EvidenzUpdate – für klügere Medizin Archiv
207 Episoden
46 Minuten
Heute gibt es eine Episode ohne Studie, ohne Metaanalyse, ohne Effektstärken und Konfidenzintervalle. Heute gibt es ein neues Format: das EvidenzUpdate Extra. Und darin sprechen wir über Nazis, über das Dritte Reich, über Zwangsarbeit im Gesundheitswesen und über die Frage, was das alles mit uns zu tun hat. Wir sprechen über das Erinnerungsprojekt „Das leere Sprechzimmer“. Und zu Gast haben wir **Thomas Maibaum aus Rostock,** der sich gemeinsam mit Kahina Toutaoui um das Projekt kümmert.
1 Stunde 18 Minuten
Andere Länder rechnen längst aus, was ein gewonnenes Lebensjahr kosten darf. Wir in Deutschland tun das aber nicht. Während wir uns davor „drücken“, dem Leben einen Preis zu geben, verstopfen gleichzeitig Praxen, Kliniken und Co mit Krimskrams. Und jede neue Innovation nimmt ein immer größeres Stück vom Kuchen. Die Hoffnungen der einen reduzieren die Chancen der anderen. Oder mit anderen Worten: Die richtige Priorisierung gelingt nicht so, wie man sich das wünscht. Wir überlassen sie den Leuten in der Praxis und am Krankenbett. Wie sich das ändern ließe, darüber reden wir in dieser Episode mit Uwe Popert. Unsere Frage: Sollten wir für eine bessere, systematische Priorisierung künftig Kosten-Nutzen-Bewertungen machen und so rechnen, wie es die Briten machen, also mit QALYs? Würde dann alles gut?
37 Minuten
Guten Abend! Nein, heute geht es nicht um die 64. Fußball-Bundesliga-Saison und die einen oder anderen bemerkenswerte Ergebnisse der ersten beiden Spieltage. Es geht um das, was manchen Fußballlehrer ereilt beim Betrachten seiner Mannschaft: Hochdruck. Zwei frische Metaanalysen zur arteriellen Hypertonie sind uns untergekommen. Ergebnis der ersten: Der Nutzen der Blutdrucksenkung entsteht früh und wächst dann nicht mehr. Ergebnis der zweiten: Manche Kombinationen sind besser verträglich als die Monotherapie, einzelne sogar besser als Placebo. Und manchmal macht eine Kombi weniger Probleme als ein einzelner Wirkstoff daraus.
55 Minuten
Nachdem wir in der letzten Episode besprochen haben, warum man Jahrzehnte und Hunderttausende Probanden braucht bzw. was die Alternativen und ihre Grenzen sind, um einen möglichen Nutzen von Krebs-Screenings zu ermitteln, wird es heute konkreter. Im zweiten Teil unserer Doppel-Folge nehmen wir uns neben der Koloskopie auch die Mammografie, das Lungen-CT und den brandneuen Vorbericht zur Prostata-Ca-Früherkennung vor. Wir machen kurze Ausflüge ins wunderschöne Empfehlungsdelta zwischen Leitlinien und Nutzenbewertungen (immer eine Reise wert!) und nach Wien (auch schön dort!).
41 Minuten
Gute Nacht! Wer wissen will, ob ein Krebsscreening was kann, der braucht dafür Jahrzehnte und Hunderttausende Probanden. Und wenn dann irgendwann die Ergebnisse vorliegen, waren Realität, ärztlicher Praxis und technischer Fortschritt eh schneller, ist die Studie überholt. Wie wäre es mit einer Abkürzung? Statt auf die Toten zu warten, zählen wir fortgeschrittene Tumorstadien. Die kommen früher. Ob ja eine gute Idee, prüfen wir in diesen zwei Episoden.
42 Minuten
Gude! Es gibt Studien, deren wichtigste Zahl gar nicht in der Studie steht. Wir knöpfen uns heute eine vor, die zeigen wollte, was die neue amerikanische Hypertonie-Leitlinie in der Bevölkerung anrichtet. Dafür vergleicht sie Menschen, die Blutdrucksenker nehmen, mit Menschen, die keine nehmen. Und dann steht in der Tabelle, dass beide Gruppen exakt denselben Blutdruck haben. Verrückt? Spoiler: Finden wir schon. Es kommt aber schlimmer: Die Arbeit rechnet 200.000 angeblich gerettete Leben vor, verrechnet sich dabei mit den Toten – und alle acht Autoren geben keine Interessenkonflikte an. Wir haben nachgesehen. Was das alles mit Batman zu tun hat, mit Carsten Linnemann und Tino Sorge, besprechen wir ebenfalls. Unten gibt es das Evidenz-Quickie zur Studie und auch eine kleine Analyse, ob weniger Krankenkassen etwas bringen würden.
57 Minuten
Ein Kind, ein Rücktritt, eine Debatte über Freiheit und Autonomie, und mittendrin eine Frau, über die kaum jemand redet: die Leihmutter. Wir nehmen die Causa Spahn zum Anlass, aber wollen nicht werten. Wir stellen uns eine schlichte klinische Frage: Was bedeutet eine Leihmutterschaft für die, die das Kind, das nicht ihres ein soll, austrägt? Nicht moralisch, sondern mit Zahlen.
27 Minuten
Haha! Wusstet ihr, dass das hier die 200. Episode vom EvidenzUpdate-Podcast ist? Wir wussten es bis neulich auch nicht, hätten es fast (in Paris) verpennt. Aus einer Laune heraus hatten wir vor sechs Jahren diesen Podcast gestartet. Geworden ist daraus etwas, das uns immer noch und immer häufiger Freude macht, und das immer mehr von euch uns zuhören lässt (aus dem Hörsaal, der Praxis und Klinik, aus Plenarsälen, aus Ministerien, sogar aus der Industrie). Aber ausschließlich unidirektional finden wir es auf Dauer etwas eintönig. Wir wollen mit euch ins Gespräch kommen. Deswegen haben wir uns für die Zukunft (neben anderem, das wir heute noch nicht verraten) einiges vorgenommen: Wir wollen mehr mit euch ins Gespräch kommen.
1 Stunde 9 Minuten
Glück auf! Es gibt da ein kleines, schmutziges Geheimnis in Deutschlands Praxen: Dort werden Schilddrüsen geschallt, dass es kracht, Schilddrüsen, von denen wir wissen, dass man sie eigentlich in Ruhe lassen sollte. Und manche werden ausgerechnet deswegen geschallt, um Überversorgung zu verhindern. Wie bitte? Über dieses Paradoxon reden wir heute mit Jeannine Schübel, konkret am Beispiel Schilddrüse, weil es dazu eine neue S3-Entwöhnungsleitlinie gibt, und allgemein über gegen Überdiagnostik. Mithin also: die Kunst des klugen Unterlassens, bei dem manchmal eben ein Schallkopf helfen kann.
39 Minuten
Eine medizinische Fachgesellschaft lässt von der Polizei den Chefredakteur ihrer eigenen Fachzeitschrift aus dem Saal führen – weil er ein Editorial verteilt, das in ebendieser Zeitschrift erschienen ist. Klingt wie Satire? Ist aber Anfang Juni in New Orleans passiert, bei der Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA). Der Vorfall hat für viel Entrüstung gesorgt, Funktionäre sind zurückgetreten, am Ende kam so etwas wie eine Entschuldigung per Video. Die Autoren haben ihr Ziel erreicht: Öffentlichkeit. Die ADA hat einen Skandal. Und alle fragen: Kuscht jetzt sogar die US-Medizin vor Donald Trump?
28 Minuten
C’était merveilleux! Und aus dem Samstag ist der Montag geworden. Pardon! Hier kommt nun unsere finale WONCA-Episode, die wir Freitagabend aufgezeichnet hatten. Vier Tage WONCA Europe, acht Reise-Episoden, ein Kongress mit großen Werten und einem sehr aufschlussreichen Widerspruch. Plus: zwei WHO-Reden mit viel Dezibel und wenig Schwingung. Und dazu die etwas bittere Erkenntnis, wie klein Deutschland auf der Weltkarte der Allgemeinmedizin ist.
46 Minuten
Guten Tag! (Diese merkwürdige deutsche Floskel versteht man hier in Paris öfter als gedacht.) Nachdem Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder uns den Donnerstag, den 3. WONCA-Kongresstag in Paris versaut haben, stand noch unser Gespräch über die relevanten Inhalte vom Kongress aus. Dafür haben wir uns Freitagfrüh ins Mini-Hotelzimmer zurückgezogen. Draußen läuft schon der letzte Kongresstag, jetzt holen wir den Donnerstag nach. Den Freitag bekommt ihr dann am Samstag. Spoiler (nur nicht nur) vom Donnerstag: viel alter Wein, frisch umetikettiert.
24 Minuten
Bonjour! (Den Rest sparen wir uns erstmal.) Eigentlich wollten wir an Tag 3 über Multimorbidität und Telemedizin sprechen. Doch dann platzt eine Nachricht aus Berlin in die heile Pariser WONCA-Kongresswelt: Der Koalitionsausschuss der deutschen Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen, die Tele-AU. Was macht der Professor? Sammelt kurzerhand zwei Special Guests ein: Karen Voigt und Andy Maun. Damit wir aus Paris über Berliner Unfug sprechen. Willkommen zur Sonderepisode.
19 Minuten
Bonjour, mesdames et messieurs! Hier kommt nun Teil 4 von Tag 2 beim WONCA Europe in Paris. Eine Hörerin hat uns per SMS gebeten, beim Kongress herauszufinden, wie die französischen Kolleginnen und Kollegen mit Schwangerschaftsabbrüchen umgehen. Zufällig lief am 2. Kongresstag, um 15 Uhr eine Session des CMG dazu. Also rein, zuhören, obwohl das Hochgeschwindigkeitsfranzösisch selbst die KI-Übersetzung aussteigen ließ. Und wir hoffen inständig, alles korrekt zu zitieren.
28 Minuten
Bonsoir, mesdames et messieurs! Hier kommt, immer noch von Tag 2 beim WONCA Europe in Paris Teil 3 (eine 4. kommt auch noch). Aufgezeichnet haben wir die am späten Mittwochnachmittag, unter der Sonne, nachdem wir in zwei Controversy-Sessions waren, einem halbstündigen Pro-und-Contra-Format. Dummerweise lief alles parallel, also haben wir uns aufgeteilt: einer in „Ist die evidenzbasierte Medizin tot?“, einer in „Lässt sich Allgemeinmedizin delegieren?“. Social Media mussten wir sausen lassen. Spoiler: Beide „Kontroversen“ waren am Ende gar keine.