So nahe dran waren sie wohl noch nie: Auf ihrer Ukrainereise
konnten Kai Küstner und Stefan Niemann Abwehrstellungen der
ukrainischen Armee besuchen und haben dort miterlebt, wie russische
Angriffe abgewehrt wurden. Doch die Gefahr wird immer größer -
durch superschnelle Drohnen vom Typ Geran 4 und Geran 5, durch
jetgetriebene Gleitbomben und durch kleine, kostengünstige
Marschflugkörper. "Warum kann sich die Ukraine derzeit noch nicht
hinreichend gegen den Terror aus der Luft verteidigen?" fragen sie
denn auch den Sprecher ukrainischen Marine. Man arbeite daran, auch
neue Gefahren abzuwehren, sagt er. Dennoch ist klar: Der Ukraine
fehlt es vor allem an Abwehrraketen.
Kai und Stefan haben in Kiew auch mit dem neuen deutschen
Botschafter in der Ukraine, Boris Ruge, gesprochen. Der Diplomat
ist seit August im Land. "Unsere Interessen hier sind, dass die
Ukraine als demokratischer und unabhängiger Staat überlebt." Ruge
schildert die Arbeit der deutschen Botschaft im Krieg und blickt
auf den kommenden Winter. Alle erwarteten, dass dieser schwierig
werde. Aus seiner Sicht ist das Kalkül von Russlands Machthaber
Putin, die Infrastruktur noch weiter zu beschädigen, die Versorgung
der Menschen damit schwieriger und so politisch einen Unterschied
zu machen. Dies sei, so der deutsche Botschafter, aber ein
"komplette Fehlkalkulation". Ruge spricht im Interview auch über
die Erwartungen der Ukrainer an Deutschland und die NATO. Das
Verständnis in der Ukraine sei auch, dass sie nicht nur "Empfänger
von Hilfsleistungen" ist, sondern mit ihrem Kampf gegen Russland
zur europäischen Sicherheit beiträgt. Der Diplomat erklärt, welche
rote Linien es für die Bundesregierung bei der Unterstützung der
Ukraine gibt und er spricht über die Rolle der Europäer und der USA
in diesem Krieg. Alles, was die Bundesregierung, die NATO und die
EU täten, ziele darauf ab, den Einstieg in Verhandlungen zu
ermöglichen, um diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden.
"Aber eben nicht um den Preis der Aufgabe der Ukraine als
unabhängiger und souveräner Staat." Ruge glaubt, dass Russland den
Krieg, so wie es ihn bislang geführt hat, nicht endlos weiterführen
kann.
Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de
Weitere Informationen:
Interview mit Botschafter Boris Ruge:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/audio-3492022.html
Schifffahrt unter Attacke: Das ukrainische Getreide steckt
fest
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-export-getreide-100.html
Alle Folgen von "Streitkräfte und Strategien"
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
Podcast-Tipp: Welt.Macht.China
https://1.ard.de/weltmachtchina?cp
Kontakt zum Lyzeum 90 in Odessa: sc-90@ukr.net
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