Das sich selbst in anderen erkennen Archiv
114 Episoden
3 Minuten
Wer arm ist, stirbt früher. Das gilt nach einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts vor allem für Männer. Einen ähnlich hohen Einfluss auf das Sterberisiko hat noch ein anderer Faktor: Die Arbeitslosigkeit. Es wurden die Daten von 27 Millionen Arbeitnehmer/innen geprüft. Den größten Einfluss auf die altersunabhängige Wahrscheinlichkeit zu versterben hat das Einkommen. Das gilt vor allem für Männer: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftel liegt um 150% über dem des am besten verdienenden Fünftel. Arbeitslosigkeit wiederum verdoppelt das Sterberisiko der Männer, schlechte Bildung erhöht es um etwa 30%. Bei Frauen wiegen Bildungsmangel und Arbeitslosigkeit ähnlich schwer wie bei den Männern, das Einkommen beeinflusst das weibliche Sterberisiko jedoch weniger als das männliche.
2 Minuten
Heute möchte ich mal über die Seele reden. Viele glauben daran, dass sie es sein wird, die den Tod überdauert. Ja, die Körper sind es sicher nicht. Der Berliner Glücksforscher Wilhelm Schmid vertritt die Überzeugung, von Bedeutung sei nicht, wie es sich in Wahrheit verhalte: „Letztlich kommt es nicht auf das Wissen an, das kein Mensch mit Sicherheit haben kann, sondern auf die Deutung, die jede/r für sich selbst vornimmt, sei es auf der Basis von Plausibilität (was ihm einleuchtet) oder von Ästhetik (was ihm schön erscheint). Dann kann die Annahme einer Transzendenz zur Lebenswahrheit für den jeweiligen Menschen werden.“
3 Minuten
Conflans-Sainte-Honorine ist eine beschauliche Kleinstadt 27 Kilometer nordwestlich von Paris. Hier wurde jetzt ein Lehrer auf offener Straße enthauptet. In seiner Klasse behandelte er das Thema Meinungsfreiheit, und im Rahmen dieses Kurses hat er die Mohammed-Karikaturen aus Charlie Hebdo gezeigt. Meinungsfreiheit, so die Überzeugung des Lehrers wie des französischen Staates, muss erlernt werden. Vor allem aber muss sie den Dissens, die andere Meinung aushalten.
3 Minuten
Das Wissen, das nur Eingeweihte haben – das bedeutet Esoterik im Wortsinn. Esoterik heute – das ist eine Suchbewegung, Suche nach Wahrheit, Orientierung, nach Selbstermächtigung. Der Tagesspiegel berichtet: „Allein in Deutschland setzen Wahrsager und Astrologen, Wünschelrutengänger und Traumdeuter, Schamanen und Energetiker jedes Jahr geschätzt zwischen 20 und 25 Milliarden € um.
3 Minuten
Wir haben es schon mit der SPD erlebt. In den Großen Koalitionen der letzten Jahre hat sie immer mehr soziales Profil verloren, weil man sich zu oft dem Koalitionspartner hat geschlagen geben müssen. Jetzt stehen die Grünen vor der Entscheidung. „Ein Jahr vor der Bundestagswahl befinden sich die Grünen in einer schwierigen Lage. Einerseits stehen sie in den Umfragen so stabil da, wie noch nie. Andererseits müssen sie die Spaltung des ökologischen Lagers verhindern und zugleich für die CDU/CSU bündnisfähig bleiben. Sie müssen die Klimabewegung an sich binden, ohne die Union zu verlieren“, schreibt die Wochenzeitung DIE ZEIT. Und das wird schwierig. Denn überall dort, wo sie mit den Konservativen bereits regieren, gibt es schon den Spagat zwischen grünen Idealen und dem Koalitionsgehorsam.
3 Minuten
Ich gehe gerne über Friedhöfe, der Tod gehört für mich zum Leben. Aber ich ärgere mich auf unseren Friedhöfen sehr häufig über die vielen Aufkleber auf Grabsteinen, die diese als kippgefährdet markieren. Ein solcher Hinweis bedeutet, dass sich die Angehörigen jahrelang nicht um das Grab gekümmert haben. Immer mehr Menschen lassen sich unter Bäumen oder in anonymen Gräbern beisetzen. Sind uns unsere Eltern und Großeltern, unsere Vorfahren nichts mehr wert?
3 Minuten
In der Liebigstraße gingen vor einigen Tagen Hunderte von Schaufensterscheiben und Autofenster zu Bruch, Randalierer warfen Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine gezielt auf Polizisten, fast 20 von ihnen wurden verletzt. Wer die sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts bewusst erlebt hat, weiß, dass Hausbesetzungen dann ein legales Mittel des Widerstandes sein können, wenn der Staat nicht für ausreichend günstigen Wohnraum sorgt. Das Versagen der politisch Verantwortlichen vor vielen Jahren, die glaubten, man müsse alles privatisieren, auch Sozialwohnungen, holt uns heute wieder ein. Was aber ist in der Liebigstraße 34 passiert?
3 Minuten
Alle sind vor dem Gesetz gleich, verspricht Artikel 3 des Grundgesetzes, unserer Verfassung. Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) wird vorgeworfen, Ende 2018 Verträge abgeschlossen zu haben, bevor klare Rechtssicherheit hinsichtlich der geplanten Pkw-Maut bestand. Bei Ermittlungen des Bundesrechnungshofes stellten die Prüfer gravierende Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Beratungsaufträgen des Bundesverteidigungsministeriums unter seiner Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) fest. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Nur Minister nicht. Das sind die Gründe für Politikverdrossenheit. Man stelle sich vor, Menschen, wie Sie und ich, wären dem Verdacht ausgesetzt, Millionen veruntreut zu haben. Wir säßen längst für viele Jahre in Haft.
3 Minuten
Ein Jahrtausend hat die beispiellose Machtder katholischen Kirche weitgehend unangefochten überdauert – bis 1517 ein deutscher Mönch gegen sie rebelliert. Nach den 95 Thesen gegen den Ablasshandel tritt Luther immer radikaler auf gegen die Lebensführung der Priester, gegen Geldgier und Prunksucht des Vatikans. Für eine Theologie, die sich nur noch an der Bibel orientiert. Gegen eine Kirche, die ein Instrument weltlicher Macht ist.
3 Minuten
Die Bibel als große Erzählung bietet so die theoretische Quelle weiterer, neuer Erzählungen. So wird die Große Transformation, der nötige kulturelle Wandel, von kirchlicher Seite eingeordnet in die biblischen Erzählungen der Propheten im Alten Testament: Es geht um die Tradition der Umkehr und die Befreiung aus ungerechten Verhältnissen. Ebenso geht es um die Macht des Geldes, um Gerechtigkeit, Liebe, aber auch um Verzicht.
3 Minuten
Viel Häme hat man über sich ergehen lassen müssen in den letzten Jahren. Jetzt dürfen wir stolz sein auf unseren Hauptstadtflughafen. In wenigen Wochen wird auch niemand mehr schlechte Witze über ihn reißen. Das haben wir beim Flughafen Wien-Schwechat erlebt, der zum großen Teil wieder abgerissen wurde oder bei der Elbphilharmonie in Hamburg, bei der auch durch die Verzögerung sich die Kosten vervielfältigten. Heute ist sie das neue Wahrzeichen der Hansestadt. Ein bisschen Wehmut schwingt denn doch mit. Unser kleiner Flughafen Tegel, bei dem man direkt vor den Counter gefahren werden konnte. Kurze Wege, nur das Nötigste an Geschäften. Das wird jetzt anders.
3 Minuten
Die mächtige Internationale der Doofen, der Engstirnigen, der ewig Gestrigen, der hoffnungslos Zurückgebliebenen kehrte schon bald wieder zurück ans Dirigierpult der Geschichte und gab den debilen Takt vor, nach dem die Verhältnisse zu tanzen haben. Wir alle, die wir wissen, dass grundlegende Veränderungen geboten sind, dürfen es auch bei uns nicht bei resignativer Kritik belassen, wir müssen sensibilisieren und ermutigen, aktive Formen des Engagements suchen, und auch den gewaltfreien Widerstand für uns und unsere Gesellschaft entdecken.
3 Minuten
Da dachten wir lange, der Online-Handel würde alles für uns einfacher machen. Du bestellst am PC und am Tag darauf nimmst Du die Ware an der Haustür entgegen. Weit gefehlt. Lange nicht alle Bestellungen finden meine Haustür oder der Zusteller möchte nicht vier Stockwerke mit dem Fahrstuhl fahren und gibt das Paket irgendwo in der Umgebung ab oder ich muss, wenn es sich bei der Zustellfirma um DHL handelt, zur nächsten Poststelle. Oder aber das Paket wird an den Absender zurückgesendet mit dem Vermerk „Empfänger nicht ermittelbar“.
3 Minuten
Die Deutschen kaufen im Jahr jede und jeder ca. 60 Kleidungsstücke neu, die meisten davon Billigware, tragen diese daher nur wenige Male und werfen sie dann in den Müll oder in die Altkleider-Container. Der Kaufwahn der Deutschen nimmt Überhand, es muss unablässig etwas Neues sein.
3 Minuten
Der Bundesverband der Deutschen Industrie gibt zu bedenken, dass der chinesische Markt für deutsche und europäische Unternehmen weiterhin attraktiv und wichtig sei, räumt aber gleichzeitig ein, dass ausländische Firmen in China nicht gleichberechtigt behandelt werden, von einigen Branchen ganz ausgeschlossen sind. In vielen Bereichen müssen ausländische Investoren mit chinesischen Mehrheitspartnern sog. Joint-Ventures gründen, also ein Gemeinschaftsunternehmen. Die digitalen Plattformen schottet China ohnedies ab. Die China-Euphorie ist bei Vielen inzwischen in Enttäuschung umgeschlagen.