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  4. Noch ganz normal? Warum nicht jede Auffälligkeit eine psychische Störung ist
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Der Zugang zu einer psychischen Störung ist heute recht
niederschwellig: Wer unkonzentriert ist, gerät in Verdacht ADHS zu
haben. Wer sich danebenbenimmt, wird zum toxischen Narzissten
erklärt. Und wem das Auftreten in einer Gruppe oder in der
Öffentlichkeit peinlich ist und sich lieber zurückzieht, wird eine
soziale Phobie unterstellt. Viele Auffälligkeiten werden in unserer
heutigen Zeit mit (zum Teil) völlig absurden Krankheitsnarrativen
etikettiert, die die Statistiken belasten – und das
Gesundheitssystem gleich mit. Es gehört zu einer der größten
Enttäuschungen in unserem Land, dass es trotz eines größer
gewordenen Bewusstseins für die Psyche und verbesserter
Behandlungsmöglichkeiten bislang nicht zu einer Abnahme psychischer
Erkrankungen kam. Die unbequeme Frage lautet: Könnte die Inflation
an Diagnosen, Aufklärungskampagnen, Social Media Beiträgen und
einer kaum noch überschaubaren Zahl an Ratgeber- und
Therapieangeboten vielleicht das Gegenteil bewirkt haben? In der
aktuellen Folge von GEHIRN GEHÖRT hinterfrage ich den Boom
psychischer Diagnosen: Werden wir wirklich kränker – oder reden wir
uns krank? Kann man sich in der heutigen Welt, in der wir so viel
über Symptome, Beschwerden und Krankheiten reden, überhaupt noch
rundum gesund fühlen? Ab wann gilt man eigentlich als psychisch
krank und wo holt man sich am besten Hilfe, wenn man sich nicht
sicher ist? In dieser besonderen Folge reisen wir miteinander in
die Antike, und wir werden eine Kommode aus Holz bauen mit vielen
Schubladen und Fächern. Ich erzähle Ihnen von einer bizarren
Epidemie nach einem YouTube Video. Wir sprechen über die angebliche
Sad Girl Depression auf Instagram und Aufklärungsprogramme, die
Jugendliche kränker machen statt gesünder. Ich nehme Sie mit auf
eine skurrile Weiterbildung, die total aus dem Ruder lief, und ich
beichte Ihnen eine ziemlich peinliche Geschichte von mir. Der
Podcast will psychisches Leid nicht verharmlosen, sondern den
Versuch wagen, zwischen echtem Leid und dem ganz normalen Leben zu
unterscheiden. Ich spreche über dieses Thema, weil mir die Sorgen
und Nöte meiner lieben Patienten und Klienten sehr am Herzen
liegen. Ihrem Schutz gilt diese Folge.
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„Noch ganz normal? Warum nicht jede Auffälligkeit eine psychische Störung ist“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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