Kann der richtige Zeitpunkt für Bewegung beeinflussen, wie gut
unser Körper mit Insulin umgeht – und lässt sich die Wirkung von
Sport durch eine Anpassung an die innere Uhr gezielt verbessern?
Fachredakteurin Birgit Schulze spricht mit Prof. Dr. Patrick
Schrauwen über Chrono-Exercise, die Bedeutung zirkadianer Rhythmen
für den Stoffwechsel und die Frage, warum Bewegung am Morgen oder
am Abend nicht für alle Menschen die gleichen Effekte haben muss.
Schrauwen erläutert, wie sich seine Forschung von der
mitochondrialen Funktion und metabolischen Flexibilität hin zur
Chronobiologie entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis,
dass die Mitochondrienaktivität im Tagesverlauf schwankt, während
dieser Rhythmus bei Menschen mit Typ-2-Diabetes offenbar abgeflacht
oder nicht mehr vorhanden ist. Welche Rolle kann der Zeitpunkt
körperlicher Aktivität dabei spielen, die biologische Uhr zu
stabilisieren, die Insulinsensitivität zu verbessern und gestörte
Wechsel zwischen Nahrungs- und Fastenzustand wieder anzustoßen?
Darüber hinaus geht es um den individuellen Chronotyp: Warum ist
die Empfehlung, grundsätzlich am Abend zu trainieren,
möglicherweise zu pauschal? Und weshalb könnten Morgenmenschen von
einer anderen Trainingszeit profitieren als Menschen, die eher dem
Abendtyp entsprechen? Prof. Schrauwen stellt die ReALign-Studie
vor, in der untersucht wird, ob morgendliches Training bei
ausgeprägten Morgenchronotypen und abendliches Training bei
Abendchronotypen die jeweils günstigeren metabolischen Effekte
erzielt – insbesondere bei Menschen mit Prädiabetes. Auch die
besondere Situation von Schichtarbeitenden wird thematisiert.
Bereits wenige Tage mit verändertem Schlaf-Wach-Rhythmus können die
Insulinsensitivität beeinträchtigen. Welche Trainings- und
Lebensstilstrategien könnten helfen, die gesundheitlichen Folgen
von Nacht- und wechselnden Schichten abzumildern? Und was ist bei
der Bewertung der bisherigen Studien zu beachten, wenn Chronotyp,
Geschlecht, hormoneller Status, Menopause und die Unterschiede
zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes bislang nur unzureichend
berücksichtigt wurden? Im Mittelpunkt steht schließlich die Frage,
welche Evidenz erforderlich ist, bevor zeitlich personalisierte
Bewegungsempfehlungen in die Prävention und Behandlung von Diabetes
integriert werden können. Prof. Schrauwen erklärt, warum dafür
längere randomisierte Studien, alltagsnahe Untersuchungen und
verlässliche Daten zur Blutzuckerregulation notwendig sind – und
weshalb die Chronobiologie trotz offener Fragen schon heute stärker
in den Blick genommen werden sollte. Denn nicht nur wie viel und
wie intensiv wir uns bewegen, sondern auch wann wir aktiv sind,
könnte für die Stoffwechselgesundheit von Bedeutung sein. Freuen
Sie sich auf ein Gespräch über die innere Uhr, mitochondriale
Rhythmen, Prädiabetes, Schichtarbeit und die Zukunft einer
individuelleren Bewegungstherapie. Für alle, die besser verstehen
möchten, wie Bewegung, Ernährung und Tageszeit zusammenspielen und
welche Chancen eine chronobiologisch ausgerichtete
Diabetesprävention bieten kann. Sie möchten auf dem neuesten Stand
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