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  4. Das Wunder auf der Wiese
Morgen Mittag, Punkt zwölf, schlägt Münchens Oberbürgermeister
Dominik Krause in der Festhalle Schottenhamel zum ersten Mal den
Zapfhahn ins Fass, ganz Bayern zählt die Schläge mit, zwölf
Böllerschüsse geben den Ausschank frei, und das 191. Oktoberfest
beginnt. Die Folge zum Wochenausklang, bewusst die hellste dieser
Woche, schaut hinter die Gemütlichkeit auf ein Gebilde, das man
leicht übersieht, weil es so vertraut ist: eine Stadt auf Zeit
für mehrere Millionen Besuche, mit eigenen Straßen, eigener
Strom- und Wasserversorgung, eigenem Fundbüro, seit dem 29. Juni
in knapp zwölf Wochen auf der leeren Theresienwiese gewachsen und
bis weit in den November wieder abgebaut. Dasselbe Land, das vom
Spatenstich bis zur BER-Eröffnung gut vierzehn Jahre brauchte,
betreibt hier jeden Sommer ein bemerkenswert routiniertes
Großereignis, und die Folge fragt, warum ausgerechnet das
funktioniert.

Die Antwort beginnt 1810, bei einer Hochzeit, einem Pferderennen
und der bescheidensten aller großen Entscheidungen: nochmal. Aus
der Wiederholung wurde eine Institution, die 26 Ausfälle durch
Kriege, Cholera und Corona überstand, und deren Betriebsdaten
sich heute wie die einer mittleren Großstadt lesen: 35 Festzelte
plus Oide Wiesn mit zusammen rund 120.000 Plätzen, 2,8 Millionen
Kilowattstunden Strom, zuletzt 6,5 Millionen geschätzte Besuche
und 6,7 Millionen Liter Bier, 116.000 verhinderte
Maßkrug-Entführungen, 5.656 Fundsachen, darunter 447 Handys und
30 Armbanduhren, dazu ab diesem Jahr ein neuer
Koordinierungsraum, in dem KI-Kamerabilder hohe Personendichten
sichtbar machen. Die Ehrlichkeits-Etage gehört dazu: Die Maß
kostet 14,80 bis 15,90 Euro, die Zehn-Euro-Marke fiel erst 2014,
die Stadt kalkuliert den Wirtschaftswert in einer Modellrechnung
auf rund 1,6 Milliarden Euro, und trotzdem bleibt die Wiesn ein
Heimspiel, zwei Drittel der Besucher kommen aus München und dem
Umland, während am mittleren Samstag fast jeder dritte Gast aus
dem Ausland anreist, obwohl die Stadt seit 1985 keinerlei Werbung
mehr macht. Dazu der Blick auf die mehr als 2.000 Oktoberfeste
weltweit, von Blumenau über „Zinzinnati" bis Qingdao, die
Trachten-Renaissance und die Fernseh-Denkmäler von „Monaco
Franze" bis „Oktoberfest 1900". Die dunkelste Stunde des Festes,
das Attentat von 1980, bekommt bewusst eine eigene künftige
Folge.

Am Ende steht eine Deutung in drei Punkten, warum dieses
Großprojekt gelingt: weil die Wiesn nicht als Weltereignis
entworfen wurde, sondern durch Wiederholung wuchs und
institutionelles Gedächtnis ihr Projektmanagement jedes Jahr
besser macht, weil die Zuständigkeiten von Stadt, Wirten,
Brauereien und Schaustellern klar verteilt sind, und wegen der
Bierbank, an der Millionen Besucher Tische mit Fremden teilen, in
einer Zeit, in der Einsamkeit als gesellschaftliches Problem
wächst und Begegnung meist über Bildschirme läuft, braucht sie
hier keine Vermittlung, ein Tisch, an dem noch Platz ist, genügt.
Und die Folge schließt den Kreis dieser Woche: Am Montag ging es
um die Erfindung des Wochenendes, die Wiesn ist, was Menschen
daraus machen, wenn man ihnen zwei Jahrhunderte Zeit gibt, das
Wochenende in Reinform, mit Blasmusik. Alle Zahlen und Quellen
stehen auf der Episodenseite.

Mehr Podcasts und Inhalte gibt es unter:

https://48forward.com

Moderation: Daniel Fürg

Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)
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„Das Wunder auf der Wiese“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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