Stefanie Lütteke ist in einer Kleinstadt
zwischen Ruhrgebiet und Münster aufgewachsen. Sehr beschaulich,
sagt sie. Und alles sehr geordnet.
Dann, elfte Klasse, ein Stipendium des Deutschen Bundestages und
ein Jahr in Utah. Sie nennt es den Türöffner in die große weite
Welt. Und sagt dazu einen Satz, den man nicht oft hört: dass man
dort gelernt hat, die eigene Identität auch mal
hintenanzustellen.
In diesem Jahr liest sie ein Buch. Nicht über Architektur,
sondern über einen Architekten. Danach steht der Berufswunsch
fest. Gegen den Rat ihres Vaters, der lieber "etwas Ordentliches"
gesehen hätte.
Diplom 2001, in einen Markt, in dem für Architekten praktisch
nichts ging. Ein paar Jahre später ruft eine ehemalige Kollegin
an und erzählt von einem Aufbaustudium in Helsinki. Stefanie
überlegt zwölf Stunden und kündigt am nächsten Morgen.
2008 dann der Anruf, auf den sie gewartet hat: Drees
& Sommer, Umbau der Deutschen Botschaft in
Washington. Sie ist schon auf Wohnungssuche. Beim Termin zur
Vertragsunterschrift erfährt sie, dass das Projekt gestoppt ist.
Vierundzwanzig Stunden später sagt sie trotzdem zu.
Achtzehn Jahre ist das her. Heute verantwortet sie als
Partnerin die Region Nordrhein-Westfalen und seit
September 2025 zusätzlich den Vorsitz des ULI in
NRW, was sie in diesem Gespräch erst erwähnt, als ich
sie darauf anspreche.
Wir sprechen über eine Rundreise durch Kanada, die seit einem
halben Jahr minutiös geplant ist, und über drei Entscheidungen,
die sie jeweils über Nacht getroffen hat.
Über Tennis und darüber, dass sie ganz gern gewinnt. Über die
Frage, ob ein Mann jemals gefragt wurde, wo gerade seine Kinder
sind. Über ein kleines Büchlein, das vor jeder Expo Real gefüllt
wird. Über Angela Merkel und die Uneitelkeit.
Und am Ende über das Thema, das ihr gerade am wichtigsten ist:
dass die Immobilienwirtschaft Infrastruktur als Teil der eigenen
Aufgabe begreifen muss. Energie, Mobilität, Datennetze. Nicht als
Sache des Staates.
Ein Gespräch über eine Kleinstadt, ein Buch und ein Stipendium
und über die Frage, warum jemand, der alles plant, die
wichtigsten Entscheidungen über Nacht trifft.
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