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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
8 Minuten
Fackelzüge genießen im demokratischen Deutschland aus bekannten Gründen keinen besonders guten Ruf. Die Bilder der Nazis vor dem Brandenburger Tor vom 30. Januar 1933 haben sich tief im kollektiven Gedächtnis eingebrannt und entsprechende Umzüge seither zumindest in politischen Zusammenhängen unter Verdacht gestellt. Selbst die Verwendung von Fackeln im militärischen Rahmen Großer Zapfenstreiche wird vor diesem Hintergrund immer wieder kritisiert. Dass die politische Konnotierung in der Weimarer Republik noch eine ganz andere war und man sich im Feuerschein seinerzeit auch eben zu dieser Republik bekennen konnte, entnehmen wir dem heutigen Artikel aus dem Hamburger Fremdenblatt vom 12. August 1924. Am Vortag hatte sich zum fünften Mal die Unterzeichnung der Weimarer Reichsverfassung gejährt, und dieses Jubiläum nahm man in Hamburg, und mutmaßlich nicht nur dort, zum Anlass, die Errungenschaften der demokratischen Revolution nicht nur mit Musik und Reden, sondern auch mit etwas Pyrotechnik zu feiern. Zwischen Mönckebergstraße und Binnenalster umgesehen hat sich für uns Frank Riede.
9 Minuten
Die Hamburger Volkszeitung war seit 1920 das Blatt der Kommunistischen Partei in der Hansestadt. Entsprechend wenig erstaunlich ist es, dass im heutigen Bericht vom 11. August 1924 über eine neuerliche Konferenz zwischen Deutschland und den Siegermächten über die Frage der Kriegsreparationen weder Zentrums-Kanzler Marx, noch Außenminister Stresemann von der DVP, noch die Regierungspolitiker der bürgerlichen Demokratien England und Frankreich wirklich gut wegkommen. Das politische Vorbild – die Überschrift „Russisch antworten“ macht es deutlich – sitzt natürlich in Moskau, wo die Sowjetführung es im Unterschied zu der deutschen Regierung angeblich verstehe, Handelsverträge mit den Westmächten zu ihren Bedingungen aufzusetzen. Interessant an diesem Artikel ist außer der alten Frage „Wie hältst du es mit dem großen Nachbarn im Osten?“ auch die Autorin: Ruth Fischer, ältere Schwester des Komponisten Hanns Eisler, war eine der prominentesten Vertreterinnen des sogenannten linken KP-Flügels und ab 1924 sogar kurze Zeit Parteivorsitzende. Als solche trieb sie eine Bolschewisierung der Partei voran, überwarf sich allerdings bald schon mit Stalin und wurde aus der KPD ausgeschlossen. Von Nationalsozialisten wie Stalinisten erbittert bekämpft, lebte sie später in französischem und US-amerikanischem Exil. Es liest Rosa Leu.
8 Minuten
Anna Geyer, geboren 1893 in Frankfurt am Main, war eine sozialistische Politikerin und Journalistin. Ihr politischer Weg führte über die USPD, die Leipziger Stadtverordnetenversammlung und die Sächsische Volkskammer, die VKPD, dem Zusammenschluss des linken Flügels der USPD und der KPD, wieder die USPD, und schließlich bis zur Mitgliedschaft in der SPD im Herbst 1922. In der Sozialdemokratie war sie in frauenpolitischen Fragen aktiv. Dem entspricht, dass wir im Zeitungsorgan der SPD, dem Hamburger Echo vom 10. August 1924, ihr Resümee zur Lage der Frauenrechte 1919 bis 1924 finden, verfasst anlässlich des 5jährigen Jubiläums der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919. Anna Geyer floh 1933 über die Tschechoslowakei, Frankreich und Portugal in die USA, wo sie 1973 verstarb. Es liest Rosa Leu.
9 Minuten
Die Frage, ob wir Erdlinge als Lebewesen ganz allein im All kreisen oder es irgendwo anders noch extraterrestrisches Leben gibt, beschäftigt das menschliche Denken wenn nicht seit seinen Anfängen, so doch zumindest seit denen des heliozentrischen Weltbildes. Vor einhundert Jahren waren die Überlegungen dazu nicht länger esoterische Spekulation, sondern zunehmend auch Gegenstand wissenschaftlicher Überlegungen. Vor dem Hintergrund einer bevorstehenden interessanten Konstellation von Erde und Mars fasste die Bergedorfer Zeitung am 9. August 1924 die Erkenntnisse, die man damals zu haben glaubte, für ihr Publikum zusammen – und formulierte dabei einige Gewissheiten, die heute bei Astrophysikerinnen und Astrophysikern wohl doch eher Schmunzeln auslösen würden. Für uns fliegt Rosa Leu ins All.
8 Minuten
Seit dem 1. August sendet Auf den Tag genau nicht mehr Artikel aus Berliner, sondern aus Hamburger Tageszeitungen, aber gelegentlich lassen wir bei dieser Verabredung auch Fünfe gerade sein. So wenig nämlich Harburg (siehe der Text von gestern) und vollumfänglich auch Bergedorf (Spoiler: der Text von morgen) 1924 zu Hamburg gehörten, galt das auch für Wandsbek, dessen traditionsreiche Zeitung, der Wandsbeker Bote, sich damals im Untertitel nicht von ungefähr Stormannsche Nachrichten nannte. Der Leitartikel am 8. August 1924 blickte indes weit über holsteinische wie hanseatische Kreis- respektive Stadtgrenzen hinaus in die britische Hauptstadt London, wo seit dem 16. Juli mal wieder über die deutschen Reparationszahlungen an die Siegermächte gerungen wurde. Über den seinerzeitigen Stand der Verhandlungen auf dem Weg zu dem nach dem amerikanischen Vizepräsidenten benannten Dawes-Plan informiert uns Frank Riede.
7 Minuten
Zu den wenigen Hamburger Tageszeitungen, die Drittes Reich und Zweiten Weltkrieg überlebten, zählten die Harburger Anzeigen und Nachrichten. Bis 2013 erschien dieses 1844 gegründete Blatt und war damit zum Schluss das älteste seiner Art in Hamburg. Für 1924 trifft die politische Zuordnung „in Hamburg“ natürlich noch nicht zu, denn Harburg gehörte damals bekanntlich zu Preußen, und so nimmt es denn auch kein Wunder, dass in unserem heutigen Bericht vom 7. August über das Wachstum des Luftverkehrs dreimal von Berlin und sogar fünfmal von London die Rede ist, der Name der Freien und Hansestadt vor den Toren Harburgs aber kein einziges Mal vorkommt. Den richtigen Riecher, was die Bedeutung des Flugzeugs als Verkehrsmittel der Zukunft angeht, hat der Artikel gleichwohl. Für uns in die Luft geht Rosa Leu.
8 Minuten
Wie sah das Hamburg des Jahres 1924 aus? Eine Antwort liefert nach und nach unser Podcast, es gibt traditionell aber auch eine Annäherung über Zahlen und Statistiken. Ein Pionier dieses Weges war Prof. Dr. Sköllin, der Direktor der Statistischen Landesamtes Hamburg, der jeden Monat Zahlen und Tabellen zu Hamburg veröffentlichte. Der Hamburger Anzeiger vom 6. August 1924 gibt uns eine gebündelte Zusammenfassung des Statistischen Monatsheftes Juni und wir erfahren die unterschiedlichsten Fakten über die Stadt – von der Einwohnerzahl, über die Anzahl der ausgeliehenen Bücher in der Staatsbibliothek, deren Digitalisate wir für diesen Podcast nutzen, bis zur Quote der unehelichen Kinder. Frank Riede führt uns durch die Zahlen.
6 Minuten
Eines der großen Zirkus-Unternehmen Deutschland ist zweifelsfrei der 1884 gegründete Zirkus Busch. Im Jahre 1924 unterhielt das vom Gründer Paul Vincenz Busch und seiner Tochter Paula geführte Zirkusunternehmen feste Spielstätten in Hamburg, Berlin, Wien und Breslau. Die Zeitungen berichteten regelmäßig über die neuen Programme, neue Attraktionen des Hauses Busch. Am 5. August 1924 erfahren wir also im Hamburgischen Correspondenten, was man für den Eintrittspreis geboten bekam. Rosa Leu war für uns bei der Aufführung dabei.
6 Minuten
Die Grenzen zwischen einer nationalkonservativen, in weiten Teilen republikskeptischen Rechten und den republikfeindlichen völkischen Extremisten waren in der Weimarer Republik bisweilen fließend, aber an einigen Unterscheidungsmerkmalen lange Zeit doch relativ zuverlässig zu erkennen. Der bereits seit 1724 unter diesem Namen firmierende Hamburgische Correspondent stand in Weimarer Zeit der nationalliberalen Deutschen Volkspartei nahe und rührte etwa in Fragen der Bewertung des Versailler Friedensvertrages oder der französischen Ruhrbesetzung immer wieder kräftig die patriotische Trommel. Was in diesem Blatt aber keinen Platz hatte, waren völkischer Rassismus und Antisemitismus. Ganz in diesem Sinne findet sich unter den zahlreichen Artikeln zum zehnten Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs am 4. August 1924 auch ein Bericht über eine jüdische Gedenkveranstaltung zu diesem Thema, der an die große Zahl deutscher Juden erinnert, die in den Krieg gezogen und in ihm zu Tausenden auch gestorben waren. Es liest Rosa Leu.
8 Minuten
Mit unserem Umzug zu den hamburgischen Quellen ist zu erwarten, dass bestimmte Themen mehr Präsenz bei Auf den Tag genau bekommen. Besonders der maritime Bereich kommt einem da in den Sinn. Und tatsächlich führt uns unser heutiger Artikel von den „Tiefen des Meeres“ bis in die „Bratfischküche“ und beschriebt den Weg der Fische von den Fischgründen über die Fischkutter bis auf den Teller. Verfasst hat ihn ein Dr. Nicolaus Peters, der wohl identisch ist mit dem 1900 geborenen, späteren Kustos des Zoologischen Museums Hamburg, für das Hamburger Echo vom 3. August 1924. Das Hamburger Echo ist die sozialdemokratische Zeitung der Hansestadt, sozusagen der Hamburger Vorwärts. Der Autor beschäftigt sich aber nicht nur mit den Vorgängen der Fischverarbeitung, sondern hat auch die Verbindung von Kosten und Nährwert für breitere Bevölkerungsschichten im Blick. Frank Riede ist für uns mit den Fischern zur Wiking-Bank ausgefahren.
10 Minuten
Die Wirtschaftskrise des Jahres 1923 hatte nicht nur für unzählige Bürger*innen der Weimarer Republik verheerende Folgen, sie führte auch zu existentiellen Überlebenskämpfen von Kultureinrichtungen und öffentlichen Institutionen. So führten die Journalist*innen des Jahres 1924 eine Art Bestandsaufnahme durch, in welchem Zustand sich einzelne Einrichtungen im Sommer 1924 befinden. Das liberale Hamburger Fremdenblatt suchte zu dem Zweck für ihre Ausgabe vom 2. August den Hamburger Zoologischen Garten auf, und berichtete von der dort noch erhaltenen Artenvielfalt und von den aktuellen Besucherzahlen. Dabei fällt aus heutiger Sicht auf, wie nüchtern die „Ware“ Tier und ihre Überlebenswahrscheinlichkeit gehandelt wurde. Für uns war Rosa Leu im Hamburger Zoo.
11 Minuten
Als sich die Großmächte 1914 in den Ersten Weltkrieg manövrierten, war die Kriegsbegeisterung zumindest in Deutschland groß, und nicht wenige gingen fest davon aus, siegreich schon Weihnachten wieder bei ihren Familien zu sein. Die Wirklichkeit sah bekanntlich anders aus. Viele Freiwillige ruhten zum „Fest“ bereits in flandrischer Erde. Der Krieg stürzte einen ganzen Kontinent in Leid und Depression, und das in den Folgen weit über sein Ende 1918 hinaus. So klingt der Gedenkartikel von Ludwig Bauer zum zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns im linksliberalen Hamburger Anzeiger vom 1. August 1924 denn auch in keinem Moment wie die Auseinandersetzung mit einem Stück Vergangenheit. Die ‘Welt seither‘ ist in dieser Perspektive vielmehr ein großes Kontinuum, als dessen bedrückendes Kennzeichen im Unterschied zu der ‘Welt von gestern‘ eine tiefgreifende Verunsicherung, die bis in die Gegenwart reichende Verlusterfahrung aller Gewissheiten bestimmt wird. Das Bild vom Ersten Weltkrieg als der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts – gelesen von Frank Riede wird es hier greifbar.
2 Minuten
Liebe Freundinnen und Freunde von „Auf den Tag genau“, liebe neu dazugestoßene Hörer*innen, als wir Ende Februar in die Sendepause gegangen waren, dachten wir, wenn wir ehrlich sind, nicht daran, dass wir so schnell wieder auf Sendung sein würden. Wenn man erst einmal aus dem täglichen Produktionsrhythmus raus ist, würde es schwerfallen, wieder einzusteigen – war unsere Überlegung. Aber wir haben die Rechnung ohne die Begeisterung und das Engagement der Akademie der Wissenschaften in Hamburg für unser besonderes Podcast-Format gemacht. Die hat bei anderen Hamburger Institutionen angeklopft – und wir sind wieder losgezogen, diesmal in die Archive, in denen die Hamburger Tageszeitungen schlummern. Eine besonders gute Anlaufstelle ist das Archivportal „Hamburger Zeitungen Digital“ der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky. Jetzt ist es so weit. Morgen gehen wir wieder täglich auf Sendung. Und das mindestens bis März 2025. Neben unserer Kooperationspartnerin, der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, unterstützen uns dabei auch die ZEIT-Stiftung (Ebelin und Gerd) Bucerius, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung. Vielen Dank! Der August ist produziert und wird uns mit den Fischkuttern aufs Meer führen, auf einen Besuch in den Zoologischen Garten Hamburgs mitnehmen, sich mit den Frauenrechten im Jahr 1924 beschäftigen und das Jubiläum der Weimarer Verfassung feiern. Mal sehen, wohin die „Auf den Tag genau“-Reise durch Hamburg und die Welt vor 100 Jahren uns noch führen wird. Jetzt aber erst einmal: bis morgen!"
9 Minuten
Liebe Freund*innen von Auf den Tag genau. Wir melden uns mit einer weiteren Zwischenfolge auf dem Weg zu unserem Sommerprogramm aus Hamburg. Wir schauen uns schon in der Hamburger Presse des Jahres 1924 um und sind auf einen Artikel gestoßen zur Energiewirtschaft der – so kann man sagen – vergangenen Zukunft. Ernst Trebesius schildert hier im sozialdemokratischen Hamburger Echo vom 15. Juni seine Vision von den Energierevolutionen bis zum Jahre 1949. Dieser hochspekulative und doch recht unwissenschaftliche Artikel ist ein beredtes Zeugnis davon, dass die Suche nach einer sauberen und umfangreiche Mobilität garantierenden Energie schon in den 20er Jahren präsent war. Die Elektroautos hat Trebesius auf dem Schirm, sein Gedanke, dass sich ganz ähnlichen den Radiowellen, Strom kabellos und verlustfrei übertragen ließe ist gelinde gesagt gewagt. Paula Rosa Leu liest für uns den Blick auf die Energiewirtschaft.
5 Minuten
Liebe Freundinnen und Freunde von Auf den Tag genau, wir haben gute Nachrichten zu vermelden: Im August beginnt unsere Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Wir werden also ab dem 1. August - zumindest für 2 Monate - wieder täglich senden. Am Konzept ändert sich nichts, nur dass wir die Weimarer Republik und die Welt vor 100 Jahren nun durch die Zeitungsartikel der Hamburger Presse erleben werden. Also macht Euch langsam bereit, hört bis dahin unser Archiv durch und verfolgt unseren Kanal hier, wir werden Euch hin und wieder die Wartezeit verkürzen..so wie heute: Alles rauscht, rumpelt, schreit und wuselt in der Podcastlandschaft, und dennoch fehlt etwas, ist unser Schweigen spürbar. Ein Autor, der regelmäßig in unserem Podcast auftritt, ist der Wiener Arnold Höllriegel. Am 26. April 1924 schrieb er eine kleine Glosse in der Abendausgabe des Berliner Tageblatts, in der es um die Interferenzen und Überlagerungen der Radiosendestationen geht. Alle senden, alle funken, die Welt kommuniziert – für Höllriegel geht dabei aber auch was verloren… Frank Riede liest für uns diesen charmanten Text, der eine beinahe zeitlose Kritik an den neuen Kommunikationsmedien enthält.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren