Auf den Tag genau Archiv
2057 Episoden
9 Minuten
Dass internationale Abkommen und Bünde in der Schweiz leicht als Einschränkung der eigenen nationalen Unabhängigkeit gesehen werden, ist bekannt. Auch schon vor hundert Jahren führten entsprechende Vorhaben in den Kantonen so zu heftigen Debatten. Ob das Land dem Völkerbund beitreten solle oder nicht, wurde intensiv und durchaus scharf diskutiert. Wie ließe sich bei einem Beitritt die so integrale Neutralität des Landes bewahren? Tatsächlich gewannen die Beitrittsbefürworter die Abstimmung am 16. Mai schließlich denkbar knapp – was zwei tage zuvor allerdings noch überhaupt nicht ausgemacht war, wie die Vossische Zeitung zu berichten weiß. Es liest Frank Riede.
4 Minuten
Wenn es am Siebenschläfer regnet, regnet es dann 7 Wochen lang? Oftmals zeigt sich, dass so manche Bauernregel und so mancher Aberglaube einen wissenschaftlich nachweisbaren Kern enthält. Davon handelt der heutige Artikel aus der Freiheit, in dem Wetterregeln meteorologisch geprüft werden. Zum Ende wird gar eine Wetterprognose und die Vorhersage der Pegelstände in den Flüssen für den Sommer 1920 gewagt. Es liest Frank Riede.
3 Minuten
Manche Themen bleiben einer Stadt über lange Zeiträume hinweg erhalten: Auch schon vor einhundert Jahren lag vor den Toren der Berliner Innenstadt das – in seinen Ausmaßen damals freilich noch weiter – ausgedehnte Tempelhofer Feld. Und schon damals faszinierte es die Städter ob seiner großzügigen Weite, die in markantem Kontrast zu den immer beengteren Verhältnissen in und zwischen den urbanen Mietkasernen stand. Denn auch schon vor einhundert Jahren herrschte in Berlin eine erhebliche, verglichen mit heute sogar noch viel dramatischere Wohnungsnot. Und entsprechend diskutierte man durchaus kontrovers Pläne einer etwaigen Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Von der Realisierung eines entsprechenden Projekts durch einen städtischen Wohnungsverband berichtet am 12. Mai 1920 das Berliner Tageblatt. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Der 9. Mai 1920 wurde im gesamten Deutschen Reich zum ›Spielplatz-Werbetag‹ erklärt. Doch was nach harmloser Lobbyarbeit zur Förderung frühkindlicher motorischer Entwicklung klingen mag, hatte vor 100 Jahren eine durchaus andere Dimension: In mehreren hundert Städten forderte die ›deutsche Jugend‹ Spiel- und Sportstätten zu körperlicher Ertüchtigung. Die Demonstranten gaben sich parteilos, machten allerdings keinen Hehl aus ihrer sehr nationalen Einstellung. Auch der Bericht in der Berliner Volks-Zeitung vom 11. Mai 1920 zeigt diese Verbindung deutlich. Gelesen von Frank Riede.
3 Minuten
Von den zahlreichen Pop-Up-Bars und -Restaurants, mit denen versucht wurde, die abendliche Polizeisperrstunde zu umgehen, hatten wir ja schon in unserem Podcast berichtet. Die Polizeibeamten gingen gegen die nächtlichen Umtriebe mit Kontrollen und Razzien vor – und stießen dabei manchmal auf mehr oder weniger alkoholisierte hochrangige Beamte aus den eigenen Reihen. Von solch einem besonders brisanten Fall berichtet die Vossische Zeitung am 10. Mai 1920. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Walther Rathenau gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zweifellos zu den schillerndsten, einflussreichsten, aber auch widersprüchlichsten Figuren des politischen Deutschlands. Als überzeugter liberaler Intellektueller in Opposition zum herrschenden Wilhelminismus, beteiligte sich die von seinem Vater gegründete und nun von Rathenau selbst als Aufsichtsratsvorsitzender geleitete AEG doch in großem Stil an der Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg und involvierte ihn tief in die Kriegsplanungen der Reichsregierung. Nach der Revolution engagierte sich Rathenau indessen wieder in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei, der DDP, die ihn ab 1921 zunächst als Wiederaufbau-, dann als Außenminister in die Regierung entsandte. Bereits zuvor hatte er sich verschiedentlich publizistisch in die politischen Debatten eingemischt, so u.a. am 9. Mai 1920 in der Berliner Volks-Zeitung zu Fragen einer europäischen Wirtschaftspolitik. Es liest Frank Riede.
9 Minuten
Zwei Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges gab es immer noch keinen vertraglich gesicherten Frieden zwischen Deutschland und den USA. Tatsächlich hatte es die republikanische Mehrheit im Kongress am 19. März 1920 abgelehnt, den Versailler Vertrag zu ratifizieren. Dass es noch bis zum 25. August des Folgejahres dauern sollte, ehe der sogenannte Berliner Vertrag einen Separatfrieden zwischen den beiden Mächten besiegelte, hing auch mit der politisch offenen Situation in den USA dieser Zeit zusammen: 1920 war Wahljahr. Die Demokratische Partei hatte nach dem Ausscheiden ihres Präsidenten Woodrow Wilson den eher schwachen James M. Cox als Kandidaten nominiert. Die Republikaner mussten sich zwischen dem aufstrebenden Herbert Hoover und einer Reihe anderer Anwärter, darunter der spätere Präsident Warren G. Harding, entscheiden. Am 8.5. berichtet das Berliner Tageblatt. Es liest Frank Riede.
6 Minuten
Dass es für die Verfolgung eigener Interessen strategisch sinnvoll ist, die Presse zu beeinflussen, oder besser: zu kontrollieren, ist nicht neu. Dementsprechend wurde der forsche Ankauf von Zeitungen durch Großindustrielle in der Weimarer Republik skeptisch beäugt. Die Freiheit beklagt in ihrem Artikel vom 7. Mai 1920 die ungleichen Bedingungen im Kampf um die Meinung der noch „unentschlossenen“ Wähler bei der kommenden Reichstagswahl, wie sie etwa die Zeitungsankäufe des Industriellen und Politikers Hugo Stinnes verursachen. Gelesen von Paula Leu.
3 Minuten
Gibt es intelligentes Leben auf dem Mars? Vor einhundert Jahren konnte man dies noch nicht ausschließen und versuchte mit den technisch damals neuen Mitteln der Funkentelegraphie Kontakt zum ‘roten Planeten‘ herzustellen. Der Vorwärts berichtet in seiner Ausgabe vom 6. Mai 1920 jedenfalls von einem diesbezüglichen Versuch in Amerika, der – wenig überraschend – jedoch scheiterte: Der Mars antwortete nicht. Gelesen von Paula Leu.
5 Minuten
Von 1909 bis 1933 war der Luna-Park am Berliner Halensee Europas größter Vergnügungspark. Nach dem Vorbild von New Yorks Coney Island sollte eine Vielfalt an Attraktionen dem stadtmüden Bewohner der deutschen Kapitale neuen Schwung verleihen. Es gab ein Wellenbad, eine Gebirgsbahn und ein Hippodrom; die erste Rolltreppe Berlins war zu bestaunen. Neben Theater, Kabarett und Jazzmusik wurden Tanzturniere und Boxkämpfe organisiert; aber auch die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert populären ›Völkerschauen‹. Diese Zurschaustellung Angehöriger von fremden Völkern wurde zwar als ›anthropologische Ausstellung‹ bezeichnet, war aber nicht zuletzt auch von einem eurozentrisch-rassistischen Weltbild getragen, was sich im Bericht des Berliner Tageblatts über die Neueröffnung des Luna-Parks vom 5. Mai 1920 auch in der selbstverständlichen Rede vom ›Negerdorf‹ spiegelt. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Nach der traumatisierenden Erfahrung des Ersten Weltkriegs und seiner wirtschaftlichen Folgen, richteten Viele ihre Hoffnung auf die Segnungen des technologischen Fortschritts. In diesem Geiste berichtet die Deutsche Allgemeine Zeitung am 4.5. von einer angestrebten Verkehrsrevolution im Flugverkehr. Konkret geht es um die Strecke Paris-New York – an einem Tag – dafür müssten die Flugzeuge aber in 10000 bis 12000 Meter Höhe fliegen – können Passagiere dort atmen?... Es liest Paula Leu.
8 Minuten
Zu Papier gebrachte Blicke in die Zukunft sind nicht ohne Risiko: Man kann fatal danebenliegen und sich vor den Nachgeborenen blamieren. Man kann aber auch voll ins Schwarze treffen und sie mit seinen Prognosen staunen machen. Der Artikel von Ernst Trebesius aus dem Vorwärts vom 3. Mai 1920 fällt zweifellos in diese zweite Kategorie! Auch wenn er in einigen Nuancen vom Verlauf der Technikgeschichte korrigiert wurde, bleibt doch faszinierend, was er alles vorausahnt: das Mobiltelephon, das Prinzip der Online-Datenbank - und, last but not least, die Idee unseres Podcasts … Es liest Frank Riede.
61 Sekunden
Am zweiten Mai 1920 erscheinen keine Zeitungen, weshalb unser Podcast heute keinen eingelesenen Artikel bietet. Also bleibt uns nur, ihnen vergangene Folgen unseres Podcasts ans Herz zu legen, und aktuell, sofern Sie es noch nicht gehört haben, die zweite Folge unseres Interview-Formats “Dreieinhalb Fragen an…”, diesmal mit Hans Ulrich Gumbrecht über das Phänomen der 1920er, von uns publiziert am 26. April.
7 Minuten
Den 1. Mai 1920 nimmt die Freiheit zum Anlass, grundsätzlich über die Situation der Arbeiterschaft und den Stand ihres internationalen Kampfes gegen das kapitalistische Bürgertum nachzudenken. Der Text analysiert die Ursachen für die Schwächung der Arbeiterklasse, wie etwa den Weltkrieg. Was folgt ist ein Aufruf, zu einer neuen Internationale, die sich nicht durch divergierende nationale Interessen schwächen lässt und die weltweite Arbeiterschaft zu ihrem Recht und ihrem Sieg gegen das kapitalistische System führt. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Arnold Höllriegel, unter dem bürgerlichen Namen Richard Arnold Bermann 1883 in eine jüdische Wiener Beamtenfamilie geboren, war einer der schillerndsten deutschsprachigen Feuilletonisten seiner Zeit. Pazifist, früher Cineast, umtriebiger Reiseschriftsteller – Höllriegel bewanderte rastlos die verschiedensten Themen, Genres und Kontinente und war von Sigmund Freud bis Charlie Chaplin mit fast allen wichtigen Personen seiner Zeit bekannt. Im April 1920 saß er ausnahmsweise gerade einmal zu Hause in Wien, nahm aktuelle Meldungen über antijüdische Demonstrationen in Jerusalem jedoch zum Anlass, diese für das Berliner Tageblatt vom 30. April mit eigenen Reiseerinnerungen abzugleichen. Und dabei auf bestürzende Weise zu bezeugen, dass es Judenhass auch in Palästina schon lange vor dem Staat Israel gab. Es liest Frank Riede.