Was jahrzehntelang als Multiple Sklerose diagnostiziert wurde,
entpuppt sich zunehmend als Spektrum verschiedener
Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems – und mit jedem
neu identifizierten Zielantigen wird die Diagnostik präziser. In
dieser Folge von "KurzGefasst" stellen wir eine aktuelle Studie aus
Science Translational Medicine vor, die das Protein MLC1 als neues
Zielantigen bei MS-ähnlichen Erkrankungen identifiziert.
Ausgangspunkt war eine Patientin mit Rückenmarksentzündung, bei der
die bekannten Autoantikörper gegen AQP4 oder MOG negativ waren. Das
Forschungsteam des LMU Klinikums München fand Antikörper gegen
MLC1, ein Protein auf der Oberfläche von Astrozyten. Mit einem neu
entwickelten Test wurden diese Antikörper bei vier von etwa 300
Patientinnen und Patienten mit MS oder MS-ähnlichen Erkrankungen
nachgewiesen. Die Hypothesen wurden vorab präregistriert, und
umfangreiche Laborversuche zeigten, dass MLC1-Antikörper Astrozyten
zerstören und Entzündungen im Rückenmark verstärken können. Die
Ergebnisse erweitern das Spektrum der MS-ähnlichen Erkrankungen um
eine mögliche weitere eigenständige Entität – nach MOGAD und NMOSD.
Dies hat praktische Konsequenzen: Der Nachweis spezifischer
Autoantikörper ermöglicht präzisere Diagnosen und kann gezieltere
Therapien ermöglichen. Die Studie zeigt beispielhaft, wie wichtig
die kontinuierliche Suche nach neuen Zielantigenen für die
Präzisionsmedizin in der Neuroimmunologie ist. Wir besprechen,
warum diese Befunde für die Neuroimmunologie so relevant sind,
welche diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen sich ergeben
und was sich daraus für das Verständnis von MS-ähnlichen
Erkrankungen und möglicher therapeutischer Ansätze ableiten lässt.
Quelle: Wong HK, Ho S, Yu Q, Given KS, Shqau D, Baier S, Winklmeier
S, Rübsamen H, Kendirli A, Schanda K, Oswald E, Bräuer K, Thaler
FS, Gerdes LA, Feederle R, Kerschensteiner M, Reindl M, Khademi M,
Piehl F, Olsson T, Bennett JL, Kümpfel T, Kawakami N, Bradl M,
Meinl E, Mader S. Antibodies against MLC1 found in patients with
NMOSD-like disease mediate astrocytopathy in rodent models. Science
Translational Medicine. 2026;18:eady0403. doi:
10.1126/scitranslmed.ady0403 Dieser Podcast wird mit Unterstützung
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