„Ach, vier Wochen später bin ich schwanger.“ Davon war Luisa
überzeugt, als sie und ihr Mann 2020 in ihre Kinderwunschreise
starteten. Sie hatten geheiratet, wollten eine Familie gründen –
und kannten schließlich sogar Freunde, bei denen eine
Kinderwunschbehandlung funktioniert hatte. Also: ICSI machen,
schwanger werden, fertig.
Heute sagt Louisa: „Ich war total blauäugig.“
Es folgen Punktionen, Transfers, Medikamente, Untersuchungen und
immer neue Hoffnungen. Beim ersten Transfer schaut Louisa auf die
Zellen und denkt: „Das ist jetzt mein Kind.“ Doch sie wird nicht
schwanger.
Mit jedem Versuch wird die Belastung größer. Luisa kämpft mit
Überstimulation, Wassereinlagerungen, Schüttelfrost,
Knochenschmerzen und Erschöpfung. Und irgendwann kommt der
Moment, in dem sie sich fragt: „WTF – was tue ich mir hier
eigentlich an?“
Denn während beide ein Kind wollen, trägt vor allem sie die
körperliche Last. Sie fährt 14- oder 15-mal jeweils anderthalb
Stunden zur Klinik. Als schließlich auch die Behandlung in einer
neuen Klinik keine Hoffnung bringt, ist für Luisa auch körperlich
irgendwann klar: Meine Grenze ist erreicht.
Doch genau dort beginnt ein Teil dieser Geschichte, über den wir
beim unerfüllten Kinderwunsch viel zu selten sprechen.
Denn während Luisa langsam trauert, verarbeitet und beginnt, sich
ein erfülltes Leben ohne eigenes Kind vorzustellen, hält ihr Mann
noch immer am Bild des gemeinsamen Kindes fest.
Sie verabschieden sich – aber nicht im gleichen Tempo.
Ihr Mann zieht sich zurück, spricht weder mit Luisa noch mit
Freunden über das, was in ihm passiert. Ihr Mann stellt plötzlich
alles infrage: den Hof, ihre Ehe, ihre gemeinsame Zukunft. Und
trotzdem erkennt sie: Endlich spricht er. Und jetzt?
Wir einigen uns, dass diese Folge eine Fortsetzung braucht, die
genau an dem Punkt ansetzt. Ich möchte mit einer Expertin darüber
sprechen, warum manche Männer nach dem Ende einer
Kinderwunschbehandlung erst anfangen zu trauern, warum ihnen
häufig die Worte dafür fehlen – und wie Paare verhindern können,
sich beim Abschied voneinander zu entfernen.
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