Zwischen Microsoft und OpenAI stand jahrelang eine
Vertragsklausel, wie es sie in der Wirtschaftsgeschichte kaum je
gab: Rechte in Milliardenhöhe hingen an der Frage, wann OpenAI
„AGI" erreicht, allgemeine künstliche Intelligenz, und Berichten
zufolge existierte dafür ein bemerkenswerter interner Auslöser,
die festgestellte Fähigkeit der Systeme, rund 100 Milliarden
Dollar Gewinn für die frühen Investoren zu erzeugen. Intelligenz,
übersetzt in einen erwarteten Investorengewinn. Seit dem Umbau
der Partnerschaft im Herbst 2025 muss ein unabhängiges
Expertengremium eine solche AGI-Erklärung verifizieren. Diese
Geschichte erzählt in einer Miniatur, worum es in der Denk-Folge
dieser Woche geht: „AGI" ist eines der mächtigsten Wörter der
Gegenwart, an ihm hängen Billionen-Bewertungen,
Regulierungsdebatten und Endzeit- wie Erlösungserzählungen, und
es ist ein Wort ohne anerkannte Definition. Wer fragt, wie weit
wir davon entfernt sind, bekommt deshalb meistens Antworten auf
völlig verschiedene Fragen.
Die Folge sortiert das Feld mit der gewohnten Trennung von
Messwert, Prognose und Deutung, und mit einer Zusatzregel: Bei
jeder Aussage wird benannt, welche Interessen ihr Absender haben
könnte, auf beiden Seiten der Debatte. Erst die drei
Definitions-Lager, die ökonomische Latte von OpenAI, die
kognitive von Demis Hassabis, der Fundamental-Einwand von Yann
LeCun, samt der Star-Trek-Verhandlung „Wem gehört Data?", die
dieselben Fragen schon 1989 würdevoller führte. Dann die
verrückte Messlage des Jahres 2026: die METR-Zeithorizonte, die
von Sekunden-Aufgaben 2019 zu Aufgaben von anderthalb
Arbeitstagen heute gewachsen sind, gegen den ARC-AGI-3-Test, auf
dem die beste KI im März unter einem Prozent lag und ein halbes
Jahr später, je nach Testaufbau, bei 62,7 oder 99,9 Prozent, ein
37-Punkte-Unterschied, in dem kein besseres Modell steckt,
sondern nur ein anderer Testaufbau. Dazu die zerklüftete Front,
Systeme, die Mathematik-Olympiaden auf Goldniveau bestehen und
oft an einer analogen Uhr scheitern, die Umkehrung der berühmten
Symphonie-Szene aus „I, Robot". Und schließlich das
Prognosen-Scoreboard mit Datum und Kriterium, von Musk über
Altman und Amodei bis zu den Forscher-Befragungen, deren
Mittelwerte Jahrzehnte weiter hinten liegen.
Am Ende steht eine Deutung, die das Kino geprägt hat und die
Wirklichkeit vermutlich widerlegen wird: Skynet erwacht im Film
am 29. August 1997 um 2:14 Uhr, die echte Entwicklung kennt
keinen solchen Moment, sie ist ein Prozess, Aufgabe um Aufgabe,
mit der einen Pointe, dass Verträge und Gremien trotzdem
irgendwann einen formalen AGI-Tag ausrufen können, ein Rechtsakt,
kein Erwachen. Für alle künftigen AGI-Schlagzeilen, und sie
werden kommen, gibt die Folge einen Werkzeugkasten aus drei
Fragen mit: Welche Definition wird benutzt? Was wurde tatsächlich
gemessen, mit welchem Testaufbau? Und welche Interessen hat der
Absender? Die ehrlichste Antwort auf die Frage nach der
Entfernung zur AGI lautet: Niemand weiß es, und je genauer die
Jahreszahl, desto wichtiger die drei Fragen. Alle Messungen,
Studien und Originalquellen stehen auf der Episodenseite.
Mehr Podcasts und Inhalte gibt es unter:
https://48forward.com
Moderation: Daniel Fürg
Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)
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