Die evangelische Kirche wird kleiner. Weniger Mitglieder, weniger
Personal, weniger Geld. Also einfach überall kürzen? So einfach
ist es nicht.
Nach ca. 30 Folgen von „empirisch inspiriert“ schauen wir auf
das, was die Forschung inzwischen über die Kirche der Zukunft
sagen kann. Studien wie die KMU6, das Kirchengemeindebarometer
oder Evaluationen kirchlicher Reformprozesse zeigen nämlich
ziemlich genau, wo Kirche Menschen weiterhin erreicht – und wo
vermeintlich gute Ideen in der Praxis an Grenzen stoßen.
Dabei zeigt sich: Kirchenaustritte beginnen meist lange vor dem
eigentlichen Austritt. Kleine Gemeinden können trotz sinkender
Mitgliederzahlen wichtige Orte für ihr Umfeld bleiben. Kasualien
erreichen Menschen, die sonst kaum Kontakt zur Kirche haben.
Kitas, Jugendarbeit, Diakonie, Ehrenamt und persönliche
Ansprechpartner haben eine Reichweite, die weit über die Gruppe
der hochreligiösen Kirchenmitglieder hinausgeht. Und manche
kirchliche „Innovation“ ist bei genauerem Hinsehen vor allem eine
notwendige Anpassung an eine Gesellschaft, die individueller,
vielfältiger, älter und weniger selbstverständlich kirchlich
gebunden ist.
Im Einzelnen geht es um folgendes:
Mitgliedschaft und Bindung:
Studien zu Kirchenaustritten und die KMU6 zeigen, dass der
Austritt oft am Ende eines langen Entfremdungsprozesses steht.
Gleichzeitig bleibt Kirche über persönliche Kontakte,
Einrichtungen und besondere Lebensereignisse für viele Menschen
relevant.
Gemeinden und Reformen:
Das Kirchengemeindebarometer zeigt große Unterschiede zwischen
Gemeinden und Regionen. Evaluationen von Fusionen,
Erprobungsräumen und multiprofessionellen Teams machen deutlich:
Nicht jede Reform wirkt gleich gut, und gute Modelle brauchen
passende Rahmenbedingungen.
Kasualien und neue Kontaktflächen:
Taufe, Hochzeit, Bestattung, Ritualagenturen und andere Angebote
erreichen auch Menschen, die sonst kaum an kirchliches Leben
angebunden sind. Gerade hier entstehen wichtige Berührungspunkte
mit Kirche.
Soziale Reichweite:
Kitas, Diakonie, Jugendarbeit, Ehrenamt, Beratung und persönliche
Ansprechbarkeit reichen weit über die Gruppe hochreligiöser
Kirchenmitglieder hinaus. Kirche wird also nicht nur dort
relevant, wo ausdrücklich Religion im Mittelpunkt steht.
Gesellschaftliche Debatten:
Forschung zu Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Leihmutterschaft
oder der Rezeption der ForuM-Studie zeigt, wie wichtig belastbare
Daten sind, wenn öffentliche Debatten emotional oder polarisiert
verlaufen.
Gerade wenn gespart werden muss, wird Wissen wichtig. Denn
empirische Forschung kann zwar nicht entscheiden, welche Stelle
oder Einrichtung erhalten bleiben soll. Sie kann aber
zeigen, wo Kürzungen besonders folgenreich wären,
welche Angebote Menschen tatsächlich brauchen und wo sich weitere
Investitionen lohnen könnten.
Und hier geht’s zum Podcast „die Datenaffaire“ von Dr. Annika
Bergbauer. Episode 95 – Zahlen, Glauben Zukunft – Empirie trifft
Kirche
Hier geht es zum Projekt „das Portalprinzip“ von Tim Allgaier
#Kirchenentwicklung #KircheDerZukunft #KMU6 #Sozialwissenschaften
#EmpirischInspiriert
Quellen und weiterführende Links
Petra-Angela Ahrens: Kirchenaustritte seit 2018 – Wege
und Anlässe
Hilke Rebenstorf: Zweites Kirchengemeindebarometer; dazu
die Podcastfolge „Gemeinde am Limit?“
KMU 6 – Reichweite:
Zu Kontaktzahlen, stabilen Reichweitenfeldern und wichtigen
kirchlichen Ankerbereichen.
KMU 6 – Vertrauen:
Zu Mitgliedschaftsmotiven, Vertrauen und sozialen Erwartungen
an Kirche.
KMU 6 – Reformerwartungen:
Zu Erwartungen an kirchliche Reformen und die Bedeutung
qualifizierten Fachpersonals.
KMU 6 – Gottesdienst:
Zur Breitenwirkung von Gottesdiensten und insbesondere
Kasualgottesdiensten.
Evaluation st.moment – Gesamtbericht 2026: Zu Resonanz,
Wirkungen, Engpässen und der Verstetigung der Ritualagentur.
Fragen, Anregungen oder Themenwünsche? Schreibt uns gern in die
Kommentare oder per Mail an info@si-ekd.de
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