Spiegel-Podcast Firewall
Agenten made in Russland: Wie Deutschlands Sicherheit ins Visier gerät
Eine der renommiertesten Unis Russlands bildet heimlich die Cyberkrieger von morgen aus. Der Podcast Firewall deckt auf, wie aus einem Campus ein Trainingszentrum für hybride Kriegsführung gegen den Westen wurde. Warum sie gerade die deutsche Sicherheit bedrohen.
Mitten in Moskau steht eine der angeblich innovativsten Hochschulen der Welt: die Bauman-Universität. Hinter hohen Mauern und mit staatlicher Anerkennung bildet die Vorzeige-Uni seit Jahrzehnten Ingenieure aus - und seit kurzem auch Putins Schattenkrieger.
In der neuen Episode des Podcasts Firewall von SPIEGEL gehen Sandra Sperber und Fidelius Schmid der Frage nach, wie zielstrebig der russische Staat seine neue Generation von Geheimdienstlern und Cyberagenten heranzieht. Die Recherche basiert auf mehr als 2.000 internen Dokumenten, die SPIEGEL, Le Monde, The Guardian und The Insider ausgewertet haben. Sie zeigen: Im Schatten der Wissenschaft entsteht in Moskau eines der modernsten Ausbildungszentren für hybride Kriegsführung gegen den Westen.
Firewall-Podcast: Darum geht es in der Recherche zur russischen Bauman-Universität
Die Folge beginnt mit einem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Bauman-Universität. Nachrichtensender zeigen, wie Putin ein Modell vom Campusgelände bestaunt und durch den bunten Flur einer Studierendenunterkunft läuft. Es wirkt wie ein ganz normaler Besuch an einer ganz normalen Universität - doch die geleakten Unterlagen zeigen ein anderes Bild. Sie führen zu einem geheimen Lehrstuhl Nummer 4, über den öffentlich kaum Informationen verfügbar sind.
Im Fokus der Enthüllungen stehen genau dieser Lehrstuhl Nummer 4 und dessen hochkarätige Ausbilder. Dort lehrt Oberstleutnant Kirill Stupakov, der dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet wird, Methoden wie das Anzapfen von Telefonen oder den Bau von Spionage-Tools.
Wie eng die Universität mit russischen Geheimdiensten verknüpft sein soll, zeigt auch das Beispiel des Absolventen Wladyslaw Borowkow. Nach seinem Studium soll er zur GRU gewechselt sein. Heute zählt er zu den meistgesuchten Cyberkriminellen des FBI. Wegen mutmaßlicher großangelegter Cyberangriffe sind bis zu zehn Millionen US-Dollar Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Festnahme führen.
Anhand geleakter Stundenpläne lässt sich zudem erstmals im Detail nachvollziehen, wie russische Nachwuchsagenten im Ausspähen westlicher Schwachstellen, in Sabotage und Propaganda ausgebildet werden.
Russland, Cyberangriffe und Desinformation - Warum die Recherche auch für Deutschland relevant ist
Doch die Podcast-Folge fokussiert sich nicht nur auf das Innenleben der Bauman-Universität. Firewall analysiert, wie russische Dienste gezielt versuchen, deutsche IT-Talente abzuwerben und fragt, wieso Deutschland ein so beliebtes Ziel für Cyberattacken ist.
Besonders spannend wird die Folge als sie den Bogen zur aktuellen Sicherheitslage in Deutschland schlägt. Die Hosts erinnern unter anderem an den Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2015, der russischen Akteuren zugeschrieben wird. Am Beispiel gefälschter Videos, etwa zur angeblichen Psychokrise von CDU-Chef Friedrich Merz, zeigt die Episode, wie perfide Desinformation heute betrieben wird.
Anhand dieser Fälle zeigt Firewall, dass hybride Kriegsführung längst nicht mehr nur aus Cyberangriffen besteht. Ebenso wichtig sind gezielte Desinformationskampagnen, die das Vertrauen in Politik und demokratische Institutionen erschüttern sollen. Die geleakten Dokumente legen nahe, dass genau solche Methoden Teil der Ausbildung an dem geheimen Lehrstuhl sein könnten.