Das Monokel Archiv
12 Episoden
34 Minuten
Gendergerechte, inklusive Sprache hat einen zweifachen Nutzen: Zum einen wird Sprache ohne generischen Maskulin präziser, und zum anderen bildet gendergerechte Sprache die reale gesellschaftliche Vielfalt besser ab.
Doch gendergerechte Sprache hat auch viele Kritiker*innen. In der heutigen Folge wollen wir die verstehen, ob es gute Gründe gibt, gendergerechte Sprache abzulehnen. Dafür analysieren wir drei Texte, die inklusive Sprache bestenfalls als Verschlimmbesserung erachten, schlimmstenfalls als Ausdruck einer totalitären Diktatur. Empirische Evidenz oder logische Schlüssigkeit suchen wir bei den Kritiker*innen dabei vergebens.
Warum gibt es so viel so emotionalen Widerstand gegen inklusive, gendergerechte Sprache? Wir vermuten, dass es nicht so sehr um die Sprache an sich geht, sondern mehr um ein Unbehagen mit gesellschaftlichem Wandel. Machtstrukturen, die es lange gab und die sich auch in unserer Sprache reproduzieren, werden heute hinterfragt und teilweise aufgelöst. Das gefällt nicht allen – besonders nicht jenen, die von den alten Machtstrukturen profitierten.
Doch gendergerechte Sprache hat auch viele Kritiker*innen. In der heutigen Folge wollen wir die verstehen, ob es gute Gründe gibt, gendergerechte Sprache abzulehnen. Dafür analysieren wir drei Texte, die inklusive Sprache bestenfalls als Verschlimmbesserung erachten, schlimmstenfalls als Ausdruck einer totalitären Diktatur. Empirische Evidenz oder logische Schlüssigkeit suchen wir bei den Kritiker*innen dabei vergebens.
Warum gibt es so viel so emotionalen Widerstand gegen inklusive, gendergerechte Sprache? Wir vermuten, dass es nicht so sehr um die Sprache an sich geht, sondern mehr um ein Unbehagen mit gesellschaftlichem Wandel. Machtstrukturen, die es lange gab und die sich auch in unserer Sprache reproduzieren, werden heute hinterfragt und teilweise aufgelöst. Das gefällt nicht allen – besonders nicht jenen, die von den alten Machtstrukturen profitierten.
36 Minuten
Anfang März 2021 haben 78 Tamedia-Redaktorinnen einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Sexismus und Diskriminierung von Frauen auf den Redaktionen beklagen. Frauen erhielten bei gleicher Arbeit weniger Lohn, hätten Schwierigkeiten, ihre Themen durchzusetzen und hätten schlechtere Karrierechancen.
Diese Protestaktion hat für Aufsehen gesorgt. In der heutigen Folge diskutieren wir mit drei Journalistinnen über ihre Einschätzung des Problems von Sexismus in der Medienbranche. Aleksandra Hiltmann ist Redaktorin im Ressort Kultur und Gesellschaft beim Tages-Anzeiger und Mitunterzeichnerin des offenen Briefs. Nicole Döbeli ist Ressortleiterin Region beim Landboten, Co-Präsidentin des Vereins Medienfrauen Schweiz und ebenfalls Mitunterzeichnerin des offenen Briefes. Nadine Brügger ist Chefin vom Dienst im Nachrichtenressort der Neuen Zürcher Zeitung.
Im Gespräch argumentieren Aleksandra, Nicole und Nadine, dass und wie Sexismus ein oft subtiles strukturelles Problem ist, welches mit anderen Probleme wie Machtgefällen, Mobbing und ökonomischen Zwängen zusammenhängt. Sexismus auf journalistischen Redaktionen bleibt nicht ohne Konsequenzen. Studien zeigen beispielsweise, dass Frauen systematisch weniger oft Gegenstand von oder Stimmen in der journalistischen Berichterstattung sind.
Wie kann die Situation verbessert werden? Nebst strukturellen Reformen in Medienorganisationen wie transparenteren Kriterien für die Karriereentwicklung können auch wir als Publikum einen kleinen Beitrag leisten. Indem wir journalistische Beiträge von Frauen und über Frauen häufiger lesen, hören, sehen und teilen, helfen wir mit, den Kreislauf der sich reproduzierenden Ungleichbehandlung von Frauen in den Medien, aber auch allgemein in der Gesellschaft zu durchbrechen.
Diese Protestaktion hat für Aufsehen gesorgt. In der heutigen Folge diskutieren wir mit drei Journalistinnen über ihre Einschätzung des Problems von Sexismus in der Medienbranche. Aleksandra Hiltmann ist Redaktorin im Ressort Kultur und Gesellschaft beim Tages-Anzeiger und Mitunterzeichnerin des offenen Briefs. Nicole Döbeli ist Ressortleiterin Region beim Landboten, Co-Präsidentin des Vereins Medienfrauen Schweiz und ebenfalls Mitunterzeichnerin des offenen Briefes. Nadine Brügger ist Chefin vom Dienst im Nachrichtenressort der Neuen Zürcher Zeitung.
Im Gespräch argumentieren Aleksandra, Nicole und Nadine, dass und wie Sexismus ein oft subtiles strukturelles Problem ist, welches mit anderen Probleme wie Machtgefällen, Mobbing und ökonomischen Zwängen zusammenhängt. Sexismus auf journalistischen Redaktionen bleibt nicht ohne Konsequenzen. Studien zeigen beispielsweise, dass Frauen systematisch weniger oft Gegenstand von oder Stimmen in der journalistischen Berichterstattung sind.
Wie kann die Situation verbessert werden? Nebst strukturellen Reformen in Medienorganisationen wie transparenteren Kriterien für die Karriereentwicklung können auch wir als Publikum einen kleinen Beitrag leisten. Indem wir journalistische Beiträge von Frauen und über Frauen häufiger lesen, hören, sehen und teilen, helfen wir mit, den Kreislauf der sich reproduzierenden Ungleichbehandlung von Frauen in den Medien, aber auch allgemein in der Gesellschaft zu durchbrechen.
40 Minuten
Am 7. März 2021 stimmt die Schweiz über die Volksinitiative "Ja zum Verhüllungsverbot" ab, die ein landesweites Verbot der muslimischen Gesichtsverschleierungen Niqab und Burka vorsieht.
Über diese Burkaverbots-Initiative wird hitzig debattiert. Das ist für sich genommen auch gut, aber die Befürworter*innen und Gegner*innen der Initiative versteifen sich auf Schwarz-Weiss-Sichtweisen in einer Frage mit vielen Grautönen.
Das Ja-Lager rund um das islamophobe Egerkinger Komitee verkauft das Burkaverbot als Massnahme zur Gleichstellung von Frau und Mann und der Stärkung der Rechte der Frau. Das mutet reichlich heuchlerisch an, wenn man die ansonsten sehr wertekonservativen Haltungen der Initianten in Betracht zieht. Auch ist die Rede von "politischem Islam" und Terrorismus, die mit einem Burkaverbot bekämpft würden. Dass Burkaverbote in Ländern wie Frankreich oder Österreich nichts dazu beigetragen haben, das Problem des Islamismus zu reduzieren, wird aber verschwiegen.
Das Nein-Lager verkauft Vollverschleierung als weitgehend autonomen, selbstbestimmten Entscheid unabhängiger Frauen – werde eine Frau aber doch zur Verschleierung "gezwungen", gebe es schon heute juristische Wege, dagegen anzukämpfen. Das ist ein doppelter Hohn und eine Verniedlichung des Sachverhaltes. Sozialisierung, Tradition, latenter Druck sind allesamt keine explizite Nötigung, können die individuelle Lebensgestaltung aber "unfrei" machen. Und zu meinen, dass eine betroffene Frau ohne Weiteres Anlaufstellen kontaktieren kann, wenn sie leidet, ist geradezu lächerlich.
Insgesamt kommt die "Islamdebatte", die seit 20 Jahren auf der politischen Agenda steht, auch mit dieser Initiative kein Stück weiter. Solange die Komplexität der Thematik nicht berücksichtigt wird, drehen wir uns nur im Kreis.
Über diese Burkaverbots-Initiative wird hitzig debattiert. Das ist für sich genommen auch gut, aber die Befürworter*innen und Gegner*innen der Initiative versteifen sich auf Schwarz-Weiss-Sichtweisen in einer Frage mit vielen Grautönen.
Das Ja-Lager rund um das islamophobe Egerkinger Komitee verkauft das Burkaverbot als Massnahme zur Gleichstellung von Frau und Mann und der Stärkung der Rechte der Frau. Das mutet reichlich heuchlerisch an, wenn man die ansonsten sehr wertekonservativen Haltungen der Initianten in Betracht zieht. Auch ist die Rede von "politischem Islam" und Terrorismus, die mit einem Burkaverbot bekämpft würden. Dass Burkaverbote in Ländern wie Frankreich oder Österreich nichts dazu beigetragen haben, das Problem des Islamismus zu reduzieren, wird aber verschwiegen.
Das Nein-Lager verkauft Vollverschleierung als weitgehend autonomen, selbstbestimmten Entscheid unabhängiger Frauen – werde eine Frau aber doch zur Verschleierung "gezwungen", gebe es schon heute juristische Wege, dagegen anzukämpfen. Das ist ein doppelter Hohn und eine Verniedlichung des Sachverhaltes. Sozialisierung, Tradition, latenter Druck sind allesamt keine explizite Nötigung, können die individuelle Lebensgestaltung aber "unfrei" machen. Und zu meinen, dass eine betroffene Frau ohne Weiteres Anlaufstellen kontaktieren kann, wenn sie leidet, ist geradezu lächerlich.
Insgesamt kommt die "Islamdebatte", die seit 20 Jahren auf der politischen Agenda steht, auch mit dieser Initiative kein Stück weiter. Solange die Komplexität der Thematik nicht berücksichtigt wird, drehen wir uns nur im Kreis.
32 Minuten
Journalistische Medien, die sich über Werbung finanzieren, stecken seit Jahren in einer Krise. Werbekunden gehen lieber zu Google, Facebook und Co., weil man dort Werbung viel billiger schalten kann. Der Wegbruch der Werbegelder ist für viele Medienhäuser eine existenzielle wirtschaftliche Bedrohung. Was tun?
Native Advertising könnte der Retter in der Not sein. Native Advertising ist Werbung, die so verpackt ist, dass sie wie journalistischer Inhalt aussieht. Werbekunden lieben Native Advertising, weil sie damit das Publikum auf eine intime, authentische Art erreichen. Und die Medienhäuser ihrerseits verdienen mit Native Advertising richtig gutes Geld.
Also Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Native Advertising bedeutet, dass das Publikum aktiv und bewusst getäuscht wird und, dass die Mauer zwischen Redaktion und Anzeigeverkauf verschwindet. Journalismus verkommt damit zum unglaubwürdigen Zudiener für die Höchstbietenden.
Über die Probleme des Native Advertising unterhalten wir uns mit Dennis Bühler. Dennis ist Journalist beim Online-Magazin Republik, und er ist Mitglied des Schweizer Presserates.
Native Advertising könnte der Retter in der Not sein. Native Advertising ist Werbung, die so verpackt ist, dass sie wie journalistischer Inhalt aussieht. Werbekunden lieben Native Advertising, weil sie damit das Publikum auf eine intime, authentische Art erreichen. Und die Medienhäuser ihrerseits verdienen mit Native Advertising richtig gutes Geld.
Also Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Native Advertising bedeutet, dass das Publikum aktiv und bewusst getäuscht wird und, dass die Mauer zwischen Redaktion und Anzeigeverkauf verschwindet. Journalismus verkommt damit zum unglaubwürdigen Zudiener für die Höchstbietenden.
Über die Probleme des Native Advertising unterhalten wir uns mit Dennis Bühler. Dennis ist Journalist beim Online-Magazin Republik, und er ist Mitglied des Schweizer Presserates.
27 Minuten
Am 6. Januar 2021 haben sich Donald Trumps Verschwörungstheorien und Lügen zu einem ekstatischen Höhepunkt verdichtet: Ein wütender Mob von Trump-Anhängerinnen und -Anhängern stürmte das US-Kapitol, das Herz der amerikanischen Demokratie, um Trump mit Gewalt doch noch eine zweite Amtszeit zu bescheren. Wie konnte es soweit kommen?
Wir diskutieren drei Faktoren, die eine Rolle gespielt haben: Die monate- bzw. jahrelange Aufwiegelung von Trump und seinen Verbündeten; Online-Kommunikation und Online-Verschwörungsnetzwerke vor allem auf Social Media-Plattformen; rechtskonservative Pro-Trump-Medien sowie Trump-kritische "Mainstream"-Medien. Letztere haben, trotz aller Kritik an Trump, vom Trumpismus finanziell massiv profitiert, denn jeder Tabubruch Trumps generierte neue Schlagzeilen und neue Clicks. Trump seinerseits konnte dank seiner medialen Omnipräsenz jahrelang die Agenda und das Framing bestimmen – die Obsession der Medien mit Trump hat es ihm erlaubt, zu bestimmen, über was gesprochen wird und wie darüber gesprochen wird.
Trump ist nun zwar aus dem Amt, aber der diskursive Cocktail, der zur Schande vom 6. Januar geführt hat, bleibt. Und die Gefahr ist vielleicht jetzt noch grösser: Sollte sich in der Zeit nach Trump ein neuer rechtskonservativ-faschistoider Demagoge einfinden, der ein wenig schlauer als Trump ist, könnte der Schaden noch viel, viel grösser ausfallen.
Wir diskutieren drei Faktoren, die eine Rolle gespielt haben: Die monate- bzw. jahrelange Aufwiegelung von Trump und seinen Verbündeten; Online-Kommunikation und Online-Verschwörungsnetzwerke vor allem auf Social Media-Plattformen; rechtskonservative Pro-Trump-Medien sowie Trump-kritische "Mainstream"-Medien. Letztere haben, trotz aller Kritik an Trump, vom Trumpismus finanziell massiv profitiert, denn jeder Tabubruch Trumps generierte neue Schlagzeilen und neue Clicks. Trump seinerseits konnte dank seiner medialen Omnipräsenz jahrelang die Agenda und das Framing bestimmen – die Obsession der Medien mit Trump hat es ihm erlaubt, zu bestimmen, über was gesprochen wird und wie darüber gesprochen wird.
Trump ist nun zwar aus dem Amt, aber der diskursive Cocktail, der zur Schande vom 6. Januar geführt hat, bleibt. Und die Gefahr ist vielleicht jetzt noch grösser: Sollte sich in der Zeit nach Trump ein neuer rechtskonservativ-faschistoider Demagoge einfinden, der ein wenig schlauer als Trump ist, könnte der Schaden noch viel, viel grösser ausfallen.
23 Minuten
Die Frugalismus-Bewegung, die auch unter dem Akronym FIRE (Financial Independence, Retire Early) bekannt ist, verspricht einen Ausweg aus dem Hamsterrad der Lohnarbeit: Wenn man fleissig Geld spart und in Aktien anlegt, kann man schon jung in Rente gehen und dem tristen Trott der Arbeit Adieu sagen. Ein einfacher “Lifehack”, um das System zu überlisten.
Das versprechen zumindest Frugalismus-Gurus, die in den Medien immer wieder eine unkritische Plattform erhalten, um für sich Werbung zu machen. Diese Frugalismus-Gurus verdienen mit ihren Frugalismus-Tipps gutes Geld und werden teilweise sogar richtig reich, nicht zuletzt mit Provisionen für Produkte und Dienstleistungen, die sie ihrer Anhängerschaft andrehen. Peter Adeney hat so mit seiner Webseite “Mr. Money Mustache”, dem bekanntesten Ankerpunkt der Frugalismus-Bewegung, Millionen verdient.
Frugalismus ist bestenfalls ein Lifestyle für eine handvoll privilegierter Menschen, die wohlhabend genug sind, um Kapitalisten zu werden. Denn Frugalismus ist genau das: Der Aufstieg in die Kapitalistenklasse. Diese Neo-Kapitalisten können dann auf dem Rücken all der Arbeiterinnen und Arbeiter, die produktiv sind und die Wirtschaft am Laufen halten, ein schönes Leben leben.
Das versprechen zumindest Frugalismus-Gurus, die in den Medien immer wieder eine unkritische Plattform erhalten, um für sich Werbung zu machen. Diese Frugalismus-Gurus verdienen mit ihren Frugalismus-Tipps gutes Geld und werden teilweise sogar richtig reich, nicht zuletzt mit Provisionen für Produkte und Dienstleistungen, die sie ihrer Anhängerschaft andrehen. Peter Adeney hat so mit seiner Webseite “Mr. Money Mustache”, dem bekanntesten Ankerpunkt der Frugalismus-Bewegung, Millionen verdient.
Frugalismus ist bestenfalls ein Lifestyle für eine handvoll privilegierter Menschen, die wohlhabend genug sind, um Kapitalisten zu werden. Denn Frugalismus ist genau das: Der Aufstieg in die Kapitalistenklasse. Diese Neo-Kapitalisten können dann auf dem Rücken all der Arbeiterinnen und Arbeiter, die produktiv sind und die Wirtschaft am Laufen halten, ein schönes Leben leben.
29 Minuten
Medienkonzentration nimmt auf der ganzen Welt zu. Einerseits besitzen immer weniger Leute und Medienkonglomerate immer mehr Medientitel, und andererseits veröffentlichen Medientitel immer öfter die genau gleichen Inhalte. Das ist die logische Konsequenz kapitalistischer, kommerzialisierter Mediensysteme: Oligopole bedeuten Effizienz und höhere Profite. Das Problem dabei ist aber, dass durch Medienkonzentration Meinungsvielfalt drastisch abnimmt und die ideologische und wirtschaftliche Macht der Medienkonglomerate drastisch wächst. Das ist eine Gefahr für Demokratie.
Über die Trends der Medienkonzentration und die Frage, was wir als Gesellschaft tun müssen, um sie zu stoppen, sprechen wir mit Daniel Vogler. Daniel ist Forschungsleiter und stellvertretender Direktor des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich.
Über die Trends der Medienkonzentration und die Frage, was wir als Gesellschaft tun müssen, um sie zu stoppen, sprechen wir mit Daniel Vogler. Daniel ist Forschungsleiter und stellvertretender Direktor des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich.
24 Minuten
Neoliberale Think Tanks, also "Denkfabriken", welche sich für die Interessen der Wirtschaft und des Grosskapitals einsetzen, reden in der Debatte über den richtigen Umgang mit der Coronavirus-Pandemie eifrig mit. Sie vertreten dabei eine dezidiert wirtschaftsfreundliche Position, verpacken diese aber in irreführende neoliberale Schlagwörter wie "Freiheit", "Eigenverantwortung" oder "Selbstverwirklichung". Mit dieser Framing-Strategie entsteht der Eindruck, sie würden sich für die Interessen individueller Menschen und nicht der Wirtschaft und des Kapitals einsetzen. Neoliberale Think Tanks verbreiten dabei auch gefährliche Missinformation wie die wissenschaftlich und moralisch heftig kritisierte Forderung nach Durchseuchung und natürlicher Herdenimmunität.
Diese Corona-Propaganda neoliberaler Think Tanks ist ein Problem, weil die Think Tanks in der Summe über grosse diskursive Macht verfügen. Sie sind Eliteorganisationen mit Zugang zu Medien, Politik und Öffentlichkeit. So absurd und gefährlich ihre Corona-Forderungen auch sein mögen: Die Botschaft kommt an.
Diese Corona-Propaganda neoliberaler Think Tanks ist ein Problem, weil die Think Tanks in der Summe über grosse diskursive Macht verfügen. Sie sind Eliteorganisationen mit Zugang zu Medien, Politik und Öffentlichkeit. So absurd und gefährlich ihre Corona-Forderungen auch sein mögen: Die Botschaft kommt an.
33 Minuten
Vom 21. bis 23. September haben mehrere Gruppen aus der Schweizer Klimabewegung den Bundesplatz im Bern (den Platz vor dem Bundeshaus, dem Schweizer Parlament) unerlaubterweise mit einem “Klimacamp” besetzt. Die Aktion trug den Namen “Rise up for Change”. Das war ein Spektakel, über das die Medien intensiv berichtet haben. Ebenso intensiv war die Diskussion darüber, ob diese Form des zivilen Ungehorsams erlaubt ist oder nicht.
Was aber praktisch komplett gefehlt hat: Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den klimapolitischen Forderungen der Aktivistinnen und Aktivisten. Die Medien haben ausschliesslich auf das spektakuläre Wie fokussiert (Wie wurde protestiert?); das inhaltliche Was haben sie ignoriert (Um was ging es den Protestierenden?). Das hat nicht zuletzt mit den Zwängen kommerzialisierter Medien zu tun: Medien, die Profit machen wollen, bevorzugen das oberflächliche Spektakel. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit Inhalten ist schlicht weniger profitabel.
In dieser Folge sprechen wir mit Adrian Müller, Reporter bei watson.ch, der die Protestaktion in Bern journalistisch begleitet hat, und mit Frida Kohlmann, Mediensprecherin von Rise up for Change und Collective Climate Justice.
Was aber praktisch komplett gefehlt hat: Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den klimapolitischen Forderungen der Aktivistinnen und Aktivisten. Die Medien haben ausschliesslich auf das spektakuläre Wie fokussiert (Wie wurde protestiert?); das inhaltliche Was haben sie ignoriert (Um was ging es den Protestierenden?). Das hat nicht zuletzt mit den Zwängen kommerzialisierter Medien zu tun: Medien, die Profit machen wollen, bevorzugen das oberflächliche Spektakel. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit Inhalten ist schlicht weniger profitabel.
In dieser Folge sprechen wir mit Adrian Müller, Reporter bei watson.ch, der die Protestaktion in Bern journalistisch begleitet hat, und mit Frida Kohlmann, Mediensprecherin von Rise up for Change und Collective Climate Justice.
31 Minuten
Facebook, Twitter, YouTube und andere Social Media-Plattformen sind ein wichtiger Teil unseres öffentlichen Diskurses. Dank Social Media können wir heute so einfach wie noch nie unsere politische Meinung kundtun und uns an politischen Debatten beteiligen.
Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken: Die Betreiber der Social Media-Plattformen haben eine enorme Gatekeeper-Macht. Sie bestimmen immer stärker, was angeblich wahr ist und was nicht; welche Inhalte erlaubt sind und welche nicht; und, wer überhaupt mitreden darf und wer nicht. Damit beeinflussen sie unsere Demokratie massiv — aber die Regeln, nach denen sie das tun, dienen einzig ihrer Profitmaximierung.
Diese Privatisierung der Öffentlichkeit ist ein massives Problem. In der heutigen Folge diskutieren wir, was es damit auf sich hat, und wir besprechen auch mögliche Lösungen, von Nonprofit-Alternativen über bessere Regulierung bis hin zu Verstaatlichung der Social Media-Plattformen.
Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken: Die Betreiber der Social Media-Plattformen haben eine enorme Gatekeeper-Macht. Sie bestimmen immer stärker, was angeblich wahr ist und was nicht; welche Inhalte erlaubt sind und welche nicht; und, wer überhaupt mitreden darf und wer nicht. Damit beeinflussen sie unsere Demokratie massiv — aber die Regeln, nach denen sie das tun, dienen einzig ihrer Profitmaximierung.
Diese Privatisierung der Öffentlichkeit ist ein massives Problem. In der heutigen Folge diskutieren wir, was es damit auf sich hat, und wir besprechen auch mögliche Lösungen, von Nonprofit-Alternativen über bessere Regulierung bis hin zu Verstaatlichung der Social Media-Plattformen.
25 Minuten
Wer heute etwas sagt, was nicht dem moralischen Mainstream der politischen Korrektheit entspricht, läuft Gefahr, von einem linken Mob mundtot gemacht zu werden. So in etwa warnen besorgte Stimmen vor der Cancel Culture. Wir schauen uns in Folge 3 an, wie sehr die Cancel Culture Meinungsfreiheit wirklich bedroht — und stellen fest, dass wir das Konzept der Cancel Culture canceln sollten. Warum?
Wer Cancel Culture schreit, wirft unterschiedliche Dinge in einen Topf. So gibt es Online-Shitstorms gegen “normale” Individuen, die definitiv nicht in Ordnung sind. Die Cancel Culture-Debatte dreht sich mehrheitlich aber um Mitglieder der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Elite, denen im Internet bisweilen heftige Kritik widerfährt. Doch diese Menschen werden nicht “gecancelt”, also aus dem Diskurs gelöscht. Ihre diskursive Macht erodiert lediglich, denn heute können auch Menschen ohne Macht und Status am Diskurs teilnehmen. Darum sollten wir ganz allgemein wieder mehr über konkrete Inhalte und konkrete Kritik reden, anstatt mit dem Totschlagargument Cancel Culture jede Kritik pauschal als illegitim abzutun.
Wer Cancel Culture schreit, wirft unterschiedliche Dinge in einen Topf. So gibt es Online-Shitstorms gegen “normale” Individuen, die definitiv nicht in Ordnung sind. Die Cancel Culture-Debatte dreht sich mehrheitlich aber um Mitglieder der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Elite, denen im Internet bisweilen heftige Kritik widerfährt. Doch diese Menschen werden nicht “gecancelt”, also aus dem Diskurs gelöscht. Ihre diskursive Macht erodiert lediglich, denn heute können auch Menschen ohne Macht und Status am Diskurs teilnehmen. Darum sollten wir ganz allgemein wieder mehr über konkrete Inhalte und konkrete Kritik reden, anstatt mit dem Totschlagargument Cancel Culture jede Kritik pauschal als illegitim abzutun.
37 Minuten
Journalismus muss neutral, objektiv, ausgewogen sein. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Doch wenn man genauer hinschaut, zeigt sich, dass neutraler Journalismus nicht wirklich neutral ist — weil er durch seine Neutralität den gesellschaftlichen Status Quo wiedergibt und damit bestehende Machtstrukturen stützt. In dieser Folge diskutieren wir, warum dem so ist, was Phänomene wie das Overton-Fenster und Manufacturing Consent-Filter damit zu tun haben und, was mögliche Lösungen für diese Problematik sind.