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Tiefgang durch die Stadt Archiv

20 Episoden
1 Stunde 1 Minute
„Spring Clean, we say“, erklärt uns ein in London und Dresden sozialisierter Hellersdorfer, als wir ihn beim „Subbotnik“ in Marzahn-Hellersdorf treffen. Er beteiligt sich an einer Frühjahrsputzaktion, die Bürger:innen organisiert haben, die sich gegen Rassismus und in der Initiative „solidarische Kieze“ engagieren.

Wir gehen noch einmal nach Marzahn-Hellersdorf, um die Tradition des Subbotnik kennenzulernen, die bei vielen Ostdeutschen tief in ihre DDR-Erinnerungen eingewoben ist.

Subbotnik hieß: an einem Samstag etwas für das Gemeinwesen zu tun. Insbesondere im Frühjahr werkelte man meist freiwillig, um die Wohnumgebung, den Betrieb, Sportanlagen, Kleingartenanlagen, Schulen usw. aufzuhübschen. Müll wurde beseitigt, Blumen wurden gepflanzt, Wege angelegt, Fassaden gestrichen und Klubräume renoviert. Die Staatsführung war dankbar für unentgeltlich erbrachte Leistungen, die das Wirtschaftssystem nicht ausreichend in der Lage war zu erbringen. Nach der Wende brach diese Praxis vielfach ab – hier schließt sich der Kreis zur ersten Marzahn-Folge.

Der Ursprung des Subbotniks ist ambivalent. 1919 rief Lenin die Bevölkerung zum freiwilligen Aufbau des vom Bürgerkrieg zerstörten Russlands auf. Freiwillig war das nicht immer. In der Stalin-Zeit wurden Massenarbeitseinsätze nicht selten in Zwangsarbeit geleistet. Nach 1945 war die Bevölkerung in Ostdeutschland aufgerufen durch „Aufbaustunden“ mitzuhelfen, die Kriegszerstörungen zu beseitigen, neue Häuser und Infrastruktur aufzubauen.

In dieser besonderen Folge kommen die Subbotniker:innen von heute zu Wort - nicht nur Menschen mit ostdeutschen Biografien. Zu hören ist auch ein Subbotniker, der aus Afghanistan fliehen musste. Wir sprechen eine Hellersdorfer Cricketspielerin, die von Frühjahrsputz-Aktionen in Frankreich berichtet. Eine Hamburgerin und ein Hesse berichten von ähnlichen Traditionen in Westdeutschland. Deutlich werden die demokratischen Geländegewinne gemeinschaftlich engagierter Nachbarschaften, wenn sie nicht – wie nach 1990 geschehen – durch Immobilieneigentumsstrukturen ausgebremst werden.

Begleitet uns auf unseren Tiefgang durch Gärten, Spielplätze und Sportanlagen.

Kapitel:

Vorspann 0:00

Intro: Wieder Marzahn! Sonderfolge 1:04

Subbotnik gegen Rassismus 2:16

Ursprung des Wortes Subbotnik 4:03

Oktoberrevolution und Russischer Bürgerkrieg 5:35

Aufbau der Sowjetunion: Eisenbahn zwischen Moskau und Kasan 7:46

Subbotnik unter Stalin 9:07

Nationaler Wiederaufbau in der DDR (und BRD) 9:36

Ehrenamtliche Gemeinwesenarbeit in der DDR seit den 60ern 13:42

Schöner unsere Städte und Dörfer (in Ost und West) 15:05

Hausgemeinschaften und Subbotnik 18:49

Subbotnik nach der Wende? 19:33

Solidarische Kieze gegen Rassismus auf "Ostdeutsch" 22:12

Interview 1: Kaffee und Kuchen und in Ordnung bringen 25:11

Interview 2: Spring Clean und Cricket, sozialisiert in Hellersdorf 26:46

Interview 3: Etwas für die Gesellschaft tun, wenn es möglich ist 32:25

Interview 4: Ökologischen Konsum gab's bevor die Marktwirtschaft kam 35:45

Interview 5: Villes fleuris, aber durch die Leute 38:51

Interview 6: Nachbarschaften entwickeln im Paradiesgarten 40:58

Interview 7: Nach der Wende eher mit der eigenen Familie zu tun gehabt 45:02

Interview 8: Neue Eigentumsverhältnisse verhinderten Engagement 47:52

Interview 9: Nicht erst in 400 Jahren einen guten Zustand haben 53:47

Wat ham wa heute jelernt? 57:02

Abspann 1:00:45

Tiefgang[at]kliopolis.de

#DDR #Ostdeutschland #Deutschland #Europa #Zeitgeschichte #Soziologie #Interviews
1 Stunde 28 Minuten
"Wollt Ihr den totalen Krieg?", brüllt Josef Goebbels am 18. Februar 1943 im Sportpalast ins Mikro; Tausende brüllen "Ja". 

In Europa haben bereits mehrere Millionen Menschen ihr Leben verloren, sei es durch den auf Hochtouren laufenden Holocaust, sei es durch den deutschen Vernichtungskrieg im Osten, sei es durch die Bombardierungen europäischer Städte. 

Inzwischen kehrt sich der Krieg gegen den Aggressor. In Berlin fallen die ersten Bomben, die 6. Armee wird in Stalingrad vernichtend geschlagen. 

Nun fordert Goebbels von den Deutschen, jetzt alles für den sog. "Endsieg" aufzuopfern.

Bei unserem Tiefgang durch den Berliner Bezirk Schöneberg erkunden wir die Umgebung des heute nicht mehr existierenden Sportpalastes und nehmen die hektische Großstadtatmosphäre auf. Wir sprechen über den Palast und seine widersprüchliche Geschichte. Dabei denken wir über die Anfänge moderner Massenveranstaltungen nach; über den Ursprung der einst kleinen Splitterpartei NSDAP. Dabei zerbrechen wir uns wieder den Kopf über die Zwanziger Jahre. Wir diskutieren auch über die Nachkriegszeit mit ihren Bombenlücken und ihren noch gravierenderen Erinnerungslücken.

Schließlich forschen wir ganz grundsätzlich nach dem Ursprung der Idee eines "totalen Krieges", der immer die totale Vernichtung zum Ziel hat und nie aufhören kann, immer neue Menschen zu verzehren. Da bleibt es nicht aus, auch über die Gefahren unserer Zeit nachzudenken.

Begleitet uns auf unseren teils düsteren Tiefgang durch das heute quirlige, bunte Schöneberg!

Kapitel:

Intro 0:00

Wo geht's heute hin? 1:06

Nazis in der Opiumhöhle 2:24

Die Anfänge des Sportpalastes 8:49

Sportpalastwalzer 12:31

Politikevents in den 1920/30er Jahren, Eventtechnik als Vorteil 16:34

Sportpalast als NS-Propaganda-Ort, Totaler-Krieg-Rede 23:16

Historischer Kontext der Sportpalastrede 31:18

Wirklichkeit und NS-Propaganda 35:14

Nachkriegsgeschichte des Sportpalastes: Konzerte und Eishockey 41:25

Architektonische Wagnisse: Sozialer Wohnungsbau nach dem Abriss 46:16

Habitus und völkische Kumpanei: Die Milieus der NSDAP 50:28

Goldene Zwanziger oder Verklärung? 52:44

Gedenktafel zum Sportpalast 59:17

Massenmord, Technik und rationaler Fanatismus 1:00:53

Haben die Nazis die Deutschen verführt? Deutsche Erinnerungslücken 1:03:23

Ursprung und Idee des "totalen Krieges" 1:09:47

Enthemmung des Krieges und Versuche der Verrechtlichung des Krieges 1:15:58

Vernichtung als kapitalistische "Spezialität" 1:20:00

Transhumanismus: Menschen und Zahlen 1:23:26

Zum Schluss ... 1:25:58

Tiefgang[at]kliopolis.de

#Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte #Nationalsozialismus
2 Stunden 1 Minute
Marzahn - ein Bezirk, der bei manchem einige Vorurteile aufruft. Doch Marzahn hat damit recht wenig zu tun. Der Ostberliner Bezirk ist nicht nur architektonisch ein offenes Lesebuch für baugeschichtlich Interessierte. Vor allem verschmelzen hier eine lange Geschichte des modernen Bauens mit den verworrensten Pfaden der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

In unserem Spaziergang durch das Neubaugebiet sprechen wir über die Geschichte des industriellen Wohnungsbaus, über Alltagsgeschichte in der DDR, über die radikalen gesellschaftlichen Veränderungen nach der Wende in den 1990er Jahren - u.a. auch, aber nicht nur über den Neonazismus in der "Platte". Wir sprechen über funktionierende Nachbarschaften als kleinste Ebene der Demokratie. Auch die Ost-West-Verhältnisse werden thematisiert sowie der Wandel des Images von Marzahn von der begehrten Wohnlage zum "Problembezirk".

Wir diskutieren die verschiedenen Sichtweisen auf Marzahn, auf die DDR-Geschichte und die Nachwendezeit aus der Perspektive der unterschiedlichen Generationen.

Und: die Geschichte ist noch zu sehr Gegenwart unserer eigenen Lebensgeschichten, sodass wir nicht immer ganz "neutral" auf Marzahn schauen können.

Tiefgang[at]kliopolis.de

#DDR #Deutschland #Europa #Zeitgeschichte #Architektur #Soziologie
1 Stunde 21 Minuten
Im Humboldthain, einem sog. "Volkspark" im Berliner Stadtteil Wedding, lässt sich herrlich Spazierengehen. Doch wenn man genauer hinsieht, wird man einige spannende Relikte der bewegten Vergangenheit Berlins entdecken, die uns in unserer ersten Folge dazu angeregt haben, über die (eher dunklen) Kapitel deutscher Geschichte nachzudenken. Uns fielen aber auch reichlich Bezüge in die Gegenwart auf.

Wir sprachen über die Lebensverhältnisse des Proletariats in der Kaiserzeit und in den 1920er Jahren - dabei insbesondere über das harte Los, in dieser Zeit Kind zu sein. Die heute noch sichtbaren Spuren der gewaltigen einstigen sog. Flak-Türme im Park lieferten uns genügend Stoff, um über die Zeit des Nationalsozialismus, über seine Vorgeschichte in der Weimarer Republik und über die Nachkriegszeit nachzudenken.

Ja und wir haben sogar Bezüge zur aktuellen Corona-Pandemie bzw. zum Thema Hygiene, Arbeit und Leistungsdruck gefunden.

Schreibt uns: Tiefgang[at]kliopolis.de

#Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Industrialisierung #Stadtentwicklung #Arbeiterbewegung #Soziologie
15 Minuten
Raiko und Thomas sprechen über die Idee des Podcast, über die Bedeutung von Tiefgang und über den Begriff des Wissens und seine Unsicherheit.

Tiefgang hat drei Bedeutungen: Man schürft tief an einem Ort und trägt wie eine Archäologin tieferliegende Schichten aus der Geschichte zutage. 

Ein Ort gewinnt zudem Tiefe, wenn man sich ihn und die Themen, die mit ihm verbunden sind, vorsichtig tastend aneignet. Mit den Füßen und alle Sinnen kann man ihn dabei am besten erfassen.

Schließlich kann man auch in Gedanken tief eintauchen, wenn man sich im Gespräch von einem Ort in freier Assoziation inspirieren und ohne Leitplanken zum Nachdenken hinreißen lässt. 

Genau dies haben wir, Thomas und Raiko, uns in unserem Tiefgang-Podcast vorgenommen. Wir erkunden Orte im Spaziergang, lernen deren Geschichte kennen und denken dabei über alle möglichen Themen nach, die uns der Ort sozusagen aufzwingt.

Dabei berühren wir historische, politische und gesellschaftliche Themen überhaupt.

In der Regel lernen wir die Orte im Tiefgang selber erst (richtig) kennen und locken unsere Hörer:innen hinein, tief in die Universen vor Ort.

Euch erwartet also keine Stadtrundfahrt mit gut belesenem Stadtguide, sondern eine Art Roadmovie, das uns von Ort zu Ort und von Gedanke zu Gedanke führt. Wenn man so will: Wissen auf unbekanntem und unebenem Terrain.

#Deutschland #Europa #Weltgeschichte #Neuere_und_neueste_Geschichte #Antike #Mittelalter #Frühe_Neuzeit #Lokalgeschichte
Tiefgang durch die Stadt

Tiefgang durch die Stadt

Geschichte und Gegenwart von (dr)außen