Am 29.10. – Eine Verfassungsänderung macht die Türkei zur Republik,
zwei übertragene Buchstaben markieren einen Meilenstein der
Computergeschichte. In Südafrika übergibt Desmond Tutu einen
Bericht, der die Verbrechen der Apartheid dokumentiert und auch die
Befreiungsbewegungen zur Verantwortung zieht.
Quellen:
Große Nationalversammlung der Türkei:
https://www.tbmm.gov.tr/history/
Anayasa Hukuku Dergisi / Serkan Yolcu, bereitgestellt über
DergiPark:
https://dergipark.org.tr/en/pub/ayhd/article/1638900
Anadolu Agency:
https://www.aa.com.tr/en/turkey/anadolu-agency-archives-reveal-ataturks-first-speech/2023519
University of California, Los Angeles / Leonard Kleinrock:
https://www.lk.cs.ucla.edu/internet_first_words.html
SRI International: https://www.sri.com/hoi/arpanet/
ICANN / Gastbeitrag von Leonard Kleinrock:
https://www.icann.org/en/blogs/details/the-first-message-transmission-29-10-2019-en
South African Press Association, archiviert beim südafrikanischen
Justizministerium:
https://www.justice.gov.za/trc/media/1998/9810/s981029r.htm
BBC Archive: https://www.bbc.com/videos/c3glj3ve80eo
BBC News:
https://news.bbc.co.uk/2/hi/special_report/1998/10/98/truth_and_reconciliation/204015.stm
BBC News:
https://news.bbc.co.uk/2/hi/special_report/1998/10/98/truth_and_reconciliation/142369.stm
Südafrikanisches Justizministerium / Truth and Reconciliation
Commission: https://www.justice.gov.za/trc/report
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Das besprechen wir in dieser Folge
Eine Republik entsteht nicht immer durch eine vollständig neue
Verfassung. In Ankara genügt 1923 eine Änderung der bestehenden
Ordnung, um die Staatsform ausdrücklich festzulegen und Mustafa
Kemal zum ersten Präsidenten zu wählen. Vorausgegangen sind der
Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft nach dem Ersten Weltkrieg,
ein nationaler Widerstand und die Entstehung einer
Nationalversammlung mit weitreichenden Befugnissen. Eine
Regierungskrise liefert schließlich den unmittelbaren Anlass für
die Entscheidung. Die Geschichte fragt danach, was sich durch die
Proklamation tatsächlich ändert und welche Entwicklungen erst
später folgen. Denn die Republik von 1923 ist noch nicht mit
sämtlichen gesellschaftlichen und verfassungsrechtlichen Reformen
der folgenden Jahre gleichzusetzen.
In Kalifornien steht 1969 keine feierliche Staatsgründung, sondern
ein technischer Versuch im Mittelpunkt. Charley Kline an der
University of California in Los Angeles und Bill Duvall am Stanford
Research Institute wollen eine Anmeldung zwischen zwei entfernten
Rechnern ermöglichen. Zwei Buchstaben kommen an, dann bricht das
System zusammen. Etwa eine Stunde später gelingt die vollständige
Anmeldung. Hinter dieser knappen Übertragung stehen
Forschungsplanung, öffentliche Finanzierung und die Entwicklung
einer eigenen Infrastruktur für den Datenaustausch. Die beteiligten
Einrichtungen sollen unterschiedliche Dienste und
Rechenmöglichkeiten in ein gemeinsames Netz einbringen. Aus dem
Versuch lässt sich deshalb mehr lernen als die berühmte Anekdote
vom Wortfragment „lo“: Technische Neuerungen brauchen
Zusammenarbeit, überprüfbare Tests und die Bereitschaft, vorhandene
Ressourcen miteinander zu teilen.
In Pretoria wiederum wird 1998 ein Dokument zum politischen
Prüfstein. Desmond Tutu übergibt Nelson Mandela die ersten fünf
Bände des Berichts der Wahrheits- und Versöhnungskommission. Ihre
Arbeit beruht auf einem schwierigen Ausgleich zwischen öffentlicher
Aufklärung, Anerkennung der Opfer, bedingter Amnestie und möglicher
Strafverfolgung. Der Bericht benennt den Apartheidstaat als
hauptsächlichen Verantwortlichen für schwere
Menschenrechtsverletzungen, untersucht aber auch Verbrechen seiner
Gegner. Gerade diese Unabhängigkeit macht seine Veröffentlichung
umstritten. Mandelas eigene Partei versucht noch vor der Übergabe,
die Publikation gerichtlich aufzuhalten.
Die drei Geschichten verbindet kein gemeinsamer historischer
Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Gemeinsam ist ihnen vielmehr die
Frage, wie neue Ordnungen praktisch Gestalt annehmen: durch
rechtliche Entscheidungen, funktionierende Verbindungen und
öffentlich überprüfbare Rechenschaft. Dabei bleibt der jeweilige
Tag ein Anfang oder Zwischenstand, kein Abschluss aller Probleme.
Die Republik muss ihre Institutionen weiterentwickeln, das
Forschungsnetz erst wachsen, und Südafrikas demokratische
Gesellschaft muss mit den offengelegten Verbrechen weiterarbeiten.
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