Europa braucht mehr Wachstum. Das hat auch die EU-Kommission
verstanden. In ihrer State-of-the-Union-Rede 2026 hat
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zwar die Vollendung
des Binnenmarktes, Bürokratieabbau und günstigere Energiepreise
für mehr Wettbewerbsfähigkeit betont, bei der Umsetzung wird aber
klar, dass Brüssel mal wieder zu den falschen Hebeln greift. So
geht die Reise in Richtung einer Union, die durch zentrale
Steuerung und mehr Brüssler Bürokratie strategische Autonomie und
bessere Wettbewerbspositionen erreichen soll. Das ist ein
beherztes “weiter so”, garniert mit der Forderung nach einem um
60 Prozent vergrößerten EU-Haushalt.
Was Europa aber braucht, sind echte Reformen, die die
Produktivität über alle Sektoren hinweg anheben: Deregulierung,
Arbeitsmarktflexibilität, tiefere Kapitalmärkte, funktionierende
Bildung, wettbewerbsfähige Energiepreise und ernsthaft weniger
Bürokratie. Stattdessen soll der mehrjährige Finanzrahmen 2028 –
2034 einen Umfang von nahezu zwei Billionen Euro umfassen.
Dabei kostet der wichtigste Hebel zu mehr Wohlstand in der EU
weder Geld, noch erfordert er mehr Bürokratie oder Beamte.
Gemeint sind die impliziten Hürden innerhalb des
EU-Binnenmarktes. IWF und EZB rechnen vor, dass sie mittlerweile
Zöllen von rund 44 bis 67 Prozent entsprechen. In einer aktuellen
Analyse von fünf Jahrzehnten europäischer und amerikanischer
Produktivitätsentwicklung stellen Ökonomen fest, dass Europa seit
Mitte der 90er-Jahre Produktivität verliert und inzwischen nur
noch rund 86 Prozent des US-amerikanischen Niveaus erreicht. Die
Ursache liegt darin, dass zu viele Arbeitskräfte aus produktiven
Sektoren in weniger produktive Sektoren wandern. Der Verlust an
Wohlstand in den letzten Jahrzehnten wird also immer
offensichtlicher.
Im Gespräch mit Daniel Stelter erklärt Dr. João Duarte, Professor
an der Nova School of Business and Economics in Lissabon und
einer der Autoren der Produktivitätsstudie, was zu tun ist.
Hinweis
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Hörerservice
Studie Europe Falling
Behind: Structural Transformation and Labor Productivity Growth
Differences Between Europe and the U.S. (Mai 2026) von
Cesare Buiatti, João B. Duarte, Luis Felipe Sáenz (Nova School of
Business and Economics, T. Rowe Price und University of South
Carolina): https://t1p.de/b5338
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