„Gestern ging es doch noch!“ Kaum ein Satz beschreibt die Realität
im Pferdetraining besser. Gestern war die Übung selbstverständlich,
heute scheint dein Pferd plötzlich nicht mehr zu wissen, was du von
ihm möchtest. Und ziemlich schnell beginnt es im Kopf zu arbeiten:
*Warum geht das jetzt nicht? Muss ich mich durchsetzen? Darf ich an
dieser Stelle überhaupt aufhören? Und was, wenn mein Pferd sich
genau das merkt?* Doch nur weil ein Pferd etwas bereits gelernt
hat, bedeutet das noch lange nicht, dass es jederzeit und unter
allen Bedingungen darauf zugreifen kann. Lernen zeigt sich nicht
darin, dass etwas einmal funktioniert. Wirklich verfügbar wird eine
Fähigkeit erst dann, wenn sie auch unter unterschiedlichen
Bedingungen abgerufen, angepasst und in verschiedene Situationen
übertragen werden kann. Und genau deshalb lohnt es sich manchmal,
ein Problem nicht zu lösen. In dieser Folge sprechen wir darüber,
warum Tagesform, Umgebung, innere Anspannung und äußere Reize
darüber entscheiden können, was deinem Pferd gerade zur Verfügung
steht. Warum es Situationen gibt, in denen eine weitere Diskussion
nicht zu mehr Lernen führt – sondern euch sogar weiter von einer
Lösung entfernt. Und warum rechtzeitig aufzuhören keineswegs
bedeutet, dass dein Pferd „gewonnen“ hat. Es bedeutet vielmehr,
unterscheiden zu lernen: Ist das gerade eine Trainingsaufgabe –
oder ist mein Pferd im Moment schlicht nicht in der Lage, diese
Aufgabe sinnvoll zu lösen? Wir sprechen darüber, wie du solche
Schwellen früher erkennen kannst, warum manchmal eine vertraute
Aufgabe oder ein kompletter Wechsel sinnvoller ist als das berühmte
„Wir machen das jetzt noch einmal“ und weshalb ein schlechter
Trainingstag noch lange kein schlechtes Training bedeutet. Denn
gutes Pferdetraining zeigt sich nicht darin, jedes Problem im
Moment seines Auftretens lösen zu können. Es zeigt sich auch darin,
zu erkennen, wann es sinnvoll ist, an etwas zu arbeiten – und wann
nicht.
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