Tiefes Wissen: Kann KI menschliche Medizin?
Künstliche Intelligenz verändert die Medizin. Sie kann Hautkrebs
auf Bildern erkennen, medizinische Daten nach Mustern durchsuchen
und Ärztinnen und Ärzte bei Diagnosen unterstützen. Doch bedeutet
eine bessere Diagnose automatisch eine bessere Medizin? Und was
geht verloren, wenn wir Entscheidungen zunehmend Maschinen
überlassen?
In dieser Folge von Tiefes Wissen spricht Thomas
Ramge mit Prof. Dr. Martin Hirsch, Neurowissenschaftler und
Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin an
der Philipps-Universität Marburg. Hirsch hat mehrere Unternehmen
im Bereich digitaler Gesundheit mitgegründet und beschäftigt sich
mit der Frage, wie KI sinnvoll in die medizinische Praxis
integriert werden kann.
Im Gespräch geht es um die Chancen und Grenzen medizinischer KI:
Wo sind Maschinen Menschen bereits überlegen? Wann sollten
Ärztinnen und Ärzte einer KI vertrauen dürfen – und wann braucht
es menschliches Urteilsvermögen? Warum ist die Kombination aus
Mensch und Maschine nicht automatisch besser als jeder für sich?
Und weshalb könnte der Einsatz von KI dazu führen, dass angehende
Mediziner wichtige Fähigkeiten gar nicht erst entwickeln?
Hirsch erklärt, warum die großen Versprechen der KI in der
Medikamentenentwicklung bislang nur teilweise eingelöst sind,
weshalb die Medizin trotz ihrer riesigen wissenschaftlichen
Literatur unter Datenmangel leidet und warum wir weiterhin in
Grundlagenforschung investieren müssen. Außerdem geht es um
implizites Wissen, menschliches Lernen aus wenigen Beispielen und
die Frage, wie Denken und bildliche Vorstellungskraft
zusammenhängen.
Im Zentrum steht eine grundsätzliche Frage: Was bedeutet
Menschlichkeit in einer Medizin, in der Maschinen immer mehr
Aufgaben besser erledigen können? Für Hirsch ist sie
unverhandelbar. Denn medizinische Entscheidungen betreffen nicht
nur Diagnosen und Messwerte, sondern auch Ängste, Hoffnungen,
persönliche Wertvorstellungen und die Endlichkeit des
menschlichen Lebens.
Seine Überlegungen reichen über die Medizin hinaus: Wie schaffen
wir Vertrauen in KI-Systeme? Brauchen ihre Entwickler einen
eigenen ethischen Kodex? Und könnte künstliche Intelligenz uns
sogar dabei helfen, besser zu verstehen, was den Menschen
ausmacht?
Wo KI in Diagnostik und Therapie bereits heute helfen kann
Hautkrebs erkennen, Herz- und Lungengeräusche analysieren und
Insulin automatisch steuern
Warum die Verantwortung für medizinische KI neu geregelt
werden muss
Weshalb Mensch und Maschine gemeinsam nicht immer bessere
Entscheidungen treffen
Menschlichkeit, Empathie und Vertrauen in der Medizin
Die Grenzen von KI in der Medikamentenentwicklung und die
Bedeutung der Grundlagenforschung
Warum medizinische Daten oft lückenhaft sind – trotz
Milliarden wissenschaftlicher Publikationen
Implizites Wissen: Was erfahrene Ärztinnen und Ärzte wissen,
ohne es vollständig erklären zu können
Wie KI das Lernen und die Ausbildung künftiger Mediziner
verändern könnte
Warum Menschen aus wenigen Beispielen lernen und in Bildern
denken
Die Vision einer KI, die nicht nur Wissen vermehrt, sondern
der Menschheit hilft, ihre großen Probleme zu lösen
Über den Gast: Prof. Dr. Martin Hirsch ist
Neurowissenschaftler, Unternehmer und Professor für Künstliche
Intelligenz in der Medizin an der Philipps-Universität Marburg.
Er war Mitgründer des digitalen Gesundheitsunternehmens Ada
Health und forscht zur Anwendung von KI in der Medizin sowie zu
den Wechselwirkungen zwischen menschlichem Denken und künstlicher
Intelligenz.
Tiefes Wissen ist der Wissenschaftstalk mit Dr.
Thomas Ramge. In ausführlichen Gesprächen mit führenden
Forschenden geht es um neue Erkenntnisse, offene Fragen und die
großen Zusammenhänge hinter den Schlagzeilen.
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