Morgen verlasse ich den Ashram.
Und während ich eigentlich kurz davor bin, nach Dortmund zu
fahren, meinen Koffer zu packen und mich auf meine nächste Reise
vorzubereiten, merke ich: Ich möchte gerade gar nichts mehr
forcieren.
Ich möchte nicht mehr alles alleine machen.
Ich kann alleine auf einem fremden Kontinent ein Auto mieten. Ich
kann alleine reisen. Ich kann mich alleine orientieren. Ich kann
ziemlich viel alleine.
Aber manchmal möchte ich einfach Beifahrer sein.
Ich möchte meine Füße aus dem Fenster hängen lassen, die Welt
anschauen und mich für einen Moment von jemand anderem mitnehmen
lassen. Nicht, weil ich mich nicht selbst tragen kann. Sondern
weil ich gerade entdecke, wie schön es sein kann, wenn jemand
freiwillig ein Stück des Weges mitgeht.
In den letzten zehn Tagen im Ashram ist etwas passiert, das ich
so nicht kenne: Menschen kommen auf mich zu. Menschen öffnen
sich. Menschen sagen Dinge, die ich nicht erwartet habe. Und
plötzlich erlebe ich etwas, worüber ich selbst so lange
gesprochen habe:
Dass man geliebt, gesehen und angenommen werden kann, ohne vorher
etwas leisten oder jemanden davon überzeugen zu müssen.
Da ist ein Mensch, mit dem ich gerade sehr viel Zeit verbringe.
Es gibt keine romantische Beziehung zwischen uns. Ich weiß nicht
einmal genau, welche Beziehung es ist. Wir hängen zusammen ab,
spiegeln uns, geben uns unglaublich viel Raum – und trotzdem
fühlt es sich nah an.
Und vielleicht ist genau das gerade meine eigentliche Erfahrung:
Ich muss nichts festhalten.
Er kann mitkommen.
Er kann nicht mitkommen.
Wir können uns morgen zum letzten Mal sehen.
Oder wir sehen uns auf einem anderen Kontinent wieder.
Und ich überlebe beides.
Zum ersten Mal fühlt sich das nicht nach Gleichgültigkeit an. Ich
kann traurig sein und trotzdem vertrauen.
Ich erzähle in dieser Folge von meinen letzten Tagen im Ashram,
von Spieleabenden, neuen Menschen, alten Mustern,
Verletzlichkeit, meinem Bedürfnis nach ehrlicher Kommunikation
und von der Frage, was passiert, wenn ich aufhöre, Menschen zu
verfolgen oder mich kleiner zu machen.
Außerdem hänge ich zwei Videos aus demselben Mittwoch an: einen
ersten Podcast-Versuch und einen sehr persönlichen Moment, in dem
ich Gott darum bitte, nicht alleine reisen zu müssen.
Denn vielleicht ist das gerade meine größte Veränderung:
Ich weiß nicht, wer neben mir im Flugzeug sitzen wird.
Aber ich weiß, dass ich meinen Weg gehe.
Und ich muss niemanden mehr dazu zwingen, ihn mit mir zu gehen.
Namaste. 🤍
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