Was haben römische Landwirte, moderne GPS-Technik und ein
umgebauter Unimog gemeinsam? Sie alle spielen eine Rolle bei
einer Technik, die dafür sorgt, dass landwirtschaftliche Flächen
nicht dauerhaft unter Wasser stehen: die unterirdischen
Feldentwässerung - Drainage.
Schon in der Antike wussten Menschen, dass zu viel Wasser auf
einem Feld zum Problem werden kann. Die Römer und andere Kulturen
nutzten dafür unter anderem offene Entwässerungsgräben,
Steinpackungen und unterirdische Drainagen. Teilweise wurden Ton-
oder Keramikrohre eingesetzt, durch die überschüssiges Wasser
abfließen konnte. Das Prinzip ist dabei bis heute dasselbe:
Wasser wird gesammelt und kontrolliert aus dem Boden abgeführt.
Heute übernehmen perforierte Kunststoffrohre diese Aufgabe. Doch
damit das Wasser tatsächlich abfließt, müssen die Leitungen ein
Gefälle besitzen. Und genau hier wird es technisch interessant.
Bevor überhaupt ein Graben ausgehoben wird, wird das Gelände
vermessen. Moderne Entwässerungsmaschinen arbeiten mit GNSS, also
Satellitennavigation, zu der auch GPS gehört. Zusammen mit
digitalen Geländemodellen und Lasertechnik kann die Maschine ihre
genaue Position und Höhe bestimmen. So lässt sich berechnen, wie
die Drainageleitung unterirdisch verlaufen muss und welches
Gefälle sie benötigt.
Das ist eine echte Herausforderung: Die Rohre liegen später im
Boden, sodass niemand mehr mit bloßem Auge kontrollieren kann, ob
sie tatsächlich mit dem richtigen Gefälle verlegt wurden. Die
Maschine muss deshalb während des Einbaus extrem präzise
arbeiten.
Dafür kommen unter anderem sogenannte Trencher zum Einsatz. Diese
Grabenfräsen schneiden mit einer schmalen Fräskette einen Graben
in den Acker. Gleichzeitig wird die Drainageleitung direkt in den
frisch geöffneten Boden eingebaut. Noch schneller geht es mit
sogenannten Plows, also Graben- oder Drainagepflügen. Sie
schneiden beziehungsweise verdrängen den Boden und ziehen das
Drainagerohr direkt hinter sich in die gewünschte Tiefe.
Und auch nach Jahren ist die Arbeit noch nicht unbedingt vorbei.
Drainageleitungen können durch Erde, Wurzeln oder Ablagerungen
verstopfen. Um sie wieder freizubekommen, kommen spezielle
Spülfahrzeuge zum Einsatz. Besonders kurios sind dabei umgebaute
Unimogs, die mit Hochdruckpumpen, Schlauchsystemen und speziellen
Spüldüsen ausgestattet werden. Sie fahren am Feld entlang, führen
einen langen Schlauch in die Drainageleitung und reinigen sie mit
Wasser unter hohem Druck.
So steckt unter einem scheinbar völlig gewöhnlichen Acker ein
erstaunlich komplexes technisches System. Von antiken
Entwässerungsgräben über Tonrohre bis hin zu
satellitengesteuerten Drainagepflügen und Unimogs mit
Hochdrucktechnik zeigt die Geschichte der Feldentwässerung, wie
ein uraltes Problem mit immer ausgefeilterer Technik gelöst
wird.
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