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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
9 Minuten
Mit den Nobelpreisen in den 1920er Jahren verhält es sich teilweise etwas unübersichtlich. Der Nobelpreis für Physik des Jahres 1925 etwa wurde erst im Folgejahr gemeinsam mit dem für 1926 verliehen. Dafür erhielt der schwedische Forscher Manne Siegbahn 1925 den Preis für 1924, wo man auf eine Auszeichnung zunächst verzichtet hatte. Siegbahn war nicht nur, wie die Fachwelt befand eine der Sache nach, sondern auch geographisch naheliegende Entscheidung. Wirkte er doch seit 1923 unweit der Stockholmer Königlichen Akademie der Wissenschaften an der Universität Uppsala und revolutionierte von dort aus die Physik auf dem Gebiet der Röntgenspektralanalyse. Den dankenswerten Versuch die Entdeckungen von Siegbahn (dessen Sohn Kai übrigens 1981 ebenfalls mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde) auch interessierten Laiinnen und Laien nahezubringen, unternahmen am 18. November 1925 die Hamburger Nachrichten. Für uns tut dies Rosa Leu.
12 Minuten
Nichts, heißt es in einem bekannten Bonmot, sei so alt wie die Tageszeitung vom Vortag, und insofern ist es wohl durchaus etwas unfair von uns, dass wir in diesem Podcast beständig in uralten Sachen wühlen und schauen, wie gut sie gealtert sind. Unser heutiges Fundstück aus dem Pinneberger Tageblatt vom 17. November 1925, soviel steht fest, ist von der Geschichte eher widerlegt worden: „Die beginnende Auflösung des Islam“, die der Artikel, inspiriert vor allem von kemalistischen Tendenzen und Autoren in der Türkei, damals diagnostiziert, will aus dem Rückblick von einhundert Jahren nicht als das letzte Wort der Geschichte erscheinen. Als Dokument einer Zeit, in der sich der Orient, teils freiwillig, teils unter Zwang rasant dem Westen öffnete, ist er dennoch von größtem historischem Interesse. Einige Begriffe, die der Text verwendet, hatten vermutlich damals bereits einen pejorativen Klang, für andere gilt dies zumindest in unseren Ohren. Es liest Frank Riede.
11 Minuten
Er gilt bis heute als einer der größten Zirkuskünstler aller Zeiten: Enrico Rastelli, in Russland geborener Spross einer Artistenfamilie aus dem italienischen Bergamo, schlug in den 1920er Jahren das Publikum mit seinen Jonglage Shows weltweit in seinen Bann. Nach Paris, Wien, Budapest oder New York verschlug es Rastelli 1925 erstmals an den legendären Berliner Wintergarten, wo er fortan jährlich das Parkett füllte. Aber auch am berühmten Hamburger Hansa-Theater am Steindamm in St. Georg machte Rastelli in diesem Jahr Station, was der Hamburger Anzeiger zum Anlass nahm, ihm in seiner Ausgabe vom 16. November ein ausgiebiges Porträt zu widmen. Dessen jugendlicher Autor Hans Feld sollte sich später als Filmkritiker und Produzent einen Namen machen. Wie Rastelli die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzte, schildert uns Rosa Leu.
8 Minuten
Nach dem Zweiten Weltkrieg fungierte das Ruhrgebiet noch ein letztes Mal als Motor der deutschen Industrie während des Wirtschaftswunders, danach geriet die Region zunehmend in Strukturprobleme, die sie bekanntlich bis heute nur zum Teil für sich hat lösen können. Der Artikel eines ehemaligen Regierungsbaumeisters Müller aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 15. November 1925 sieht eine solche Entwicklung interessanterweise bereits vor einhundert Jahren voraus und macht diese weitsichtig an einem bevorstehenden Bedeutungsverlust der Kohle fest. Es sind jedoch nicht fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas, die er die Steinkohle perspektivisch unrentabel machen sieht; Müller ist seiner Zeit noch weiter voraus und antizipiert bereits einen Siegeszug erneuerbarer Energien. Wie man sich 1925 das Ruhrgebiet des Jahres 2025 vorstellte, weiß Frank Riede.
11 Minuten
Der Starkult rund um Schauspieler*innen und ihr Privatleben, ihren Luxus und ihr Beziehungsleben kommt spätestens mit dem Studio-System der Filmproduktion auf und wird sich an der Verehrung anderer Künstler*innen aus Theater und Oper orientiert haben. Und während die Fans von einem sorglosen und entspannten Leben in Berühmtheit und Prunk träumen, widersprechen die Stars in ihren „Homestories“ aus ihren riesigen Villen stets mit dem Verweis darauf, wie hart der Beruf eigentlich ist. Im Falle des heutigen Artikels aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 14. November 1925 bietet ein Dr. Karl Grunert den ernüchternden Blick hinter die Fassade des Lebensalltags einer idealtypischen Filmdiva. Es liest Rosa Leu.
7 Minuten
Hjalmar Schacht – Reichsbankpräsident sowohl in der Weimarer Republik, als auch später wieder bei den Nazis, bei diesen aber 1939 in Ungnade gefallen und in den letzten Monaten des Regimes erst Gestapo-Häftling, dann in verschiedenen Konzentrationslagern interniert – war der einzige Angeklagte beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, der in allen Punkten freigesprochen wurde. Von dieser biographischen Wendung konnte naturgemäß niemand etwas ahnen, als Schacht genau zwanzig Jahre zuvor in seiner Eigenschaft als höchster deutscher Banker ausgiebig die USA bereiste und dort intensiv um Kredite warb, die der durch die Kriegsfolgen nach wie vor gebeutelten deutschen Wirtschaft wieder Schwung verleihen sollten. Das Pinneberger Tageblatt vernahm seine Bemühungen mit Wohlwollen, wie der von Frank Riede gelesene Artikel vom 13. November 1925 verrät.
8 Minuten
Am 25. Oktober 1925 fanden die Schweizer Parlamentswahlen statt, bei denen sich, glauben wir Wikipedia, ein Linksrutsch vollzog, da sowohl Sozialdemokratie, als auch die Kommunisten dazugewinnen konnten. Ganz so deutlich fasste es der Hamburgische Correspondent am 12. November nicht und verwies lieber auf die konstante, unaufgeregte und bürgerliche Politik der Schweiz. Rosa Leu geht mit uns die Ergebnisse durch und erläutert dabei das eigentümliche Wahlsystem der Schweiz.
16 Minuten
Zwischen 1912 bis 1956 war das vormals stolze Sultanat Marokko zu einem französischen Protektorat herabgesunken. Mochte die Macht des nominell im Amt belassenen Sultans aus der Dynastie der Alawiden seither begrenzt gewesen sein – dem traditionellen Prunk und der Prachtentfaltung tat diese Degradierung keinen Abbruch. Entsprechend reizvoll ist das orientalische Gemälde, das der Reiseschriftsteller Otto Zeltin am 11. November 1925 in den Altonaer Nachrichten von den Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan zeichnet. Neben manchem Klischee aus 1001 Nacht, das dabei gestreift wird, fallen in dem Text auch einige heute nicht mehr gebräuchliche, da rassistisch aufgeladene Begriffe. Wir senden den Artikel dennoch, weil er einen faszinierenden Blick sowohl hinter die Kulissen des herrschaftlichen Palasts von Rabat, als auch auf die politischen Realitäten des späten Kolonialzeitalters in Nordafrika wirft. Für uns tut dies Frank Riede.
4 Minuten
Bayern und der Rest des Landes – dieses ewig junge Thema haben wir verschiedentlich auch schon hier im Podcast bespielt. Politische Querschüsse, die zuverlässig immer wieder bis nach Berlin hallten, schafften es auch in Weimarer Zeit regelmäßig in die norddeutsche Tagespresse, so am 10. November 1925 Nachrichten darüber, dass man südlich des Weißwurst-Äquators an einer Restituierung des Wittelsbacher-Monarchie arbeite. Die bayerische Staatsregierung dementierte entsprechende Berichte zwar, die Altonaer Nachrichten stürzten sich trotzdem drauf, und auch wir mochten nicht davon lassen. Es liest Frank Riede.
8 Minuten
Der Ausbau der faschistischen Herrschaft in Italien zu einer totalitären Diktatur erfolgte schrittweise. Ein Schlüsseldatum hierbei war das gescheiterte Attentat des Freimaurers und sozialistischen Parlamentsabgeordneten Tito Zaniboni auf Faschistenführer Benito Mussolini am 4. November 1925. Vom Balkon seines Zimmers im römischen Hotel Dragoni gegenüber vom Palazzo Chigi hatte Zaniboni auf Mussolini schießen wollen, um die Ermordung seines Parteifreundes und sozialistischen Parteivorsitzenden Giacomo Matteotti zu rächen; doch seine Geliebte Marisa Romano hatte ihn und seine Pläne verraten. Zaniboni wurde bei Betreten des Hotels in der Lobby verhaftet und die faschistische Staatsführung nahm diese Vorfälle nach bekanntem Muster zum Anlass, den Partito Socialista Unitario sowie dessen Parteizeitung aufzulösen und drastische Gesetze gegen die Freimauerei durchs Parlament zu bringen. Vieles von den Umständen wie den Konsequenzen dieses ausgefallenen Attentates ist am 9. November 1925 noch Gerücht, als die Harburger Anzeigen und Nachrichten davon berichteten. Es liest Rosa Leu.
6 Minuten
1904 wurde der Longacre Square in New York, an dem Stellmacher und Pferdestallungen angesiedelt waren, nach dem Bau des Hochhauses der New York Times in Times Square umbenannt. In der Folge wandelte sich der Platz, der an der Kreuzung Broadway und Seventh Avenue liegt, zu einem Kristallisationspunkt für noble Hotels, Austernbars und vor allem Theater-, Cabaret- und Musicalbühnen. Früh wurden an den Fassaden der Gebäude Lichtreklamen angebracht, die zunächst aus weißen Lampen bestanden, was dem Broadway den Namen „The Great White Way“ bescherte. Wie beeindruckend sich die Beleuchtung im Jahre 1925 darstellte und wie sehr die Lichtreklame der Theater von den angebrachten Produktwerbungen abgelöst worden war, sendete der Korrespondent mit dem Kürzel L. A. H. über den großen Teich an den Hamburgischen Correspondenten, der seinen Bericht am 8. November abdruckte. Zwischen Hafergrütze. Kaugummi und flammenden Kreuzen hat sich für uns Rosa Leu herumgetrieben.
9 Minuten
n einer Phase des europäischen und amerikanischen Kinos, in der sich das System der Studios durchgesetzt hatte und die Filmproduktionen in den riesigen Ateliers, wie wir sie gestern in Babelsberg besuchten, die ganze Welt, zumindest wie man sie sich so vorstellte, nachbauten, war der Film „Die Leuchte Asiens“ des Jahres 1925 eine aufsehenerregende Ausnahme. Dieser Film, der die Lebensgeschichte des Buddha erzählt, war die erste deutsch-indische Koproduktion und wurde weitestgehend in Indien „on location“ mit Laiendarstellern gedreht. Der Film begründete eine lange Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Franz Osten und dem Hauptdarsteller Himansu Rai, für dessen Firma Bombay Talkies Osten bis 1939 unzählige Filme drehte, bevor er, das sei nicht verschwiegen, der NSDAP beitrat. Vom Hamburgischen Correspondenten am 7. November erfahren wir, dass das Passagetheater bei der Hamburger Erstaufführung „indisch“ dekoriert war und es im Foyer eine kleine Ausstellung zum Heimatland Buddhas gab. Die sehr zahlreiche Berichterstattung zu dem Film wimmelt oft von auf Rasselehren basierenden Überlegungen zum Aussehen der indischen Schauspieler*innen und zur Nähe von Europa und Indien. Die entsprechenden Sätze im heutigen Artikel, den Frank Riede liest, stellen eine verhältnismäßig zurückhaltende Variante dieser Überlegungen dar.
7 Minuten
Ganz großes Kino! Sie hören gerade die 2000ste Folge von „Auf den Tag genau“. Vom 1. Januar 1920 an haben wir, mit einer kleinen Unterbrechung, täglich, an Wochenenden, in den Ferien und an Feiertagen gesendet und dabei einen einzigartigen Blick auf die Weimarer Republik geboten. Ob es im Januar 1926 weitergeht, ist ungewiss, aktuell eher unwahrscheinlich. Wir warten also immer noch auf Enthusiast*innen und Mäzen*innen oder Institutionen, die uns ein Weiterleben ermöglichen. Das wäre wahrlich größtes Kino….womit wir beim Thema der heutigen Folge wären. Die Harburger Anzeigen und Nachrichten, die von ihrem Glück, uns den Stoff für die Jubiläumsfolge zu liefern, nichts ahnten, trieben sich am 6. November 1925 in der deutschen Antwort auf Hollywood herum, gelegen in Neubabelsberg. Rosa Leu führt uns also über das UFA-Gelände mit seinen Kulissen, Lagern und einem eigenen Zoo. Dabei gibt es auch erste Bauten für den kommenden Filmklassiker Metropolis zu entdecken. Mögen wir auch noch 1927, also 2027, in unserer 2500 Folge von dessen Premiere berichten.
6 Minuten
Die allermeisten Zeitungstexte, die sich in den 1920er um im weitesten Sinne technische Dinge drehen, sind von einem aus dem Rückblick fast rührend anmutenden Fortschrittsoptimismus erfüllt. Auch unser heutiger Artikel über „Das Haus von übermorgen“ aus der Schiffbeker Zeitung vom 5. November 1925 macht da vordergründig keine Ausnahme. Von der Zentralheizung über die Klimaanlage bis zum Elektroherd malt er sich die Zukunft in den buntesten Farben aus – und liegt mit einigen antizipierten Entwicklungen, wie so oft, gar nicht falsch. Im zweiten Teil nimmt er dann aber doch eine etwas unerwartete Wendung, indem er die Frage aufwirft, ob von den ganzen technischen Annehmlichkeiten, mit denen man so rechnete, unter dem Strich wirklich ein nachhaltig positiver Effekt auf die Lebensqualität zu erwarten sei. Frank Riede artikuliert für uns diesbezüglich so einige Zweifel.
8 Minuten
Dass den Zeitungen mit dem Radio ein mächtiger Konkurrent heranwuchs, der an ihrer Stellung als dem Leitmedium der Zeit rüttelte, erkennen wir nicht nur an der Berichterstattung über die Radioprogramme der Sender und über technische Innovationen auf dem Gebiet der Tonübertragung. Immer häufiger kam es vor, dass die Zeitungen sich gezwungen sahen, über Radioansprachen zu berichten, und damit nachzuliefern, was die Radiohörerinnen bereits kannten. Am 3. November 1925 hatte der Außenminister Gustav Stresemann im Radio über den Vertrag von Locarno gesprochen und für den Kurs der Regierung geworben. Welche Argumente er dabei ins Feld führte, können wir uns nicht im Original anhören, da diese Radioaufnahme nicht mehr vorliegt, sondern erfahren es aus den Altonaer Nachrichten vom 4. November. Von Audio zu Text und nun zurück zur Stimme… im Jahr 2025 der von Rosa Leu.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren