Am 30.10. – Ein provisorisches Handelsabkommen verändert die
Weltwirtschaft, Muhammad Ali gewinnt in Kinshasa seinen Titel
zurück, und Argentinien wählt nach sieben Jahren Diktatur wieder
frei. Drei Geschichten über Regeln, Macht und die Möglichkeit eines
Neuanfangs.
Quellen:
Welthandelsorganisation WTO:
https://www.wto.org/english/thewto_e/whatis_e/tif_e/fact4_e.htm
Instituto de Relaciones Internacionales, Universidad Nacional de La
Plata:
https://www.iri.edu.ar/publicaciones_iri/anuario/A94/A1RECRO.html
WTO-Website, Untersuchung von Roy Santana:
https://www.wto.org/english/tratop_e/gatt_e/task_of_signing_e.htm
Welthandelsorganisation WTO:
https://www.wto.org/english/docs_e/legal_e/gatt47_e.htm
Muhammad Ali Center:
https://alicenter.org/roadwork-to-the-rumble/
US National Archives and Records Administration:
https://text-message.blogs.archives.gov/2016/09/15/the-department-of-state-reports-on-the-george-foreman-muhammad-ali-fight-the-rumble-in-the-jungle-1974-part-ii/
Dirección Nacional Electoral, Argentinien:
https://www.argentina.gob.ar/dine/elecciones-1983
BBC News Mundo:
https://www.bbc.com/mundo/noticias/2013/10/131021_argentina_30_aniversario_regreso_democracia_nc
Kulturministerium Argentiniens:
https://www.argentina.gob.ar/noticias/30-de-octubre-40-anos-de-democracia-ininterrumpida
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Das besprechen wir in dieser Folge
Ein Vertragsabschluss in Genf, ein Boxkampf in Kinshasa und eine
Wahl in Argentinien: Diese drei Geschichten zeigen sehr
unterschiedliche Formen historischer Veränderung. Gemeinsam ist
ihnen nicht ein direkter ursächlicher Zusammenhang, sondern die
Frage, wie aus einem einzelnen, klar datierbaren Vorgang
langfristige Wirkungen entstehen. Dabei stehen hinter dem
sichtbaren Ereignis jeweils längere Vorbereitungen, konkurrierende
Interessen und ein keineswegs sicherer Ausgang.
Beim Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen GATT führt der Weg in
die wirtschaftliche Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die
beteiligten Regierungen wollten Handelshemmnisse verringern und den
Austausch berechenbarer machen. Doch die große geplante
Internationale Handelsorganisation kam nicht zustande. Stattdessen
wurde ein eigentlich vorläufiges Abkommen zum tragenden Rahmen des
multilateralen Warenhandels. Die Geschichte erklärt, warum
Zollzugeständnisse zusätzliche Regeln brauchten, welche
juristischen Probleme vor der Unterzeichnung zu lösen waren und
weshalb die Unterschriften unter einer Schlussakte etwas anderes
bedeuteten als die endgültige Inkraftsetzung eines Vertrags. Sie
reicht von den Verhandlungen des Jahres 1947 bis zur Entstehung der
Welthandelsorganisation.
In Kinshasa verbindet sich sportliche Ungewissheit mit einem
politischen und medialen Großprojekt. Muhammad Ali tritt gegen den
jüngeren, ungeschlagenen George Foreman an. Der Kampf wird nach
einer Trainingsverletzung verschoben; beide Boxer bereiten sich
über Wochen in Zaire vor. Alis Taktik an den Seilen und sein
K.-o.-Sieg in der achten Runde bilden den sportlichen Kern. Ebenso
wichtig sind jedoch die Interessen des Veranstalters Don King und
des Machthabers Mobutu Sese Seko, der sich internationale
Aufmerksamkeit verspricht. Museumsbestände und diplomatische
Berichte eröffnen dabei verschiedene Perspektiven: auf schwarze
kulturelle Selbstbehauptung, auf weltweite Vermarktung und auf die
Frage, wem ein staatlich gefördertes Prestigeereignis tatsächlich
nützt.
Die argentinische Wahlgeschichte setzt bei der Rückkehr politischer
Beteiligung nach der Militärdiktatur an. Raúl Alfonsín und die
Unión Cívica Radical gewinnen gegen das peronistische
Kandidatenpaar. Der Wahltag ist jedoch noch nicht der Tag der
Amtsübernahme. Zwischen der Abstimmung im Oktober und dem
Regierungswechsel im Dezember liegt eine Übergangsphase, in der aus
einem Wahlergebnis staatliche Verantwortung werden muss. Die
anschließende Untersuchung des Verschwindenlassens und die
Einleitung der Strafverfolgung von Militärführern zeigen, welche
Aufgaben auf die neue Demokratie warten.
So unterscheiden die drei Artikel bewusst zwischen einem Ereignis
und seiner späteren Bedeutung. Ein Provisorium kann dauerhaft
werden, ein sportlicher Außenseiter kann siegen, und eine Wahl kann
einen institutionellen Neubeginn ermöglichen. Keiner dieser
Wendepunkte beseitigt jedoch automatisch die Konflikte, aus denen
er hervorgegangen ist.
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