verena ist eine Visionärin und Mutmacherin, die als Leiterin des Schmusechors die Erfüllung ihrer Träume erlebt. Vor politischen Aktivist*innen hat sie größten Respekt, denn öffentlich für die eigene Meinung einzutreten erfordere viel Mut und Überwindung.  Ihr größtes Anliegen im feministischen Diskurs? "Dass wir uns irgendwann nicht mehr damit beschäftigen müssen, sondern dass es ein ganz klares Verständnis von Gleichberechtigung gibt!"

Foto: (c) Sophie Kirchner
41 Minuten
"Die Angst zu scheitern ist immer da" verrät Michael Buchinger im Interview. Und dennoch geht er unbeirrt weiter seinen Weg. Das Lampenfieber vor Auftritten ist über die Jahre weniger geworden, negative Kritik prallt inzwischen völlig an ihm ab. Er ist ein getriebener Geist, der immer nach neuen Herausforderungen sucht und vor allem Eines möchte: Uns mit seinen spitzen Beobachtungen zum Lachen bringen. 2022 wird Michi für seinen Podcast "Buchingers Tagebuch" mit dem Ö3 Podcast Award ausgezeichnet. Vor zwei Jahren schafft er den Sprung ins begehrte "30 unter 30" Ranking des Wirtschaftsmagazins Forbes.

In seinen Büchern, auf der Bühne, im Podcast und auf Instagram lässt er uns humoristisch und hautnah an seinem Leben teilhaben. Die gesellschaftlichen Umbrüche, die er seit seinen Anfängen vor 13 Jahren beobachtet, sind auch in der Comedy Szene spürbar: "Was Comedians in den 2010er Jahren von sich gegeben haben, geht heute einfach nicht mehr. Da hat sich einiges getan - zum Glück." Im Interview spricht der vielseitig begabte Künstler über das Streben nach Ruhm, Erfolgsdruck, Misserfolge und warum es ihm so schwer fällt nichts zu tun.

Foto: (c) Dominik Pichler
39 Minuten
"Frauenfiguren in der Operngeschichte sind als moderne Frau manchmal schwer zu ertragen. Ich möchte keine Opfer portraitieren" stellt die Sopranistin, die seit 2020 im Ensemble der Wiener Staatsoper singt, klar. Zur Aufgabe der Oper hat sie eine klare Meinung: "Oper ist keine reine Unterhaltungsform, sondern nimmt am Diskurs über gesellschaftlich relevante Themen teil." Das stellte Vera-Lotte zuletzt in 'Bluthaus', der neuen Oper von Georg Friedrich Haas, eindrucksvoll unter Beweis. Das Thema: Sexueller Missbrauch. 

Vor der Gesangskarriere und Engagements an der Königlichen Oper in Kopenhagen, an der Bayrischen Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen, studierte Vera-Lotte Literatur und Analytische Philosophie. Sie ist ein Entdeckergeist und erzählt leidenschaftlich gerne Geschichten - sei es auf der Bühne oder im Interview.

Foto: (c)Philipp Schnönauer
37 Minuten
"Der unspannendste Ort im Theater ist für mich die Bühne" verrät Regisseur Martin Finnland. Ein visionärer Geist, der mit seinem preisgekrönten Theaterensemble Nesterval die Grenzen des klassischen Theaterbegriffs aus den Angeln hebt.

Bei Nesterval gibt es weder eine Bühne, noch einen abgegrenzten Publikumsbereich. Die Zuschauer:innen bewegen sich während der Vorstellung frei im Areal, können mit den Figuren interagieren und aktiv ins Stück eingreifen. Die Herausforderung dabei? "Unsere Charaktere müssen tatsächlich leben. Und zwar in jeder Situation, in die uns das Publikum bringt". 2021 wird das Ensemble für seine herausragende Leistung mit dem österreichischen Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet.