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EINSICHTEN 2010 Archiv

21 Episoden

Editorial 2010

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Um die Wende zum 19. Jahrhundert findet ein Paradigmenwechsel statt. Zahlreiche Vordenker suchen während dieser Epoche nach Wegen, eine politische Wissenschaft auf der Grundlage von Naturwissenschaften und ihrer empirischen Methoden zu schaffen. Politik stützte sich verstärkt auf Analysen und Prognosen und weniger auf religiöse Deutungsmuster. Das führte zu heftigen Debatten darüber, was unter fundiertem Wissen als Basis für eine „Wissenschaft des Politischen“ zu verstehen ist. Diesen Suchbewegungen spürt ein durch LMUexcellent gefördertes Projekt der Historiker Professor Eckhart Hellmuth, Dr. Martin Schmidt und Dr. Iain McDaniel nach.
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Von den weltweit rund 6.500 Sprachen sind etwa zwei Drittel vom Aussterben bedroht. Dazu zählen so unterschiedliche und voneinander weit entfernte Sprachen wie die obugrischen Sprachen in Nordwest-Sibirien und das Kurumba im Süden Indiens. Die Linguistin Professor Elena Skribnik will die obugrischen Sprachen möglichst umfassend digital katalogisieren und dokumentieren, der Ethnologe Ulrich Demmer dokumentiert Sprache aber auch Sitten und Bräuche des Volkes der Jenu Kurumba. Beide bewahren auf getrennten Wegen einen Teil des kulturellen Erbes der Menschheit.
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Noch immer können pathogene Viren nicht wirkungsvoll bekämpft werden. Der Virologe Professor Jürgen Haas möchte am Beispiel von humanen Herpesviren die komplexen molekularen Interaktionen zwischen Erreger und Wirt systematisch entschlüsseln. Wenn Forscher ein umfassendes Verständnis der Funktion viraler Bestandteile haben, können bessere therapeutische Ansätze gefunden werden, so seine Hoffnung.
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Das menschliche Auge ist ein äußerst komplexes und damit auch störanfälliges Organ. Bestimmte genetische Defekte in den Zapfen, einer Art von Sinneszellen in der Netzhaut, kann zu dem schweren Augenleiden Achromatopsie führen. Der Pharmakologe Professor Martin Biel hat im Tiermodell einen Weg gefunden, den defekten Abschnitt des Erbmoleküls DNA durch eine korrekte Kopie zu ersetzen und so den betroffenen Tieren das Sehen zu ermöglichen.
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Was ein Wiki ist, wissen Online-Nutzer spätestens seit dem Siegeszug der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Ein Semantic Wiki dagegen ist erklärungsbedürftig. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung, die den Wiki-Gedanken mit den Vorzügen des semantischen Web kombiniert. Was darunter konkret zu verstehen ist und wie die Forschung auf diesem Gebiet voranschreitet, lässt sich an der Arbeit der Informatiker Professor François Bry und Klara Weiand beschreiben.
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Interdisziplinäre Einsichten:

Mauerreste suchen und Scherben interpretieren – dieses Bild haben die meisten im Kopf, wenn es um Archäologie geht. Doch in die moderne Altertumsforschung hat Hightech Einzug gehalten: Neben archäologischen Feldforschungsmethoden kommen auch modernste naturwissenschaftliche Erkundungs-, Vermessungs- und Dokumentationstechniken sowie Satellitenbilder zum Einsatz. Ein Beispiel dafür liefert das LMUexcellent-Projekt von Michael Mackensen. Der Archäologe erforscht ein römisches Oasenkastell in der libyschen Ödnis, wo manche Strapaze, aber auch überraschende Erkenntnisse auf ihn warten.

Von Ortrun Huber
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Naturwissenschaften:

Der Quantenphysiker Professor Immanuel Bloch baut mit seinem Team aus ultrakalten Atomen und Laserlicht künstliche Kristalle, sogenannte optische Gitter. So können die Wissenschaftler Festkörpersysteme simulieren und auf eine Weise verändern, wie es in realen Materialien oft gar nicht geht. Mit den manipulierten Atomen lassen sich unter anderem die Mechanismen der Supraleitung und elementare Bausteine für Quantencomputer erforschen.

Von Christine Rüth
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Lebenswissenschaften:

Stammzellen sind als Forschungsobjekt umstritten: Sie bieten zwar die Aussicht auf neuartige Therapien für eine Vielzahl degenerativer Erkrankungen, müssen bislang aber noch aus embryonalem Gewebe gewonnen werden. Der Mediziner Professor Wolfgang-Michael Franz hofft, damit durch Infarkt geschädigte Herzen regenerieren zu können. Sein Kollege Professor Hans-Jochem Kolb möchte dagegen die bereits als Therapie von Leukämien etablierte Transplantation von Knochenmark und Blutstammzellen verbessern.

Von Susanne Wedlich
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Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften:

Wer die Produktivität einer Volkswirtschaft erhöhen will, muss die Leistungsfähigkeit ihrer Einzelunternehmen verbessern. Doch was sind wirksame politische Hebel dafür, wovon hängt Produktivitätswachstum ab und welche Folgen hat es beispielsweise für die Umwelt? Diesen Fragen ging ein Forscherteam der Deutsch-Britischen Stiftung unter Leitung von Professor Tobias Kretschmer nach – und fand manche überraschende Antwort.

Von Andreas Park
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Geistes- und Kulturwissenschaften:

Die chinesische Küche ist so vielfältig wie das Land selbst. Professor Thomas O. Höllmann nähert sich deshalb in seinem neuen Buch "Schlafender Lotos, trunkenes Huhn" der reichhaltigen Kulturgeschichte der chinesischen Küche auf unterschiedlichen Wegen. Er kontrastiert herrschaftliche Völlerei mit dem kargen Leben der Bevölkerungsmehrheit, zeichnet die teils weiten Wege einzelner Gemüse- und Obstsorten ins Reich der Mitte nach und klärt über die Beschaffenheit chinesischen Bieres auf. Immer hat er dabei die Verbindung von Speisenzubereitung und Herrschaft, von Essen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Blick.

Von Marcus Simon
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Interdisziplinäre Einsichten:

Das Weltall aus vielen Perspektiven

Im Exzellenzcluster "Universe" erforschen Astro-, Teilchen- und

Nuklearphysiker zahlreicher Münchner Forschungsinstitutionen die Weiten des

Kosmos. Mit dabei sind auch Wissenschaftler der LMU. Sie verfolgen in dem

Forschungsverbund ganz unterschiedliche Ansätze, die Phänomene des Weltalls

besser zu verstehen. Von der Erforschung Schwarzer Löcher über die

Supersymmetrie bis zur Suche nach dem ominösen Higgs-Boson spannen sie den

Bogen ihres Forschungsinteresses.

Von Thorsten Naeser
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Naturwissenschaften:

Der Magnetsinn zeigt den Weg

Viele Tiere orientieren sich am natürlichen Magnetfeld der Erde. Sie verfügen

über eine Art inneren Kompass, mit dem sie die Feldlinien des Erdmagnetfelds

wahrnehmen und ihre Reiseroute entsprechend anpassen können. Der

Biogeophysiker Dr. Michael Winklhofer untersucht, wie Tiere das Magnetfeld

aufnehmen und in für sie sinnvolle Informationen umwandeln können.

Von Marieke Degen
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Lebenswissenschaften:

"Chemobrain" unter der Lupe

Krebspatienten fühlen sich durch die belastende Behandlung durch

Chemotherapie häufig körperlich geschwächt - aber auch ihre geistige

Leistungsfähigkeit scheint beeinträchtigt. In der Multicenter-Studie COGITO

hat ein Forscherteam um die Psychologin Dr. Kerstin Hermelink von der

Frauenklinik der Universität München nun das "Chemobrain" und seine Ursachen

einer genauen Analyse unterzogen - mit überraschenden Ergebnissen.

Von Christine Amrhein
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Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften:

Das Internet bringt es an den Tag

Können Online-Diskussionsforen die Gespräche der Bürger über politische

Themen abbilden? Diese Frage leitete die Kommunikationswissenschaftler

Professor Hans-Bernd Brosius und Alexander Haas in einem durch LMUexcellent

geförderten Projekt. Antworten suchten sie, indem sie die Ergebnisse einer

Inhaltsanalyse von Diskussionsforen mit denen einer Repräsentativbefragung

verglichen. Diskussionsforen sind ein Ort, an dem interpersonal-öffentliche

Kommunikation stattfindet und Meinungsäußerungen sichtbar werden, die bislang

größtenteils im Privaten abliefen und sich der wissenschaftlichen Analyse

entzogen.

Von Marcus Simon