„Man müsste mal tief in die Ostsee eintauchen, um zu verstehen,
wie es ihr überhaupt geht.“ Mit diesem Satz beginnt Ramon Gerwien
unser Gespräch. Und seine Diagnose hat es in sich: Fieber,
Völlegefühl, Atemnot, Vergiftung, Sehschwäche und Hörsturz.
Gerwien ist Biologe, Journalist, ehemaliger Lehrer, Sänger – und
vor allem ein „Ostseekind“. Geboren bei Greifswald und
aufgewachsen in Schwerin, gehörten für ihn Wochenenden und Ferien
am Meer zur Kindheit. Die Ostsee war zunächst ein riesiger
Spielplatz. Später wurde sie zum Gegenstand seines
Biologiestudiums und schließlich seiner journalistischen Arbeit.
Als Journalist sprach Gerwien immer wieder mit
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Ostsee. Dabei
genoss er es, auch die vermeintlich dummen Fragen stellen zu
dürfen. Aus langen Gesprächen wurden kurze Radio- und
Fernsehbeiträge – und immer mehr Material blieb übrig. Im Oktober
2024 saß er mit seiner Freundin auf dem Balkon und klagte wieder
einmal darüber, wie viele spannende Geschichten unerzählt
blieben. Dann fiel der entscheidende Satz: Dann schreib doch ein
Buch.
Das hat er getan. In „Ostsee. Wie geht’s?“ versucht Ramon
Gerwien, komplizierte Wissenschaft so zu erzählen, dass auch
Nichtbiologen verstehen, was in diesem kleinen Meer geschieht.
Und so erfahren wir im Gespräch, was die Ostsee mit einem Latte
macchiato gemeinsam hat. Unten liegt schweres Salzwasser, darüber
leichteres Süßwasser – und anders als beim Kaffee können wir
leider nicht einfach einen Löffel nehmen und umrühren.
Wir sprechen über Sauerstoffmangel und Algenteppiche, über rund
300 Flüsse, die Wasser und Nährstoffe in die Ostsee bringen, über
Heringe, Schweinswale und einen Dorsch, der paradoxerweise in
einer mit Nährstoffen „überfütterten“ Ostsee immer weniger vom
Kuchen abbekommt.
Vor allem aber geht es um die Frage: Wie könnte es der Ostsee in
30 Jahren gehen? Ramon Gerwien hofft auf eine Ostsee, die sich
nicht weiter erhitzt, in die weniger Nährstoffe gelangen und
deren Meeresschutzgebiete mehr sind als bloße „Paper Parks“. Und
er erzählt, was jeder selbst tun kann – vom Müllmitnehmen am
Strand bis zur Unterstützung der Forschung durch eigene Messungen
auf dem Wasser.
Diese Folge haben wir am 29. September 2026 aufgenommen.
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