Das Neue Berlin Archiv
111 Episoden
1 Stunde 27 Minuten
It's the economy, stupid! Darauf können sich alle einigen – ob Häuslebauer oder Marxist, ob Konzernchef oder Ökoaktivist, ob Börsenmakler oder Gewerkschaftler. Die Wirtschaft scheint der Schlüssel zum Verständnis der Gesellschaft. Kein anderes Funktionssystem wird so nervös beäugt, so kultisch verehrt, so inbrünstig verachtet wie die Wirtschaft. Dem Wirrwarr der Meinungen und Emotionen steht eine Disziplin scheinbar naturwissenschatlicher Klarheit gegenüber. Wer heute Volkswirtschaftslehre studiert, kommt in eine Welt der Eindeutigkeit: Mathematische Modelle, die exakte Vorhersagen treffen sollen. Eine einheitliche Theorie, die die Wege der Forschung absteckt. Gesetzmäßige Grundannahmen, die im Prinzip immer und überall Gültigkeit haben. Nicht alle finden das gut: Als feststehendes Paradigma throne die Neoklassik an den Lehrstühlen und lasse keine falschen Götter neben sich zu. Sie schwärme vom Gleichgewicht der Märkte, während eine Wirtschaftskrise die nächste ablöse. Unverbesserlich verschreibe sie ihrem siechenden Patienten immer wieder die alte Medizin der Deregulierung. Mit Max und Hannes von den Kritischen WirtschaftswissenschaftlerInnen aus dem Netzwerk Plurale Ökonomik sprechen wir darüber, wie die Lehre derzeit an deutschen Universitäten aussieht und wie sie vielleicht besser werden könnte. Ist die Ökonomik methodisch blind geworden für soziale und ökologische Fragen? Kann sie es sich wirklich leisten, sich nicht mehr mit ihren eigenen Klassikern zu beschäftigen? Sieht sie den Wald der Gesellschaft vor lauter rationalen Individuen nicht mehr, kennt weder Institution, noch Kultur, noch Geschichte? Wir diskutieren darüber.
1 Stunde 32 Minuten
50 Jahre 1968: Die Proteste von Studierenden in dieser Zeit stehen nicht nur für einen Wandel im akademischen Selbstverständnis, sondern auch für eine Annäherung amerikanischer und (bundes)deutscher Universitätskultur. Die beiden Systeme haben dabei denkbar unterschiedliche Voraussetzungen. Ist das amerikanische System von enormen Qualitätsunterschieden zwischen privaten Eliteuniversitäten und staatlichen Colleges geprägt, verspricht die deutsche Universität nach wie vor relativ gute, relativ erschwingliche Abschlüsse in der Breite. Vor diesem Hintergrund sprechen wir dieses Mal über den universitären Alltag in Deutschland und in den Vereinigten Staaten. Dazu haben wir Robert eingeladen, der derzeit an der Duke University in Durham, North Carolina studiert. Ob die amerikanische Eliteuniversität eine "totale Institution" ist oder nicht: Ihre Mitglieder sozialisiert sie jedenfalls umfassender als die deutsche. Eine Hierarchie entscheidet dabei darüber, in welcher Position man nach dem Abschluss landen kann. Entsprechend herrscht ein anderer Druck – nicht zuletzt, weil sich die meisten Studierenden verschulden müssen. Und doch erscheint uns die amerikanische Universitätsbildung besser als die deutsche: Kleine Klassen statt überfüllter Hörsäle. Direkte Betreuung anstatt Verwaltungschaos. Lernen auf Augenhöhe anstatt dem institutionellen Machtgefälle zwischen verbeamteter Professorenschaft und dem "Rest". Vielleicht können wir davon etwas lernen – ohne uns die große Ungleichheit mit einzukaufen.
1 Stunde 52 Minuten
Die Uhr tickt: 9 Jahre noch, dann ist das CO2-Budget für die 1,5 Grad durschnittlicher globaler Erwährmung aufgebraucht. Dann gibt es vielleicht kein Zurück mehr. Selbstverstärkende Prozesse, die ohne unser Zutun ablaufen. 2 Grad, 3 Grad, 4 Grad, 5 Grad. 10 Meter, 20 Meter, 50 Meter, 100 Meter. Eine Apokalypse in Zeitlupe. Wir wollen über Ökologie sprechen und ihr eigentliches großes Rätsel. Wir wissen schon lange Bescheid über Treibhausgase, Klimawandel und die vielbeschworenen Grenzen des Wachstums. Jedes Kind lernt es inzwischen in der Schule. Dennoch scheinen sich moderne Gesellschaften nur schwer auf ökologische Gefahren einstellen zu können. Mit Texten von Harald Welzer, Maja Göpel und Michael Hüther (allesamt aus dem Öko-Update im FUTURZWEI-Magazin) stecken wir die Debatte um Ökologie und Marktwirtschaft noch einmal ab. Während marktfreundliche Protagonisten davon ausgehen, dass wachsende Effizienz ein grünes und dann auch ewiges Wachstum ermöglicht, sprechen die ökologischen Kennzahlen eine andere Sprache. Kann unsere Ökonomie so reformiert werden, dass wir nicht unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören? Wir machen einen Anfang, reden über hybride Märkte, Natur als Konstruktion, aber auch über den Kapitalismus und die Freiheit, die ohne ihn bleibt. [podlove-episode-web-player]
1 Stunde 45 Minuten
Wir holen ein Thema nach, das länger schon in der Luft liegt: Linkspopulismus. Hinter der Debatte steht die Frage, in welche Richtung sich die Linke entwickeln muss, wenn sie in absehbarer Zeit eine neue Sozialpolitik machen möchte – jenseits vom Zentrismus der ewigen großen Koalition, die inzwischen ja auch keine stabile Mehrheit mehr hat. Bücher sind geschrieben worden, zuletzt von Chantal Mouffe. Und eine Bewegung ist gegründet worden, die die gebeugten Linken zum "Aufstehen" auffordert. Um zu verstehen, worum es geht, hören wir eine Veranstaltung nach, die am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung stattgefunden hat. Gesprochen wurde über die "Chancen einer linken Sammlungsbewegung in Deutschland"; mit dabei waren Sahra Wagenknecht, Wolfgang Streeck und Nils Heisterhagen, die sich alle recht einig über die Problemlage sind. Der These eines Scheiterns der Linken stimmen wir zwar zu. "Linksliberale Ersatzpolitik", die statt Umverteilung auf Identitätspolitik setze, dafür verantwortlich zu machen – das überzeugt uns (ebenso wie Felix Schilk in der Jungle World) nicht. Stehen wir also mit auf? Ganz bestimmt. Aber über die Richtung müssen wir streiten.
1 Stunde 38 Minuten
Am Anfang des letzten Jahrhunderts wurde die Physik gleich von zwei Revolutionen erschüttert, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie. Vor allem die letztere macht uns bis heute ungläubig. Ereignisse die keine Ursache haben, Elementarteilchen, die sich anders verhalten, wenn jemand hinschaut, eine Welt jenseits von Objektivität und strenger Vorhersagbarkeit? Schon in den 20er-Jahren stellte man sich dieselben Fragen. Werner Heisenberg diskutierte mit seinen Studenten Grete Hermann und Carl Friedrich von Weizsäcker über die philosophische Deutung der Quantenmechanik, heute nachzulesen in einem kleinen Reclamheft. Mit unseren Gästen Niklas und Michi nehmen wir uns diese Reflexionen noch einmal zum Vorbild und versuchen, uns einen Reim auf die Lehren der Physik zu machen. Ist die Quantentheorie eine intellektuelle Zumutung für eine konsistente Interpretation der Wirklichkeit oder muss umgekehrt die Philosophie in ihren Möglichkeiten und Grundannahmen in Frage gestellt werden? Beim Versuch die Quantenwelt zu verstehen, gerät man bald an die Grenzen des Denk- und Sagbaren.
1 Stunde 25 Minuten
Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie: so geht das Lied von Europa, in das wir gerne einstimmen würden. Aber wieso singen es auch die Rechten so gerne? Von Humanismus und Aufklärung spricht das Wahlprogramm der AfD. Der Front National schwärmt von zivilisatorischen Werten und von Laizität. „Ich bin eine Europäerin“, beteuert Marine Le Pen. Neben der Nation als geschichtlichem und kulturellem Bezugspunkt taugt inzwischen auch Europa als beliebtes Schlagwort der Nationalisten. Mehr noch, die Rechten erzählen eine eigene Geschichte von Europa, in der sie selbst die ersten Verteidiger der Aufklärung sind. Hier verbindet sich mit Europa eine lange Geschichte der Fremd‐ und Selbstbeschreibung. Eine Tradition, die Welt einzuteilen, Menschen zu sortieren, Drinnen und Draußen abzustecken. Mit Leoni J. Keskinkilic reden wir über Die „Europäisierung“ rechter Nationalparteien (in: Rechtspopulismus im Fokus, Springer VS 2018). Wir sehen, dass mit Europa dabei nicht konkrete Institutionen oder supranationale Gebilde gemeint sind. Europa heißt hier Abendland. Heißt wir und sie, heißt Zivilisation und Barbarei, heißt der Westen und der Rest. In dieser Erzählung vom europäischen Universalismus macht es durchaus Sinn, Gruppen auszugrenzen, Religionsfreiheit einzuschränken und am Grenzzaun auch mal zu schießen.
1 Stunde 45 Minuten
Wir haben schon öfter behauptet, dass es mit den Fakten und dem Wissen über sie nicht so einfach ist, wie es der Alltag glauben macht. Die intellektuellen Traditionen auf die wir uns dabei beziehen, sind hybrid, vielschichtig und unübersichtlich. An kaum einem Philosophen lassen sich die Schwierigkeiten einer streng empiristischen, streng positivistischen Weltsicht besser nachvollziehen als an der Ludwig Wittgensteins. Mit seinem Tractatus schuf er ein Werk vollendeter Klarheit, in dem der Naturwissenschaft ein strenges logisches Fundament gegeben wurde und die Philosophie endgültig ihre Schuldigkeit getan hatte. 32 Jahre später erschien seine Philosophische Untersuchungen, die alles wieder zum Einsturz brachte. Unser Gast Felix hilft uns zu verstehen, welche Unordnung Wittgenstein in der Philosophie angerichtet hat. Was kann Philosophie nach Wittgenstein noch sein? Welchen Beitrag kann sie leisten zu unserem Wissen von den Dingen? Oder bedeutet Wittgenstein eigentlich das Ende der Philosophie (wie wir sie kannten)?
1 Stunde 46 Minuten
In den letzten Jahrzehnten als Mittel politischer Kommunikation diskreditiert, sind Verschwörungstheorien mit voller Kraft zurück im Diskurs. Grund genug, uns diesen zu widmen. Wir sprechen über ein Interview mit Michael Butter, der kürzlich ein Buch zum Thema geschrieben hat. Das gleichen wir mit Bemerkungen von Karl Popper und Karl Hepfer ab. Verschwörungstheorien spiegeln, so das Ergebnis, ein modernes Denken, das irrtümlich von einer umfassenden Planbarkeit der sozialen Welt ausgeht. Im Anschluss diskutieren wir, ob Verschwörungstheorien die Welt wirklich so einfach machen. Wenn man niemandem mehr trauen kann und alles selbst nachforschen muss, wird die Welt doch eigentlich komplizierter? Und auch wenn Verschwörungstheorien Komplexität reduzieren – macht das nicht jede Theorie? Wie unterscheiden sich Verschwörungstheorien von denen des Soziologen? Viel Gesprächsstoff. Wir kommen in einer der nächsten Sendungen darauf zurück.
1 Stunde 46 Minuten
Gesellschaft ist mehr als eine Summe von Individuen. Wer nur Absichten, Ziele, Bedürfnisse kennt, der muss die Menschen stets beim Wort nehmen und bleibt am Nullpunkt der Soziologie. Deshalb entstauben wir einen alten Begriff aus dem Werkzeugkasten der Gesellschaftstheorie und begleichen damit eine unabgetragene Ehrenschuld. Funktion heißt das Zauberwort, das mehrere Generationen von Soziologen umtrieb. Wir lesen noch einmal Mertons Social Theory and Social Structure – die geneigte Hörerin erinnert sich an Episode 5 – um zu verstehen, was funktionale Analyse von Gesellschaft sein könnte. Merton verabschiedet sich vom anthropologischen Funktionalismus. Gesellschaft erscheint nun nicht mehr – in der Analogie zum menschlichen Körper – als hochintegrierter Organismus, sondern als Ansammlung von Einzellern. Funktion ist nichts Zwangsläufiges, kann ihre Form wandeln oder auch ganz verschwinden. Am Beispiel des Regentanzes klären wir Mertons Unterscheidung von manifesten und latenten Funktionen. Erstere erfährt man, wenn man die Leute fragt. Letztere rekonstruiert die Soziologie – zumindest wenn sie nicht nur Hilfswissenschaft sein soll. Doch wie stellt man Funktionen fest? Sind sie willkürliche Erfindungen des Soziologen?
2 Stunden 3 Minuten
Wir reden nicht zum ersten Mal über das Ende moderner Paradigmen. Unsere Ausgangsbeobachtung ist dieses Mal, dass moderne Planung und Herrschaft im Hinblick auf das, was erreicht werden soll, vielleicht nicht rational ist. Modern gesehen, so lesen wir es bei Hans Freyer nach, erscheint die Welt als mehr oder weniger ungeordnete Natur, die durch Theorie und Gewalt unter Kontrolle gebracht werden muss. Die entgegengesetzte Strategie, stellt sich hingegen auf Ordnung, die immer schon da ist, ein. Diese „natürliche Rationalität“, ursprünglich antimodernistische Polemik, wird uns heute vertrauter. Sinnbild ist der Trampelpfad, der als „Desire path“ längst seinen Weg in den Planungsdiskurs gefunden hat. Man erhofft sich, die soziale Intelligenz, die sich in ihm abdrückt, abschöpfen zu können. An der University of Oregon baute man erst die Gebäude und ließ zwischen ihnen Trampelpfade entstehen, bevor man befestigte Wege schuf. Keine Theorie mehr also? Da landen wir doch wieder bei Chris Andersons The End of Theory! Was sind „Spuren“? Das beschäftigt uns zum Schluss. Spurenlesen, so Sibylle Krämer, ist eine „alltägliche Wissenskunst des Umgangs mit Situationen von Ungewissheit“, die nicht allein die Jäger und Sammler, sondern auch die modernen Menschen beherrschen, um durch den Alltag zu kommen. Das gilt insbesondere für die Hochtechnologie des 21. Jahrhunderts. Macht die automatisierte Produktion menschliche Fähigkeiten neu sichtbar?
1 Stunde 45 Minuten
Zur Linken ist man sich nicht ganz einig, welches Unrecht dieser Welt man zuerst abschaffen soll. Ging es lange um Armut, Ungleichheit und Ausbeutung, entdeckte man irgendwann die Diskriminierung, die Exklusion, den Alltagsrassismus und den bösen weißen Geist, der immer noch die Welt beherrscht. „Politisch korrekt“ schimpfen manche die Wende. Nicht nur die Konservativen hüsteln „Hypermoral“, auch Sozialdemokraten (Sigmar Gabriel, Mark Lilla) fragen sich nach verlorenen Wahlen, ob man es mit der „Postmoderne“ nicht übertrieben hätte. Harte Gleichheitspolitik brauche es und kein Diversitätsgerede. Beim Philosophen Robert Pfaller hören wir, was falsch sein soll am „Zartsprechen“ in der Politik. Aber gibt es tatsächlich einen Widerspruch zwischen der Reflexion kultureller Ausschlüsse und der guten alten sozialen Frage? Haben sie nicht beide ihren Fluchtpunkt in der modernen Idee der Gleichheit? Muss eine progressive Politik nicht Antworten auf beide liefern, weil symbolische Entwertung und ökonomische Ausbeutung ein altes Liebespaar sind? Und wie steht es um die Frage der Strategie – wie lassen sich Mehrheiten gewinnen, wie lässt sich Politik machen und nicht nur Debatte?
1 Stunde 53 Minuten
"Wir müssen unsere Männlichkeit zurückgewinnen", ruft Björn Höcke vor Gleichgesinnten ins Mikrophon. Und er ist nicht der einzige. Allerorts beklagen Autokraten und Nationalisten mal wieder die Feminisierung, die Verweichlichung von Gesellschaft und Kultur. Feministen, Liberale, Linke, Pazifisten – sie alle beraubten den Mann seiner natürlichen Rolle. In The crisis in modern masculinity (deutsch im Lettre International) rekonstruiert Pankaj Mishra eine Geschichte dieser Geschlechtlichkeit, die so gar nichts mit Chromosomen zu tun hat. Männlichkeit zeigt sich dabei ebenso als eine Funktion der Industriegesellschaft wie als ein koloniales Beschreibungsmuster. Zugleich wird sie zur Identitätsstrategie, wenn der Fabrikjob unsicher wird, wenn die Frau mehr Geld verdient, wenn die Tradition sich verflüssigt. Unter der brutalen Eindeutigkeit der Geschlechterdichotomie müssen nicht nur Frauen, Homo- und Transsexuelle leiden. Auch die »Männer« haben für ihre Herrschaft einen hohen Preis zu zahlen. In seinem Aufsatz Männerpolitik zeigt Thomas Gesterkamp, dass Geschlechterpolitik eine Angelegenheit für alle sein muss. So wird dann die Krise der Männlichkeit zu einer Chance: Was fällt, das soll man auch noch stoßen!
1 Stunde 58 Minuten
Nichts ist harmlos an der Schönheit, wenn sie uns überwältigt, wenn sie die Welt eindeutig macht, wenn sie uns in moralischen Rausch versetzt. Für Wolfgang Urlich wecken einige Zeitgenossen unangenehme ästhetische Erinnerungen: Bjung-Chul Han, Philipp Ruch, Martin Sellner – so unterschiedlich sie sind, so beschwören sie doch alle Die Wiederkehr der Schönheit. Sie alle fordern die Erschütterung des Alltäglichen, einen Kunstschock, der die alte Ordnung brüchig werden lässt. Wolfgang Ulrich ist das nicht ganz geheuer, denn auch Heidegger träumte 1936 vom Stoß, den die Kunst der Geschichte gäbe – eine Geschichte, in der das Volk in sein "Mitgegebenes" einrücke. Eine Kunst, die Gemeinschaft durch Überwältigung erzeugt, kann für Ulrich keinen demokratischen Common Ground schaffen. Stattdessen zieht sie Grenzen, beteubt die Reflexion, entmündigt. Wir widmen uns eingehender Urlichs Argumentation und überlegen erneut, welche Rolle die Kunst im Verhältnis zur Politik spielen kann und spielen soll.
1 Stunde 56 Minuten
Auf der Liste von Dingen, die vermeintlich gerade den Bach runter gehen, steht die Öffentlichkeit ziemlich weit oben. Früher klopfte sie den Mächtigen auf die Finger, stellte einen Konsens her und gab dem "Volk" eine Stimme. Heute fühlt sich keiner mehr repräsentiert, Aufmerksamkeit bekommen immer die Falschen und keiner liest mehr FAZ. Wir fragen uns, was ist Öffentlichkeit eigentlich? Ist sie ein Ideal oder immer nur ganz konkret? Soll sie die Menschen der Gesellschaft zusammenbringen an einem Ort des Allgemeinen oder soll nicht lieber jeder seine eigene haben, zum nachause nehmen und für zwischendurch? Mit Volkan Sayman sprechen wir über Öffentlichkeiten und landen bald fußtief in der Mediengeschichte. Ein Parforceritt durch die Jahrhunderte. Von Agora, Zeitungsreligion, Volksempfänger, fordistischer Massenkultur und natürlich der AfD.
1 Stunde 49 Minuten
Ob Liberalismus, Sozialismus oder Kommunismus: Die großen gesellschaftlichen Entwürfe und der politische Kampf um sie sind ohne bürgerliche Öffentlichkeit nicht zu denken. Die Helden dieser Öffentlichkeit sind die Intellektuellen, deren Aufstieg und Fall wir uns dieses Mal widmen. Wir schauen zunächst in die Geschichte, entdecken, welche Macht das gedruckte "J'accuse!" (Ich klage an!) eines Émile Zola entfalten konnte. Wir verfolgen dann – holzschnittartig – die verschiedenen Generationen französischer Intellektueller. Als Leitfaden dient uns ein Beitrag von Caspar Hirschi zu Eribon und Macron, Bourdieu und Juppé. Über Jean-Paul Sartre und Pierre Bourdieu landen wir bei Didier Eribon. Wir diskutieren Hirschis These, dass Eribon, gefangen zwischen den verschiedenen Rollenerwartungen und politischer Desillusionierung, eigentlich nichts mehr zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen habe, mit seiner Verweigerungshaltung gar "symbolische Antipolitik" betreibe. Wie ist der intellektuellen Ratlosigkeit beizukommen – auch über die Anklage hinaus?