Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
10 Minuten
Die alte, romantisch zwischen Eifel und Mosel aufragende Ritterburg Eltz gehört zu den ikonischen Bauwerken Deutschlands und hat es nicht von ungefähr als Motiv auf diverse Banknoten gebracht. Der Bericht der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 22. Oktober 1920 schwelgt einmal mehr in den landschaftlichen Schönheiten ihrer Lage, hat aber einen durchaus betrüblichen Anlass: Am 20. Oktober war auf Burg Eltz ein Feuer ausgebrochen – vermutlich in Folge eines Kaminbrandes – und hatte schwere Schäden an der Anlage verursacht. Ein Wiederaufbau der zuvor in allen Kriegen nie eroberten oder zerstörten Veste schien schwierig und sollte sich tatsächlich volle zehn Jahre hinziehen. Für uns besichtigt die Burgruine Frank Riede.
4 Minuten
Der große Surrealist Luis Bunuel erzählt in seiner Autobiographie davon wie er bei den frühen Filmaufführungen im Paris der 20er Jahre stets Steine in den Taschen trug, um sich gegen die Angriffe des Publikums wehren zu können. Tatsächlich gehörte es zum Selbstverständnis vieler Avantgarden, im öffentlichen Raum für Provokationen und Skandale zu sorgen. So auch bei den Dadaisten. Der Berliner Börsen-Courier berichtet in seiner Ausgabe vom 21. Oktober 1920 von solch einem Auftritt der Dadaisten in Rom. Angeführt von Walter Serner, dem Repräsentanten der Schweizer Dadabewegung, gelang es ihnen schon mit der kurzen Eröffnungsrede, den Saal im Chaos versinken zu lassen. Paula Leu liest.
4 Minuten
Bergarbeiterstreiks kennt man aus der Geschichte Großbritanniens. Auch 1920 demonstrierten Kumpel im ganzen Land gegen die Privatisierung des international immer weniger konkurrenzfähigen Bergbaus und für eine fairere Besoldung. So brachten sie ihren Protest bis vor den Amtssitz des Premierministers, die Downingstreet. An anderen Orten wurde es blutig. Die Berliner Volkszeitung vom 20.10.1920 berichtet von diesem ‚Riesenkampf in England’. Es liest Frank Riede.
9 Minuten
Österreich hat gewählt, und ähnlich wie bei der letzten Abstimmung zum Nationalrat 2019 jubelte auch im Herbst 1920 das christlich-konservative Lager über deutliche Zugewinne und eine sich abzeichnende Regierungsmehrheit. Die Freude wurde, wenig überraschend, auch von den politischen Freunden im ‘Reich‘ geteilt, so von der Germania, Zentralorgan der katholischen Zentrumspartei, die in ihrem Bericht vom 19. Oktober über das Ende der „sozialistischen Misswirtschaft“ frohlockt. In die Genugtuung über den ausgemachten Sieg des christlichen Österreich mischen sich dabei auch ein paar ganz affirmativ aus der österreichischen Presse herbeizitierte, selten unverblümt antisemitische Töne – welche überdeutlich verraten, dass es mit einer konsequenten Abgrenzung nach ganz rechts, ins dritte, ‘völkische‘ Lager nicht allzu weit her war. Das soll heute in Deutschland wie in Österreich ja ganz anders sein ... Es liest Frank Riede.
8 Minuten
Der Erste Weltkrieg hatte Österreich jäh um seine europäische Großmachtstellung gebracht und auf einen Bruchteil seines einstigen Territoriums zusammenschrumpfen lassen. Umso größer fiel der Jubel aus, als sich im Herbst 1920 wenigstens die Kärntner für einen Verbleib bei Wien entschieden – und zwar nicht nur die deutschösterreichischen Kärntner, sondern auch viele slowenische, ‘windische‘ Kärntner, die in der südlichen Abstimmungszone B eigentlich die Mehrheit stellten, überraschend aber kein Votum für einen Anschluss an das neugründete Jugoslawien herbeiführten. Die Vossische Zeitung vom 18. Oktober 1920 jubelt im fernen Berlin mit und analysiert etwaige historische, wirtschaftliche und geographische Gründe für diese Entscheidung. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Lola Bach, genaues Geburtsdatum unbekannt, ca. so alt wie das Jahrhundert, tanzte 1920 noch überwiegend bekleidet, wurde aber ein Jahr später zu einer vom Justizapparat verfolgten Verfechterin des Nackttanzes. Valeska Gert (28 Jahre alt), die später einige ikonische Rollen in Stummfilmen von Georg Wilhelm Pabst spielen würde, war 1920 mit ihren satirischen Tanzparodien eine Bekanntheit. Olga Desmond hingegen war mit 30 Jahren bereits eine Legende der Tanzszene in Berlin. Auch sie hatte Konflikte mit dem Gesetz wegen zu freizügiger Auftritte, war aber so populär, dass sogar Kosmetikprodukte nach ihr benannt wurden. So vielfältig, innovativ, lebendig und verrufen diese Tänzerinnenszene war, so gab es im Feuilleton auch ernsthafte Tanzkritiker, die mit hohen künstlerischen Ansprüchen die Tanzauftritte verfolgten. Ganz frei von sexistischen und moralinsauren Beobachtungen waren aber selbst sie nicht, wie auch das Beispiel aus der Berliner Börsen-Zeitung vom 17. Oktober 1920 belegt. Es liest Paula Leu.
8 Minuten
Vom 12. bis 17. Oktober 1920 fand in Halle der Parteitag der Unabhängigen Sozialdemokratie statt. Die Veranstaltung war von der Auseinandersetzung zwischen linkem und rechtem Flügel geprägt. Während die Vertreter der Linken den Anschluss an die Kommunistische Internationale suchten, lehnten die Rechten diesen Anschluss ab. Grigori Sinowjew, Vorsitzender des Petrograder Sowjets, und der Gewerkschaftsführer Solomon Losowski heizten die Auseinandersetzung als Gastredner aus dem kommunistischen Kernland noch an. Am Ende setzte sich die Linke durch, die Rechten verließen den Parteitag. Das Berliner Tageblatt berichtet, gelesen für uns von Frank Riede, am 16.10.1920.
6 Minuten
Was ist ein Mensch ohne Zeitung? Ohne jede Nachricht vom Weltgeschehen? Im Oktober 1920 gab es weder Radio noch Fernsehen, weder social media noch Internet. Die papierne Zeitung war das einzige schnelle Informationsmedium der Zeit. Als auch dieses während des Zeitungsstreiks für knapp zwei Wochen ausfiel, waren die Menschen von den politischen Entwicklungen vollständig isoliert. Humorvoll reflektiert diesen Nachrichtenmangel Erich Vogeler für das Berliner Tageblatt vom 15.10. Diese Zeitung liest für uns Paula Leu.
8 Minuten
Am 14. Oktober 1920 war der Berliner Zeitungsstreik beendet, und auch die ‘bürgerliche‘ Presse konnte wieder erscheinen. Der Berliner Lokal-Anzeiger aus dem zum Hugenberg-Konzern gehörenden Scherl-Verlag ging ausdrücklich nicht davon aus, dass die Berliner Bürgerwelt sich zwischenzeitlich zur Lektüre eines der durchgängig weiter erschienenen Blätter der linken Parteipresse herabgelassen hätte, weshalb er für seine Leser die Ereignisse der zurückliegenden zwölf Tage in einem kurzen Rückblick auf der Titelseite gebündelt zusammenfasste. Dieser setzt an mit ein paar polemischen Einlassungen zum Streik im besonderen und im allgemeinen und bemüht sich auch sonst nicht allzu sehr um politische Neutralität. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Das besondere Verhältnis der Deutschen zum Dieselmotor reicht weit vor die jüngsten Debatten über Feinstaubbelastung und Fahrverbote zurück. Effizienter als andere Verbrennungsmotoren wurde Rudolf Diesels Patent als Ingenieursleistung gefeiert und insbesondere in Form der sogenannten Schnelläufer zu einem der wichtigen Faktoren deutscher Industrie. Mit ihrem von der Deutschen Allgemeinen Zeitung am 13.10.1920 entrüstet nur ‚Diesel-Diktat’ genannten Verbot der Technologie gaben die Siegermächte des 1. Weltkireges vor, einer Wiederaufrüstung Deutschlands vorbeugen zu wollen. Doch stand der Verdacht im Raum, dass es tatsächlich schlicht darum ging, Deutschlands Wirtschaft klein zu halten… Es liest Frank Riede.
4 Minuten
Auch knapp zwei Jahre nach der Einstellung der Kampfhandlungen hatten die Siegermächte des Ersten Weltkriegs etliche territoriale Fragen in Europa noch immer nicht geklärt, und das rächte sich jetzt: An der Kvarner Bucht hatte Gabriele d’Annunzio bereits 1919 das politische Vakuum ausgenutzt und die Stadt Fiume mit Freischärlern in italienischem Namen besetzt, jetzt taten es ihm polnische Milizen in Vilnius, polnisch: Wilna, gleich. Auch ohne Uniformen der staatlichen Armee schafften sie doch militärisch Fakten und bereiteten den Anschluss des auch von Litauen beanspruchten Gebietes an Polen vor. Die Freiheit vom 12. Oktober 1920 sieht die Parallelen, es liest Paula Leu.
3 Minuten
Magnus Hirschfeld, Sexualwissenschaftler und Ikone der Homosexuellen-Bewegung verstarb bekanntermaßen im Mai 1935, im Alter von 67 Jahren in Nizza. Am 11. Oktober 1920 unterlief der Deutschen Allgemeinen Zeitung der Albtraum eines jeden Zeitungsmachers, indem sie einen Nachruf auf Hirschfeld veröffentlichte, basierend auf der falschen Information, Magnus Hirschfeld sei in München seinen durch eine von Antisemiten angezettelten Schlägerei verursachten Verletzungen erlegen. Interessant ist, dass sich die konservative DAZ in diesem kurzen Nachruf ein paar anerkennende Worte für Hirschfeld abringt. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Dass der Prozess der Zivilisation das Schwert zum Tafelsilber werden lässt, weiß man spätestens seit Norbert Elias. Dass aber ein möglichst spätes Abendessen ebenfalls als Zeichen einer besonders hohen Kulturstufe gesehen werden müsse, ist wohl doch eher ein folgenreiches Missverständnis. Die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 10. Oktober 1920 jedenfalls sieht die Pariser Mode, die Tischzeit immer tiefer in die Nacht zu schieben, jedenfalls als eine auch den englischen Arbeitsrhythmen, dem neuen Lifestyle zu verdankende fatale Entwicklung. Tatsächlich brauche es heutzutage Amerikaner, Yankees, um diese Absurdität als das zu verstehen, was sie ist: Kulturverfall, kein zivilisatorischer Fortschritt. Gelesen von Paula Leu.
5 Minuten
Auch am 9. Oktober 1920 konnten zahlreiche Berliner Tageszeitungen streikbedingt nicht erscheinen. Nicht betroffen von diesem Ausstand war indes die linke Parteipresse. Sie konnte weiterhin, auch über die Hintergründe des Arbeitskampfes, berichten, ihre Leserinnen und Leser auf die bevorstehenden Parteitage der beiden sozialdemokratischen Parteien einstimmen – oder sie mit herbstlichen Ausflugstipps versorgen. Den Vorwärts verschlug es dabei an diesem Tag an die Havel, auf die mythenumrankte Halbinsel Schildhorn, die für die Stadtgeschichte vermeintlich sehr bedeutsam und nun seit ein paar Tagen tatsächlich auch nach Groß-Berlin eingemeindet war. Es liest Frank Riede.
6 Minuten
Von den Widerständen vor allem der Vorstädte des bürgerlichen Westens gegen die Fusionierung zu Groß-Berlin war in unserem Podcast bereits die Rede. Jene waren auch mit dem In-Kraft-Treten des Gesetzes zur Bildung der Einheitsgemeinde am 1. Oktober keineswegs gebrochen. Dessen Gegner obstruierten, wo sie konnten, und sorgten dafür, dass auch eine Woche später wichtige Ämter noch immer unbesetzt waren, zentrale Organe der Stadtverwaltung nicht zusammentreten konnten. Über die daraus resultierend chaotische Lage berichtet aus einem eher fusionsfreundlichen neuen Groß-Berliner Stadtteil die – vom aktuellen Pressestreik nicht betroffene – Neuköllnische Zeitung vom 8. Oktober 1920. Es liest die (Wahl-)Neuköllnerin Paula Leu.
Auf den Tag genau

Auf den Tag genau

Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren