Wem viel vergeben ist, der liebt viel: Wer die eigene
Sündhaftigkeit im Licht der Heiligkeit Gottes und des Kreuzes
tiefer erkennt, wächst in Dankbarkeit und Liebe zu Gott.
#### Details
Ausgangspunkt ist die ehrliche Frage, wie sehr wir Jesus wirklich
lieben. Gemessen an seiner Größe muss jeder bekennen: zu wenig.
Gebet allein ist dabei nicht der einzige Weg zum Wachstum – Lukas
7,36-47 zeigt einen weiteren. Die Sünderin salbt Jesus unter
Tränen die Füße, während der Pharisäer Simon ihm nicht einmal die
üblichen Gastgeberzeichen erweist. Jesus deutet das im Gleichnis
der zwei Schuldner: Wem die größere Schuld erlassen wird, der
liebt mehr.
Entscheidend ist nicht die Menge der Sünden, sondern die
Sündenerkenntnis. Simon lebte vorbildlich und hielt sich daher
für kaum vergebungsbedürftig – doch gerade diese
Selbstgerechtigkeit war Auflehnung gegen Gott. Paulus zeigt den
Gegenentwurf: nach dem Gesetz untadelig, nannte er sich nach
echter Erkenntnis den größten Sünder. Darum gilt: Wer sich mit
Menschen vergleicht, nährt Stolz; wer sich mit dem heiligen Gott
vergleicht, erkennt die Wahrheit. Wie der Höhenunterschied
zwischen Mount Everest und Totem Meer gegenüber der Entfernung
zur Sonne verschwindet, so bedeuten unsere Unterschiede vor
Gottes Heiligkeit nichts.
Gott ist Licht, in ihm ist keine Finsternis (1. Johannes 1,5); er
ist zu rein von Augen, um Böses anzusehen (Habakuk 1,13). Jakobus
2,8-11 macht deutlich: Wer in einem Punkt strauchelt – schon
durch das Ansehen der Person –, ist des ganzen Gesetzes schuldig.
Jede noch so kleine Sünde trennt vom heiligen Gott und hat das
Kreuz notwendig gemacht. Dort trug Jesus die Schuld, und der
Vater musste sich von seinem Sohn abwenden, weil er das Böse
nicht anblicken kann.
Diese Erkenntnis braucht Zeit und beständiges Nachsinnen über
Gottes Wort, seine Heiligkeit und das Kreuz – sie ist nicht mit
der Bekehrung abgeschlossen, sondern soll zunehmen. Je dunkler
die eigene Schuld erscheint, desto heller leuchtet die Gnade, und
desto mehr wird Jesus zum Gegenstand der Anbetung, ausgedrückt in
Wort und Tat. Unabhängig von der Herkunft kann jeder darin
wachsen: Wer aus schweren Verhältnissen gerettet wurde, kann die
erste Liebe verlieren, und wer früh zum Glauben kam, kann sich
durch Nachsinnen als größter Sünder erkennen. Besonders das Mahl
des Herrn bietet die Gelegenheit, sich neu zu erinnern, dass
Jesus an unserer Stelle starb – und so in der Liebe zu ihm zu
wachsen.
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