»Not lehrt beten.« Diesen Satz haben die meisten von uns schon
einmal gehört. Und es ist etwas Wahres dran: Manchmal, am Ende
aller Worte und Möglichkeiten, bleibt uns nur noch das Beten.
Aber oft schwingt in dem Satz etwas anderes mit. So als wäre das
Leid eine spirituelle Notwendigkeit, die uns erst auf den rechten
Weg bringt. Das ist eine Spiritualität von oben, die uns
letztlich wie Kinder behandelt. Als Erwachsene brauchen wir keine
Pädagogik mehr. Wir brauchen Mystagogik: einen Zugang zu unserer
eigenen Erfahrung des Heiligen.
Aus diesem Blickwinkel lehrt die Not nicht das Beten. Sie bringt
uns an eine Grenze – und an die Frage: Hat Beten überhaupt noch
Sinn? Kommt da eine Antwort? Kann mein Beten etwas verändern?
Vielleicht beginnt der mystische Weg genau hier. Nicht ganz oben
beim Gipfelerlebnis, sondern dort, wo sich eine Leere einstellt
und der Sinn abhandenkommt.
In dieser Folge spreche ich mit Bruder Helmut Schlegel von den
Franziskanern. Er kennt diese Leere aus eigener Erfahrung: Brüche
im Leben, Krankheit und Zweifel an Gott haben ihm das Beten
unmöglich gemacht. Wir sprechen darüber, welchen Sinn Gebet heute
noch haben kann, wo die alten Formeln nicht mehr
selbstverständlich sind. Und über eine andere Art zu beten, die
ihn durch die Leere getragen hat.
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